Marktsegmentierung im Kreuzfahrtenbereich. Soziodemografische Segmentierung


Akademische Arbeit, 2006
58 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Darstellungsverzeichnis

2 Abkürzungsverzeichnis

3 Einführung

4 Segmentspezifische Betrachtung des Kreuzfahrtmarktes
4.1 Abgrenzung des relevanten Marktes
4.2 Soziodemographische Segmentierung
4.2.1 Alter
4.2.2 Einkommen
4.2.3 Bildung
4.2.4 Lebensphasen
4.2.4.1 Ruheständler
4.2.4.2 Familien
4.2.4.3 Singles

5 Fazit

6 Anhang I: Studienkreuzfahrten

7 Anhang II: Familiengerechte Kreuzfahrtschiffe

8 Literaturverzeichnis inkl. weiterführender Literatur

9 Quellenverzeichnis

10 Dokumentation des verarbeiteten elektronischen Materials

1 Darstellungsverzeichnis

Darst. 1: Altersgruppen der Kreuzfahrtgäste (2004)

Darst. 2: Bearbeitung der altersspezifischen Segmente national/international (2002)

Darst. 3: Klassische Kreuzfahrten (Auszug)

Darst. 4: Reiseintensität nach Einkommensgruppen (2003)

Darst. 5: In- und Auslandsreiseintensität nach Einkommenssegmenten (2004)

Darst. 6: Luxusreedereien

Darst. 7: Grand Lobby

Darst. 8: Vierbettkabine auf der „EasyCruiseOne“

Darst. 10: Familienlebenszyklus

Darst. 11: Lebensphasenorientierte Zielgruppenbildung

2 Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Einführung

Bereits seit über 100 Jahren kreuzen Schiffe zu touristischen Vergnügungen über die Meere dieser Welt. Doch waren diese Reisen stets nur einem sehr kleinen Personenkreis vorbehalten. Die Produkte wurden einfach am Markt platziert, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse potentieller Kunden zu nehmen. Seit einiger Zeit allerdings ist ein ganz anderes Bild zu beobachten: Millionen von Menschen mit verschiedensten sozialen Merkmalen, Ansprüchen und Interessen tummeln sich auf den Kreuzfahrtschiffen. Ein regelrechter Boom ist entstanden, allein in Deutschland stiegen die Passagierzahlen innerhalb eines Jahrzehntes um 130 Prozent.[1]Wie lässt sich das erklären?

Vor dem Hintergrund des allgemeinen gesellschaftlichen Strukturwandels der vergangenen Jahre (z.B. reiseerfahrenere bzw. kritischer werdende Kunden, gestiegenes Bildungsniveau, Herauskristallisierung diverser Lebensstile) differenzierten sich die Erwartungen und Ansprüche der einzelnen Kunden immer mehr voneinander, und zwar in allen Lebensbereichen. Reisen, speziell auch Kreuzfahrten, stellen dabei keine Ausnahme dar. Die Seereisenanbieter erkannten, dass sie den gewachsenen Anforderungen in ihrer bisherigen Vorgehensweise - den Gesamtmarkt mit einem Einheitsprodukt zu bearbeiten – in keiner Weise mehr Stand halten können. Infolgedessen begannen sie, marktsegmentorientiert zu operieren, sich also einzelnen Zielgruppen anzunehmen und ihr Angebot an deren spezifischen Bedürfnissen auszurichten.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, den Kreuzfahrtmarkt segmentspezifisch darzustellen. Dabei wird zunächst dieser Kreuzfahrtmarkt eingegrenzt und danach auf die soziodemographische Segmentierung dessen eingegangen. Dabei wird auf Alter, Einkommen, Bildung und Lebensphase der Kreuzfahrtpassagiere eingegangen.

4 Segmentspezifische Betrachtung des Kreuzfahrtmarktes

4.1 Abgrenzung des relevanten Marktes

Es existieren auf globaler Ebene zahlreiche Kreuzfahrtmärkte. Allerdings gestaltet es sich als sehr schwierig, ausreichend Informationen über alle potentiellen Nachfrager und Anbieter weltweit zu bekommen. Darüber hinaus würde die Berücksichtigung aller Märkte den Rahmen dieser Arbeit erheblich sprengen. Aus diesem Grund ist es für die nachfolgenden marktsegmentspezifischen Untersuchungen angebracht, aus der Vielzahl vorhandener kreuzfahrtspezifischer Marktbeziehungen einen relevanten Teilmarkt einzugrenzen. Solch eine Abgrenzung erfolgt in der Regel nach räumlichen (Absatzgebiete), zeitlichen (Zeitraum der Marktbetrachtung) sowie sachlichen (Produkte/Produktgruppen) Aspekten.[2]

Bezüglich Gebiet (Deutschland) und Produkt (derKreuzfahrtenmarkt wurde innerhalb des Tourismussektors für segmentspezifische Betrachtungen auserkoren; hierbei soll speziell derHochseebereichbeleuchtet werden) sind bereits im Vorfeld Abgrenzungen vonstattengegangen. Folglich muss nur noch der zeitliche Rahmen festgelegt werden. Dieser wird sich größtenteilszwischen 1992 und heutebewegen.

4.2 Soziodemographische Segmentierung

4.2.1 Alter

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nachSchüßler,O., Kreuzfahrtenmarkt 2004, 2005, S. 18.

Darst. 1: Altersgruppen der Kreuzfahrtgäste (2004)

Regelmäßige Untersuchungen belegen, dass das Alter kaum einen Einfluss auf das allgemeine Reisegeschehen ausübt. Hierbei stellt auch der Kreuzfahrtenmarkt als Teilbereich des Tourismus keine Ausnahme dar: Sämtliche Altersgruppen sind an Bord von Kreuzfahrtschiffen anzutreffen (s. Darst. 1). Bezüglich des Passagieraufkommens sind zwischen den einzelnen Segmenten jedoch erhebliche Differenzen erkennbar.

Bei den unter 25-Jährigen können sich nur etwa zehn Prozent für eine Reise auf hoher See begeistern. Dieser Umstand beruht darauf, dass speziell bei den 15-25-Jährigen größtenteils Spaß, Unterhaltung und gemeinsame Erlebnisse im Vordergrund stehen. Kreuzfahrten werden für derartige Bedürfnisse in aller Regel jedoch nicht in Betracht gezogen. Allenfalls in Begleitung von Eltern oder Großeltern können die Seereisen-Anbieter Mitglieder dieser Altersgruppe an Bord ihrer Schiffe willkommen heißen.

Eine aus dem Jahr 1993 stammende Untersuchung zeigt allerdings, dass junge Kreuzfahrer dem Produkt Seereisen sehr positiv gegenüberstehen und in der Zukunft immer wieder selbst an Kreuzfahrten teilnehmen wollen.[3]Sie stellen somit die zukünftigen Nachfrager dar. Bei zurzeit fünf Millionen Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren (dies entspricht einem Anteil von 7,8 Prozent an der deutschen Gesamtbevölkerung), ist somit ein gewisses Potential vorhanden, auch wenn ihr Anteil aufgrund der tendenziell anhaltenden rückläufigen Geburtenraten in den nächsten Jahren kontinuierlich sinken wird. Darüber hinaus weist die Altersgruppe eine überdurchschnittliche Reiseintensität[4]auf. Diese lag im Jahr 2001 bei 79 Prozent; die der Gesamtbevölkerung betrug dagegen im Mittel 76 Prozent.[5]

Viele Kreuzfahrtanbieter haben das in der Vergangenheit erkannt und konzentrieren sich mit speziellen Angeboten auf das Segment. Aida Cruises etwa offeriert ausgefallene Jugendtarife. So sollen mit Rabatten von bis zu 25 Prozent auf den Gesamtpassagepreis 16-24-Jährige zu einer Kreuzfahrt animiert werden.[6]Die Carnival Cruise Line errichtete auf ihren Schiffen in Kooperation mit Coca-Cola so genannte „O2-Clubs“. Diese richten sich ausschließlich an Passagiere im Alter von 15 bis 17 Jahren und verfügen neben Tanzflächen und Großbildleinwänden (auf ihnen werden Filme und Musikvideos gesendet) über eine „Coke-tail“-Lounge, in der die Heranwachsenden Produkte des Getränkeherstellers ausgeschenkt bekommen.[7]

Andere Reedereien wiederum statten ihre Cruise-Liner mit verschiedensten Unterhaltungs- und Sporteinrichtungen aus. Dazu wird an anderer Stelle noch ausführlich eingegangen.

Dominierendes Alterssegment auf hoher See sind über 55-Jährige. Die Mitglieder dieser Gruppe lassen sich wie folgt charakterisieren:

Im Mittelpunkt ihrer Reisen stehen insbesondere Entspannung und das Kennen lernen fremder Länder und Kulturen. Auf Bequemlichkeit und eine anspruchsvolle Unterbringung mit gehobenem Service will dabei aber nur bisweilen verzichtet werden. Für die Urlaubsgestaltung werden bevorzugt Pauschalreiseveranstalter in Anspruch genommen, da auf diese Weise die Organisation mit einem vergleichsweise geringen Aufwand verbunden ist. So griff 2001 knapp die Hälfte von ihnen auf Pauschalangebote zurück.[8]

Der Zeitpunkt für ihre Reisen ist in der Regel völlig frei von äußeren Pflichten planbar, d.h. er muss nicht mehr an den Wünschen anderer Mitmenschen (z.B. Arbeitgeber) oder an Ferienterminen ausgerichtet werden. Zwar verbringt die Mehrheit ihren Urlaub in den Monaten Juni, Juli oder August (im Jahr 2002 waren es 35 Prozent); häufiger als bei den anderen Altersgruppen wird er aber auch im Frühling oder Herbst getätigt. Ebenso unterscheidet sich die Reisedauer von denen der anderen Altersegmente. Durchschnittlich sind sie 14 Tage unterwegs; bei den jüngeren Altersgruppen sind es im Mittel 13,8 Tage.[9]

Wie bei allen deutschen Reisenden ist auch bei den über 55-Jährigen das eigene Land gegenwärtig noch die beliebteste Urlaubsdestination. So wählten im Jahr 2001 44 Prozent ein Ziel in Deutschland; bei den über 70-Jährigen waren es sogar mehr als die Hälfte. Eine von der Forschungsgemeinschaft „Urlaub und Reisen“ erstellte Studie prognostiziert allerdings, dass 2020 nicht einmal mehr 20 Prozent der über 60-Jährigen ihren Urlaub in deutschen Regionen verbringen werden.[10]Die Sehnsucht nach Sonne und Wärme (gut ein Drittel der älteren Reisenden legt darauf besonderen Wert) treibt viele von ihnen in südlichere Gefilde. Darüber hinaus nutzt die Zielgruppe heute viel häufiger das Flugzeug als Transportmittel, was somit Urlaube in fernere Gebiete ermöglicht. Innerhalb Europas wird insbesondere der südeuropäische Raum bereist. Spanien ist hierbei, wie auch bei allen Reisenden, am beliebtesten. Aber auch die skandinavischen Länder werden überdurchschnittlich oft von ihnen aufgesucht. Bei den Fernreisezielen stehen vorrangig die Badeziele des nördlichen Afrika sowie die Türkei, Nordamerika und Asien an erster Stelle.[11]

Im Gegensatz zu den jüngeren Altersgenossen sind die über 55-Jährigen während ihres Urlaubs sehr aktiv. So nutzen 61 Prozent der 14- bis 29-Jährigen, 62 Prozent der 30- bis 39-Jährigen und sogar 64 Prozent der 40- bis 59-Jährigen ihre Reisen für „häufiges“ bis „sehr häufiges“ Ausruhen und viel Schlaf. Bei der älteren Generation sind es gerade einmal um die 40 Prozent. Zu ihren wichtigsten Aktivitäten auf Reisen zählen Ausflüge (hierbei speziell der Besuch von kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten sowie Naturattraktionen), Wanderungen und der Verzehr von gutem Essen und Trinken.[12]

Zwar hat sich in den vergangenen Jahren auch in den höheren Altersgruppen ein genereller Wertewandel vollzogen – so sind die über 55-Jährigen im Vergleich zu ihren Eltern und Großeltern im gleichen Alter heutzutage viel lebens-, unternehmens-, genuss- und konsumfreudiger - trotzdem unterscheiden sich einige ihrer Wertvorstellungen ganz erheblich von denen der restlichen Bevölkerung. Beispielsweise spielen Recht und Ordnung, aber auch das Streben nach Sicherheit und zwischenmenschliche Kontakte eine herausragende Rolle. Darüber hinaus nimmt die Pflege von Traditionen einen hohen Stellenwert ein.[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung anPollak,A./Pollak-Lenke,G., Kreuzfahrtenmarkt 2002, 2003, S. 18.

Darst. 2: Bearbeitung der altersspezifischen Segmente national/international (2002)

Generell ist erkennbar, dass die deutschen Veranstalter und Reeder bevorzugt das soeben dargestellte Segment bearbeiten (s. Darst. 2); die Altersgruppen 26 bis 55 Jahre werden dagegen überwiegend von den internationalen Reedereien favorisiert. So beträgt das Durchschnittsalter deutscher Carnival-Gäste 45 Jahre[14], bei Royal Caribbean Cruises sind die Kreuzfahrer im Mittel gar nur 40 Jahre alt[15]. Ihre verschiedenen Programme werden im Verlauf dieser Arbeit noch ausführlich besprochen.

Maßgeblich für die Konzentration auf die ältere Generation ist das Festhalten vieler (deutscher) Anbieter am herkömmlichen klassischen Kreuzfahrtenkonzept (u.a. Deilmann Reederei, Delphin-Seereisen,– s. Darst. 3), das, wie im Folgenden dargestellt, ideal auf diese Zielgruppe zugeschnitten ist.

Bei dieser Kreuzfahrtenform steht – ganz in der Tradition der Linienschifffahrt - eindeutig die Seereise im Mittelpunkt. In der Regel kommen zeitgemäße mittelgroße Schiffe mit meist hohem Komfort zum Einsatz. Sie dienen vor allem als schwimmendes Hotel und bieten dem Fahrgast, egal in welchem noch so unwirtlichen Gebiet der Erde er sich befindet, ein Refugium der Sicherheit und des westlichen Lebensstandards. Das Bordleben ist überwiegend von Geruhsamkeit und Bequemlichkeit geprägt. Besonders beliebt sind auf diesen Schiffen traditionelle Spiele wie Shuffleboard, Tontaubenschießen, Schach und Bingo. Trotzdem sind ebenso auch gegenwärtige Unterhaltungselemente zu finden. So werden hochklassige Abendprogramme, Konzerte, Vorträge sowie Tanz- und Aktivkurse (u.a. Seidenmalerei, Fotografie) offeriert. Auf den klassischen Kreuzfahrten der amerikanischen Reedereien wiederum gehören Casinos zur Standardeinrichtung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Zusammenstellung

Darst. 3: Klassische Kreuzfahrten (Auszug)

Ferner erwarten den Gast an Bord ein ausgezeichneter Service sowie eine qualitativ hochwertige Verpflegung. Dass dabei täglich fünf, sechs oder teilweise auch mehr Mahlzeiten angeboten werden, stört die Klientel in keiner Weise. Vielmehr wünschen sich die über 55-Jährigen sogar solch eine umfangreiche Beköstigung.[16]

Die gesamte Fahrt ist stets von einem Hauch Exklusivität und Luxus umgeben. Ebenso wenig fehlen Rituale wie der klassische Kapitänsempfang oder Gala-Abende. Letztere beginnen „mit der Kleiderauswahl und dem Besuch im Frisier- und Schönheitssalon der Damen, geh[en] über den Cocktail in Dinner Jackett, Smoking und Abendkleid an der Bar sowie Champagner, Kaviar und Hummer beim Abendessen und ende[n] mit dem traditionellen Einzug der Stewards mit den berühmten brennenden Eistorten“.[17]Die Deilmann Reederei ist hierfür besonders bekannt.

Trotz der Beibehaltung vieler Traditionen gehen auch diese Schiffe mit dem Trend der Zeit. Viele verfügen beispielsweise über moderne Wellness- und Fitnessoasen – Einrichtungen, die der älteren Klientel besonders zusagen, nimmt der Aspekt Gesundheit gerade bei ihnen einen hohen Stellenwert ein. So gaben im Jahr 1999 47 Prozent aller befragten Personen über 70 Jahre an, während des Urlaubs ihrem Körper etwas Gutes tun zu wollen.[18]

Reiseroute und Fahrtgebiet spielen bei klassischen Kreuzfahrten die entscheidende Rolle. Der Gast hat die Wahl zwischen unzähligen Angeboten in nah und fern. Neben klassischen Zielen (u.a. Mittelmeerraum, Karibik und Nordeuropa) werden ebenso exotischere Destinationen wie Israel (z.B. Hansa-Kreuzfahrten), Südafrika (u.a. Phoenix Reisen), Dubai (u.a. Plantours & Partner), die Südsee (z.B. mit Hapag-Lloyd) oder Japan, China und Südkorea (Silversea Cruises) angesteuert. Die Landausflüge werden größtenteils in Gruppen angeboten und haben überwiegend kulturhistorische und landschaftliche Themen zum Inhalt. Bei Phoenix Reisen steht auf den Mittelmeerkreuzfahrten beispielsweise der Besuch der „Pyramiden von Gizeh“ auf dem Programm; bei den Asienreisen der „Delphin Renaissance“ kann die „Große Mauer“ besichtigt werden. Die Kanada/Grönland-Fahrt der „Astor“ ermöglicht sogar einen Abstecher zu den „Niagara-Fällen“.

Traditionelle Kreuzfahrten dauern in der Regel zehn Tage bis drei Wochen und werden ganzjährig angeboten. So sind bei Delphin-Seereisen keine Reisen kürzer als zwölf Tage und innerhalb eines Jahres werden nur wenige Häfen doppelt angelaufen.[19]

Für die Anreise zu den Häfen bieten sich den Gästen die verschiedensten Möglichkeiten. Von der bequemen Busanfahrt über den Flug in der Business-Class und Shuttle-Transfer zum Schiff bis hin zum Limousinen-Service (abhängig vom jeweiligen Einschiffungshafen), der an der Haustür beginnt, haben die Anbieter alles im Angebot. Einige Veranstalter kümmern sich sogar um das Gepäck, das durch eine Vermittleragentur von zu Hause direkt auf das Schiff in jeden Hafen der Welt geschickt wird.

4.2.2 Einkommen

Anhand der Einkommenshöhe lässt sich der Kreuzfahrtenmarkt nach den finanziellen Möglichkeiten seiner potentiellen Nachfrager aufspalten.

Nach den Ergebnissen der Allensbacher Werbeträger-Analyse standen dem Großteil der Deutschen (ca. 55 Prozent) im Jahr 2004 1.000 bis 2.499 Euro an monatlichem Nettoeinkommen zur Verfügung. Knapp 23 Mio. Bundesbürger gehörten den oberen Einkommensklassen (< 2.500 €) an, wobei etwa zwei Fünftel von ihnen sogar über mehr als 3.500 Euro monatlich verfügten. Elf Prozent aller Haushalte mussten dagegen mit weniger als 1.000 Euro im Monat auskommen. Dass die Einkommensverteilung in den deutschen Privathaushalten von großer Ungleichheit geprägt ist, ist damit unverkennbar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung anAderhold,P., Reiseanalyse 2004, 2004, S. 18.

Darst. 4: Reiseintensität nach Einkommensgruppen (2003)

Letztendlich sind dadurch die Reisechancen der Einzelnen maßgeblich beeinträchtigt. So steigt die Reiseintensität grundsätzlich mit zunehmendem Haushaltsnettoeinkommen an (s. Darst. 4). Auch können sich die betuchteren Segmente viel häufiger mehrere Urlaubsreisen pro Jahr leisten. 1990 etwa verreiste ein Fünftel aus der höchsten Einkommensklasse mehrmals; bei allen Reisenden waren es durchschnittlich gerade einmal zwölf Prozent.[20] Darüber hinaus gestatten höhere Einkommen, den Urlaub in weiter entfernten Destinationen zu verbringen. 75 Prozent aus den einkommensstärksten Gruppen reisten 2004 bevorzugt ins Ausland (s. Darst. 5). Fernreisen (u.a. USA, Südostasien) liegen hierbei besonders im Trend.[21] Reisende aus den unteren Einkommensklassen sind indes häufiger in Deutschland oder dem nahen europäischen Ausland (Mittelmeerländer) unterwegs.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung anAderhold,P., Reiseanalyse 2005, 2005, S. 48.

Darst. 5: In- und Auslandsreiseintensität nach Einkommenssegmenten (2004)

Personen mit einem Nettohaushaltseinkommen unter 500 Euro (4,4 Prozent aller Haushalte im Jahr 2000)[22]müssen größtenteils sogar gänzlich auf eine Urlaubsreise verzichten, da die wenigen zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel in erster Linie für allgemeine Lebenshaltungskosten sowie Alters- und Krankenvorsorge aufgewendet werden. Für Reisen bleiben da kaum Reserven.

Die derzeitige Wirtschaftsentwicklung in Deutschland lässt auch für die nahe Zukunft nur spärlich auf wesentlich günstigere Einkommensverteilungen hoffen. Für weite Teile der Bevölkerung werden die Nettoeinkommen voraussichtlich real eher sinken als steigen. Dafür sprechen die unverändert hohen Arbeitslosenzahlen, die hohen Kosten der immer älter werdenden deutschen Bürger sowie die hohe Steuerlast. Vielmehr ist stetig die Rede von einer wachsenden „Verteilungsschieflage“, d.h. die Spaltung der Bevölkerung in „arm“ und „reich“ wird zunehmend extremer. „Auf der einen Seite [wird es] Menschen [geben] mit viel Zeit und wenig Geld .., auf der anderen Seite solche mit viel Geld und wenig Zeit.“[23]

Das Leben wohlhabender Bevölkerungsschichten ist größtenteils von Exklusivität und Außergewöhnlichem geprägt. Naturgemäß wollen diese Vorlieben auch auf Reisen vollends ausgelebt werden. Die Wahl der Reiseform spielt aus diesem Grund eine entscheidende Rolle. Im Rahmen von Seereisen bieten sich hierbeiLuxuskreuzfahrtenin beispielhafter Weise an. Viele Reedereien, u.a. Hapag-Lloyd, Silversea Cruises, die Cunard Line und Crystal Cruises (s. Darst. 6), offerieren solche Reisevergnügen ab Tagespreisen von 375 Euro. An Bord erwarten den Reisenden luxuriöse Einrichtungen, eine exzellente Gastronomie und hochklassiger Service. Dieser beginnt schon mit dem Augenblick des Einschiffens, indem die Passagiere mit einem Glas Champagner willkommen geheißen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Zusammenstellung

Darst. 6: Luxusreedereien

Für ausreichend Privatsphäre stehen den Reisenden auf allen Cruise-Linern eine große Anzahl von Suiten (auf den Silversea-Schiffen sogar ausschließlich) und Appartements zur Verfügung, die geräumig (bis zu 209 m²) und geschmackvoll eingerichtet sind Angefangen bei exquisiter Bettwäsche, luxuriösen Bademänteln und Handtüchern, über begehbare Kleiderschränke, TV, Video, DVD und Internetanschluss bis hin zu privaten Balkonen sowie Marmorbädern mit Whirlpool ist alles vorhanden, damit sich die Gäste rundum wie zuhause fühlen. Die Penthouse Kabinen der Crystal Cruise-Schiffe und der „Queen Mary 2“ sind größtenteils sogar mit Gästebadezimmern und privaten Fitnessstudios ausgestattet. Persönliche Butler kümmern sich rund um die Uhr um das Wohlergehen der Passagiere. Egal, ob ein Frühstück im Bett oder ein Snack spät abends in der Kabine gewünscht wird, alles wird ohne zusätzliche Kosten serviert. In den hochklassigen Restaurants werden die Gäste von internationalen Starköchen verwöhnt.

AlsdasGrand Hotel auf See wird die „Europa“ von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten bezeichnet. Bereits zum fünften Mal in Folge wurde das Schiff vom „Berlitz Cruise Guide“[24]als einziges weltweit mit dem Prädikat 5-Sterne-plus ausgezeichnet. Dies liegt nicht nur daran, dass die „Europa“ in großartigster Weise die Tradition der luxuriösen Kreuzfahrt mit der Innovation und dem Komfort der Moderne in sich vereint. Vielmehr bietet sie eines der größten Raumangebote pro Passagier auf hoher See sowie einen der aufmerksamsten und zuvorkommendsten Services. So werden Drinks auf Baumwoll-Untersetzern serviert – nicht auf Papier, das gesamte Schiff ist mit frischen Blumen dekoriert und beim Sonnenbaden besprüht der Steward auf Wunsch den Körper mit Evian-Wasser.[25]Darüber hinaus ist das Sport- und Wellnessprogramm (u.a. Fitnesscenter mit einer großen Auswahl an modernen Sportgeräten, Sauna, Japanisches Bad, Massagen nach verschiedenen Methoden, Solarium, Dampfbad) von hervorragender Qualität.

Neben klassischen Fahrtgebieten wie dem Mittelmeer oder den nordeuropäischen Küsten (Ost- und Nordsee sowie Großbritannien) ist die „Europa“ vorwiegend in abgelegeneren Destinationen unterwegs. So stehen beispielsweise für 2006 Libyen, Tasmanien, Neuseeland und der Gambia-River auf dem Programm. Die Tagespreise belaufen sich je nach Reiseroute und Reisedauer auf ca. 450 bis 550 Euro. Zwei Wochen östliches Mittelmeer kosten zum Beispiel ab 5.990 Euro, eine 16-tägige Kreuzfahrt durch die Südsee ist ab 8.890 Euro zu haben.[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:Cunard Line, Queen Mary 2, 2004.

Darst. 7: Grand Lobby

Aber auch andere Schiffe wie etwa die „Queen Mary 2“ stehen dem Hapag-Lloyd-Flagschiff in stilvoll-luxuriösem Ambiente in keiner Weise nach. Schon beim Betreten der eleganten Grand Lobby mit ihrer imposanten klassischen Treppe spürt der Gast die Eleganz, die von dem Schiff ausgeht (vgl. Darst. 7). Ein ähnliches Gefühl kommt in den edel eingerichteten Suiten und Appartements auf, die zudem mit eigenem Butler- und Concierge-Service aufwarten. Für kulinarische Genüsse stehen diverse Gourmet-Tempel mit italienischen, asiatischen und englischen Spezialitäten bereit.

Bevorzugte Reiseziele der „Königin“ sind die karibischen Gewässer und Europa. Eine 7-tägige Karibik-Kreuzfahrt kann beispielsweise in der niedrigsten Deluxe-Klasse ab 2.330 Euro gebucht werden, in der höchsten Kategorie (Grand Duplex Appartements) schlägt eine solche Reise mit durchschnittlich 17.000 Euro pro Person zu buche.[27]

[...]


[1]Vgl. Schüßler, O., Kreuzfahrtenmarkt 2004, 2005, S. 9.

[2]Vgl.Freyer,W., Tourismus-Marketing, 2001, S. 178ff.

[3]Vgl.Hockmann,M., Seetouristikleistungen, 1993, S. 205.

[4]Die Reiseintensität gibt den Anteil an einer Gruppe an, der mindestens eine Reise pro Jahr unternimmt.

[5]Vgl.Danielsson,J./Lohmann,M./Sonntag,U., Urlaubsreisen der Jugendlichen, 2003, S. 5.

[6]Vgl.Aida Cruises, Katalog, 2005, S. 6.

[7]Vgl.o.V., Carnival, 2005.

[8]Vgl.Danielsson,J./Lohmann,M., Urlaubsreisen der Senioren, 2003, S. 11.

[9]Vgl.Danielsson,J./Lohmann,M., Urlaubsreisen der Senioren, 2003, S. 6, 12.

[10]Vgl.Heeren,A., Seniorentourismus, 2004, S. 79.

[11]Vgl.Danielsson,J./Lohmann,M., Urlaubsreisen der Senioren, 2003, S. 7ff.

[12]Vgl.Danielsson,J./Lohmann,M., Urlaubsreisen der Senioren, 2003, S. 16.

[13]Vgl.Leimer,S., Seniorenreisen, 1997, S. 30f.

[14]Vgl. S. 165ff. (persönlicher E-Mail-Kontakt mit HerrnX).

[15]Vgl.Jaitner,P., Mit voller Kraft, 2003.

[16]Vgl.Schäfer,C., Kreuzfahrten, 1998, S. 189.

[17]Schäfer,C., Kreuzfahrten, 1998, S. 190.

[18]Vgl.Danielsson,J./Lohmann,M., Urlaub, 2000, S. 15.

[19]Vgl.Gürtler,M., Alter Stil, 2004.

[20]Vgl.Mundt,J., Tourismus, 2001, S. 65.

[21]Vgl.Danielsson,J./Lohmann,M., Urlaub, 2000, S. 48f.

[22]Vgl.Statistisches Bundesamt, Datenreport 2002, 2002, S. 112.

[23]Aderhold,P./Lohmann,M./Zahl,B., Urlausreisetrends 2015, 2004, S. 17 (zit. nachClark,C., Leisure time, 2001).

[24]Handbuch, das einen Großteil der Weltkreuzfahrtflotte beschreibt und bewertet. Von den maximal 2.000 erreichbaren Punkten (beurteilt werden die fünf Kategorien Schiff, Unterkunft, Kulinarisches, Service sowie Kreuzfahrtangebote) erhielt die „Europa“ 1.857 Punkte.

[25]Vgl.Reuter,H., Herr der Sterne, 2006.

[26]Alle Preise inklusive Linienflug in der Economy Class sowie Transfer zum Schiff (vgl.Hapag-Lloyd, Europa, 2005, S. 24ff.).

[27]Alle Preise gelten ab/bis Hafen (vgl.Cunard Line, Queen Mary 2, 2004, S. 38ff.).

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Marktsegmentierung im Kreuzfahrtenbereich. Soziodemografische Segmentierung
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
58
Katalognummer
V300494
ISBN (eBook)
9783656969136
ISBN (Buch)
9783656969181
Dateigröße
850 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
marktsegmentierung, kreuzfahrtenbereich, soziodemografische, segmentierung
Arbeit zitieren
Anja Fischer (Autor), 2006, Marktsegmentierung im Kreuzfahrtenbereich. Soziodemografische Segmentierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300494

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