Ganztagsschulen als verkleinertes Abbild kommunaler Bildungslandschaften


Hausarbeit, 2014
14 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ganztagsschulen
2.1 Modelle
2.2 Vor- und Nachteile

3. Vernetzung verschiedener Einrichtungen
3.1 Institution Schule
3.2 Kinder- und Jugendhilfe

4. Bildungslandschaften
4.1 Bildungsbegriff
4.2 Kommunale Bildungslandschaften

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Diskursen zum deutschen Bildungssystem fallen immer wieder die Begriffe Ganztagsschule und Bildungslandschaft. Beiden Konzepten gemeinsam ist die Forderung nach einer verstärkten Öffnung der Schule zur Lebenswelt der SchülerInnen für einen Zugewinn an Entwicklungs- und Erfahrungsmöglichkeiten. Die SchülerInnen sollen besser individuell gefördert, der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft gelöst und Familie und Beruf besser vereinbar werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Kommune, die als Koordinator dient und eine soziale und pädagogische Infrastruktur bietet. Bestehen also Bildungslandschaften aus Kooperationen zwischen Schule und anderen Bildungseinrichtungen? Oder sind Ganztagsschulen die mit anderen Bildungseinrichtungen kooperieren schon Bildungslandschaften? Genügt überhaupt eine Kooperation zwischen einzelnen eigenständigen Einrichtungen oder bedarf es eines ganz neuen Systems?

Im Folgenden wird auf diese Fragen eingegangen und die verschiedenen Begrifflichkeiten näher betrachtet. Zunächst geht es um die Ganztagsschule, ihre Modell und ihre Vor- und Nachteile. Es folgt eine Erläuterung von Kooperationen und Vernetzungen an den Beispielen der Institution Schule und der Kinder- und Jugendhilfe. Daraufhin wird näher auf die Bildungslandschaften eingegangen und dabei besonders der Bildungsbegriff und die Rolle der Kommunen in den Blick genommen. Schließlich werden die Erläuterungen zusammengefasst und eine Antwort auf die Ausgangsfrage, ob Ganztagsschulen ein verkleinertes Abbild kommunaler Bildungslandschaften sind, gefunden.

2. Ganztagsschulen

Der Begriff Ganztagsschule ist nicht eindeutig und steht für verschiedene Formen und Konzepte, die zwar alle an bestimmte Kriterien gebunden aber darüber hinaus frei in ihrer Gestaltung sind. Die Gestaltung ist z. B. abhängig vom Bundesland, der Kommune, der Größe der Einzelschule und der Größe der Kommune (Eisnach, 2010). Trotz des unterschiedlichen Gebrauchs des Begriffs orientieren sich die Schulen an der Definition der Kultusministerkonferenz, die folgende Eigenschaften vorgibt: Betreuung der SchülerInnen bis 16 Uhr, Anregung der persönlichen Interessen (Kunst, Handwerk, Sport, Spiel), Förderung der Fähigkeiten, Vertiefung der Unterrichtsinhalte, Erweiterung des sozialen Erfahrungsaustauschs, Beteiligung der SchülerInnen und Eltern und Förderung der kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Kooperationen. Der Beginn des Ganztagsschulausbaus erfolgte im Jahr 2003 (Zügel, 2011). Diese Bildungsreform gründet sich im demografischen Wandel und der veränderten Kindheits- und Jugendphase im Zusammenhang mit den veränderten familiären Lebensbedingungen (Einzelkinder, Allein-Erziehende, Kinder mit Migrationshintergrund, Patchwork-Familien, …). Ganztagsschulen sollen für eine Entlastung der Eltern sorgen und beim Abbau sozialer Benachteiligung helfen. Hierfür spricht der Zusammenhang zwischen Lernprozessen und emotionalen und sozialen Bedingungen (Prölß, 2003). Die Institution Schule gilt als zentraler Bestandteil sozialer Integration und soll sich von der reinen Unterrichtsschule zum Lebensraum wandeln (Baumheier et al, 2013). Um das Konzept einer Ganztagsschule durchzusetzen, muss sie an mindestens drei Schultagen pro Woche mindestens sieben Zeitstunden betrieben werden und ein warmes Mittagessen bereitstellen. Außerdem müssen alle Angebote im Zusammenhang mit dem Unterricht stehen und ein gemeinsames Konzept verfolgen (außerschulische sowie schulische Angebote) (Zügel, 2011). Mögliche Angebote sind Arbeitsgemeinschaften wie eine Computer- AG, Volleyball-AG, Gitarren-AG oder Chemie-AG. Außerdem wird häufig eine Hausaufgabenbetreuung angeboten (Eisnach, 2010).

2.1 Modelle

Die verschiedenen Auslegungen einer Ganztagsschule können in Formen und Modelle zusammengefasst werden. Aber auch diese Einordnung wird nicht einheitlich gebraucht und unterschiedlich interpretiert. Zunächst lässt sich die Ganztagsschule in einer gebundenen, teilgebundenen oder offenen Form betreiben. Eine gebundene Ganztagsschule zeichnet sich durch die verpflichtende Teilnahme aller SchülerInnen aus, wohingegen die Teilnahme in der teilgebundenen Form nur für einen Teil der SchülerInnen gilt (z. B. einzelne Klassen oder Jahrgänge). Eine offene Ganztagsschule bietet die freiwillige Teilnahme am Ganztagsangebot an, wobei die Entscheidung pro Halbjahr festgelegt werden muss. Im Gegensatz zur (teil-)gebundenen Ganztagsschule, bietet diese Form nur wenig Spielraum in der Strukturierung der Angebote und der Verteilung von Unterricht und zusätzlichen Angeboten. Dies spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Modellen wider. Die Unterschiede liegen in der Verbindlichkeit, der Verbindung der Angebote und der unterschiedlichen Trägerschaften. Im additiven Modell stehen die Schule und andere Einrichtungen eigenständig für sich und trennen Konzepte und Strukturen sowohl inhaltlich als auch zeitlich. Beim integrativen Modell erfolgt die Leitung und Verwaltung durch die Schule. Andere Einrichtungen werden in vorhandene Strukturen integriert. Das kooperative Modell stellt die Schule und andere Einrichtungen eigenständig nebeneinander. Sie verschränken ihre Konzepte und Strukturen (Zügel, 2011).

2.2 Vor- und Nachteile

Auch im Hinblick auf positive oder negative Kritik an Ganztagsschulen wird deutlich, dass es einer einheitlichen Definition und Einordnung in verschiedenen Formen bedarf. Kritische Äußerungen beziehen sich auf die Ganztagsschule an sich, obwohl es eben diese nicht gibt.

Befürworter des Ganztagsschulkonzepts sprechen von besseren Voraussetzungen für die individuelle Förderung der SchülerInnen durch die freie Zeiteinteilung und insgesamt mehr Zeit. Der Bildungserfolg lässt sich von der sozialen Herkunft lösen und wird somit gesteigert (Eisnach, 2010). An anderer Stelle wird betont, dass Bildungsprozesse sowohl durch formelle als auch durch informelle Bildung geschehen aber auch in unterschiedlichen sozialen Zusammenhängen. Hier ist fraglich ob die Institution Schule diese allein herstellen kann. Trotz der Angebote außerhalb des Unterrichts gelten viele Ganztagsschulen nicht als vernetzt, sondern kooperieren höchstens und haben dabei einen additiven Charakter. Die Angebote werden außerdem häufig in Form von Projekten angeboten, sind auf eine bestimmte Zeit begrenzt und werden nicht weitergeführt (Baumheier et al, 2013). Die SchülerInnen erfahren somit keine gesicherten und geordneten Zusammenhänge, obwohl Rituale und feste Strukturen als wichtiger Bestandteil der Kindheit und Jugend gelten (Prölß, 2003). In diesem Zusammenhang werden Ganztagsschulen auch der „Verschulung“ der Kindheit und Jugend beschuldigt, da durch die festen Vorgaben und die Organisation der Schule keine Selbsttätigkeit und Partizipation ermöglicht wird (Stolz, 2009). Seitens des Lehrpersonals wird häufig ein zu hoher Aufwand im Hinblick auf die Organisation, die Finanzierung und den zeitlichen Aufwand und eine damit verbundene zu hohe Belastung beklagt (Zügel, 2011). Diese Überforderung liegt zum Teil an den verschiedenen Zuständigkeiten und Trägerschaften der Angebote. Verschiedene Zuständigkeiten führen zu verschiedenen Verantwortlichkeiten und letztlich dazu, dass es keine Gesamtverantwortung für den einzelnen Schüler/ die einzelne Schülerin gibt (Eisnach, 2010).

3. Vernetzung verschiedener Einrichtungen

Um ein Netzwerk zu gestalten oder um mit anderen Einrichtungen zu kooperieren, sollte deutlich sein was Vernetzung und Kooperation im Einzelnen bedeuten.

Eine Kooperation meint den festen Zusammenschluss mindestens zweier Akteure zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels in Arbeitsteilung. Eine Vernetzung zeichnet sich hingegen durch eine offene Struktur der Mitglieder aus, die zusammenarbeiten, und meint die Verknüpfung einzelner Akteure mit spezifischen Beziehungen in einem System. Es lässt sich auch von einer Weiterentwicklung von Kooperationen sprechen (Eisnach, 2010).

Im vorangegangenen Abschnitt klingen bereits die Schwierigkeiten und Probleme einer Netzwerkgestaltung an. Im Hinblick auf Bildungsnetzwerke gelten die unterschiedlichen Träger und die damit verbundenen verschiedenen Zuständigkeiten als größte Hürde. Aber schon die Tatsache, dass hier in Zuständigkeiten und nicht in Verantwortlichkeiten gedacht wird ist problematisch (Eisnach, 2010). Verschiedene Akteure wie Institutionen, Fachbereiche, Ämter, Vereine oder Verbände handeln unabhängig voneinander, haben keine gemeinsamen Ziele und können sich gegenseitig keine Aufgaben stellen. Häufig ist nicht bewusst, welche Institution welche Aufgabe hat, wer zuständig ist und wer über nötige Kompetenzen verfügt (Stolz, 2009). Auf rechtlicher Seite steht die Institution Schule im Hinblick auf Lehrpläne und Lehrpersonal in staatlicher Trägerschaft. Träger der Bereiche Verwaltung, Finanzielle Mittel und Lehrmittel ist aber die Kommune. Auf kommunaler Ebene liegen außerdem alle weiteren Akteure, die zu einem vernetzten Bildungssystem notwendig sind. Die Kommune ist bspw. Träger der Kinder- und Jugendhilfe, der Musik- und Kunstschulen, der Berufsschulen, der Sportstätten, der Volkshochschulen, der Beratungsdienste und der Kindergärten (Eisnach, 2010). Dennoch hat jeder dieser Akteure verschiedene Aufgaben und Funktionen mit unterschiedlichen Strukturen und gesetzlichen Grundlagen (Zügel, 2009). Dies wird besonders bei der Betrachtung der einzelnen Akteure Schule und Kinder- und Jugendhilfe deutlich.

3.1 Institution Schule

Durch die verschiedenen Träger stehen die Institution Schule und die Kinder- und Jugendhilfe im Bildungssystem für sich. Die Schule hat einen gesetzlichen Bildungsauftrag und gilt neben den Eltern als autonomer Erziehungsträger. Sie bildet ihren Schwerpunkt in Leistung und Qualifikation und arbeitet ergebnisorientiert. Ziel ist es, die SchülerInnen auf ein bestimmtes Bildungsniveau zu bringen und eine Regelversorgung zu gewährleisten. Die Aufgaben der Sozialisation oder der Integration werden häufig nicht gezielt verfolgt, sondern vielmehr nebenbei vermittelt. Bei Entwicklungsrückständen die sich nicht auf die Leistungen beziehen wird die Kinder- und Jugendhilfe als Unterstützung herangezogen (Zügel, 2011).

3.2 Kinder- und Jugendhilfe

Die Bildungsaufgabe der Kinder- und Jugendhilfe ist nicht deutlich definiert. Sie gilt als ergänzende Funktion um das Recht auf Bildung sicherzustellen und ist abhängig von den Eltern. Da sie heteronom arbeitet beruht sie auf Freiwilligkeit.

[...]

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Details

Titel
Ganztagsschulen als verkleinertes Abbild kommunaler Bildungslandschaften
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Bildungslandschaften - vernetzte Bildung zwischen Subjektbezug, Organisationslogiken und kommunalem Raum
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V300706
ISBN (eBook)
9783656968085
ISBN (Buch)
9783656968092
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ganztagsschule, Bildungslandschaften, Jugendhilfe, Schule, Vernetzung
Arbeit zitieren
Liza Springub (Autor), 2014, Ganztagsschulen als verkleinertes Abbild kommunaler Bildungslandschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300706

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