Der Zusammenhang von Schlaf und Gesundheit. Hinweise für einen gesunden Schlaf


Hausarbeit, 2013

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung und Definition

2. Schlafenszeit und Schlafeinleitung

3. Schlafphasen

4. Schlafrhythmus und Schlafdauer

5. Funktionen des Schlafes

6. Schlafbeinflussende Faktoren

7. Pathologie des Schlafes

8. Schlafentzug

9. Auswirkungen bestimmter Erkrankungen auf den Schlaf

10. Hinweise für einen gesunden Schlaf

11. Exkurs: Traum

12. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Definition

Nur selten denkt man über die erstaunliche Tatsache nach, dass der Mensch circa ein Drittel seines Lebens mit Schlafen verbringt. Schlaf wird definiert als regelmäßig wiederkehrender, physiologischer Ruhezustand bzw. Erholungszustand, bei dem sich Bewusstseinslage und Körperfunktionen ändern. Schlafen ist ein in sich rhythmisches Geschehen, welches einhergeht mit relativer motorischer und sensorischer Ruhe. Zudem werden während des Schlafens die Reaktionen auf äußere Reize reduziert. Weiterhin fällt der Blutdruck leicht ab, es kommt zum Abnehmen der Herzfrequenz sowie zur Herabsetzung der Stoffwechselfunktionen und der Körpertemperatur.

Regelmäßiges Schlafen ist für die meisten Menschen ein selbstverständlicher Vorgang. Jedoch hat auch ein Großteil der deutschen Bevölkerung, etwa 42 %, mit immer wiederkehrenden Schlafproblemen zu kämpfen. 15 % davon leiden an regelmäßigen Schlafstörungen, die behandelt werden müssen. Von einer erstzunehmenden Schlafstörung spricht man, wenn der schlechte Nachtschlaf den Alltag beeinträchtigt, etwa weil man ständig müde ist und diese Störung länger als vier Wochen anhält (ANONYM, 2012; WIEGAND, 2008; KRÄTZIG, 2001).

2. Schlafenszeit und Schlafeinleitung

Unsere „innere Uhr“, wie umgangssprachlich der circadiane Rhythmus genannt wird, ist wesentlich für einen regelmäßigen Wach-Schlaf Rhythmus verantwortlich. Als circadianen Rhythmus werden in der Chronobiologie (Lehre von der zeitlichen Organisation physiologischer Prozesse) die endogenen (inneren) Rhythmen, die eine Periodenlänge von 24 Stunden haben, bezeichnet. Die innere Uhr kalibriert sich bei gesunden Menschen konsequent am Wechsel von Tag und Nacht und ist zudem für den Hormonhaushalt des Körpers maßgeblich verantwortlich, worüber auch das Schlafbedürfnis des Menschen geregelt wird. Der zweite Einflussfaktor, der neben dem Tag-Nacht-Wechsel das Schlafbedürfnis regelt ist die Zeit, die seit dem letzten Aufwachen vergangen ist (ANONYM, 2005).

Drei funktionelle Systeme im Gehirn sind an der Schlafeinleitung beteiligt. Hierbei sind unter funktionellen Systemen Gruppen von Nervenzellen zu verstehen, die als zusammengehörig angesehen werden können, da sie sich gemeinsame Aufgaben teilen. Eine der Nervenzellgruppen, die die Schlafeinleitung kontrollieren, sitzt im Gebiet des Hirnstammes und wird als Formatio reticularis bezeichnet. Daneben sind noch zwei Zwischenhirngebiete, der Thalamus und der Hypothalamus an der Schlafeinleitung beteiligt. Die Formatio reticularis hat die Funktion als Signalgeber für Wachheit und gehört deshalb zu den so genannten Aufsteigenden Reticulären Aktivierenden Systemen (ARAS). Diese Aufmerksamkeits- oder Weck-Funktion wird durch die Formatio reticularis über Botenstoffe (Neurotransmitter), Noradrenalin und Acetylcholin ausgeübt, mit denen der Thalamus erregt wird. Innerhalb der Formatio reticularis gibt es weitere komplexe Verschaltungen wie auch mit den Raphekernen, die mit ihrem Transmitter Serotonin vor alle beim Einschlafen einen hemmenden Einfluss auf alle noradrenergen Systeme ausüben. Beim Einschlafen wirken die Nervenzellgruppen des Hirnstammes über verschiedene Wege bremsend auf die Aktivität des Thalamus. Dabei wird der Transmitterstoff Gamma-Aminobuttersäure eingesetzt, Damit existieren zwei Wege, über die das Aufsteigende Reticuläre Aktivierende System den unspezifischen Thalamus erreicht. Zum einen direkt zur Aktivierung und Erhöhung der Aufmerksamkeit oder indirekt über zwischengeschaltete hemmende Nervenzellen, die zur Abnahme der Aufmerksamkeit und damit schließlich zur Schlafeinleitung führen. Damit ist das ARAS einerseits für die Wachheit und andererseits für die Schlafeinleitung zuständig. Daneben wirkt das gleiche Kerngebiet im Hirnstamm (Formatio reticularis) bremsend auf die Aktivität von Nervenzellen im Rückenmark, wodurch eine allgemeine Schlaffheit der Muskulatur (Atonie) erreicht wird. Damit ist der Mensch nicht nur müde, sondern bewegt sich auch weniger. Dadurch kommt es dazu, dass beim Einschlafen im Sitzen der Kopf nach vorn fällt.

Über den Hypothalamus erfährt das Gehirn auch das es Zeit zum Schlafen ist. Der Hypothalamus ist mit dem Auge und der Sehbahn verbunden und produziert bei Dunkelheit weniger vom Transmitter Histamin und dem Peptid Orexin, welches zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit führt und einen maßgeblichen Einfluss auf das Schlaf-Wach-Verhalten des Menschen hat. Desweiteren trägt die vermehrte Melatoninausschüttung in den Abendstunden zur Schlafeinleitung bei.

Zudem besitzt der Körper weitere Mediatoren, die ein erhöhtes Schlafbedürfnis bewirken. So entsteht bei großen Stoffwechselleistungen vermehrt Adenosin, welches Müdigkeit verursacht. Aber auch Entzündungsmediatoren wie Interleukin-1, die bei einer von Fieber begleiteten Krankheit frei werden, führen zu einem erhöhten Schlafbedürfnis (ANONYM, 2012).

3. Schlafphasen

Der Schlaf ist rhythmisch gegliedert und lässt sich in verschiedenartige Schlafstadien unterteilen. Während des gesunden Schlafes beginnen die Nervenzellverbände sich zu synchronisieren, das heißt sie feuern ihre Aktionspotenziale im gemeinsamen Takt. Diese verschiedenen Rhythmen können durch das Ableiten elektrischer Ströme mittels einer Elektroenzephalografie (EEG) gemessen und damit sichtbar gemacht werden. Je nach Schlaftiefe und dem damit verbundenen charakteristischen Muster lässt sich der Schlaf in verschiedene Stadien einteilen. Nach der Amplitude und der Frequenz dieser „inneren Rhythmen“ werden die folgenden Stadien unterschieden.

Einschlafphase:

Der Mensch befindet sich im Dämmerzustand zwischen Wach sein und Schlafen. Dabei kommt es zu langsam rollenden Augenbewegungen und die Muskelspannung ist bereits reduziert. Aus dieser Phase ist man durch geringe Reize weckbar.

Phase I – leichter Schlaf:

In dieser Phase befindet man sich kurz nach dem Einschlafen und das Gehirn geht von den Alphawellen über zu Thetawellen (4 bis 7 Hz). Die Muskelspannung wird weiter reduziert, das bewusste Wahrnehmen der Umgebung entschwindet langsam und die Augen sind ohne Bewegung.

Phase II

In dieser Phase treten weiterhin Thetawellen auf, jedoch kommen jetzt sogenannte Schlafspindeln und K-Komplexe hinzu. Dieses Schlafstadium wird im Laufe eines 8-Stunden Schlafes zunehmend länger und nimmt mehr als 50 Prozent des Gesamtschlafes ein.

Phase III – Beginnender Tiefschlaf

Jetzt kommt es zum vermehrten Auftreten von Deltawellen, wobei es sich um langsame Wellen (0,1 bis < 4 Hz) mit einer hohen Amplitude handelt. Diese machen insgesamt 20 bi 50 Prozent der gemessenen Hirnwellen aus. Zudem nimmt die Muskelspannung weiter ab und die Augen sind weiterhin ohne Bewegung.

Phase IV – Tiefschlaf

In dieser Phase machen Deltawellen nun mehr als 50 Prozent der gemessenen Hirnwellen aus. Es handelt sich um die tiefste Schlafphase, entsprechend desorientiert und verschlafen wirken Probenden, die aus dieser Phase geweckt werden. In dieser Schlafphase können Phänomene wie Schlafwandeln oder Sprechen im Schaf auftreten.

Die Trennung zwischen Phase III und IV ist allerdings nicht eindeutig festgelegt, so dass diese beiden Phasen oftmals gemeinsam betrachtet und auch als Slow-Wave-Sleep bezeichnet werden.

Insgesamt werden die ersten vier Stadien auch Non-REM-, NREM- oder orthodoxer Schlaf genannt.

Phase V – REM-Schlaf

Der sogenannte REM-Schlaf (englisch für rapid eye movement), auch Traumschlaf oder paradoxer Schlaf genannt unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von den anderen Schlafphasen. Das EEG ähnelt dem aus Schlafphase I, wo Theta-Wellen überwiegen. Jedoch kommt es in unregelmäßigen Abständen zu schnellen, richtungslosen Bewegungen des Augapfels mit einer Frequenz von 1 bis 4 Hz. Zudem sind die Skelettmuskeln maximal relaxiert, mit Ausnahme der Augenmuskulatur. Weiterhin kommt es zu einer Aktivierung der der meisten vegetativen Funktionen mit Erhöhung des Blutdruckes, der Atmung- und Herzfrequenz sowie zu einer erhöhten Durchblutung des Genitals. Darüber hinaus wird das Stresshormon Adrenalin vermehrt ausgeschüttet und die Magen- und Zwölffingerdarmaktivität steigt. Zudem wird in dieser Phase geträumt und der Schlafende ist nur schwer weckbar. Traumberichte bei Weckungen in dieser Phase sind deutlich lebendiger, visueller und emotionaler als bei Weckungen in anderen Phasen.

Die Dauer der einzelnen REM-Phasen liegt zu Beginn des Nachtschlafes bei durchschnittlich fünf bis zehn Minuten und wird in den folgenden Phasen immer länger. Die durchschnittliche Gesamtdauer dieser Phase pro Nacht liegt bei einem Erwachsenen bei ca. 104 Minuten. Föten und Neugeborene dagegen verbringen fast die gesamte Schlafdauer im REM-Schlaf. Damit scheint es einen Zusammenhang zwischen dem REM-Schlaf und der Reifung des Zentralen Nervensystems zu geben.

4. Schlafrhythmus und Schlafdauer

Um den Schlaf aufrechtzuerhalten variieren funktionelle Systeme des Gehirns die Schlaftiefe in zeitlichen Abständen. Dieser sogenannte Schlafrhythmus ist ein zyklischer Prozess bei dem sich die Tiefschlafphasen, in denen der Schlafende schwerer zu wecken ist, mit einem weniger tiefen Schlaf abwechseln.

Die Phasen bis Schlafphase IV mit anschließendem REM-Schlaf werden etwa fünf- bis siebenmal pro Nacht wiederholt. Wobei ein solcher Schlafzyklus etwa 90 Minuten dauert, der sich auch in der Wachzeit weiter fortsetzt und zu Phasen wechselnder Leistungsbereitschaft führt. Im Verlauf der Nacht nehmen die Tiefschlafphasen zeitlich ab und die REM-Phasen zu. Schließlich wird das Stadium IV im späteren Verlauf der Nacht gar nicht mehr erreicht. Wenn sich gegen Ende des Schlafes, üblicherweise nach 6 bis 7 Stunden, diese Schlafphasen in immer kürzeren Abständen abwechseln, wird der Schlafende wach.

Mit dem Alter verändert sich auch das Schlafmuster. Alte Menschen schlafen nachts oft nur noch wenige Stunden und schlafen dafür am Tag nochmal ein bis zwei Stunden. Säuglinge hingegen schlafen den ganzen Tag, mit jeweils kurzen Pausen. Bei Erwachsenen konzentriert sich der Schlaf auf eine bestimmte Zeit, meist in der Nacht.

Die optimale, tägliche Menge an Schlaf für den Menschen sowie deren Verteilung über den Tag ist wissenschaftlich umstritten. Lange standen die negativen Folgen von Schlafmangel im Mittelpunkt, jedoch scheint auch zu langes Schlafen unliebsame Folgen nach sich zu ziehen. Studien aus den USA und Japan belegen, dass die für Erwachsene oft genannten „acht Stunden am Tag“ schon zu lang sind und das Optimum wohl eher bei sechs bis sieben Stunden liegt, was auch der Durchschnittsschlafzeit in Deutschland (6 h 59 min) entspricht.

Das individuelle Schlafbedürfnis jedes Menschen schwankt. Nach Meinung des Schlafforschers Peretz Lavie ist jedoch von einem schlafgesunden Menschen auszugehen, wenn dieser sich nach einer täglichen Schlafdauer von bis zwölf Stunden wohlfühlt. In der folgenden Tabelle ist das durchschnittliche Schlafbedürfnis des Menschen in Abhängigkeit vom Alter pro Tag aufgeführt.

Tab. 1 Durchschnittliches Schlafbedürfnis des Menschen in Abhängigkeit vom Alter Das individuell unterschiedlich ausgeprägte Schlafbedürfnis kann nicht durch falsch verstandenes „Training“ ausgeschaltet oder längerfristig ignoriert werden, ohne dass der Organismus Schaden nimmt. Die Menschen die einen erhöhten Schlafbedarf haben, sollten ihren alltäglichen Lebensrhythmus nach Möglichkeit darauf einstellen. Die optimale Schlafdauer jedes Menschen hängt dabei vom circadianen Rhythmus ab. Damit ist der Schlaf zur falschen Tageszeit relativ ineffizient. Am besten ist der Zeitpunkt zum Schlafen wenn zum einen die maximale Melatoninkonzentration im Blut und die minimale Körpertemperatur vorliegen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang von Schlaf und Gesundheit. Hinweise für einen gesunden Schlaf
Hochschule
Hochschule Anhalt - Standort Bernburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V301662
ISBN (eBook)
9783956873409
ISBN (Buch)
9783668004627
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheit, Schlaf, Schlafstörungen, Traum, Schlafphasen, träumen, schlafen, Erholung, Gute Nacht, ausgeruht, Übermüdung, Schlafmangel
Arbeit zitieren
Jan Siedentopf (Autor), 2013, Der Zusammenhang von Schlaf und Gesundheit. Hinweise für einen gesunden Schlaf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301662

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Zusammenhang von Schlaf und Gesundheit. Hinweise für einen gesunden Schlaf



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden