Der Boden der Rüstungsaltlast „Werk Kiefer“ in Herzberg am Harz ist partiell hochgradig mit sprengstoffspezifischen Rückständen belastet. Der Standort befindet sich im der Südharzer Sulfatkarstlandschaft – von hier gelangen die Umweltgifte ungehindert in den Untergrund und belasten das Pöhlder Becken. Diese Situation ist den zuständigen Behörden spätestens seit 1987 bekannt, aber ein Rechtsstreit behinderte bis 2014 die Sanierung.
Inhaltsverzeichnis
1. Rüstungsaltlast der NS-Zeit in der Sieberaue im Südharz
2. Rüstungsproduktion im Dritten Reich
3. Umweltauswirkungen des Werks Kiefer
4. Wie geht es weiter?
5. Kein Einzelfall
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der historischen Aufarbeitung und den ökologischen Langzeitfolgen der Rüstungsaltlast „Werk Kiefer“ in Herzberg am Harz, wobei insbesondere die Gefahr für das Grundwasser in der Karstlandschaft durch sprengstoffspezifische Rückstände sowie die juristischen Hürden der Sanierungsverantwortung im Fokus stehen.
- Historische Nutzung des Standortes Pfingstanger
- Strukturen der Rüstungsproduktion im Dritten Reich
- Geologische Besonderheiten und Schadstoffausbreitung im Karst
- Langjährige Rechtsstreitigkeiten zur Altlastensanierung
- Vergleichbare Rüstungsaltlasten in der Region
Auszug aus dem Buch
Umweltauswirkungen des Werks Kiefer (weitgehend nach MOLDE 1998)
Die ehemalige Munitionsfabrik Herzberg am Harz liegt auf einem schmalen, maximal 200 m breiten und ca. 1,2 km langen Gelände, dem sog. „Pfingstanger“. Es wird im Norden durch das Flussbett der Sieber und im Süden durch die ca. 50 m aufsteigende Schichtstufe des Schlossberges begrenzt. Die Gesamtfläche beträgt ca. 12 ha.
Geologisch ist das Untersuchungsgebiet dem Bereich der Harzrandsenke zuzuordnen, aufgebaut aus den nach Süd-Südwest einfallenden Sedimentfolgen des Zechsteins und des Unteren Buntsandsteins, die von 5 bis über 30 m (im Bereich des Städtischen Bauhofs) mächtigen Aufschüttungen quartärer Lockersedimente bedeckt sind. Das Gebiet ist Teil einer Subrosionssenke, die von Erdfällen durchsetzt ist. Die Sieber durchläuft hier in ihrem Mittellauf eine Versickerungsstrecke, wo sie beträchtliche Wassermengen verliert (SCHMIDT 1979). Der oberflächennahe Porengrundwasserleiter in den kiesigen Niederterrassensedimenten steht über Erdfälle in hydraulischem Kontakt zum Tiefengrundwasser in den verkarsteten Zechsteinserien (JORDAN 1979). Dadurch können oberflächlich in das Grundwasser eingetragene Stoffe rasch in tiefere Stockwerke gelangen und bis in das südlich anschließende Pöhlder Becken transportiert werden, das als Trinkwasserreservoir von herausragender Bedeutung ist (NLFB 1982). Es ist somit von einem Stofftransport vom Standort Herzberg am Harz bis zur Rhumequelle auszugehen. Dieser Zusammenhang wurde bereits von THÜRNAU (1913) durch einen Markierungsversuch mit Uranin nachgewiesen.
Zusammenfassung der Kapitel
Rüstungsaltlast der NS-Zeit in der Sieberaue im Südharz: Dieser Abschnitt beschreibt die wechselvolle Geschichte des Standortes Pfingstanger von der Textilindustrie bis hin zur Sprengstoff-Füllstelle der DAG während des Zweiten Weltkriegs.
Rüstungsproduktion im Dritten Reich: Hier wird die rechtliche und strukturelle Organisation der Rüstungsindustrie durch das sogenannte „Rüstungs-Viereck“ und die Rolle der Montan-GmbH erläutert.
Umweltauswirkungen des Werks Kiefer: Das Kapitel analysiert die geologischen Risiken durch die Karstlandschaft und dokumentiert die hochgradige Kontamination des Bodens durch Explosivstoffe wie TNT.
Wie geht es weiter?: Dieser Teil beleuchtet die langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen um die Sanierungspflicht und die Finanzierung der Altlastenbeseitigung zwischen dem Landkreis Osterode und den Rechtsnachfolgern der DAG.
Kein Einzelfall: Der Abschluss verdeutlicht anhand eines Vergleichsfalls, dass die Problematik der Rüstungsaltlasten eine regionale Herausforderung für das Grundwassermanagement im Harz darstellt.
Schlüsselwörter
Rüstungsaltlast, Werk Kiefer, Herzberg am Harz, Sprengstoffproduktion, Bodenkontamination, Karstlandschaft, Grundwassergefährdung, TNT, Umweltschutz, Sanierung, Montan-GmbH, Rüstungsviereck, Pöhlder Becken, Altlastenrecht, Trinkwasserschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ökologischen Gefahren und die komplexe historische sowie juristische Aufarbeitung der Rüstungsaltlast „Werk Kiefer“ in Herzberg am Harz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg, den geologischen Risiken im Karstgestein und der langjährigen Auseinandersetzung um die Sanierung der Bodenverunreinigungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Dringlichkeit einer Sanierung des Standortes Pfingstanger angesichts der akuten Bedrohung für das Trinkwasserreservoir im Pöhlder Becken zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer Zusammenführung historischer Fakten, geologischer Gutachten und rechtlicher Dokumente zur Rüstungsaltlasten-Problematik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Schadstoffausbreitung im Untergrund, die Identifikation der Verantwortlichen und die verfahrensrechtlichen Hürden bei der Schadensbehebung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rüstungsaltlast, TNT, Karstgrundwasser, Sanierungspflicht und Umweltschutz charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Karstlandschaft für die Problematik?
Die Karstlandschaft begünstigt die ungehinderte Ausbreitung von Schadstoffen, da diese durch wasserlösliche Gesteinsschichten schnell in tiefere Grundwasserschichten gelangen können.
Warum konnte die Sanierung jahrzehntelang nicht umgesetzt werden?
Die Sanierung wurde durch einen langwierigen Rechtsstreit zwischen dem Landkreis und den Rechtsnachfolgern der DAG über die finanzielle Zuständigkeit blockiert.
Was passierte mit dem Werk Kiefer nach dem Krieg?
Das Werk wurde 1945 durch eine Explosion zerstört, später von den Alliierten demontiert und die Fläche nachfolgend unterschiedlich genutzt, unter anderem als städtischer Bauhof.
- Citar trabajo
- Dr. Friedhart Knolle (Autor), 2015, Geschichte und Umweltprobleme der Rüstungsaltlast Munitionswerk „Kiefer“ am Pfingstanger in Herzberg am Harz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301431