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Der Schluss, der "zu sehr aus der Stimmung fiel". Eine Analyse des ursprünglichen Endes Theodor Storms "Schimmelreiter"

Title: Der Schluss, der "zu sehr aus der Stimmung fiel". Eine Analyse des ursprünglichen Endes Theodor Storms "Schimmelreiter"

Bachelor Thesis , 2014 , 36 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Lisa Demmel (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Ganze 50 Jahre lang begleitet die Thematik des Schimmelreiter-Stoffes Theodor Storm. Schon 1838 stößt der 21-jährige Student auf eine Deichsage mit dem Titel „Der gespenstige Reiter. Ein Reiseabentheur“. Die Geschichte ist in „Pappes Hamburger Lesefrüchten“ gedruckt worden und war eine Übernahme aus der Zeitschrift „Danziger Dampfboot“. Die Erzählung schildert eine Begegnung eines Kaufmannes mit einem unheimlichen Reiter auf einem weißen Pferd. In der sogenannten Wachtbude wird der Ich-Erzähler über die sonderbare Erscheinung aufgeklärt: Ein „einsichtsvoller und allgemein beliebter Mann aus ihrer Mitte [bekleidete] das Amt eines Deichgeschworenen“. Während seiner Amtszeit bricht jedoch eines Tages der Deich. Voller Verzweiflung „drückt [er] seinem Schimmel die Sporen in die Seiten, ein Sprung – und Roß und Reiter verschwinden in den Abgrund. – Noch scheinen beide nicht Ruhe gefunden zu haben, denn sobald Gefahr vorhanden ist, lassen sie sich noch immer sehen.“ Was sich zunächst wie der Schluss des Schimmelreiters selbst anhört, ist der Anstoß für Storms berühmteste und zugleich letzte Novelle.
[...]
Storm nimmt kurz vor der Publikation seines Werkes eine Veränderung vor: Er streicht „während der Arbeit an der Korrektur, genau: zwischen dem 24. Februar und 10. März 1888“11 eine kleine Szene aus dem Schluss. In einem Brief an den Verleger schreibt Storm, dass die Szene „zu sehr aus der Stimmung fiel“.[...]
Fast 100 Jahre bleibt der ursprüngliche Schluss unbemerkt. [...]
Zu Beginn werden die verschiedenen Quellenangaben und Motive beleuchtet, um die unterschiedlichen Erzähler einschätzen und damit den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen beurteilen zu können. Anschließend werden die beiden wichtigsten Motive, die Schimmelreitergestalt selbst und die Thematik des Deichopfers genauer beleuchtet, um so Storms Spiel mit Aberglaube und Vernunft, welches sich in den Erzählern und im Originalschluss widerspiegelt, aufzuzeigen. Danach werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Originalendes und des veröffentlichten Schlusses festgehalten. Erst daraufhin kann man sich der Ausgangsfrage nähern. Um die Streichung möglichst genau erläutern zu können, müssen zur Differenzierung beide Seiten betrachtet werden: Gründe für die Tilgung aber auch Gründe für die Beibehaltung der Schlussszene.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Der ursprüngliche Schluss

3.Die verschiedenen Quellenangaben

3.1. Der Schulmeister

3.2. Die Wirtschafterin Antje Vollmers

3.3. Die anwesenden Dorfbewohner und der Deichgraf

3.4. Der Dienstjunge Carsten und Frau Vollina

3.5. Der Ich-Erzähler

4.Aberglaube und Vernunft

4.1. Die Schimmelreitererscheinung

4.1.1. Der mysteriöse Reiter am Anfang

4.1.2. Die sachliche Erklärung des Schulmeisters

4.1.3. Die Funktion des Schimmelreiters

4.2. Das Deichopfer

4.2.1. Das Bauopfer

5.Gründe für die Beibehaltung des ursprünglichen Schlussteils

5.1. Carsten als Quellenangabe

5.2. Unterstreichung des Mysteriösen der Schimmelreitergestalt im ersten Teil der ursprünglichen Schlussszene

5.3. Konsequente Fortsetzung des bisher Erzählten im zweiten Teil der ursprünglichen Schlussszene

6.Das übernommene Motiv des „Pferdsgerippes“

7.Gründe für die Streichung des ursprünglichen Schlussteils

7.1. Die fehlende Knappheit

7.2. Die fehlende Nüchternheit

7.3. Das Zerstören der Stimmung

8.Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Bachelorarbeit analysiert die vom Autor Theodor Storm kurz vor der Publikation gestrichene Schlussszene seiner Novelle "Der Schimmelreiter". Ziel ist es, die Gründe für diese Streichung zu eruieren und zu untersuchen, wie Storm durch die Veränderung des Textendes das Spannungsfeld zwischen Aberglauben und Rationalität sowie die Erzählstimmung beeinflusste.

  • Analyse der narrativen Erzählstruktur und der verschiedenen Quelleninstanzen.
  • Untersuchung der zentralen Motive "Schimmelreitererscheinung" und "Deichopfer".
  • Kontrastierung von Aberglaube und aufklärerischer Vernunft in der Novelle.
  • Bewertung des ursprünglichen vs. des veröffentlichten Schlusses hinsichtlich Knappheit und Nüchternheit.
  • Erörterung der Bedeutung des "Pferdsgerippe"-Motivs für die Gesamtwirkung des Werkes.

Auszug aus dem Buch

2. Der ursprüngliche Schluss

„Es soll nämlich, und ich darf das nicht vergessen, damals doch noch einer auf dem neuen Deich zurückgeblieben sein, während die Uebrigen südwärts nach der Stadt und von dort nach ihrem Kirchdorf auf der Geest zurückgeflohen waren, wo sie außer ihrem Deichgrafen nebst Weib und Kind die ganze Marsch beisammenfanden.

Der Zurückgebliebene aber sollte jener Carsten, der frühere Dienstjunge des Deichgrafen gewesen sein, ein ebenso abergläubiger, als, wenn seine Neugierde ins Spiel kam, waghalsiger Geselle, und derzeit noch im Dienst des Ole Peters. Er wollte an der Binnenkante des Deiches dem letzten Ritte seines früheren Herrn gefolgt sein; und einen ganz Sack voll hatte er bei seiner Rückkehr auszukramen. ,Hu aber, Frau Vollinaʻ, sagte er zu seiner Wirthin, und das Weib kreuzte schon in behaglichem Schauder die Hände über ihren Leib; ,da begab sich etwas! Ich lag dicht hinter ihm am Deich; da stieß er dem Schimmel die Sporen in die Seiten und riß das Maul auf und schrie; verstehen konnt' ich's nicht, der Lärm umher war gar zu grauslich! Aber es wird wohl sein dummes „Vorwärts!“ gewesen sein, womit er allezeit sein Thier zu treiben pflegte. Ja, vorwärts! Was meint Ihr, Frau Vollina?ʻ

,Ja, was mein' ich?ʻ plapperte das Weib. ,So sprich doch Carsten!ʻ

,Da ist nicht gut zu sprechen, Frau!ʻ fuhr Carsten fort: ,so arg ich meine Auge aufriß, ich sah itzt weder den Schimmel, noch ein ander Pferd; nur den Reiter sah ich, und es war noch, als ritte er mit seinen Beinen in der Luft; aber ein schwarzes Unding war über ihm und hielt ihn in seinen Krallen. Dann begann ein fürchterliches Hülfsgeschrei, das lauter war, als Sturm und Wasser; aber, Frau, wen der Teufel in den Krallen hat, dem kann nur Gott zu Hülfe kommen!ʻ

,Und dann? Und dann?ʻ rief Frau Vollina.

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung: Diese Einleitung führt in die Entstehungsgeschichte des "Schimmelreiters" ein und stellt die Fragestellung zur gestrichenen Schlussszene vor.

2.Der ursprüngliche Schluss: Hier wird die gestrichene Passage aus der Urfassung im Wortlaut dokumentiert und in den Kontext der Erzählung eingeordnet.

3.Die verschiedenen Quellenangaben: Dieses Kapitel analysiert die Rollen der verschiedenen Erzähler (Schulmeister, Antje Vollmers, Carsten u.a.) und deren Zuverlässigkeit.

4.Aberglaube und Vernunft: Die Untersuchung beleuchtet die Motive des Schimmelreiters und des Deichopfers als zentrale Konfliktpunkte zwischen Aberglauben und Rationalität.

5.Gründe für die Beibehaltung des ursprünglichen Schlussteils: Hier werden Argumente dargelegt, die für die ursprüngliche Fassung sprechen, insbesondere die Funktion als logische Quellenangabe.

6.Das übernommene Motiv des „Pferdsgerippes“: Die Analyse zeigt, warum Storm dieses spezielle Motiv trotz der Schlussstreichung beibehielt.

7.Gründe für die Streichung des ursprünglichen Schlussteils: Das Kapitel erörtert die formalen und inhaltlichen Gründe für die Kürzung, wie fehlende Knappheit und die Zerstörung der Stimmung.

8.Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Streichung die richtige Entscheidung war, um die Offenheit und Wirkung der Novelle zu wahren.

Schlüsselwörter

Theodor Storm, Der Schimmelreiter, Novelle, Literaturanalyse, Schlussszene, Aberglaube, Vernunft, Rahmenerzählung, Hauke Haien, Deichopfer, Quellenkritik, Entstehungsgeschichte, Motivik, Aufklärung, Schauerliteratur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht eine etwa fünfseitige Passage, die Theodor Storm kurz vor der Veröffentlichung seines letzten Werkes "Der Schimmelreiter" aus dem Schluss strich, und analysiert die Gründe für diesen Eingriff.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen das Spannungsverhältnis zwischen Aberglauben und Rationalität, die Funktion der verschiedenen Erzählinstanzen sowie die Bedeutung der gestrichenen Szene für die Stimmung der Novelle.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit geht der Frage nach, warum Storm die Schlussszene strich und ob das ursprüngliche Ende der Wirkung des Gesamtwerkes möglicherweise gerechter geworden wäre als die gekürzte Fassung.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die sowohl die Primärliteratur (die Novelle und Briefe von Storm) als auch relevante sekundärliterarische Forschungsbeiträge zur Erzähltechnik kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Erzähler, die detaillierte Motivuntersuchung (Schimmelreiter und Deichopfer), die Gegenüberstellung von Pro- und Contra-Argumenten für die Schlussfassung sowie die Analyse der Stiländerung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Theodor Storm, Der Schimmelreiter, Aberglaube, Vernunft, Erzählstruktur, Motivik und Literaturanalyse.

Warum spielt die Figur des Carsten im Zusammenhang mit der Schlussstreichung eine wichtige Rolle?

Carsten ist im ursprünglichen Schluss der einzige Augenzeuge des Untergangs von Hauke Haien. Durch seine Streichung entfiel eine wichtige Informationsquelle, was die Erzählung ambivalenter macht.

Wie beeinflusst die Streichung des Schlusses die Rolle des Schulmeisters als Aufklärer?

In der ursprünglichen Fassung versucht der Schulmeister, das Geschehen rational zu erklären, was seine aufklärerische Rolle betont. Durch die Streichung wird seine Erklärung weniger definitiv, wodurch Storm ein offeneres Ende erzielt.

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Details

Title
Der Schluss, der "zu sehr aus der Stimmung fiel". Eine Analyse des ursprünglichen Endes Theodor Storms "Schimmelreiter"
College
LMU Munich
Grade
1,0
Author
Lisa Demmel (Author)
Publication Year
2014
Pages
36
Catalog Number
V300498
ISBN (eBook)
9783656972877
ISBN (Book)
9783656972884
Language
German
Tags
Storm Schimmelreiter Germanistik NdL LMU Literaturwissenschaft Schluss Analyse Theodor Ende Deichsage Reiter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lisa Demmel (Author), 2014, Der Schluss, der "zu sehr aus der Stimmung fiel". Eine Analyse des ursprünglichen Endes Theodor Storms "Schimmelreiter", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300498
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