In Zeiten zunehmender Globalisierung der Märkte und Schnelligkeit ihrer Veränderung finden sich Unternehmen in einer neuen Situation wieder. Um langfristig am Markt bestehen zu können und gleichzeitig ein eigenständiges Profil bzw. eine Unternehmensidentität wahren zu können, ergeben sich z. T. ambivalente Anforderungen an Unternehmen. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Innovationsfähigkeit, um einerseits wechselnden Bedürfnissen betroffener Personen, Gruppen, Organisationen etc. gerecht zu werden und andererseits bei der Gestaltung neuer Angebote am Markt mitzuwirken und erfolgreich neue Bedürfnisse zu schaffen.
Aus der Innensicht eines Unternehmens stellt sich die wichtige Frage, wie und von wem in welcher Form Innovationen entwickelt und eingeführt werden können. Da die Innovationskraft ein entscheidender Faktor zur Existenzsicherung und Weiterentwicklung eines Unternehmens darstellt, müssen entsprechende Strategien zum Umgang mit Innovationsproblemen und deren Planung vorhanden sein. Strategien können ihren Niederschlag in der Einrichtung von spezifischen Organisationsstrukturen und Regeln finden, die dazu dienen sollen, die Planung von Innovationsproblemen zu ermöglichen bzw. zu unterstützen.
Gleichzeitig laufen in Unternehmen selbstorganisierende Prozesse auf seiten der Mitarbeiter, Gruppen, Abteilungen etc. ab. Diese selbstorganisierenden Prozesse sind nicht auf dem Wege eines strategischen Managements direkt bestimmbar, sondern entwickeln sich eigendynamisch und führen z. T. zu eigenen Strukturen und Regeln in Unternehmen. Aus der Sicht des Managements ist es nun wichtig zu wissen,
1. das überhaupt selbstorganisierende Prozesse parallel zu den formal geplanten Prozessen ablaufen,
2. welche Auswirkungen diese Prozesse konkret auf die Effektivität und Effizienz in der Planung von Innovationen haben können und
3. unter welchen Bedingungen selbstorganisierende Prozesse fruchtbar genutzt werden können.
Zu möglichen Antworten auf diese Fragen soll die vorliegende Arbeit unter Rückgriff auf das Konzept der Selbstorganisation sowie das Modell des „Entwicklungsorientierten Managements“ nach Klimecki, Probst und Eberl (1994) einige Anregungen bieten.
Inhaltsverzeichnis
0. EINLEITUNG
1. BEGRIFFSKLÄRUNGEN
1.1. PLANUNG
1.2. PLANUNGSSYSTEM
1.3. INNOVATIONSPROBLEME
2. SELBSTORGANISATION – EIN KONZEPT UND SEINE IMPLIKATIONEN
2.1. WAS BEDEUTET SELBSTORGANISATION?
2.2. FREMDORGANISATION
2.3. SELBST- VS. FREMDORGANISATION
2.3.1. Formen der Selbstorganisation
2.3.2. Nutzung selbstorganisatorischer Prozesse in Unternehmen
2.3.3. Merkmale selbst- vs. fremdorganisatorischer Gestaltungsansätze
3. ENTWICKLUNGSFÄHIGKEIT VON UNTERNEHMEN
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Zusammenspiel zwischen formalen strategischen Managementprozessen und eigendynamischen, selbstorganisatorischen Prozessen in Unternehmen, um den Umgang mit komplexen Innovationsproblemen zu optimieren.
- Grundlagen der strategischen Planung und Innovationsprobleme
- Konzeptualisierung von Selbstorganisation vs. Fremdorganisation
- Formen und Nutzung selbstorganisatorischer Prozesse in Organisationen
- Gegenüberstellung von Gestaltungsansätzen
- Modell des entwicklungsorientierten Managements zur Steigerung der Problemlösefähigkeit
Auszug aus dem Buch
1.3. Innovationsprobleme
Innovationen bestehen aus der Entwicklung und Einführung neuer Ideen, Prozesse, Produkte, Dienstleistungen etc. Sie können entweder inkrementaler oder radikaler Art sein. Inkrementale Innovationen bewirken kleine Optimierungen gegebener Routinen, während grundlegende Neuerungen als radikale Innovationen bezeichnet werden (vgl. Reihlen, a. a. O., S. 61-62.)
Probleme können als Auslöser jeglicher Planung verstanden werden. Dabei ist ein Problem keine objektiv gegebene Entität sondern ein subjektives oder soziales Konstrukt, d. h. ein Problem muß als solches von Personen oder sozialen Systemen konstruiert werden. Dies geschieht auf dem Hintergrund von Wertvorstellungen, Erfahrungen, Wissen, Überzeugungen, Zielen etc. der jeweiligen Problemkonstrukteure (vgl. Reihlen, a.a.O., S. 55).
Innovationsprobleme sind Probleme besonderer Art. Sie zeichnen sich durch zwei grundlegende Merkmale aus: Neuartigkeit und Inexaktheit:
Die Neuartigkeit eines Problems wird dadurch definiert, daß diejenige(n) Person(en), die mit dem Problem und dessen Lösung konfrontiert sind, über keinerlei Erfahrungen und Wissen zur Lösung des Problems verfügen. Vielmehr müssen PlanerInnen, die mit Innovationsproblemen umgehen, neues Problemlösewissen generieren und umsetzen. Folglich sind die entsprechenden Planungsprozesse als Lernprozesse zu begreifen (vgl. ders. S. 61-64).
Inexakte Probleme sind solche, deren Interpretation auf der Basis bestimmer Hintergrundannahmen mehrdeutig sind und die aufgrund dieser Mehrdeutigkeit nicht vollständig repräsentiert werden können. Zusätzlich ist eine Lösungsgarantie von inexakten (Innovations-)Problemen nicht von vorneherein gegeben.
Die Konsequenzen, welche sich für die entsprechende Planung ergeben, liegen zum einen in der Notwendigkeit plausibler Begründungen bei der Lösungsfindung, da formal-deduktive Begründungen aufgrund der Widersprüchlichkeit und Unvollständigkeit von Argumenten unmöglich sind. Zum anderen sind Kreativitäts- und Erfindungspotentiale sowie ein hohes Maß an Intuition seitens der PlanerInnen von hoher Bedeutung, um über den „Tellerrand“ des vorhandenen Problemlösewissens hinauszugelangen (vgl. ebd., S. 59-60).
Zusammenfassung der Kapitel
0. EINLEITUNG: Definiert das Umfeld von Globalisierung und Innovationsdruck und leitet die Fragestellung zur Rolle selbstorganisierender Prozesse neben formaler Planung ein.
1. BEGRIFFSKLÄRUNGEN: Erläutert die theoretischen Grundlagen zu Planung, Planungssystemen und charakterisiert Innovationsprobleme als neuartige und inexakte Problemstellungen.
2. SELBSTORGANISATION – EIN KONZEPT UND SEINE IMPLIKATIONEN: Untersucht das Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdorganisation, differenziert verschiedene Erscheinungsformen und diskutiert die Komplementarität beider Ansätze.
3. ENTWICKLUNGSFÄHIGKEIT VON UNTERNEHMEN: Stellt das Modell des entwicklungsorientierten Managements vor, das auf Kontextsteuerung und die Förderung organisationaler Lernprozesse setzt.
Schlüsselwörter
Strategische Unternehmensplanung, Selbstorganisation, Fremdorganisation, Innovationsprobleme, Innovationsfähigkeit, Planungssystem, Organisationssoziologie, Entwicklungsorientiertes Management, Soziale Systeme, Problemlösefähigkeit, Lernprozesse, Kontextsteuerung, Unternehmenskultur, Wissensmanagement, Strukturoptimierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Herausforderungen für das strategische Management im Umgang mit Innovationsproblemen in modernen Organisationen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder sind die Unterscheidung zwischen formaler Fremdorganisation und eigendynamischer Selbstorganisation sowie deren Beitrag zur Innovations- und Entwicklungsfähigkeit von Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Managementkonzepte beide Organisationslogiken – Selbst- und Fremdorganisation – konstruktiv integrieren können, um Innovationsprobleme besser zu bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der systemtheoretischen Auseinandersetzung mit organisatorischen Gestaltungsansätzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung, die Charakterisierung der Selbst- und Fremdorganisation sowie die Darstellung des Modells eines entwicklungsorientierten Managements.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Strategisches Management, Selbstorganisation, Innovation, Organisationssoziologie und Problemlösefähigkeit.
Wie unterscheidet der Autor zwischen fremd- und selbstorganisierten Systemen?
Fremdorganisierte Systeme sind durch analytische Planbarkeit und Hierarchien gekennzeichnet, während selbstorganisierte Systeme auf Autonomie, Eigendynamik und personeller Lösungskompetenz basieren.
Warum hält der Autor eine rein fremdorganisatorische Steuerung für problematisch?
Eine einseitige Fixierung auf Fremdorganisation führt laut Autor zu inflexiblen Strukturen, die bei komplexen, dynamischen Problemen und dem Bedarf an individueller Kreativität ungeeignet sind.
- Quote paper
- Sascha Wingen (Author), 1999, Strategisches Management im Kontext von Innovationsproblemen und der Selbstorganisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3017