Freies Marktgeld vs. Zentralbankgeld. Einführung in alternative Geldkonzepte


Bachelorarbeit, 2015
51 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung und Einführung in das Thema

2 Was ist Geld

3 Geldmonopol und Zentralbanksystem
3.1 Die Rolle der Zentralbank
3.2 Mindestreservesystem

4 Goldstandard – Bretton Woods – Papiergeld – Eine Analyse
4.1 Goldstandard
4.2 Bretton Woods
4.3 Zeitalter des Papiergeldes
4.3.1 Inflation
4.3.2 Deflation

5 Freies Marktgeld
5.1 Regionalwährungen
5.1.1 Wörgler Freigeld
5.1.2 Chiemgauer
5.2 Mark Banco
5.3 Bitcoins
5.4 Freies Marktgeld und Free Banking

6 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Geldmengenwachstum in den USA Quelle: Polleit, Prollius; Die Geldreform…27

Abbildung 2: Geldbasis und Wachstum von Bitcoins 2009 bis 2029 (prognostiziert) Quelle: http://bitcoins21.com/wp-content/uploads/2013/09/bitcoin-geldbasis.png...37

Abbildung 3: 5-Phasen-Modell zum Übergang von einem staatlichen Geldsystem zu einem privatwirtschaftlichen Geldsystem Quelle: http://www.bazaarmodel.net/Images/phorum/ProjectC/Banking-reform-793.jpg..42

1 Einleitung und Einführung in das Thema

Die anhaltenden Staats-, Euro- und Finanzkrisen beherrschen, Zurecht, immer noch das Gros der Wirtschaftssparten der Medienwelt. Die Gemeinschaftswährung steht auf dem Spiel. Vom Klassenprimus zum Pflegefall. Der Euro bereitet immer mehr Probleme und mehr Sorgen. Im Prinzip sind diese Probleme Hausgemacht, denn der Euro ist ein politisches Konstrukt. Politische Ideen können niemals ökonomische Realitäten bei Seite schieben. Früher oder Später kommen diese, mit stärkerer oder schwächerer Vehemenz wieder ans Tageslicht. Arbeitslosenquote, Jugendarbeitslosigkeit und Armut sprechen für die sogenannten Peripherieländer Bände im Bezug auf die durch den Euro verursachte Situation. Doch eine Einsicht, dass der Euro in seiner jetzigen Form Wohlstand und Prosperität zerstört herrscht auf Seiten der politischen Klasse nicht. Ludwig von Mises meinte: „Ob man es mag oder nicht, es ist eine Tatsache, dass die wichtigsten Streitfragen heutiger Politik rein ökonomisch sind und ohne ein Verständnis der nationalökonomischen Theorie nicht begriffen werden können“.[1]

Aktuell ist dies vor allem wieder die Griechenland-Misere. Die Wahl eines radikalen Parlaments war abzusehen. Immer noch ist für die griechische Bevölkerung keine Besserung in Sicht. Griechenland belastet die Eurozone, die Politik aber will Griechenland um jeden Preis in der Eurozone halten, egal wie hoch die Schulden noch anwachsen. Am Ende haftet der Steuerzahler.

Diese brenzlige Situation und die weltweiten erheblichen Ausmaße der Staatsverschuldung, wirft immer öfter die Frage nach dem Sinn einer politischen Währung und überhaupt einer Gemeinschaftswährung und einem zwanghaften Wirtschaftsraum, auf. Doch die Sinnfrage richtet sich nicht nur gegen die Währung an sich, sondern nach dem Aufbau des herrschenden Finanz- und Geldsystems.

Wie Zeitgemäß ist das derzeitige System? Welche Probleme bringt es? Und welche Alternativen gibt es? Viele Ökonomen, vornehmlich der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, haben sich im Laufe der vergangenen drei Jahrhunderte mit diesen und grundsätzlicheren Fragestellungen beschäftigt. Ziel ist es zu ergründen was Geld ist. Darauf aufbauend wird das Wesen des derzeitigen staatlichen Zentralbankmonopols und der Teilreserve-Systematik erläutert und vor allem deren mit der Zeit erscheinenden Probleme. Im weiteren Verlauf werden diverse Alternativen zum jetzigen Geldsystem erläutert und erklärt, bis zur Thematik des völligen Ersatzes des staatlichen Geldmonopols durch das von Hayek, Mises und diversen anderen Ökonomen erdachte und wissenschaftlich fundierte Prinzip des freien Marktgeldes und des Free Banking, das der neuzeitlichen Zentralbankwirtschaft diametral gegenüber steht.

2 Was ist Geld

Geld hat in der Wirtschaft eine äußerst wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Funktion. Der Entwicklung des Geldes ist es zunächst zu verdanken, dass die Gesellschaft diese Art der Arbeitsteilung und des Wirtschaftsvolumens kennt, die heute unser alltägliches Leben bestimmt. Als die Gesellschaften und Bürger noch kein Geld kannten, war die Ökonomie vom Tauschhandel bestimmt. Erst die Erfindung oder die Entwicklung des Geldes, grundsätzlich in Form von Gold, konnte einen größeren Fortschritt ermöglichen. Die umständliche Suche nach dem richtigen Tauschpartner, der selbst die benötigten Produkte besitzt, handlungsbereit ist und einen Bedarf nach dem Dingen hatte, die man selbst besaß, entfiel ab diesem Zeitpunkt.

Geld ist heute im juristischen Sinne zunächst das erlaubte gesetzliche Zahlungsmittel. Das Bundesbankgesetz schreibt die Verwendung des Euro als einziges uneingeschränktes Zahlungsmittel nach § 14, Abs. 1, Satz 2, vor. Es können allerdings bei Tauschgeschäften vom Geld abweichende Güter vereinbart werden. Das, in Form von Bargeld oder elektronischem Guthaben, beispielsweise auf Bankkonten, das in der vom Gesetzgeber vorgegebenen Währung lautet. Es fungiert in dieser modernen, gesetzmäßigen Form weniger als Tausch- oder Werterhaltungsmittel gesehen, sondern mehr als „Steuerinstitut“, also als Maßstab für die Steuerbemessung.

Heutiges Geld ist wird mehrheitlich als „Papiergeld“ bezeichnet, da es, im Vergleich zur Vergangenheit, keinen sogenannten intrinsischen Wert mehr besitzt, also entweder mit nichts mehr gedeckt ist, bzw. nicht aus einem werthaltigen Material besteht, so wie das bei Gold oder Silber der Fall wäre.

Carl Menger bemerkte in seinem Werk „Grundsätze der Volkswirtschaftslehre“ bezüglich Geld: „Das Geld ist keine staatliche Erfindung, nicht das Produkt eines legislativen Actes und die Sanction desselben Seitens der staatlichen Autorität ist demnach dem Begriffe des Geldes überhaupt fremd…“[2]

Carl Menger (1840 – 1921), Begründer der „Österreichischen Schule der Ökonomie“, geht wie ersichtlich von der natürlichen Entwicklung von Geld aus und einer Nicht-notwendigkeit staatlicher Kontrolle und staatlichen Eingriffs.

Menger meint weiter: „Das Geld ist kein Product des Uebereinkommens der wirthschaftenden Menschen, oder gar das Product legislativer Acte. Das Geld ist keine Erfindung der Völker. Die einzelnen wirthschaftenden Individuen im Volke gelangten allerorten mit der steigenden Einsicht in ihre ökonomischen Interessen zugleich auch zu der nahe liegenden Erkenntniss, dass durch die Hingabe minder absatzfähiger Waaren gegen solche von größerer Absatzfähigkeit ihre speciellen ökonomischen Zwecke um einen bedeutenden Schritt gefördert werden und so entstand das Geld an zahlreichen voneinander unabhängigen Culturcentren mit der fortschreitenden Entwicklung der Volkswirthschaft. Aber eben desshalb, weil das Geld sich uns als ein naturgemässes Product der menschlichen Wirthschaft darstellt…“[3]

Menger und die „Österreichische Schule“ vertreten übergreifend die Meinung, dass Geld sich von selbst in Gesellschaften entwickelt hat. Es war aber nicht zu irgendeinem Zeitpunkt einfach da. Es hat sich aus dem Tauschhandel entwickelt, also Geld als Folge freiwilligen Tausches und als Wandlung von Ware zu Geld.

Geld ist aber nicht nur, wie man vermeintlich meinen könnte, eine feste Größe, ist kein bloßes Substantiv, sondern eher als Adjektiv zu verstehen, in dem Geld vielmehr eine Eigenschaft ist, die diverse Güter in unterschiedlichem Ausmaß haben. Gewisse Güter sind somit „geldiger“ als andere.[4] Entstehungsgeschichtlich wäre also Beispielsweise das Gut Gold, beispielsweise in Form von Schmuck, eben „geldiger“ als verderbliche Ware wie tierische Produkte oder immobile Waren wie Häuser. Geld geht im historischem Prozess aus der Ware hervor. Die höchste Absatzfähigkeit haben Güter und Waren, die den höchsten Tauschwert haben. Das wichtigste und oberste Prinzip, bzw. die Hauptfunktion damit ein Gut zu Geld werden kann ist das erfüllen der Tauschmittelfunktion. Darunter gliedern sich weiter Unterfunktionen die Geld erfüllen muss:

1. Nutzen und Wert
2. Handlichkeit
3. Unzerstörbarkeit
4. Homogenität
5. Teilbarkeit
6. Wertstabilität
7. Erkennbarkeit[5]

Diese Eigenschaften können wir auch heute teilweise beobachten. Die Handlichkeit ist eben bei Scheinen am höchsten. Sie sind handlich und leicht. Fast Unzerstörbar sind hingegen tendenziell eher Münzen. Auch Homogenität, Teilbarkeit und Erkennbarkeit sind einfach wahrzunehmen. Einzig die Wertstabilität ist im heutigen Geldsystem nicht mehr so gegeben, wie dies den Ökonomen der Österreichischen Schule wichtig erscheint. Dazu wird im Kapitel „Inflation“ Stellung genommen.

Geld ist ein Gut wie jedes andere auch. Aber ein Gut das sich am einfachsten gegen andere Güter eintauschen lässt. Güter die als Geld Verwendung finden, weisen einen verhältnismäßig schwachen abnehmenden Grenznutzen, im Vergleich zu anderen Gütern, aus: „Silber hat noch nie jemand so viel besessen, dass er nicht noch mehr begehrte.“

Nach Kriegen und Währungszusammenbrüchen haben sich oftmals Zigaretten als Zahlungsmittel, also Geld, da ohne staatliches Dekret, durchgesetzt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das oftmals durch Preisangaben „in Zigaretten“ sehr wohl deutlich. Es handelt sich eben um eine Ware, die sich nach der obigen Liste von William Stanley Jevons, bestens eignete. Im deutschsprachigen Raum fungierten zusätzlich unter anderem Mehl, Roggen oder Butter als Zahlungsmittel. Im Mittelmeerraum griff man für die Fixierung von Krediten und Beteiligungen anhand von Olivenöl als Sachgut zurück. Olivenöl hatte schon in der Frühgeschichte eine Geldfunktion inne. Auf Edelmetalle verzichtete man nach dem zweiten Weltkrieg, weder waren sie verfügbar, noch gab es dafür eine Nachfrage. Schließlich waren Kriege immer auch Phasen der Enteignung und des Verlustes.[6]

Geld dient zusätzlich zur Fähigkeit als Tauschmittel als unbedingtes Mittel zum Vermögensaufbau, also durch Sparen. Um Vermögen zu akkumulieren ist die oben genannte Wertstabilität von Nöten. Heutzutage wäre es im Euroraum die Hauptaufgabe der EZB diese Wertstabilität zu gewährleisten.

Ebenso spielt Zeit eine wichtige Rolle, da Geld, in Bezug auf den Vermögensaufbau eine Speicherfunktion hat. Geld speichert zeitlich vorangegangene Tauschaktionen. Ludwig von Mises drückt das in seinem Werk „Theorie des Geldes und der Umlaufmittel“ folgendermaßen aus: „ …von der Funktion des Geldes als Vermittler des Kapitalverkehres. Sie lässt sich am einfachsten unter die Tauschmittelfunktion subsumieren; handelt es sich doch beim Kapitalverkehr um nichts anderes als um den Tausch von Gegenwartsgütern gegen Zukunftsgüter.“[7]

Dies erkennt auch der Schwedische Ökonom Johan Gustav Knut Wicksell in seinem Hauptwerk „Geldzins und Güterpreis“, in dem er wiedergibt, dass Geld eben nicht nur die Funktion als Tauschmittel, sondern auch diejenige als Wertaufbewahrungsmittel, als Entgelt für Leistungen, deren entsprechende Gegenleistung erst später geliefert wird, hat.[8]

Mises spricht in der Schlussfolgerung aus dem, was im laufenden erörtert wurde, was Geld sei oder sein muss, damit es zu echtem Geld wird, von Sachgeld, das sind zum Beispiel Gold oder Silber. Sachgeld hebt sich von Zeichengeld und Kreditgeld ab. Als Zeichengeld bezeichnete Mises, das heute international vorherrschende Papiergeld, da es, seiner Meinung nach, kein durchsetzbares Forderungsrecht bietet, also die Forderung gegenüber einem Gut oder einem bestimmten Gegenwert.

Georg Friedrich Knapp kommt diesbezüglich auf andere Ergebnisse. In seinem Werk „Staatliche Theorie des Geldes“, auf dem John Maynard Keynes seine Theorie unter anderem aufbaut, behauptete er, dass Geld lediglich die Tauschmittelfunktion erfüllen müsse, keine Unterfunktionen hat und im Alltag sowieso lediglich als bloßes Wertzeichen erscheint.[9]

Mises unterscheidet zudem noch Geld von Umlaufsmitteln. Das Umlaufsmittel ist der ungedeckte Anteil einer Währung und des Geldes, ist also Bestandteil von Geld, wenn das entsprechende Geld nicht zu, also weniger als, 100% mit einem Wert hinterlegt ist. Nehmen wir an, ein Euro wäre mit 1 Feinunze Gold „gedeckt“ (also diese wäre irgendwo gelagert, beispielsweise in einem „Zentralbanktresor“) und emittiert Banknoten im Gegenwert von 2 Feinunzen Gold, dann ist diese Banknote in Höhe der einen Feinunze, die über den Deckungsstock hinausgeht, ein Umlaufmittel. Eine zu 100% gedeckte Banknote nennt Mises „Geldzertifikat“.[10]

Das Handeln des Menschen und der Gesellschaft geschieht stets unter Unsicherheit. Um mit den verbundenen Unsicherheiten zurechtzukommen, strebt der Mensch danach tauschfähig, also flexibel zu sein. Das Mittel das am Tauschfähigsten ist, ist Geld. Also muss Geld gehalten werden um die Tauschfähigkeit zu erhöhen, bzw. diese zu garantieren. Damit dieses funktioniert, ist es erforderlich, dass Geld, um gehalten werden zu können, Kaufkraft hat. Kaufkraft ist die Menge der Güter die man für die Hingabe einer Geldeinheit bekommt.

Ludwig von Mises erkannte dass die Kaufkraft des Geldes eine Zeitdimension hat. Es muss das Vertrauen in die zukünftige Kaufkraft gegeben sein um Geld zu halten.

„Dieses Vertrauen erwächst aber aus der Erfahrung um die Kaufkraft des Geldes am Tag zuvor. Und diese Erfahrung wiederum ist am Vortag aufgrund der Kaufkraft dieses Tages entstanden – usw. Woher aber stammt in dieser „Regression“ dann die ursprüngliche Kaufkraft? Mises argumentiert in seinem berühmten Regressionstheorem, man müsse nur zu einem Zeitpunkt zurückgehen, zu dem das Geld –unabhängig von seiner noch gar nicht entstandenen monetären Funktion– allein aufgrund seiner „industriellen“ bzw. Gebrauchseigenschaften nachgefragt wurde. Im Falle von Gold schließt dies auch die Schmucknachfrage mit ein. Mises weist nach, dass nur Güter, die irgendwann einmal einen signifikanten intrinsischen oder Gebrauchswert hatten, überhaupt akzeptiertes, „natürliches“ Geld werden konnten.“[11]

Das Regressionstheorem löst den Zirkelschluss der damaligen Zeit auf: Geld wird von den Menschen nachgefragt, weil es Kaufkraft hat und es hat deswegen Kaufkraft, weil es nachgefragt wird. Mit der Ergänzung des Faktors Zeit wird die Gleichung gelöst. Die Kaufkraft der unmittelbaren Zukunft wird durch die Kaufkraft heute bestimmt. Die heutige Kaufkraft eben auf die gestrige Kaufkraft. Geld muss aus einem Sachgut entstanden sein. Auch Währungsbezeichnungen deuten darauf hin, dass es bei Geld immer auch um einen intrinsischen Wert geht. „Die Wörter Taler und Dollar leiten sich ab vom böhmischen Joachimsthal, wo Silber gefördert wurde. Schilling kommt von Solidus, ebenfalls eine alte Silbermünze beziehungsweise später in Österreich ein Zählmaß für je 30 Stück. Franke oder Franc bezeichnet die alte Goldmünze ecu d’or mit einem Feingewicht von 6,85 Gramm.“[12]

Die Geld-Einheiten waren wertvoll in dem Ausmaß, in dem man Waren dafür bekommen hat. Echtes Geld besteht aus einem echten Wert. Es ist eine spontane Innovation auf einem freien Markt. Währungen und Umlaufmittel sind in diesem Sinne kein Geld, da sie lediglich auf Vertrauen in den Staat und der Zentralbank beruhen. Geld entwickelte sich aus Gütern, Währungen und Zahlungsmittel sind hingegen bloße staatliche Schöpfungen.

„Ökonomisch betrachtet besitzen freilich auch Gold und Silber nur jenen Wert, den ihnen Menschen beimessen. Da sich die Präferenzen und Möglichkeiten ändern, schwankt auch die industrielle Nachfrage nach Edelmetallen dementsprechend. Davon zu unterscheiden ist die Nachfrage als Tauschmittel, welche die Ökonomen monetäre Nachfrage nennen. Auch diese Nachfrage währt nicht ewig. Die Eigenschaften, die über die Tauglichkeit als Tauschmittel entscheiden, hängen vom Wissenstand der Menschen ab. Die Kaufkraft wird zudem auch bedingt von den Bewertungen im Vergleich zu anderen Gütern – und damit auch von ihrer relativen Knappheit. Wächst das Angebot eines dieser Metalle, kann dessen Kaufkraft so weit sinken, dass es als Tauschmittel unpraktisch wird. Dieses Schicksal widerfuhr Silber, als große Mengen aus der neuen Welt importiert wurden. In einem solchen Fall kann es zu einer so genannten Demonetisierung kommen: Das jeweilige Gut verliert seine Eignung als Tauschmittel und seine Nachfrage fällt auf die industrielle Komponente zurück.“[13]

Diese Gefahr allerdings ist wesentlich geringer, als das bei ungedecktem Papiergeld der Fall ist.

3 Geldmonopol und Zentralbanksystem

3.1 Die Rolle der Zentralbank

Im heutigen staatlichen Geldsystem spielt vor allem die Zentralbank eine wichtige, wenn nicht augenscheinlich die wichtigste Rolle. Eigentliches Ziel einer Zentralbank ist es, Stabilität in das Wirtschafts- und Geldsystem zu bringen, bzw. Preisstabilität und dies jeweils zu gewährleisten. Preisstabilität sichert die Informations- und Lenkungsfunktion der Preise. Im heutigen Weltfinanzsystem nehmen die Vorreiterrolle die, oder das, Federal Reserve System, kurz „Fed“ und die Europäische Zentralbank ein. Die EZB nimmt als „neu“ geschaffene Institution, mit der Gründung des Europäischen Wirtschafts- und Währungssystem als rein politisches Konstrukt, sicherlich eine Sonderposition ein. Die Aufgaben mögen aber weitgehend dieselben sein.

Die Zentralbank ist als Geldmonopolist, dieses Monopol bekommt sie von der Politik zugesprochen, Herr über die Währung des Landes bzw. des Währungsraumes. Einziges erlaubtes, auszugebendes Zahlungsmittel sind laut EG-Vertrag im Eurosystem Euro-Banknoten. Die EZB hat Ihre Geldpolitik unabhängig von Weisungen der Politik und Regierungen auszuüben und zu gewährleisten.

Die Geldpolitik der Zentralbank, die Geldwertstabilität sichert, ist zudem offen und transparent für die Bürger zu gestalten.

Dieses Verhalten ist Deckungsgleich mit den Zentralbanken der einzelnen Länder, vor Einführung und Gründung des Europäischen Währungsunion mit dem Euro, unter anderem der Deutschen Bundesbank.

„Die Zentralbanken erfüllen ihre Aufgabe, die Volkswirtschaft mit Geld zu

versorgen, im Rahmen ihrer drei Hauptfunktionen. Im Allgemeinen verfügen sie

zunächst über das alleinige Recht zur Emission von Banknoten. Als „Bank der

Banken“ dienen die Zentralbanken im Weiteren als letzte Refinanzierungsstelle

aller Geschäftsbanken. Schließlich fungieren die Zentralbanken auch als

Bank des Staates.“[14]

„Mit der Übernahme des Euro als einheitlicher Währung haben die EU-Mitgliedstaaten,

die dem Euro-Währungsgebiet angehören, ihre geldpolitische Souveränität

aufgegeben. Die Verantwortung für die Geldpolitik im Euroraum ist auf die EZB

als Mittelpunkt des neu gegründeten Europäischen Systems der Zentralbanken

(ESZB) übergegangen.“[15]

Die Geldpolitische Souveränität soll unabhängig ausgeübt werden. Die Preisstabilität, also Geldwertstabilität, ist laut EG-Vertrag das Oberziel der EZB. Verpflichtet ist die Europäische Zentralbank dem Schutz vor andauernder Inflation, aber auch Deflation.

Denn die Kaufkraft des Geldes wird durch eine Erhöhung der Konsumentenpreise (Inflation) unterminiert. Konstante Preise unterstützen, den Geldwert über die Zeit stabil zu halten.[16]

Die EZB selbst nennt 6 essentielle Punkte, die darlegen, weshalb Geldwertstabilität die Basis für nachhaltiges Wirtschaften ist:

„1. Bei Preisstabilität können Veränderungen der relativen Preise leichter erkannt werden, da sie nicht durch Schwankungen des allgemeinen Preisniveaus überdeckt werden. Somit können Unternehmen und Verbraucher fundiertere Konsum- und Investitionsentscheidungen treffen. Dies erlaubt dem Markt eine effizientere Ressourcenallokation. Dadurch, dass sie dem Markt ermöglicht, seine Ressourcen dorthin zu lenken, wo sie am produktivsten eingesetzt werden können, steigert die Preisstabilität das produktive Potenzial der Wirtschaft.

2. Anleger, die sicher sein können, dass die Preise auch künftig stabil bleiben, werden keine Inflationsrisikoprämien als Vergütung für Risiken verlangen, die sich aus der längerfristigen Haltung von nominalen Vermögenswerten ergeben. Durch den Abbau solcher Risikoprämien im Realzins kann die Geldpolitik zur Allokationseffizienz des Kapitalmarkts beitragen und verstärkt damit die Investitionsanreize. Dies wiederum fördert den wirtschaftlichen Wohlstand.

3. Durch die glaubwürdige Gewährleistung der Preisstabilität sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Wirtschaftsakteure und Unternehmen Ressourcen der produktiven Verwendung vorenthalten, um sich gegen Inflation abzusichern. In einem von hoher Inflation geprägten Umfeld besteht zum Beispiel ein Anreiz, Waren zu horten, da sie unter diesen Umständen eher ihren Wert behalten als Geld oder manche Finanzaktiva. Das Horten von Waren ist jedoch keine effiziente Anlageentscheidung und beeinträchtigt daher das Wirtschaftswachstum.

4. Von Steuer- und Sozialsystemen können falsche Anreize ausgehen, die das Verhalten der am Wirtschaftsleben Beteiligten verzerren. Zumeist werden diese Verzerrungen durch Inflation oder Deflation verstärkt. Preisstabilität eliminiert die realen wirtschaftlichen Kosten, die entstehen, wenn die Inflation die Verzerrungseffekte der Steuer- und Sozialsysteme noch verstärkt.

5. Durch die Gewährleistung von Preisstabilität wird die erhebliche und willkürliche Umverteilung von Vermögen und Einkommen vermieden, zu der es in einem inflatorischen oder deflatorischen Umfeld kommt. Ein von stabilen Preisen geprägtes Umfeld trägt also dazu bei, sozialen Zusammenhalt und soziale Stabilität aufrechtzuerhalten. Wie sich anhand mehrerer Beispiele im zwanzigsten Jahrhundert gezeigt hat, führen hohe Inflations- oder Deflationsraten tendenziell zu sozialer und politischer Instabilität.“[17]

Weitere Aufgaben der EZB sind die

- „Festlegung und Ausführung der Geldpolitik des Euro-Währungsgebiets
- die Durchführung von Devisengeschäften
- Haltung und Verwaltung der offiziellen Währungsreserven der Mitgliedstaaten des Eurogebiets
- Förderung des reibungslosen Funktionierens der Zahlungssysteme Weitere Aufgaben des Eurosystems sind
- die Ausgabe von Euro-Banknoten als einzige Banknoten, die im Euro- Währungsgebiet als gesetzliches Zahlungsmittel gelten (Artikel 106 Absatz 1 EG-Vertrag und Artikel 16 ESZB-Satzung), und
- die Erhebung statistischer Daten, die zur Wahrnehmung der Aufgaben des Eurosystems erforderlich sind (Artikel 5 ESZB-Satzung).“[18]

Eine Zentralbank sollte insgesamt einen Stabilisierungsfaktor darstellen.

Die Geldpolitik ist die eigentliche Macht einer Zentralbank. Sie baut ihre Kontrolle und Einflussnahme auf der Änderung der Geldmenge und der Gesamtwirtschaft auf. Die Fed beispielsweise verfügt über ein Portfolio an Staatsanleihen in Höhe von ca. 600 Milliarden US-Dollar. Über sogenannte Offenmarktoperationen kauft oder verkauft sie diese Papiere um die Geldmenge entweder entsprechend zu erhöhen oder zu verringern. Das beeinflusst die Zinssätze („Preis für Zeit“). Zudem hat die Fed, wie auch die Europäische Zentralbank, die Möglichkeit die Gesamtwirtschaft zu verändern, indem sie das Kreditvolumen erhöht oder verringert. Dies geschieht entweder durch das Ausleihen von Geld direkt an die Banken, oder demgegenüber, das Zulassen von Rückzahlungen der Banken an die Fed. Ebenfalls vergrößert oder verkleinert sich hier die Geldmenge.[19]

Nach Meinung von Akerlof und Shiller ist die Kreditgewährung von größerer Bedeutung für die Absicherung von anbahnenden Schwierigkeiten einzelner Institute. Ziel ist, die Stabilität des Bankenmarktes.[20]

So wirkt im Allgemeinen die Geldpolitik der Zentralbank.

Eine Besonderheit des Eurosystems mit der EZB stellt das „Target2-System“ dar.

„Über Target2 werden wie bei dem Vorgängersystem Zentralbankoperationen, Euro Überweisungen aus Großbetragszahlungssystemen im Interbankenverkehr sowie andere Euro-Zahlungen verrechnet. Target2 ermöglicht die Bearbeitung in Echtzeit und die Abwicklung in Zentralbankgeld mit sofortiger Endgültigkeit. Anders als das Vorgängersystem, in dem alle Zahlungen dezentral durch die nationalen Zentralbanken bearbeitet wurden, nutzt das neue System jedoch eine Gemeinschaftsplattform ohne Interventionen seitens der Zentralbanken. Diese Plattform ermöglicht verbesserte und harmonisierte Dienstleistungen und sorgt durch Skaleneffekte für niedrigere Gebühren und eine höhere Wirtschaftlichkeit. Für Target2-Zahlungen gibt es keine Betragsober- oder –untergrenzen.“[21]

Ziel ist offiziell die Verringerung des Systemrisikos. In der Realität stellt dies aber ein hohes Verschuldungsrisiko für den Euro-Währungsraum dar.

Deren Salden sind mit Beginn der Krise 2007 und mit deren gleichzeitiger immensen Steigerung nur ungenügend abgesichert, gegenüber dem Ausfall der Forderungen auf Seiten der Bundebank.[22]

Professor Sinn vom ifo-Institut sieht das im Falle des Auseinanderbrechens des Euro wie folgt:

„Die EZB hat die Umdrehung der Kapitalströme mit der Notenpresse finanziert. Indem sie die Sicherheitsstandards für die Pfänder reduzierte, die die Geschäftsbanken bei ihren jeweiligen Notenbanken hinterlegen müssen, ermöglichte sie es den Krisenländern, die von den jeweiligen nationalen Notenbanken bezogenen Refinanzierungskredite dramatisch auszuweiten. Das so zusätzlich geschaffene Geld ersetzte das Geld, das per Saldo ins Ausland floss, um Güter zu erwerben, Schulden zu tilgen und Vermögensobjekte zu erwerben. Ökonomen nennen diesen Geldabfluss Zahlungsbilanzdefizit. Das akkumulierte Defizit schlägt sich in der Bilanz der Zentralbank als Target-Schuld nieder.“[23]

Die EZB hat so Ihren Pfad zur Geldwertstabilität verlassen. Die Politik mit der Notenpresse ist nicht im Sinne des Mandates einer Zentralbank. Die Krux liegt im Zentralbanksystem generell und vor allem im Eurosystem. Der ehemalige Chefvolkswirt der EZB, Jürgen Stark, spricht in einem Vortrag mit dem Titel „Experimentelle versus regelgebundene Geldpolitik“ davon, dass die EZB mehr und mehr ein „Schönwettermandat“ verfolge. Prinzipientreue zur Geldwertstabilität ist aber gerade in kritischen Zeiten gefragt. Die festgelegte Inflation von 2% kann niemals ein Ziel sein. Sie selbst verstößt gegen das Gebot der Geldwertstabilität und kritisiert die durch „Forward Guidance“ betitelte Kommunikationspolitik, die den eigentlichen Zweck der EZB aufweicht und so zum Politikum macht, durch die Beeinflussung der Unabhängigkeit und Preisstabilität durch das Miteinbeziehen von zukünftigen, politisch beeinflussbaren Parametern und das Schüren von Erwartungen in den Märkten.

Die EZB sollte ihr Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen offiziell einstellen und damit erkennbar alle Bestrebungen, die Geldpolitik in den Dienst der nationalen öffentlichen Haushalte zu stellen, eine Absage erteilen um die Unabhängigkeit wieder zu garantieren. Zwar erlaubt der Europäische Vertrag das grundsätzlich, jedoch nicht in unbegrenztem Umfang.[24]

[...]


[1] Bagus, Marquart (2014), S. 165.

[2] Menger (2006), S. 259.

[3] Menger (2006), S. 260.

[4] Taghizadegan, Stöferle, Valek, (2014), S. 23.

[5] Jevons (2012), S. 31.

[6] Vgl.: Taghizadegan, Stöferle, Valek (2014), S. 73.

[7] Mises (2005), S. 10.

[8] Vgl.: Wicksell (2006), S. 43.

[9] Vgl.: Knapp (1905).

[10] Vgl.: Mises (2005), S. 45ff.

[11] Böhringer (2009).

[12] Taghizadegan (2012), S. 169.

[13] Taghizadegan (2012), S. 170.

[14] Fang (2006), S. 12.

[15] Scheller (2004), S. 45.

[16] Vgl.: Issing (2009), S. 45.

[17] Scheller (2004), S. 51.

[18] Scheller (2004), S. 52.

[19] Vgl.: Akerlof, Shiller (2009), S. 115.

[20] Vgl.: Akerlof, Shiller (2009), S. 116f.

[21] EZB, Die Europäische Zentralbank (2009), S. 26.

[22] Vgl.: Lipponer (2013), S. 10.

[23] Sinn (2013), S. 21.

[24] Vgl.: Neumann (2012), S. 4.

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Freies Marktgeld vs. Zentralbankgeld. Einführung in alternative Geldkonzepte
Hochschule
Fachhochschule Rosenheim
Veranstaltung
VWL
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
51
Katalognummer
V300685
ISBN (eBook)
9783656972990
ISBN (Buch)
9783656973003
Dateigröße
1131 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zentralbank, Freies Marktgeld, Free Banking, Österreichische Schule, Geldmonopol, Geldpolitik, Bitcoins, Wörgler Freigeld, Chiemgauer, Mark Banco, Zentralbankgeld, Kreditgeldschöpfung, Was ist Geld, Geld, Ludwig von Mises, Mises, Hayek, Huerta de Soto, Rothbard, Geldsystem, Bretton Woods, Goldstandard, Währung, Fiat Geld, Fiat Money, Papiergeld, Inflation, Deflation, Hamburg, Menger, EZB, ECB, Privatwährung, Freiheit, Geldschöpfung, Regionalwährung, Silvio Gesell, Alternative, Geldkonzepte, Zentralbankmonopol, Wiener Schule, Gelddrucken, Geldmenge, Geldmengenausweitung, Zentralbankbilanz, Geldentwertung, Preisinflation, Ungleichheit, Preisdeflation, Polleit, Hoppe
Arbeit zitieren
Alexander Hilger (Autor), 2015, Freies Marktgeld vs. Zentralbankgeld. Einführung in alternative Geldkonzepte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300685

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