Islamische Investmentfonds. Die wichtigsten finanziellen und ökonomischen Prinzipien im Islam und ihre Auswirkungen auf die Struktur und Praktiken islamischer Investmentfonds


Seminararbeit, 2014

22 Seiten, Note: 6.0 entspricht 1,0 in D


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Finanzielle und ökonomische Prinzipien im Islam
2.1 Das Zinsverbot: Riba
2.2 Die Verbote von Unsicherheit und Glückspiel: Gharar und Maysir
2.3 Unrecht- und Rechtmäßiges: haram und halal

3. Islamische Investmentfonds
3.1 Generelle Struktur
3.2 Vertragsarten zwischen Investor und Investmentfonds
3.3 Religiöser Beirat: das Scharia -Board
3.4 Aufgaben des Managements

4. Fallbeispiel Amana Mutual Funds Trust

5. Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Generelle Struktur eines einfach islamischen Investmentfonds

Abbildung 2: Mudaraba-Vertrag

Abbildung 3: Struktur des Amana Mutual Funds Trust

Abbildung 4: Von Saturna Capital Corp. geprüfte Wertpapiere

1. Einleitung

Nicht zuletzt durch die Weltwirtschaftskrise 2008 sind islamische Investmentfonds weiter in das Zentrum der Aufmerksamkeit der Finanzwelt gerückt. Vor allem durch die ihnen zugrundliegenden finanziellen und ökonomischen Prinzipien konnten sie diese nahezu unbeschadet überstehen. Doch auch außerhalb der Finanzwelt im größeren wirtschaftlichen Kontext rückt die Systematik des islamischen Wirtschaftens immer weiter ins Rampenlicht.

Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die Frage nach den finanziellen und ökonomischen Prinzipien, die dem islamischen Wirtschaften zugrunde liegen, und wie sich diese auf die Struktur und Praktiken islamischer Investmentfonds auswirken. Der Fokus liegt hierbei auf den qualitativ grundlegenden Unterschieden zu konventionellen Investmentfonds, die sich bei einem Großteil der islamischen Investmentfonds finden lassen. Als Quellen werden insbesondere das Standardwerk zum Thema „An Introduction to Islamic Finance: Theory and Practice“ von Dr. Zamir Iqbal und Dr. Abbas Mirakhor und das von Sohail Jaffer editiere Werk „Islamic Asset Management“, in dem zahlreiche führende Experten zu Wort kommen, gebraucht.

Im ersten Teil der Arbeit werden die einflussreichsten ökonomischen und finanziellen Prinzipien im Islam charakterisiert. Im zweiten Teil werden die gewonnenen Ergebnisse auf ihre qualitative Auswirkung auf die Struktur und Praktiken islamischer Investmentfonds examiniert und dargelegt, um die Unterschiede schließlich exemplarisch am Amana Mutual Funds Trust zu überprüfen.

2. Finanzielle und ökonomische Prinzipien im Islam

Die islamische Rechtsordnung, Scharia genannt, beinhaltet die Gesamtheit der Gesetze, die das Leben in einer islamischen Gesellschaft regeln. Sie basiert auf dem Koran und auf mündlich überlieferten Geschichten über den Propheten Mohammed. Die Scharia greift aber nicht nur entscheidend in die Rechtsordnung islamischer Gesellschaften ein, sie bestimmt auch, nach welchen Prinzipien gläubige Musliminnen und Muslime wirtschaften dürfen.

Im Folgenden werden die aus Sicht des Autors wichtigsten finanziellen und ökonomischen Prinzipien im Islam charakterisiert. Immer wenn dabei und im Zuge der gesamten Arbeit ein Bezug zum Konventionellen hergestellt wird, wird Konventionelles als das verstanden, was sich nicht nach religiös-rechtlichen Gesetzen ausrichtet. Zudem sei erwähnt, dass die Scharia kein fixiertes Gesetzbuch ist und deshalb verschiedene, modernere und konservativere Auslegungen und Deutungen nebeneinander existieren. Der Autor beschränkt sich in dieser Arbeit auf die modernere Interpretation.

2.1 Das Zinsverbot: Riba

Das Wort Riba kommt aus dem Arabischen und leitet sich vom Verb raba ab, das sich wortwörtlich mit wachsen, vergrößern oder aufblasen übersetzen lässt (Ahmad & Hassan, 2007, S. 2). Riba wird zumeist als Wucher oder Zinsen übersetzt. Die Scharia verbietet das Wirtschaften mit Zinsen ausdrücklich und definiert Zinsen als den Aufpreis, der über den Betrag des ursprünglich gegebenen Kredits, den der Schuldner dem Gläubiger bezahlen muss, hinausgeht (Iqbal & Mirakhor, 2007, S. 53-56).

Der verbotene Zinssatz weist laut Iqbal und Mirakhor (2007, S. 56) zumindest diese vier Charakteristika auf: Erstens ist er positiv und wird ex-ante festgesetzt; zweitens ist er gebunden an die Dauer und Höhe des Kredits; drittens steht seine Zahlung nicht in Abhängigkeit des Zwecks und der Folgen der Kreditaufnahme; und viertens gewährleistet eine Entität dessen Eintreibung und stellt Zahlungsversäumnisse unter Strafe.

Das Zinsverbot hat weitreichende Folgen für Musliminnen und Muslime: Es verbietet ihnen die Inanspruchnahme konventioneller Finanzdienstleistungen wie beispielsweise Zinskredite.

2.2 Die Verbote von Unsicherheit und Glückspiel: Ghararund Maysir

Unter Gharar wird die Unsicherheit verstanden, die bei einem Vertrag aufgrund von Mangel an Informationen oder Kontrolle über den Vertragsgegenstand gegeben ist (Iqbal & Mirakhor, 2007, S. 57). Die Scharia führt explizit die Unsicherheiten an, die sich auf die Qualität, Quantität, Werthaltigkeit oder Existenz eines Vertragsgegenstandes beziehen. Klassische Beispiele hierfür sind der Verkauf der Frucht eines Baumes (Jackson-Moore, 2009, S. 16) oder der eines ungeborenen Kalbes (Ahmad & Hassan, 2007, S. 18). Auch das bewusste Zurückhalten von Informationen einer Vertragspartei gegenüber der anderen fällt unter Gharar.

Durch das Verbot der Scharia von Gharar, soll erreicht werden, dass jede Partei das bestmögliche Wissen über den Vertragsgegenstand besitzt, um Unsicherheiten, Risiken und Spekulation aus dem Weg zu gehen (Ahmad & Hassan, S. 18). In vielen Fällen lässt sich Gharar beseitigen, indem der Vertrag Klarheit über den Vertragsgegenstand schafft, Einigkeit über den Preis gegeben ist und eine gründliche Dokumentation des Vertrags vorliegt (Iqbal & Mirakhor, S. 67).

Enthält ein Vertrag eine Komponente von Gharar, ist er null und nichtig. Ein weiteres Prinzip, das Gharar ähnlich ist, wird Maysir genannt . Maysir lässt sich mit Glücksspiel übersetzen (Jackson-Moore, S. 16). Der Koran verbietet Glücksspiel explizit: „O die ihr glaubt, berauschender Trank, Glücksspiel, Opfersteine und Lospfeile sind nur ein Greuel vom Werk des Satans. So meidet ihn, auf dass es euch wohl ergehen möge!“ (Koran, 5:90) Die zugrundeliegende Logik ist, dass Käufer und Verkäufer gezwungen werden, etwas zu kaufen bzw. zu verkaufen, dessen Wert sie nicht kennen (Dau-Schmidt, 2012, S. 541).

Da konventionelle Verträge nach Ansicht der Scharia Gharar und Maysir nicht ausschließen, sind sie verboten.

2.3 Unrecht- und Rechtmäßiges:haram und halal

Als haram werden all jene Dinge bezeichnet, die von der Scharia, gemäß der Übersetzung, als unrechtmäßig bzw. unzulässig beschrieben werden. Das Antonym zu haram ist halal und kann dementsprechend als rechtmäßig bzw. zulässig übersetzt werden. Musliminnen und Muslime dürfen nur Güter konsumieren, die halal sind.

Basierend auf den Gesetzen der Scharia werden u. a. folgende Dinge als haram bezeichnet (Jackson-Moore, S. 16-17, 120; Hayat, Den Butter & Kock, 2012, S. 602; Norman, 2004, S. 6-7):

-Alkohol
-Casinos, Lotterien oder andere Glücksspiele
-hohe Schulden
-konventionelle Finanzdienstleistungen
-konventionelle Verträge
-Unterhaltung wie bspw. Musik, Theater oder Filme
-Pornographie
-Produkte, die in Bezug zu Schweinen stehen
-Tabak
-Waffen
-Zinsen

Es ist nicht nur der direkte Bezug zu diesen Dingen unrechtmäßig, sondern auch der indirekte. Es darf beispielsweise mit keiner Aktie einer Bank gehandelt werden, die den Großteil ihrer Erträge durch Geschäfte mit Unternehmen erzielt, welche Zinsgeschäfte tätigen.

3. Islamische Investmentfonds

Die Beschränkung für Musliminnen und Muslime auf den Konsum von Gütern und Dienstleistungen, die halal sind im Generellen und das Verbot der Scharia von konventionellen Verträgen im Speziellen haben unmittelbare Auswirkungen auf die Struktur und Praktiken von islamischen Investmentfonds.

Um einer muslimischen Investorin bzw. einem muslimischen Investor ein Investment zu ermöglichen, muss ein islamischer Investmentfonds Scharia -konforme Verträge anbieten.

Um garantieren zu können, dass ein Investment halal ist und ein Investmentfonds halal handelt, müssen weitreichende Überprüfung des Investments seitens des Investmentfonds vorgenommen werden. Laut der Accounting and Auditing Organization of Islamic Financial Institutions (AAOIFI), die in weiterer Folge aufgrund ihres Bekanntheitsgrades und ihrer Signalwirkung für das islamische Finanzwesen immer wieder zitiert wird (Hayat, Den Butter & Kock, 2012, S. 603), soll dies durch ein eigenständiges, eigens dafür geschaffenes Gremium, dem sogenannten Scharia -Board, vollzogen werden (Accounting and Auditing Organization of Islamic Financial Institutions [AAOIFI], 1998, S. 32).

Auch das Management eines islamischen Investmentfonds hat gegenüber dem eines konventionellen Aufgaben, die allein der Sicherstellung der Scharia -Konformität der Geschäftsaktivitäten dienen (Norman, 2004, S. 5-6).

3.1 Generelle Struktur

Abbildung 1: Generelle Struktur eines einfach islamischen Investmentfonds

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigentum des Autors, in Anlehnung an Norman, 2004

Abbildung 1 zeigt die typische Struktur eines einfachen islamischen Investmentfonds. Im Generellen hängt die Struktur eines Investmentfonds von den rechtlichen Voraussetzungen ab, denen sie unterliegt. Wo der Investmentfonds beispielsweise gegründet wurde, mit welcher Art von Anlagegütern er handelt und wo diese Anlagegüter beheimatet sind (Norman, 2004, S. 5-6). Des Weiteren spielen steuerliche Überlegungen eine Rolle. Es kann folglich durchaus Unterschiede zwischen einem Investmentfonds, der in den USA beheimatet ist und mit Anteilen an Unternehmen handelt und einem, der in Saudi-Arabien seinen Sitz hat und mit Rohstoffen handelt, geben. Die generelle Struktur ist in den meisten Fällen jedoch die gleiche.1

[...]


1 Abbildung 1 zeigt überdies, dass ein Management Unternehmen einen gewissen Anteil der Aktien der Gesellschaft mit beschränkter Haftung, also der juristischen Person, die hinter dem Investmentfonds steht, halten muss, um als Management des Investment- fonds auftreten zu können. Dies unterscheidet sich nicht zu konventionellen Investmentfonds.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Islamische Investmentfonds. Die wichtigsten finanziellen und ökonomischen Prinzipien im Islam und ihre Auswirkungen auf die Struktur und Praktiken islamischer Investmentfonds
Hochschule
Universität St. Gallen
Note
6.0 entspricht 1,0 in D
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V300866
ISBN (eBook)
9783668000926
ISBN (Buch)
9783668000933
Dateigröße
842 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
islamische, investmentfonds, prinzipien, islam, auswirkungen, struktur, praktiken
Arbeit zitieren
Moritz Gassner (Autor), 2014, Islamische Investmentfonds. Die wichtigsten finanziellen und ökonomischen Prinzipien im Islam und ihre Auswirkungen auf die Struktur und Praktiken islamischer Investmentfonds, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300866

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Islamische Investmentfonds. Die wichtigsten finanziellen und ökonomischen Prinzipien im Islam und ihre Auswirkungen auf die Struktur und Praktiken islamischer Investmentfonds



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden