Das NS-Bild der Frau war keineswegs ein unbekanntes, originelles; es war ein konservatives Bild, das aus dem bürgerlichen Milieu stammte. Die Nationalsozialisten fügten dem noch eine mythische Komponente hinzu, wenn sie die Frau als rein naturbestimmtes Wesen darstellten. Aufgrund der im Nationalsozialismus herrschenden Meinung der biologischen „Andersartigkeit“ von Frauen und Männern bestand das Prinzip der geschlechtsspezifischen Lebensbereiche. Demnach hatten Frauen und Männer unterschiedliche, von einander getrennte Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft und dem Staat. Für die Frau galten Haushalt, Ehemann und Kinder als ihr Lebensbereich. Der Dienst am Staat bestand in der Verstärkung des Heeres und die Erhaltung der „arischen Rasse“ durch die Geburt möglichst vieler Kinder. [...] Das nationalsozialistische Frauenbild verlangte also förmlich den völligen Ausschluss der Frauen aus der Parteienorganisation. Dieses Ignorieren der Frauen führte aber dazu, dass sich Frauen mehr oder weniger frei organisierten und vielfältige Zusammenschlüsse mit den unterschiedlichsten Zielen entstehen konnten, die um die Gunst der Parteiführung konkurrierten, aber erst wahrgenommen wurden, als die Lage ob der vielen Konkurrenten schon recht chaotisch war. Eine der wichtigsten, ersten Organisationen war der 1924 von Elsbeth Zander gegründete „Völkische Frauenorden“. [...] Im November 1934 wurde Gertrud Scholtz-Klink von Hitler persönlich und offiziell zur „Reichsfrauenführerin“ ernannt und war somit ranghöchste Frau im Dritten Reich. Der Titel „Reichsfrauenführerin“ war eigens für Scholtz-Klink erfunden worden, da man sie nicht in die bestehenden Strukturen der NSDAP, die auf Männer als Führungskräfte ausgelegt war, eingliedern wollte. Sie sollte kein Amt mit führender, politischer Rolle bekleiden. Außerdem galt dieser Titel auch als Zustimmung der Partei zu Scholtz-Klinks Hegemonie und als Mitteilung an die Öffentlichkeit, dass die Suche nach einer geeigneten „Führerin“ abgeschlossen sei.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das nationalsozialistische Frauenbild
2. Geschichte der Frauenorganisationen
2.1. Die Kampfjahre
2.2. Die NS-Herrschaft 1933 – 1945
3. Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink
3.1. Der politische Aufstieg
3.2. Die Kriegszeit
3.2.1. Stellung innerhalb der NSDAP
3.3 Bilanz
4. Formaler Aufbau der Organisation
4.1. Verhältnis NSF - DFW
4.2. Struktur, Vermittlung, Zahlen
4.2.1. Gliederung
4.2.2 Veranstaltungen, Vermittlung
4.2.3. Rechtliche Stellung, Mitgliederzahlen, Finanzen
5. Österreich
Schlußbemerkung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Struktur und Organisation der Frauenorganisationen im Nationalsozialismus sowie die Rolle von Gertrud Scholtz-Klink als „Reichsfrauenführerin“. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie diese Organisationen ideologisch instrumentalisiert wurden und inwieweit das propagierte Frauenbild mit der politischen Realität und den Anforderungen des Krieges in Einklang gebracht wurde.
- Nationalsozialistisches Frauenbild und die Rolle der „Volksgemeinschaft“
- Entwicklung und Gleichschaltung der Frauenorganisationen (NSF und DFW)
- Biografische Analyse und Aufstieg von Gertrud Scholtz-Klink
- Verhältnis zwischen politischer Führung und Frauenorganisationen
- Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die organisierte Frauenarbeit
- Spezifische Entwicklungen in Österreich nach dem Anschluss
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Kriegszeit
Mit Kriegsausbruch forderte Scholtz-Klink von den Frauen die uneingeschränkte Einbindung in das Kriegsgeschehen, abgesehen vom Militärdienst selbst. Ein Auszug der Rede der Reichsfrauenführerin im Sportpalast in Berlin am 13. Juni 1940 soll dies zeigen: „Wer nichts zu versorgen hat als seinen eigenen Haushalt – womöglich noch ohne Kinder oder nur mit erwachsenen Kindern, der melde sich zur Arbeit in kriegswichtigen Betrieben oder, sofern er auf dem Lande wohnt, in der Landwirtschaft. Auch wenn die Arbeit dort schmutziger ist als die bisher verrichtete. Glaube mir, was du an Schmutz an deine Hände bekommst, es wiegt kein Milligramm von dem, was du an menschlicher Anständigkeit, Kameradschaft und tiefgläubiger Liebe zum Führer erlebst unter diesen schwer arbeitenden Menschen.“ Und weiter: „wer aber kleine Kinder hat und nicht außer Haus arbeiten kann, der stelle sich der Nationalsozialistischen Frauenschaft zur Nachbarschaftshilfe zur Verfügung; sei es, dass er sich bereit erklärt, in Krankheitsfällen innerhalb seines Wohnblocks Kinder bzw. ein Kind für vorübergehende Zeit bei sich aufzunehmen und mit zu versorgen, sei es, dass sie sich bereit erklären, einen Nachmittag der Woche unsere Kinderstuben, in denen wir die größeren Kinder beschäftigter Mütter aufnehmen, zu betreuen“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die zentralen Begriffe und Grundprinzipien des Nationalsozialismus, wie das „Führerprinzip“ und die „Volksgemeinschaft“, die als rote Fäden durch die Arbeit führen.
1. Das nationalsozialistische Frauenbild: Analyse des konservativen, NS-geprägten Frauenbildes, welches die Frau primär auf die Rolle als Mutter und Hausfrau zur Sicherung der „arischen Rasse“ reduzierte.
2. Geschichte der Frauenorganisationen: Darstellung der Entwicklung von den Anfängen der NS-nahen Frauenorganisationen bis hin zur zentralen Gleichschaltung durch die NSDAP.
3. Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink: Detaillierte Untersuchung des Aufstiegs, der politischen Rolle und der Selbstinszenierung der „Reichsfrauenführerin“ innerhalb der NS-Hierarchie.
4. Formaler Aufbau der Organisation: Analyse der strukturellen Gliederung, der Aufgabenbereiche sowie der finanziellen und rechtlichen Verhältnisse von NS-Frauenschaft und Deutschem Frauenwerk.
5. Österreich: Kurzer Abriss über die Entwicklung der illegalen Frauenorganisation in Österreich vor 1938 und deren rasche Integration nach dem Anschluss.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Gertrud Scholtz-Klink, Reichsfrauenführerin, NS-Frauenschaft, Deutsches Frauenwerk, Volksgemeinschaft, Frauenbild, Gleichschaltung, Kriegseinsatz, Propaganda, Ideologie, NSDAP, Mutterschaft, Österreich, Organisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strukturen und die ideologische Ausrichtung von Frauenorganisationen im Dritten Reich sowie die Rolle von Gertrud Scholtz-Klink.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das nationalsozialistische Frauenbild, die Organisation und Gleichschaltung der NS-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerks sowie die Funktion der Frauen im Krieg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Frauen ideologisch instrumentalisiert wurden und wie erfolgreich bzw. schwierig die praktische Organisation dieser Massenbewegung im NS-Staat tatsächlich war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Quellenanalyse, unter anderem durch die Auswertung von Autobiografien, Tagebüchern und zeitgenössischen Dokumenten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Aufstieg von Scholtz-Klink, die bürokratischen Strukturen der Organisationen, deren Versagen bei der vollständigen Mobilisierung und die kriegsbedingten Anpassungen diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Reichsfrauenführerin, Gleichschaltung, NS-Frauenschaft und Volksgemeinschaft charakterisieren.
Welche Rolle spielte Gertrud Scholtz-Klink bei der „Gleichschaltung“?
Scholtz-Klink war maßgeblich damit betraut, die verschiedenen Frauenvereine zu vereinheitlichen und unter eine zentrale, NSDAP-konforme Führung zu bringen, um das Potenzial aller deutschen Frauen für das Regime zu nutzen.
Warum scheiterte die NS-Frauenorganisation an ihren eigenen Zielen?
Die Organisation scheiterte an der massiven Diskrepanz zwischen der radikalen NS-Ideologie (Frau als reine Mutter) und den tatsächlichen Anforderungen des totalen Krieges, die eine Erwerbstätigkeit der Frauen erforderten.
- Citar trabajo
- Iris Reiß (Autor), 2014, Frauenorganisationen im Nationalsozialismus. Wie wurde Gertrud Scholtz-Klink zur „Reichsfrauenführerin“?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301844