Die Hochzeit der griechischen Kolonisation begann etwa um 800 v. Chr. und erstreckte sich von Spanien, über Italien und Nordafrika, bis an die Schwarzmeerküste. Die Region des westlichen Mittelmeerraumes wurde als letzte kolonisiert und die Haupttätigkeit hierbei lag bei der kleinasiatischen Stadt Phokaia. Die Phokaier waren auch für die Gründung Massalias an der Rhônemündung verantwortlich.
Phokaia war zwar eine sehr wohlhabende, prosperierende Stadt, hatte jedoch nur sehr begrenzte Möglichkeiten zum Getreideanbau. Man könnte also vermuten, dass Phokaia bestrebt eine oder mehrere Kolonien zu gründen um die eigene Getreideversorgung sicherzustellen.
Massalia wurde jedoch an einem Ort gegründet, an dem der Getreideanbau ebenfalls nicht sonderlich ertragreich war.
Es stellt sich also die Frage, aus welchen Gründen eine Stadt mit solchen Schwierigkeiten eine Kolonie gründet an einer Stelle, die sich mit denselben Problemen befassen muss.
Außerdem ist die Frage zu beantworten, wie Massalia in der Region bestehen und zu solchem Reichtum kommen konnte. Es lag umgeben von feindlich gesinnten Völkern und Reichen. Da waren die Phönikier, die Konkurrenten um die Handelsrouten nach Tartessos, die Karthager und Etrusker, die im Bündnis die Phokaier zwangen ihre Kolonie auf Korsika aufzugeben. Und unmittelbar neben Massalia lebten aggressive keltische Stämme.
Um diese Fragen zu beantworten, wird diese Arbeit zunächst die Stadt Phokaia, sowie den westlichen Mittelmeerraum vorstellen. Desweiteren wird der Gründungsakt Massalias beschrieben und die ökonomische und politische Situation analysiert und beschrieben, bis Massalia 49. V. Chr. letztlich von den Römern erobert wird.
Grundsätzlich ist noch anzumerken, dass sich die Quellenlage als äußerst schwierig darstellt. Es gibt keinen Massalioten selbst, der über die Geschichte seiner Stadt geschrieben hat. Die einzigen literarischen Quellen, die zur Verfügung stehen, wurden erst wieder nach 350 v. Chr. verfasst.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Die Mutterstadt Phokaia
3. Der westliche Mittelmeerraum
4. Die Gründung Massalias
5. Politik und Ökonomie
6. Weitere Entwicklung bis 49 v. Chr.
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Hintergründe der Gründung und die wirtschaftliche sowie politische Entwicklung der griechischen Kolonie Massalia bis zu ihrer Eroberung durch Caesar im Jahr 49 v. Chr., mit besonderem Fokus auf die Rolle der Mutterstadt Phokaia und die Herausforderungen im westlichen Mittelmeerraum.
- Die Rolle der Stadt Phokaia als maritime Handelsmacht und Initiatorin der Koloniegründung.
- Geografische und strategische Faktoren im westlichen Mittelmeerraum zur Zeit der Besiedlung.
- Die ökonomische Bedeutung von Handelsrouten, Weinbau und lokaler Tauschwirtschaft.
- Das politische System der Timuchen als Rat wohlhabender Bürger.
- Die komplexe, wechselhafte Beziehung Massalias zum Römischen Reich.
Auszug aus dem Buch
4. Die Gründung Massalias
Massalia wurde um das Jahr 600 v. Chr. von Phokaiern gegründet. Konkurrierende Gründungsdaten, vor allem 565 und 545, lassen sich durch archäologische Funde nicht bestätigen. Nach Iustin stand die Flotte der Phokaier unter der Führung von Protis und Simos. Nach einem Abstecher nach Rom, um ein Bündnis zu schließen, waren sie von dem Gebiet des heutigen Marseille so in Beschlag genommen, dass sie hier eine Stadt gründeten. Hierzu wandten sie sich an den König der Segobrigier, Nannos. Dieser war günstiger weise gerade damit beschäftigt, die Hochzeit seiner Tochter Gyptis zu organisieren. Während des Festmahls reichte diese dem Protis das Wasser, was so viel zu bedeuten hatte, dass sie ihn als ihren Gemahl auserwählte. Die Hochzeit fand sofort und vor Ort statt, so dass die Griechen das Gebiet um die zukünftige Stadt zum Geschenk erhielten. Wie viel hiervon wahr ist sei dahingestellt, jedoch ist festzustellen, dass sich die Lage, nahe der Rhônemündung und die Bucht Massalias, der Lakydon, als ausnehmend geeignetes Gelände zur Gründung einer Stadt erwies.
Jedoch ist äußerst unwahrscheinlich, dass Protis und Simos nichtsahnend die Küste entlang segelten und sich spontan entschieden, an diesem prächtigen Ort eine Stadt zu gründen. Vielmehr dürfte die Gründung Massalias eine durchdachte und lange geplante Idee gewesen sein. Vorausgegangen waren lange, intensive Handelsbeziehungen in diesem und über dieses Gebiet. Desweiteren kann man davon ausgehen, dass die Landnahme der Griechen, ob mit oder ohne Ehe, friedlich in Zuge eines Bündnisses mit dem ansässigen Stammesfürsten und nicht in Form einer Eroberung von statten ging. Im weiteren Verlauf jedoch kam es immer wieder zu mehr oder weniger schweren Auseinandersetzungen zwischen den Massalioten und den keltischen und gallischen Nachbarstämmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Fragestellung nach den Gründen für die Gründung einer Kolonie in einer topografisch schwierigen Region und die Bedeutung der schwierigen Quellenlage.
2. Die Mutterstadt Phokaia: Hier wird die Geschichte Phokaias als maritime, handelsorientierte Stadt beleuchtet, deren ungünstige Bedingungen beim Getreideanbau die Expansion in Kolonien forcierte.
3. Der westliche Mittelmeerraum: Dieses Kapitel beschreibt die geopolitische Situation des Mittelmeerraums vor und während der griechischen Kolonisation, insbesondere die Konkurrenz zwischen Phönikern, Griechen und lokalen keltischen Stämmen.
4. Die Gründung Massalias: Der Fokus liegt hier auf dem Gründungsakt um 600 v. Chr., den mythologischen Erzählungen sowie der strategischen Bedeutung der Lage für den Handel.
5. Politik und Ökonomie: Hier werden die Wirtschaftsstruktur (Handel, Weinbau, Münzwesen) und die politische Verwaltung durch den Rat der 600, die Timuchen, analysiert.
6. Weitere Entwicklung bis 49 v. Chr.: Dieses Kapitel behandelt das Verhältnis Massalias zu Rom, die militärischen Herausforderungen durch lokale Stämme sowie den endgültigen Verlust der Unabhängigkeit im Bürgerkrieg.
7. Resümee: Das Fazit fasst zusammen, dass Massalia als Handelsstützpunkt höchst erfolgreich war, aber ohne die Allianz mit Rom in einem feindseligen Umfeld kaum hätte bestehen können.
Schlüsselwörter
Massalia, Phokaia, Griechische Kolonisation, Handel, Antike, Mittelmeerraum, Rom, Timuchen, Kelten, Weinhandel, Wirtschaftsgeschichte, Siedlungsgeschichte, Antike Politik, Kolonialgründung, Tartessos
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beleuchtet die Gründung und den historischen Aufstieg Massalias von einer phokäischen Kolonie zu einer wohlhabenden Handelsmetropole bis hin zur römischen Eroberung im Jahr 49 v. Chr.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die koloniale Expansionspolitik der Stadt Phokaia, die ökonomischen Handelsbeziehungen im westlichen Mittelmeer und die politische Organisation der massaliotischen Stadtverwaltung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit hinterfragt, warum die Phokaier eine Kolonie an einem Ort gründeten, der ähnliche landwirtschaftliche Defizite aufwies wie die Mutterstadt selbst, und wie sie unter feindlichem Druck zu großem Reichtum gelangen konnten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung basiert auf einer historischen Quellenanalyse unter Einbeziehung antiker Berichte (Iustin, Strabon) und archäologischer Sekundärliteratur zur Kolonisationsgeschichte.
Welche Aspekte stehen im Mittelpunkt des Hauptteils?
Im Hauptteil werden der Gründungsmythos, die Handelsbeziehungen (insbesondere der Weinhandel), das Münzwesen und die komplexe, teils instabile Allianz mit Rom detailliert analysiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Massalia, Phokaia, Handelsstützpunkt, Kolonisation, Timuchen und antike Wirtschaftsgeschichte charakterisiert.
Warum war der Weinhandel für Massalia so bedeutsam?
Da die Region für den Getreideanbau nur eingeschränkt geeignet war, entwickelte sich der Weinhandel zu einer Haupteinnahmequelle, insbesondere da die lokalen keltischen Stämme eine hohe Nachfrage hatten.
Welche Rolle spielten die Timuchen in der Stadtverwaltung?
Die Timuchen bildeten einen Rat von 600 wohlhabenden Bürgern, der die Geschicke der Stadt lenkte und deren Führungsgremium maßgeblich militärische und richterliche Aufgaben übernahm.
Warum änderte Massalia im römischen Bürgerkrieg seine neutrale Haltung?
Massalia versuchte zunächst neutral zu bleiben, musste sich jedoch letztlich für eine Seite entscheiden, wählte Pompeius und verlor dadurch nach der Niederlage gegen Caesar seine langjährige Unabhängigkeit.
- Citation du texte
- Sidney Sauer (Auteur), 2011, Die Gründung und die Entwicklung der Stadt Massalia bis 49 v. Chr., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300993