Der Lernerfolg in der Erwachsenenbildung ist von Faktoren wie dem Interesse des Teilnehmers, soziokulturellen Hintergründen, Qualifikation des Lehrpersonals, Unterrichtsmitteln und vielem mehr abhängig. Aber eben auch von dem „Lernraum“.
Denn Farben an den Wänden wirken unterschiedlich auf die Psyche von Menschen. Direktes Tageslicht stimuliert, im Gegensatz zu abgedunkelten oder mit Neonlicht gefluteten Räumen, das Gemüt und trägt somit zum Lernerfolg bei. Eine gut beschilderte Einrichtung mit einem übersichtlichen Grundriss gibt ortsfremden Beteiligten Sicherheit. Ein einladender Eingangsbereich ist die Visitenkarte einer jeden Einrichtung. Und auch in den Unterrichtsräumen selbst könnte durch das Installieren hochmoderner, leistungsstarker Präsentationsmöglichkeiten kombiniert mit einer passenden Audioanlage auf den Lernerfolg Einfluss ausgeübt werden.
Zuletzt sind es die klassischen Tische und Stühle, welche schnell räumlich umgestaltet werden sollten, um den Bedarf der Nutzer gerecht zu werden. Dazu zählt die Ergonomie und Stabilität. Ein ökologischer Hintergrund von Neubauten im Schulwesen prägt Lehrende und Lernende und hätte positive Auswirkungen über die Lehreinrichtung hinaus.
Im Rahmen des Umbaus einer Hamburger berufsbildenden Rettungsdienstschule stellte sich heraus, dass die Konzeptionierung und die Betreuung des Projektes von Faktoren beeinflusst werden, welche den zukünftigen Teilnehmer in seiner Individualität und dem damit verbundenen Lernerfolg nicht in den Fokus rückt, sondern eher physischer Raum geschaffen werden soll, um möglichst viele Absolventen in einem Geschäftsjahr verzeichnen zu können. Die kritische Frage, welche in der vorliegenden Arbeit versucht wird zu beantworten, lautet: Gibt es weitere räumliche Faktoren, die einen positiven Einfluss auf den Lernerfolg ausüben? Oder ist ausreichender Platz gekoppelt mit einem Mindestmaß an Wirtschaftlichkeit das Einzige, was berücksichtigt werden sollte?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lernraum und seine Wirkung auf die Nutzer
2.1. Bauliche Berücksichtigungen des modernen Bildungshauses
2.2. Raumästhetik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des materiell-physischen Lernraums auf den Lernerfolg in der Erwachsenenbildung. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab zu ergründen, ob über rein wirtschaftliche Faktoren wie Raumgröße und Platzausnutzung hinausgehende architektonische und gestalterische Aspekte einen messbaren positiven Effekt auf das Lernumfeld und damit den Lernerfolg der Teilnehmenden ausüben.
- Wirkung von Architektur und Raumgestaltung auf die Psyche der Lernenden
- Bedeutung der Raumästhetik und Farbgebung im Unterrichtskontext
- Ergonomie und Flexibilität der Möblierung
- Integration moderner Medientechnik in Bildungseinrichtungen
- Ökologische Aspekte in der modernen Schularchitektur
Auszug aus dem Buch
Raumästhetik
Ästhetik kommt vom griechischen Wort ‚aisthētikḗ‘ und bedeutet im wissenschaftlichen Sinne ‚Wissenschaft vom sinnlich Wahrnehmbaren‘ (Duden, 2013). Das Wirken der Farbgebung, moderner Medien und das Mobiliar auf die Sinne und die folglich beeinflussende Steuerung der Psyche der Teilnehmer wird begründet durch tief verwurzelte ästhetische Bedürfnisse des Unterbewusstseins. (vgl. Gujan, 1994)
Im Rahmen seiner Diplomarbeit untersuchte Gujan Mitte der 90er die Wirkung der Raumfarbe auf die Schüler einer Primärschule und die klaren Ergebnisse bestätigen frühere Untersuchungen, wie sie bspw. von H. Frieling, Markwartstein oder Nemcsics, Budapest erkannt wurden (vgl. Gujan, 1994).
Im Einzelnen lautete es: - „(…)dass eine zu starke Buntheit der Wandfarbe störend sein kann. - dass Akzentfarben im großen Stil ablenken. - dass luftig – lasierte Farben natürlicher sind und als angenehmer empfunden werden. - dass es keine eigentliche Farbe für das Klassenzimmer geben kann. - dass es auf die Kontraste (Leuchtdichteunterschied) und Mengen der Farben ankommt. - dass Farben Räume weiten oder beengen können. - dass es unmöglich ist, für alle Parteien gemeinsam eine Farbe zu finden, ohne dass die eine oder andere Partei Kompromisse eingeht. - dass wir mit Farbe eine bessere Lernumgebung schaffen können.“ (Gujan, 1994, S. 10)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik der einseitigen, rein quantitativen Raumplanung in Bildungseinrichtungen und stellt die Forschungsfrage nach weiteren raumbezogenen Einflussfaktoren auf den Lernerfolg.
2. Lernraum und seine Wirkung auf die Nutzer: Dieses Hauptkapitel analysiert das soziotechnische System Schule, untersucht die Auswirkungen von Baustoffen, Licht, Klima und Raumgröße sowie die psychologische Bedeutung von Ästhetik und Medienausstattung.
Schlüsselwörter
Lernraum, Lernerfolg, Erwachsenenbildung, Raumästhetik, Schularchitektur, Unterrichtsraum, Farbpsychologie, Ergonomie, Medientechnik, soziotechnisches System, Lernumgebung, Bildungseinrichtung, Raumgestaltung, Lehr-Lern-Prozesse, Nutzerbedürfnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Gestaltung von Lernumgebungen in der Erwachsenenbildung und untersucht, wie physische Faktoren wie Architektur, Raumklima und Ästhetik den Lernerfolg beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der baulichen Konzeption, der psychologischen Wirkung von Farben und Licht, der ergonomischen Ausstattung sowie dem Einfluss moderner Medientechnik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass über die reine Kapazitätsplanung hinausgehende qualitative Faktoren bei der Gestaltung von Unterrichtsräumen essenziell für einen nachhaltigen Lernerfolg sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse bestehender bildungstheoretischer sowie psychologischer Studien zur Raumwirkung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Bildungshaus als soziotechnisches Gebilde, beleuchtet spezifische Variablen wie Licht, Belüftung und Raumgröße und diskutiert die Bedeutung von Raumästhetik und moderner Medientechnik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Lernraum, Raumästhetik, soziotechnisches System, Unterrichtsraum und Lernerfolg charakterisiert.
Was besagt das Konzept „Baukörper = Lehrkörper“?
Dieses Konzept betrachtet das Gebäude selbst als aktiven pädagogischen Partner und integralen Bestandteil des Lehr- und Lernprozesses.
Warum spielt die Farbe eine Rolle im Klassenzimmer?
Farben beeinflussen die psychische Grundstimmung und das Wohlbefinden. Falsche Farbkontraste oder zu starke Buntheit können den Lernprozess stören, während durchdachte Konzepte das Konzentrationsvermögen unterstützen.
Sollten Lernende in die Raumplanung einbezogen werden?
Ja, laut Tremetzberger steht und fällt der Erfolg der Neugestaltung von Unterrichtsräumen mit der Erfüllung der spezifischen Anforderungen und didaktischen Vorstellungen der zukünftigen Nutzer.
- Arbeit zitieren
- Tobias Gruber (Autor:in), 2015, Positive Einflussfaktoren des Lernraumes auf den Lernerfolg. Eine Betrachtung der Unterrichtsräume einer Berufsfachschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300772