Ob in der Zeitung oder im Fernsehen, jeden Tag gibt es neue Meldungen zur aktuellen Arbeitsmarktpolitik. Zum einen ist zwischen der Regierung und der Opposition im Bundestag ein Streit zum Thema Mindestlohn ausgebrochen und ein weiteres topaktuelles Thema ist der Fachkräftemangel in Deutschland.
Wenn man sich jedoch den Arbeitsmarkt der letzten Jahre anschaut, gibt es noch ganz andere Entwicklungen, die die Politik nicht wirklich ändern oder beseitigen kann. So beschreiben neuere Arbeitsmarktstudien dass Beschäftigungen in einem Normalarbeitsverhältnis immer mehr abnehmen und „atypische“ und „flexible“ Beschäftigungsverhältnisse zunehmen. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass es zu Debatten über die These der Erosion des Normalarbeitsverhältnisses kam (vgl. Mückenberger 1990: 159ff.; ).
Auch die Soziologen Pongratz und Voß beschäftigten sich mit den neuen Entwicklungen des Arbeitsmarktes. „"Entgrenzungen" von Arbeitsverhältnissen finden sich, auf unterschiedlichen sozialen Ebenen: auf gesellschaftlicher Ebene, im Verhältnis von Betrieben zu ihren Umwelt, auf der Ebene von Arbeitsplätzen. Wir möchten zeigen, daß auch auf Ebene von Arbeitskraft Entgrenzungen stattfinden.“ (Pongratz/Voß 1998: 1) Die Wissenschaftler entwickelten die These des Arbeitskraftunternehmers (vgl. Pongratz/ Voß 2003; Voß/ Pongratz 1998).
Der Arbeitskraftunternehmertypus besagt das der Mensch als Unternehmer selber agiert. Das bedeutet, er ist Unternehmer seiner eigenen Arbeitskraft „die er innerhalb des Betriebs kontinuierlich zur Leistung anbietet und sich im Arbeitsprozess gezielt selbst organisiert“ (Pongratz/Voß 2003: 24). Der Arbeitskraftunternehmer zeichnet sich durch verstärkte Selbstkontrolle, erweiterte Selbst-Ökonomisierung, Selbst-Rationalisierung und Verbetrieblichung der Lebensführung aus. (vgl. Pongratz/Voß 1998: 3ff.)
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Untersuchungsansatz
2.1 Einleitung und Fragestellung
2.2 Handlungsmodell
2.3 Methode
2.4 Meine Teilfrage
3 Stand der Forschung
4 Fallanalysen
4.1 Fallanalyse 1
4.2 Fallanalyse 2
4.3 Fallanalyse 3
4.4 Fallanalyse 4
5 Zusammenfassung, Schlussfolgerung und offene Fragen
5.1 Zusammenfassung der Einzelschritte
5.2 Schlussfolgerung meiner Analyse
5.3 Offene Fragen
6 Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Gründe für diskontinuierliche Erwerbsverläufe von Arbeitnehmern im mittleren Alter, wobei der Fokus insbesondere auf der Perspektive von Müttern und dem Einfluss von Sorgeverpflichtungen liegt. Ziel ist es, Hypothesen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie empirisch zu prüfen.
- Analyse des Arbeitskraftunternehmertypus und dessen Relevanz.
- Untersuchung von Wechselmotiven im Erwerbsleben anhand von Fallbeispielen.
- Einfluss der familiären Situation und Sorgeverpflichtungen auf Erwerbsentscheidungen.
- Vergleich zwischen den unterschiedlichen Kinderbetreuungssystemen in Ost- und Westdeutschland.
- Reflexion über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in verschiedenen Lebensphasen.
Auszug aus dem Buch
4.1 Fallanalyse 1
Bei dem ersten Fall (TR-05-W-MQ-48-T) den ich auswerten möchte, handelt es sich um eine Frau mit zwei Kindern. Sie wurde im Jahr 1964 geboren und wuchs in einer ländlichen Gegend in Hessen auf. Die befragte Frau ist gelernte Bürokauffrau und arbeitet heute als Verwaltungsangestellte im Jugendamt. In ihrer kompletten Erwerbslaufbahn hat sie die Arbeitsstelle 5 Mal gewechselt.
Die Wechsel werden vorwiegend von der Sorge um die Kinder gelenkt und auch vorher durchdachte Pläne werden nochmals überworfen. So wollte die Befragte nach der Geburt ihres ersten Kindes gleich wieder halbtags arbeiten und musste feststellen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht so einfach ist.
B: „ Da habe ich dann gearbeitet […] bis ich in den Erziehungsurlaub […] gegangen bin.“ (S.5 Z.111-113) „ […] eigentlich hatte ich vor, weiter in der Firma B […] zu arbeiten, […] habe aber dann gemerkt, als sie da war, dass doch das mit dem Baby mehr Arbeit ist, dass ich das gar nicht vereinbaren kann, Beruf und Kind […] aber da ich keinen Babysitter hatte und ich die Pflege einfach nicht mit dem Beruf vereinbaren konnte, habe ich dann gekündigt.“ (S.5 Z.122-133)
So hat sich die Befragte dann entschieden acht Jahre für ihre Kinder zu Hause zu bleiben und sich voll und ganz auf die Mutterrolle zu konzentrieren. Diese Pläne waren durch die Trennung von ihrem Mann nicht mehr umsetzbar und so musste sie wieder arbeiten gehen. Für sie war es eigentlich noch zu früh, aber die finanzielle Situation ließ keinen anderen Weg mehr zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die aktuelle Arbeitsmarktpolitik und Vorstellung des theoretischen Konzepts des Arbeitskraftunternehmers.
2 Untersuchungsansatz: Erläuterung der Forschungsfrage, des methodischen Vorgehens anhand von Interviews und des verwendeten Handlungsmodells.
3 Stand der Forschung: Überblick über bestehende Studien zum Erwerbsverlauf von Müttern, insbesondere unter Berücksichtigung verschiedener Kohorten.
4 Fallanalysen: Detaillierte Darstellung und Auswertung von vier verschiedenen Fallbeispielen zur Prüfung der aufgestellten Hypothesen.
5 Zusammenfassung, Schlussfolgerung und offene Fragen: Synthese der Ergebnisse, Reflexion der Hypothesenbestätigung und Empfehlungen für weiterführende Forschungen.
6 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.
Schlüsselwörter
Diskontinuierliche Erwerbsverläufe, Arbeitskraftunternehmer, Vereinbarkeit, Beruf und Familie, Sorgearbeit, Fallanalyse, Erwerbsbiografie, Teilzeitarbeit, Kinderbetreuung, Arbeitsmarkt, Geschlechterrollen, Arbeitsmarktpolitik, Leitfadeninterview, Erwerbsverlauf, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, warum Menschen im mittleren bis höheren Erwerbsalter ihre Arbeitsstelle wechseln und welche Rolle dabei persönliche und familiäre Faktoren spielen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind diskontinuierliche Erwerbsbiografien, die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie sowie der Einfluss von Sorgeverpflichtungen auf die berufliche Laufbahn.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel besteht darin herauszufinden, welche Gründe Arbeitnehmer dazu bewegen, im höheren Alter den Arbeitsplatz zu wechseln, wobei speziell die Hypothese geprüft wird, dass höhere Sorgeverpflichtungen die Erwerbszeiten kürzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein qualitativer Ansatz gewählt, bei dem problemzentrierte Leitfadeninterviews mit 21 Personen geführt und exemplarisch anhand von vier Fallanalysen ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Einbettung (Arbeitskraftunternehmer), der Vorstellung des methodischen Vorgehens sowie der detaillierten Fallanalyse von vier Müttern hinsichtlich ihrer Wechselmotivationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie diskontinuierliche Erwerbsverläufe, Arbeitskraftunternehmer, Sorgearbeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Fallanalyse charakterisiert.
Warum unterscheidet die Autorin zwischen ostdeutschen und westdeutschen Müttern in den Fallanalysen?
Die Unterscheidung dient dazu, die historisch gewachsenen Unterschiede in den Kinderbetreuungssystemen (DDR vs. alte Bundesländer) und deren Einfluss auf die Erwerbsbiografie von Müttern zu berücksichtigen.
Kann die aufgestellte Hypothese („Je größer die Sorgeverpflichtungen einer Frau sind, desto eher kürzt sie ihre Erwerbszeiten.“) bestätigt werden?
Die Hypothese lässt sich nur teilweise bestätigen. Während sie bei den westdeutschen Müttern im konservativen Erziehungskontext greift, zeigen die ostdeutschen Fälle, dass berufliche Kontinuität trotz Kindererziehung möglich ist und individuelle finanzielle Zwänge oft eine größere Rolle spielen als die Sorgearbeit allein.
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- Stephanie Umbreit (Author), 2012, Hintergründe und Motive für diskontinuierliche Erwerbsverläufe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301628