Eine bescheidene Divergenz zieht sich durch die Börsennachrichten der Zeitschriften des vergangenen Jahres. Während einige Journalisten über Parallelen mit dem Börsencrash im Jahr 1929 berichten, gelingt es einem Chinesen mit dem Namen Jack Ma mit Alibaba den bisher größten Börsengang aller Zeiten zu erzielen. Investoren konnten sich dabei über 320 Millionen Aktien zu einem Emissionspreis von 68 Dollar freuen, wobei der faire Wert der Aktie zwischen 66 und 68 Dollar ermittelt wurde. Dabei dauerte es nicht einmal zwei Monate bis viele Anleger Zeichnungsgewinne von über 30% erreichen konnten.
Wie ist es möglich, dass ein derartiger Erfolg erzielbar ist, wenn der Emissionspreis schon den höchsten Wert innerhalb der Preisspanne von 66 bis 68 Dollar annahm? Eine Antwort auf diese Frage ist wohl hypothetisch. Jedoch besteht die Möglichkeit, eine Betrachtung des derzeit gängigen Preisfindungsverfahrens bei Neuemissionen und Einflussmöglichkeiten von Akteuren auf den Börsenkurs vorzunehmen. In Anlehnung daran lautet das Thema dieser Arbeit: Bookbuilding und Kurspflege.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Vorstellung des Bookbuilding - Verfahrens im Zusammenhang mit Kurspflegemaßnahmen, um daraus eine Aussage über die Güte des Verfahrens zur Preisfindung bei Erstemissionen zu treffen. Es wird unterstellt, dass eine erstmalige Börsenplatzierung unter einer Fremdemission durch Konsortialbanken erfolgt. Außerdem wird nicht weiter auf Abwandlungen des Verfahrens im internationalen Kontext eingegangen. Weiterhin werden nur Kurspflegemaßnahmen durch die Emissionsbanken, Emittenten oder die Altaktionäre betrachtet, die zeitlich mit Beginn des Preisfindungsverfahrens möglich sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Grundsätze zur Kurspflege
2.2 Probleme beim Auktionsverfahren
3. Emissionspreisfindung durch Bookbuilding
3.1 Grundsätze
3.2 Durchführung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Bookbuilding-Verfahren im Kontext von Kurspflegemaßnahmen vorzustellen, um daraus eine fundierte Aussage über die Güte dieses Verfahrens bei der Preisfindung für Erstemissionen abzuleiten.
- Vorstellung des Bookbuilding-Verfahrens als Preisfindungsmechanismus bei IPOs
- Analyse von Kurspflegemaßnahmen und deren rechtlicher Rahmenbedingungen in Deutschland
- Vergleich mit alternativen Verfahren wie dem Auktionsverfahren
- Untersuchung der verschiedenen Phasen des Bookbuilding-Prozesses
- Einfluss von Konsortialbanken und Emittenten auf die Preisfindung
Auszug aus dem Buch
3.1 Grundsätze
Seit Mitte der neunziger Jahre hat sich das sogenannte Bookbuilding - Verfahren zur Emissionspreisfindung bei Initial Public Offerings durchgesetzt, welches 1994 in Deutschland erstmalig von der Dresdner Bank und der Lufthansa angewandt worden war.
Beim Bookbuilding werden institutionelle Anleger in die Preisfindung miteinbezogen. Aus ihren unverbindlichen Preis- und Mengengeboten wird eine Preisspanne festgelegt, damit ein marktgerechter Emissionspreis erzielt werden kann. Im Anschluss daran werden verbindliche Preis- und Mengengebote gesammelt, weswegen das Bookbuilding auch als zweistufiges Verfahren bezeichnet wird. Anlässlich der Sammlung von verbindlichen Kauf- und Mengengeboten im Orderbuch, bildet das Orderbuch das Kernelement des Verfahrens, da diesem das Nachfrageverhalten und die Preiselastizität der Nachfrage entnommen werden kann.
In der Fachliteratur spalten sich die Meinungen bezüglich der Phaseneinteilung zum Bookbuilding - Verfahren. Um eine möglichst detaillierte Beschreibung des Verfahrens vornehmen zu können, werden die einzelnen Phasen so weit wie möglich zerlegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des Themas anhand aktueller Beispiele wie dem Alibaba-Börsengang und definiert das Ziel der Arbeit, das Bookbuilding-Verfahren und dessen Zusammenhang mit Kurspflegemaßnahmen zu untersuchen.
2. Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Definition und Ziele der Kursstabilisierung, analysiert die rechtliche Situation in Deutschland und diskutiert die Nachteile des Auktionsverfahrens.
3. Emissionspreisfindung durch Bookbuilding: Der Hauptteil beschreibt die Grundsätze des Bookbuildings und detailliert die einzelnen Prozessphasen, von der Auswahl des Konsortiums über das Pre-Marketing und Marketing bis hin zur Order-Taking-Phase und Zuteilung.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet das Bookbuilding als ausgereiftes Konzept, das Flexibilität bietet, aber auch kritische Aspekte wie die Benachteiligung privater Anleger aufweist.
Schlüsselwörter
Bookbuilding, Kurspflege, Initial Public Offering, Emissionspreis, Orderbuch, Konsortialbanken, Greenshoe-Option, Preisfindung, Börsengang, Investoren, Preiselastizität, Aktien, Markt, Finanzierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Bookbuilding-Verfahren als eine Methode zur Preisfindung bei Börsengängen (IPOs) und setzt dieses in den Kontext von begleitenden Kurspflegemaßnahmen durch die beteiligten Banken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit konzentriert sich auf die theoretischen Grundlagen der Kursstabilisierung, das Auktionsverfahren im Vergleich zum Bookbuilding sowie die detaillierten Abläufe des Bookbuilding-Prozesses.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, eine Aussage über die Qualität des Bookbuilding-Verfahrens bei der Preisfindung für Erstemissionen zu treffen, indem die Gestaltungsmöglichkeiten und die Rolle der Akteure beleuchtet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle wissenschaftliche Fachliteratur, Dissertationen und gesetzliche Rahmenbedingungen zusammengetragen und ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv dem Bookbuilding, unterteilt in die einzelnen Phasen des Prozesses und die spezifischen Kurspflegemaßnahmen, die während oder nach einer Neuemission auftreten können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Bookbuilding, IPO, Kurspflege, Konsortialbanken und Emissionspreisfindung geprägt.
Warum konnte sich das Auktionsverfahren in Deutschland nicht durchsetzen?
Das Auktionsverfahren bietet den Emissionsbanken und Emittenten weniger Flexibilität bei der Zuteilung und vernachlässigt die Qualität der Investoren, was die Attraktivität für Emittenten mindert.
Welche Rolle spielt das Orderbuch beim Bookbuilding?
Das Orderbuch fungiert als Kernelement, da es die verbindlichen Preis- und Mengengebote der Investoren sammelt und somit Aufschluss über das Nachfrageverhalten und die Preiselastizität gibt.
Was versteht man unter einer Greenshoe-Option?
Dies ist eine Methode zur Kursstabilisierung, bei der das Emissionskonsortium die Möglichkeit hat, bis zu 15% mehr Aktien als ursprünglich geplant zuzuteilen, um bei hoher Nachfrage den Kurs zu glätten.
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- Anonym (Autor), 2015, "Bookbuilding"-Verfahren und Kurspflege zur Preisfindung bei Erstemissionen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301497