Inhalt, Gestaltung und Bedeutung der "Teutschen Grammatica" von Valentin Ickelsamer


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Fibel

3 Valentin Ickelsamer

4 Analyse der „Teutschen Grammatica“
4.1 Fakten
4.2 Inhalt
4.2.1 Allgemeiner Aufbau
4.2.2 Lautiermethode
4.3 Typografische Gestaltung
4.3.1 Mikrotypografie
4.3.2 Makrotypografie
4.3.3 Auffälligkeiten
4.4 Beeinflussung des Leselernprozesses
4.5 Zielsetzung

5 Schluss
5.1 Zusammenfassung
5.2 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Valentin Ickelsamers Fibel Eine Teut- sche Grammatica in ihrer Fassung von 1535. Es soll die zentrale Frage geklärt wer- den, inwieweit sie tatsächlich zukunftsweisend gewesen ist, oder ob es nur eine von vielen Fibeln war. Um dies zu bewerkstelligen, wird im Groben chronologisch de- ren Entstehungsgeschichte, Inhalt und Nachwirkung beleuchtet. Es wurden hierbei besonders Quellen aus den beiden Forschungsbereichen Buchwissenschaft und Germanistik herangezogen - so z. B. Reclams Sachlexikon des Buches. Gerade bei dieser prägenden Fibel spielt es eine große Rolle, warum sie eigentlich vom Autor verfasst wurde. Damit dies ausreichend beantwortet werden kann, darf Ickelsamers Leben selbstverständlich nicht außer Acht gelassen werden, weshalb jenes kurz dar- gelegt wird. Anschließend wird sich die Arbeit der „Teutschen Grammatica“ selbst widmen, wobei zunächst über ihre allgemeinen Fakten informiert werden soll. Es folgt ein Überblick über ihren Inhalt und eine Erklärung zur Lautiermethode. Auch ihre damalige typografische Gestaltung darf nicht ignoriert werden, weshalb so- wohl die Mikro-, als auch die Makrotypografie nebst Auffälligkeiten näher betrach- tet werden. Aus diesen beiden Elementen resultiert unter anderem die Beeinflus- sung des Leselernprozesses, welche im Zuge dessen ebenfalls untersucht werden muss. Die Analyse der Fibel endet mit der Bestimmung der Zielsetzung des Autors. Der ausschlaggebende Grund dieses Thema für eine Hausarbeit zu wählen, ist nicht nur das Referatsthema des vorangegangenen Proseminars "’Also lautet ein Be- schluß, daß der Mensch was lernen muß.’" Wechselspiel von Typografie und Le- sen...“ gewesen, vielmehr ebenso das Interesse an eine der ältesten und vor allen Dingen bedeutendsten Fibeln. Eines der Ziele dieser Arbeit ist es außerdem - neben der Klärung der Bedeutung des Buchs - dem Leser einen guten Überblick über I- ckelsamers Hauptwerk zu vermitteln. Doch zugleich ist sie vom Umfang her be- grenzt, aufgrund dessen wird aus dem vorhandenen Quellenmaterial nicht jedes De- tail Verwendung finden können. In den nachfolgenden Ausführungen sollten jedoch die wichtigsten Informationen enthalten sein, um sich ein Bild über das Buch ma- chen zu können. Im Folgenden wird aber zunächst definiert, was es mit dem Begriff „Fibel“ überhaupt auf sich hat.

2 Fibel

Unter einer Fibel (auch ABC- oder Namensbuch) versteht man ein Schulbuch bzw. Lehrbuch, mit dem sowohl Kinder, als auch Erwachsene das Lesen erlernen können. Während für den Leseunterricht in der Spätantike so genannte ABC-Tafeln (erst aus Blei, später aus Papier gefertigt) in religiöser Verbindung mit Psalterien benutzt wurden, die sich vorwiegend auf den Erwerb des Alphabets spezialisierten, etab- lierte sich ab dem 16. Jahrhundert schließlich die Fibel als Buchform; das Wort „Fibel“ selbst ist bereits für das 14. Jahrhundert belegbar. Über die Jahrhunderte hinweg entwickelten sich die Fibeln immer weiter, bald war nicht mehr ausschließ- lich die Entscheidung relevant, ob die klassische Buchstabier-, oder lieber die mo- derne Lautiermethode (oder sogar als eine Mischform beides gleichzeitig) als Kon- zept für das Lesenlernen verwendet werden sollte, auch die Ausgestaltung mittels aussagekräftigen Abbildungen nahm stetig zu. Des Weiteren wurde ihnen nicht nur allein ein pädagogischer Wert beigemessen, ab 1870 gewannen sie zudem für die Autoren (insbesondere die Regierung) an ideologischer Bedeutung, um die Unter- schicht mit dieser massentauglichen Buchform zu instrumentalisieren.1

3 Valentin Ickelsamer

Der Autor der „Teutschen Grammatica“, Valentin Ickelsamer (manchmal auch I- ckelshamer), stammte aus der Umgebung von Rothenburg ob der Tauber, wo er ca. 1500 geboren wurde.2 Er war ein Grammatiker und Gegner Luthers,3 und studierte ab 1518 in Erfurt (Abschluss 1520) und danach in Wittenberg. Dort verkehrte er unter anderem mit namhaften Persönlichkeiten, wie bspw. Martin Luther, Andreas Bodenstein von Karlstadt, Philipp Melanchthon und Johannes Bugenhagen, bevor er sich 1524 in seiner Heimatstadt als Schulmeister und Laienprediger übte. Nach einem niedergeschlagenen Aufstand von Bauern während den Wirren der Reforma- tion im Jahre 1525, indem er für jene (und den sich in der Stadt versteckt gehaltenen Karlstadt) mit seiner Niederschrift Klage etlicher Brüder eine vermittelnde Rolle einnahm, schloss er sich bei der darauf folgenden Flucht Karlstadt selbst an. Da

Ickelsamer deswegen wenig später durch ein Urteil aus Rothenburg verbannt wurde, brachte er 1527 von Erfurt aus sein Werk Die rechte Weis heraus. Einer kurzen Zwi- schenstation als Schulmeister in Arnstadt folgend, verschlug es ihn 1530 nach Augsburg. Hier veröffentlichte er ungefähr 1533 letztendlich seine wichtigste Ar- beit: Eine Teutsche Grammatica.4 Das genaue Datum seines Todeszeitpunkts ist zwar strittig, allerdings dürfte sich dieser wohl um 1541 herum bewegen.5

4 Analyse der „Teutschen Grammatica“

4.1 Fakten

Die Schrift Ickelsamers ist die erste Teutsche Grammatica des Deutschen überhaupt, bei der es sich zudem nicht um eine Übersetzung einer lateinischen Grammatik, wie etwa die des Donat, ins Deutsche handelt:6

Überdies gehört sie in ihrem Original, neben der ebenfalls vorher von Ickelsamer verfassten „Rechten Weis“, zu den bibliographischen Seltenheiten.7

Wegen des Titels: Teutsche Grammatik, rechtfertigt er sich so: er habe seinem Büchlein diesen Namen gegeben, weil es die besten und fürnehmsten Stücke der Grammatik behandle, nämlich den Verstand der Buchstaben, des Lesens und der deutschen Wörter. Deutsch Deklinieren und Conjugieren lernen die Kinder besser (schneller) von der Mutter, als aus der Grammatik, daher halte er dies für sein so notwendiges Stück der deutschen Grammatik. Wenn aber jemand die acht Theile der Rede (partes orationis) recht verteutschte und er- klärte mit ihren Accidentien und Zugehörungen zum rechten gründlichen Ver- stand der deutschen Wörter und Rede, samt einer guten deutschen Syntari und Construktion, das wäre eine deutsche Grammatik zu nennen.8

Über die Datierung ihres Erstdrucks scheiden sich die Geister: frühestens 1533, so wie spätestens 1534 klingen plausibel, wobei der Autor selber Augsburg als gesicherten Entstehungsort erwähnt. Eine erweiterte Fassung wurde 1535 in Augsburg, eine weitere 1537 in Nürnberg nachgedruckt. Diese enthielt zusätzlich ein pädagogisch-religiöses Lesebüchlein, welches nach Ickelsamers Weltanschauung bzw. Vorstellungen gestaltet war. Überdies erschien die „Teutsche Grammatica“, aufgrund ihrer sprachwissenschaftlichen Bedeutung, mehrfach in verschiedenen Editionen bis ins 21. Jahrhundert hinein.9

4.2 Inhalt

4.2.1 Allgemeiner Aufbau

Ickelsamers Hauptwerk nimmt sich der Aufgabe an, Schülern und Lehrern die Grammatik in Theorie und Didaktik näherzubringen. Hierbei legt er den Fokus da- rauf, der deutschen Sprache eine eigene Struktur zu verleihen, die sich lediglich auf der lateinischen stützt.10 Nach einem Vorwort, in dem er den ursprünglichen Grund des Lesenlernens mit dem Verstehen der Bibel verknüpft, beginnt er zunächst mit einer Erläuterung zu den Buchstaben per se,11 bevor er sich den Lauten zuwendet. Der Autor betont besonders eine nötige Eigenständigkeit der Laute ä,öund ü, und zieht dazu als Begründung einen Vergleich mit der jüdischen Sprache heran. Da- nach geht er erst auf die „Lautbuchstaben“ (oder Vokale) a, e, i, y, o, v und u genauer ein, um dann mit den „mitlautenden Buchstaben“ (oder Konsonanten) c, z, f, g, h, l, m, n, w, r, s und x, sowie den „ganz heimlichen Buchstaben“ (ebenso Konsonan- ten) b, p, d, t, k und q fortzusetzen. Schließlich rundet er seine Ausführungen mit dem ausdrücklichen Hinweis auf das Beachten einer korrekten Orthographie des Deutschen - wie beim Lateinischen - samt zweier Regeln und Beispiele hierzu ab. Ab dem nachfolgenden Kapitel beschreibt Ickselsamer detailliert, wie man selbst- ständig lesen lernen kann. Dafür verwendet er beispielhaft einsilbige Wörter, wie „Hund“ oder „Katz“, die seines Erachtens nun sogar ohne das Wissen über das Alp- habet gelesen werden können. Im Anschluss daran wendet er sich der Gestalt der Buchstaben zu. Zur Unterstützung des Lernprozesses sieht er darum Beiwerk in Form von Tafeln vor, auf denen passende Tiere mit ähnlichen Lautgeräuschen ab- gebildet sind, wie es bei den Buchstaben selbst der Fall ist.12 Ferner stellt er rich- tigerweise fest, dass es eine doppelte Lautbezeichnung bei bestimmten Buchstaben gibt - so z. B. bei c und z. Auch die Sonderfälle sch, ng und qu finden Erwähnung, welche eine Diskrepanz zwischen der Schreibweise und Aussprache der Laute auf- weisen. Diese Probleme stellen sich in seinen Augen beim Lesen zuweilen als hin- derlich dar.13 Er fährt mit einer Erklärung bezüglich Diphthongen und geflochtenen Silben fort,14 bevor er kurz allgemein über die Zusammensetzung mehrsilbiger Wörter und Trennregeln informiert. Es folgt ein ausführlicher Bericht zur ihm wich- tigen Etymologie und Orthographie, welcher erneut mit vernünftigen Beispielen untermalt wird. Im Zuge dessen rät er zur Vermeidung des Gebrauchs von doppel- konsonantischen Wörtern à la man und Mann. Zum Festigen des bisher Gelernten hat er eine sinnvolle Leseübung hinzugefügt. Abschließend wagt er einen (trotz vorbildhafter Beispiele) unzureichenden Ausflug in die Interpunktion.15

4.2.2 Lautiermethode

Bis zum Erscheinen der „Teutschen Grammatica“ existierte für den Leseunterricht ausschließlich die klassische Buchstabiermethode. In ihrer Starrheit sah diese vor, dass primär die Buchstaben stur auswendig gelernt werden mussten, als Nächstes wurde syllabiert und erst am Ende lasen die Schüler ganze Wörter und Texte. Dieser unflexible und vor allem langwierige Prozess war für Ickelsamer der Beweggrund, eine komplett neue Methode des Lesenlernens zu entwickeln: nämlich die Lautier- methode.16

Das Lesenlernen teilt Ickelsamer in Distanzierung vom bisherigen Leseunterricht in zwei Phasen: Segmentierung der Lautwerte aus dem Lautkontinuum gesprochener Worte (Lautiermethode) u. Zuordnung der Lautwerte zu den Lautzeichen (Buchstaben).17

[...]


1 Vgl. Rautenberg, Ursula: Reclams Sachlexikon des Buches, Ditzingen 2003, S. 214-216.

2 Vgl. Looß, Sigrid: Bibliotheca Dissidentium, Band 27, Baden-Baden 2012, S. 81.

3 Vgl. Kühlmann, Wilhelm: Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraums, Huh Kräf: Band 6, Berlin 2009, S. 34.

4 Vgl. Looß, Sigrid: Bibliotheca Dissidentium...[...], S. 81-85.

5 Vgl. Kühlmann, Wilhelm: Killy Literaturlexikon...[...], S. 34.

6 Habermann, Mechthild: Valentin Ickelsamer: Teutsche Grammatica (um 1535). In: Rühr, Sandra; Kuhn, Axel: Sinn und Unsinn des Lesens: Gegenstände, Darstellungen und Argumente aus Geschichte und Gegenwart, Göttingen 2013, S. 103.

7 Vgl. Weigand, Friedrich Ludwig Karl: Vier seltene Schriften des sechzehnten Jahrhunderts, Berlin 1882, S. 9.

8 Kohler, Ludwig: Valentin Ickelsamers Teutsche Grammatica, Freiburg im Breisgau und Tübingen 1881, S. 6.

9 Vgl. Looß, Sigrid: Bibliotheca Dissidentium...[...], S. 120 f.

10 Vgl. a. a. O., S. 121.

11 Ickelsamer, Valentin: Teutsche Grammatica, Augsburg ca. 1535, S. 14-27.

12 Vgl. Kohler, Ludwig: Valentin Ickelsamers...[...], S. 8.

13 Vgl. a. a. O., S. 9.

14 Vgl. Ickelsamer, Valentin: Teutsche Grammatica...[...], S. 48 f.

15 Vgl. Kohler, Ludwig: Valentin Ickelsamers...[...], S. 9 f.

16 Vgl. Schründer-Lenzen, Agi: Schriftspracherwerb und Unterricht: Bausteine professionellen Handlungswissens, 2. Auflage, Wiesbaden 2007, S. 133 f.

17 Kühlmann, Wilhelm: Killy Literaturlexikon...[...], S. 34.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Inhalt, Gestaltung und Bedeutung der "Teutschen Grammatica" von Valentin Ickelsamer
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Buchwissenschaft)
Veranstaltung
Wechselspiel von Typografie und Lesen
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V300260
ISBN (eBook)
9783656965596
ISBN (Buch)
9783656965602
Dateigröße
942 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Bilder sind im Text enthalten.
Schlagworte
inhalt, gestaltung, bedeutung, teutscher, grammatica, valentin, ickelsamer
Arbeit zitieren
David Kraus (Autor), 2014, Inhalt, Gestaltung und Bedeutung der "Teutschen Grammatica" von Valentin Ickelsamer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300260

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