Scherzkommunikation im Alltag. Inkongruenztheorie, Witz und Ironie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
17 Seiten, Note: 1,3
Susan Matz (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Inkongruenztheorie

3 Analyse: Witz

4 Analyse: Ironie

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Scherzkommunikation kann im Alltag in unterschiedlichsten Formen auftreten. Beispielsweise können Ironie, Witze oder auch Frotzeleien in scherzhafter Rede vorkommen mit dem Zweck Humor zu vermitteln.

Möchte man sich genauer mit Aufbau, Funktionen und Wirkungsweisen von Scherzkommunikation beschäftigen, so empfiehlt es sich, Humortheorien anzuwenden. Mit Hilfe der Inkongruenztheorie, der Framesemantik und der Implikaturtheorie kann man zum Beispiel ganz neue und verschiedenartige Sichtweisen eröffnen und diverse Aspekte konkreter betrachten und untersuchen.

In diesem Portfolio wird zunächst die Inkongruenztheorie vorgestellt. Dazu werden einige markante Unterscheidungen an Beispielen demonstriert und anschließend auf diverse Spezifizierungen eingegangen.

Im Folgenden werden die Form und der Aufbau des Witzes an einem konkreten Text anschaulich gemacht und mit Hilfe der Inkongruenztheorie relevante Faktoren herausgearbeitet.

Des Weiteren werden anhand einer scherzhaften Rede mit ironischer Aussage markante Merkmale der Ironie, Aufbau und Form der konkreten Rede sowie Implikaturen herausgearbeitet.

2 Inkongruenztheorie

Die Inkongruenztheorie ist eine Humortheorie, welche von einer Inkongruenz zwischen der Vorstellung bzw. Erwartung und dem Tatsächlichem ausgeht. Die Inkongruenz wird deutlich, wenn das Erwartete nicht eintritt und man feststellen muss, dass man sich getäuscht hat. Auslöser für das Lachen ist der überraschende, unerwartete Verlauf. Doch die Inkongruenztheorie beschäftigt sich allerdings weniger mit emotionalen Aspekten der Scherzkommunikation, sondern eher mit Auswirkungen in kognitiver Hinsicht. Inkongruenzen zeigen sich nicht nur auf semantischer Ebene. Sie können beispielsweise auch auf sprachlicher Ebene oder hinsichtlich intertextueller Bezüge auftreten.

Dieses Erklärungsmodell besteht in unterschiedlichen, voneinander abweichenden Ausführungen, der Aspekt bezüglich der Inkongruenz bleibt konstant inbegriffen. Schopenhauer beschrieb die „plötzliche Wahrnehmung einer Inkongruenz zwischen Konzept und realem Objekt“.1 Freud erklärte, dass im Witz Ähnliches im Unähnlichen zu finden sei und definiert diesen als intellektuelle Leistung.2 Der Schriftsteller Arthur Koestler prägte diesbezüglich den Begriff der Bisoziation: Die Inkongruenz besteht aus zwei, nicht miteinander zu vereinbaren den Bezugsrahmen, welche in Beziehung zueinander gebracht werden. Zentraler Kern ist dabei die Kombination von Humor und Kreativität. Beide Bezugsrahmen bringen Assoziationen mit sich und für die Rezeption ist ein Wechsel zwischen diesen notwendig.3

Veranschaulichen lässt sich Inkongruenz am semiotischen Dreieck nach Ogden und Richards. Geht man vom Zeichenträger bzw. Ausdruck ‚Bank‘ aus, so kann eine Inkongruenz zwischen Referenzobjekt (Bank als Sitzgelegenheit) und Inhalt bzw. Vorstellung (Bank als Kreditinstitut) entstehen.

Das Humorhafte entsteht durch die Gegenüberstellung der Inkongruenzen, welche Normen auflösen lässt. Das Erkennen der Inkongruenzen setzt Welt- und Sprach-wissen voraus. Es können eine oder mehrere Inkongruenzen vorhanden sein. In vielen Scherzreden ist eine zentrale Inkongruenz zu finden, die zwei Kontraste verknüpft. Diese Verbindung entsteht durch eine Schaltstelle, welche „ein an prominenter Stelle stehendes Wort, eine Phrase oder eine Handlung, die wegen ihrer Mehrdeutigkeit (…) unterschiedlichen Wissensbereichen zugeordnet werden können“4.

Beispiel: „Herr Ober, zahlen, bitte!“ – „Siebzehn, Drei, Sieben, Zwölf.“

Die Schaltstelle ist in diesem Beispiel das Wort ‚zahlen‘. Im Wissensbereich bezüglich des Kunden beschreibt es den Wunsch, die Rechnung der Speisen oder Getränke zu begleichen. Der Rezipient dieser Scherzrede nimmt ebenfalls diesen Wissensbereich wahr, denn er hat eine konkrete Haltung bezüglich seiner Erwartung, welche geprägt ist durch das vorhandene Erfahrungswissen hinsichtlich der Gastronomie. Die Antwort des Obers stammt aus einem anderen Wissensbereich, nämlich dem der Zahlen als Nummern. Die Erwartung des Kunden und des Rezipienten verwirklicht sich nicht und weicht erheblich von der Vorstellung ab. Die Schaltstelle eröffnet zwei Bezugsrahmen, welche beide Redeteile nachvollziehbar machen. Kann der Rezipient einen Sinn in der Inkongruenz der semantischen Mehrdeutigkeit finden, so ist er fähig, diese auszugleichen und kann die Scherzrede lustig finden. Bleibt die Bedeutung unklar, so bringt die Inkongruenz lediglich Verwirrung. Der Rezeptionsprozess der Inkongruenz lässt sich somit in zwei Stufen unterteilen. In der ersten Stufe wird die Inkongruenz wahrgenommen. In der zweiten Stufe werden unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten erkannt und die Inkongruenz aufgelöst. Die Auflösung bedeutet allerdings nicht, dass die Bezugsrahmen dadurch miteinander kongruent werden. Es heißt lediglich, dass die Funktion der Inkongruenz erfasst und der damit verbundene Humor verstanden wird.

Inkongruenzen können unterschiedlich eingeführt werden. Man spricht von einem harten Einsatz, wenn „ein zur aufgebauten Erwartung inkongruentes Element oder Wissensmuster direkt und unmittelbar sprachlich oder visuell eingeführt wird“5. Zudem kann die Schaltstelle nur sehr schwach erscheinen oder auch komplett fehlen.

Beispiel:

„Mami, Mami, ich will nicht in die Antarktis!“ – „Sei still und schwimm weiter!“

Hier wird entgegen der Erwartung, dass eine Reise in die Antarktis ansteht und die Mutter dies eventuell rechtfertigt, direkt eine für den Rezipienten inkongruente Antwort der Person geliefert. Die Inkongruenz folgt unmittelbar, nachdem ein anderer Bezugs-rahmen aufgemacht wurde. Der Rezipient hätte nicht erwartet, dass die betreffenden Personen bereits schwimmend auf dem Weg dorthin sind. Eine Schaltstelle ist nicht vorhanden, was den harten Einsatz unterstreicht.

Ein weicher Einsatz kommt zustande, wenn „aus einem eingeführten Muster heraus ein inkongruentes Element nach und nach entwickelt wird“6.

Beispiel:

Eine Frau hat immer Besuch von ihrem Liebhaber. Eines Tages versteckt sich der neunjährige Sohn im Schrank um zu beobachten, was die beiden denn so machen. Auf einmal kommt der Ehemann überraschend nach Hause und die Frau versteckt ihren Liebhaber im Schrank:

Sohn: „Dunkel hier drinnen…“

Liebhaber: „Stimmt.“

Sohn: „Ich hab einen Fußball…“

Liebhaber: „Schön für dich.“

Sohn: „Willst du den kaufen?“

Liebhaber: „Nee, vielen Dank!“

Sohn: „Mein Vater ist draußen!“

Liebhaber: „Ok, wie viel?“

Sohn: „250 Euro.“

In den nächsten Wochen passiert es nochmal, dass der Sohn und der Liebhaber im gleichen Schrank enden.

Sohn: „Dunkel hier drinnen…“

Liebhaber: „Stimmt.“

Sohn: „Ich hab Turnschuhe.“

Liebhaber seufzend: „Wieviel?“

Sohn: „500 Euro.“

Nach ein paar Tagen sagt der Vater zum Sohn:

„Nimm deine Fußballsachen und lass uns eine Runde spielen.“

Sohn: „Geht nicht, hab ich alles verkauft!“

Vater: „Für wie viel?“

Sohn: „750 Euro.“

Vater: „Unglaublich, wie du deine Freunde betrügst – das ist viel mehr als die Sachen gekostet haben. Ich werde dich zum Beichten in die Kirche bringen!“

Der Sohn setzt sich in den Beichtstuhl und schließt die Tür.

Sohn: „Dunkel hier drinnen…“

Pfarrer: „Hör auf mit der Scheiße!“

Das eingeführte Muster ist das wiederholte Zusammentreffen vom Sohn und dem Liebhaber im Schrank, wobei das Gespräch immer wieder mit „Dunkel hier drinnen…“ beginnt. Die Inkongruenz wird mit weichem Einsatz eingeführt, da sie sich nach und nach entwickelt. Zunächst klingt die Situation plausibel, dass der Liebhaber den Fußball völlig überteuert kauft, um sein Geheimnis zu wahren. Dass er es allerdings darauf anlegt und es dann auch dazu kommt, dass er ein weiteres Mal in diese Situation kommt, führt eine leichte Kontur der Inkongruenz ein. Der Kauf der Turnschuhe und die Reaktion des Vaters verstärken den Ansatz der Inkongruenz weiterhin. Das etablierte Muster wird mit dem letzten Redeteil von dem erwartungsgemäßen Verlauf gelöst. Die Inkongruenz wird vollständig ersichtlich und eingeführt. Ein hoher Grad an Abweichung von der Vorstellung wird zudem erzeugt, weil die Situation in eine Kirche verlagert und der Liebhaber als Pfarrer enttarnt wird.

Es ist aber auch möglich, dass die schrittweise Einführung und Stärkung der Inkongruenz dem Rezipienten erst im Nachhinein plausibel wird. Es ist dann „eine individuelle Entscheidung, ob schon die erste Einschränkung als inkongruent zu beschreiben ist oder nicht“7. Bei auditiver Rezeption ist eine konkrete Feststellung über den Zeitpunkt des Einsatzes ohnehin nicht möglich. Bei schriftlich fixierten Texten kann man den exakten Zeitpunkt der Einführung oft im Nachhinein feststellen. Allerdings wäre dies dann immer ein Beweis dafür, dass es sich um einen weichen Einsatz handelt. Für die Unterscheidung von hartem und weichem Einsatz kann auch die sprachliche Gestaltung von Bedeutung sein, wenn beispielsweise Pausen oder ein hohes Sprechtempo enthalten sind.

[...]


1 Kotthoff 1996b, S. 10

2 vgl.: ebd., S. 10

3 vgl.: ebd., S. 11

4 ebd., S .21

5 ebd., S. 30

6 ebd., S. 30

7 ebd., S. 32

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Scherzkommunikation im Alltag. Inkongruenztheorie, Witz und Ironie
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Deutsche Philologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V301170
ISBN (eBook)
9783656979616
ISBN (Buch)
9783656979623
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Scherzkommunikation, Inkongruenztheorie, Witz, Ironie, Implikaturen, Humor, Helga Kotthoff
Arbeit zitieren
Susan Matz (Autor), 2014, Scherzkommunikation im Alltag. Inkongruenztheorie, Witz und Ironie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301170

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