„Unterricht verläuft systematisch und geplant, d. h. in methodisch strukturierter Weise, durch die ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll.“ (Rabenstein 2010, S. 25). Diese Zielerreichung ist einer Kontrolle unterzogen, welche sich zum Beispiel in Form einer mit Ziffernoten bewerteten Leistungskontrolle der Schülerinnen und Schüler (SuS) niederschlägt.
Jene Notenvergabe soll neben anderen zu erfüllenden Kriterien vor allem objektiv verlaufen. Dennoch wird sie im Unterricht immer wieder „verhandelt“. Dabei wird die jeweilige Note für die einzelnen SuS subjektiv bedeutsam „gemacht“. Die Erklärungen sollen die erteilte Note zu der Person, die sie erhält, in Verhältnis setzen (Vgl. Zaborowski et al. 2012, S. 172). Eine Zwei ist eben keinesfalls nur eine Zwei, sondern etwa für eine Schülerin oder einen Schüler eine ganz tolle Leistung, während sie für eine/n andere/n eine kleine Enttäuschung darstellt.
Zaborowski zufolge kommt die schulische Praxis gar nicht umhin, Noten zu relativieren, und damit zu subjektivieren, sonst könne sie einigen SuS niemals Erfolge vermitteln und andere aufgrund permanenten Erfolges kaum noch motivieren (ebd.).
Letztlich ist diese Subjektivierung von Zensuren auch notwendig, um diese als objektive Konstruktionen zu stabilisieren und so ihre Legitimität zu sichern (ebd.).
Subjektivierung stellt jedoch nur eine mögliche Strategie dar, die jeweilige Note zu legitimieren. Im Schulalltag finden sich zahlreiche weitere Strategien, um Noten und nicht zuletzt die Notenvergabe selbst für legitim zu erklären. Aus der Distanz betrachtet, scheint diesen Legitimierungsversuchen eine gewisse Eigenlogik innezuwohnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Thematik und Allgemeines Vorgehen
1.2. Methode
2. Unterrichtsforschung
2.1. Objektive Hermeneutik
2.2. Unterrichtsqualitätsforschung
3. Leistungsbewertung – Theoretischer Hintergrund
3.1. Funktionen von Leistungsbewertungen
3.2 Legitimation von Noten
4. Analyse der 1. Unterrichtssequenz (siehe Anhang A)
4.1. Analyse mithilfe der Objektiven Hermeneutik (Rekonstruktive Analyse)
4.1.1. Routinen
4.1.2. Legitimierungsstrategien
4.2. Analyse unter dem Aspekt der Unterrichtsqualitätsforschung
5. Analyse der 2. Unterrichtssequenz (siehe Anhang B)
5.1. Analyse mithilfe der Objektiven Hermeneutik (Rekonstruktive Analyse)
5.1.1. Routinen
5.1.2. Legitimierungsstrategien
5.2. Analyse unter dem Aspekt der Unterrichtsqualitätsforschung
6. Fazit
6.1. Vergleich der untersuchten Sequenzen
6.2. Schlusswort
7. Literatur
8. Anhang
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels der Methode der Objektiven Hermeneutik sowie Aspekten der Unterrichtsqualitätsforschung, wie Lehrkräfte im alltäglichen Unterrichtsgeschehen ihre Leistungsbewertungen und Zensuren legitimieren. Im Fokus steht dabei die Analyse der interaktiven Arbeit, die notwendig ist, um Noten trotz ihrer strukturellen Problematik als objektiv und gerechtfertigt zu etablieren.
- Strukturen und Funktionen schulischer Leistungsbewertung
- Methoden der rekonstruktiven Unterrichtsanalyse
- Legitimierungspraktiken von Lehrkräften im Schulalltag
- Vergleich von Bewertungsroutinen in unterschiedlichen Unterrichtssequenzen
- Konstruktive Rückmeldung und Fehlerkultur im Unterricht
Auszug aus dem Buch
1.1. Thematik und Allgemeines Vorgehen
„Unterricht verläuft systematisch und geplant, d.h. in methodisch strukturierter Weise, durch die ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll“ (Rabenstein 2010, S. 25). Diese Zielerreichung ist einer Kontrolle unterzogen, welche sich –zum Beispiel- in Form einer mit Ziffernoten bewerteten Leistungskontrolle der Schülerinnen und Schüler (SuS) niederschlägt. Jede Notenvergabe soll neben anderen zu erfüllenden Kriterien, vor allem objektiv verlaufen. Dennoch wird sie im Unterricht immer wieder „verhandelt“, wird die jeweilige Note für die einzelnen SuS subjektiv bedeutsam „gemacht“. Die Erklärungen sollen die erteilte Note zu der Person, die sie erhält, in ein entsprechendes Verhältnis setzen (Vgl. Zaborowski et al. 2012, S. 172). Eine Zwei ist eben keinesfalls nur eine Zwei, sondern etwa für die eine Schülerin oder einen Schüler eine ganz tolle Leistung, während sie für eine/n andere/n eine kleine Enttäuschung darstellt.
Zaborowski zufolge komme die schulische Praxis gar nicht umhin, Noten zu relativieren, und damit zu subjektivieren, sonst könne sie einigen SuS niemals Erfolge vermitteln und andere aufgrund permanenten Erfolges kaum noch motivieren (Ebd.).
Letztlich ist diese Subjektivierung von Zensuren auch notwendig, um diese als objektive Konstruktionen zu stabilisieren und so ihre Legitimität zu sichern (Ebd.). Subjektivierung stellt jedoch nur eine mögliche Strategie dar, die jeweilige Note zu legitimieren. Im Schulalltag finden sich zahlreiche weitere Strategien, um Noten und nicht zuletzt die Notenvergabe selbst für legitim zu erklären. Aus der Distanz betrachtet, scheint diesen Legitimierungsversuchen eine gewisse Eigenlogik innezuwohnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Zensurengebung und Darlegung des methodischen Vorgehens zur Untersuchung von Legitimierungspraktiken im Unterricht.
2. Unterrichtsforschung: Erläuterung der theoretischen Grundlagen und methodischen Ansätze der Objektiven Hermeneutik sowie der Unterrichtsqualitätsforschung.
3. Leistungsbewertung – Theoretischer Hintergrund: Diskussion der gesellschaftlichen und pädagogischen Funktionen von Noten sowie der Notwendigkeit ihrer Legitimation durch Lehrkräfte.
4. Analyse der 1. Unterrichtssequenz (siehe Anhang A): Analyse der Routinen und Legitimierungsstrategien einer Lehrkraft in einer mündlichen Leistungskontrolle mittels rekonstruktiver Analyse und Qualitätsforschung.
5. Analyse der 2. Unterrichtssequenz (siehe Anhang B): Untersuchung der Rückgabesituation einer schriftlichen Mathematikarbeit unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Legitimierungsstrategien des Lehrers.
6. Fazit: Zusammenfassender Vergleich der beiden analysierten Unterrichtssequenzen und Reflexion über den Nutzen qualitativer Methoden für die pädagogische Praxis.
7. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
8. Anhang: Bereitstellung der Transkripte der beiden untersuchten Unterrichtssequenzen als Datengrundlage.
Schlüsselwörter
Leistungsbewertung, Notenvergabe, Objektive Hermeneutik, Unterrichtsqualitätsforschung, Legitimierung, Unterrichtskommunikation, Zensuren, Pädagogische Professionalität, Rekonstruktive Analyse, Schulisches Lernen, Selektionsfunktion, Feedback, Fehlerkultur, Unterrichtssequenz, Schulalltag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Lehrkräfte im Schulalltag alltägliche Leistungskontrollen und Notenvergaben gegenüber den Schülern rechtfertigen, um sie als legitim erscheinen zu lassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Funktionen von Zensuren, die methodische Analyse von Unterrichtskommunikation und die Frage, wie Gütekriterien der Leistungsbewertung in der Praxis interaktiv verhandelt werden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Eigenlogik hinter Legitimierungsversuchen von Lehrkräften aufzudecken und kritisch zu reflektieren, wie Noten durch bestimmte Kommunikationsstrategien als objektiv stabilisiert werden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt die Objektive Hermeneutik zur tiefgehenden, sequentiellen Analyse von Unterrichtstranskripten sowie Aspekte der Unterrichtsqualitätsforschung zur Beurteilung der pädagogischen Gestaltung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zwei spezifische Unterrichtssequenzen – eine mündliche Leistungskontrolle und die Rückgabe einer Mathematikarbeit – detailliert analysiert und hinsichtlich ihrer Routinen und Legitimierungsstrategien verglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Leistungsbewertung, Notenvergabe, Objektive Hermeneutik, Legitimierung und Unterrichtskommunikation charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Legitimierung in den zwei untersuchten Sequenzen?
In der ersten Sequenz werden stark routinierte Abläufe durch die Schüler selbst zur Legitimierung genutzt, während in der zweiten Sequenz der Lehrer die Notenvergabe stärker individuell durch Kommentierung und Bezugnahme auf Anstrengungsbereitschaft zu rechtfertigen versucht.
Warum wird die Objektive Hermeneutik der quantitativen Unterrichtsqualitätsforschung gegenübergestellt?
Die Autorin argumentiert, dass die Objektive Hermeneutik besser geeignet ist, die Komplexität und Relationalität pädagogischer Situationen zu erfassen, da sie nicht nur Merkmale bewertet, sondern den Sinngehalt des Handelns in der Alltagssituation rekonstruiert.
- Arbeit zitieren
- Julia Frey (Autor:in), 2015, „Es war nicht zu schwer, Carmen war schnell fertig.“ Zur Legitimierungspraktik alltäglicher Leistungskontrollen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301984