Wissenschaftstheorie kann als Metatheorie des kulturspezifischen wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses bezeichnet werden. Sie beschäftigt sich primär mit den begrifflichen und methodischen Grundannahmen und Regeln, nach denen Wissenschaft und Ergebnisse der Wissenschaft als allgemeingültig anerkannt werden. Wissenschaftstheorie ist anders ausgedrückt ein Problem unterschiedlicher Vorgehensweisen zur Erkenntnisgewinnung. Die Naturwissenschaften arbeiten nach anderen Regeln als die Psychologie oder die Soziologie, die Philosophie oder die Jurisprudenz.
In diesem Fachbuch geht es nicht nur um die Systematik der empirischen Sozialforschung, sondern vielmehr um die wissenschaftstheoretischen Grundlagen, die Probleme und die Qualität der Forschung.
Inhaltsverzeichnis
1. Grundlagen der Wissenschaftstheorie
1.1 Einleitung
1.2 Erkenntnis
1.2.1 Arten der Erkenntnis
1.3 Empirismus
1.3.1 Idealistischer (naiver) Empirismus
1.3.2 Logischer Empirismus (Neopositivismus)
1.3.3 Kritischer Rationalismus
1.3.4 Zusammenfassung
1.4 Die Kritische Theorie
1.4.1 Methodische Konsequenzen
1.5 Der hermeneutische Ansatz der Erkenntnis
1.5.1 Einleitung
1.5.2 Begründung der Hermeneutik (Dilthey)
1.5.3 Methodische Konsequenzen (Hermeneutik)
1.6 Kritische Wissenschaftstheorie
1.6.1 Einleitung
1.6.2 Begründung
1.6.3 Zusammenfassung
1.7 Konstruktivismus
1.7.1 Einleitung
1.7.2 Begründung (Radikaler Konstruktivismus)
1.7.3 Zusammenfassung
2. Verstehende Sozialforschung
2.1 Einleitung
2.2 Hermeneutik und Verstehende Sozialforschung
2.3 Erkenntnisprozess der Sozialforschung
2.3.1 Einleitung
2.3.2 Soziologischer Erkenntnisprozess
3. Exkurs: Erkenntnisprozess der Medizin
3.1 Einleitung
3.2 Erkenntnistheoretischer Diskurs (Medizin)
3.3 Medizinimmanentes Erkenntnisinteresse
3.4 Prognoseanspruch in der Medizin
3.5 Zusammenfassung
4. Theorie
4.1 Einleitung
4.2 Was ist Theorie
4.2.1 Beispiel abweichendes Verhalten
4.2.2 Zusammenfassung
4.3 Hypothesen
4.3.1 Hypothesen vor der Operationalisierung
4.3.2 Operationalisierungen
4.3.3 Statistische Hypothesen
4.3.4 Zusammenfassung
5. Messmethoden der Empirischen Sozialforschung
5.1 Einleitung
5.2 Qualitative Verfahren
5.2.1 Qualitative Erhebungsverfahren
5.2.2 Qualitative Auswertungsverfahren
5.3 Quantitative Verfahren
5.3.1 Einleitung
5.3.2 Ausgewählte Verfahren
5.3.3 Quantitative Auswertungsmethoden
5.4 Zusammenfassung (kurzes Resume)
6. Forschungsansätze
6.1. Einleitung
6.2 Der allgemeine Forschungsansatz
6.2.1 Auftrag, Idee, Problem
6.2.2 Bestandsaufnahme und Problemanalyse
6.2.3 Konzeption
6.2.4 Planung
6.2.5 Implementation
6.2.6 Auswertung und Präsentation
6.2.7 Zusammenfassung
6.3 Allgemeiner Ansatz der qualitativen Forschung
6.3.1 Einleitung
6.3.2 Konzeption
6.3.3 Planung
6.3.4. Implementation
6.3.5 Auswertung
6.3.6 Präsentation der Daten
6.4 Evaluationsforschung
6.4.1 Einleitung
6.4.2 Definitorische Klärung
6.4.3 Prozess der Evaluationsforschung
6.4.4 Zusammenfassung
6.5 Projektmanagement
6.5.1 Einleitung
6.5.2 Handlungslogik des Projektmanagements
6.6 Case-Management
6.6.1 Einleitung
6.6.2 Handlungslogik Case-Management
6.6.3 Zusammenfassung
6.7 Der Ansatz der Marketingforschung
6.7.1 Einleitung
6.7.2 Handlungslogik der Marketingforschung
6.7.3 Zusammenfassung
7. Forschungsdesigns
7.1 Einleitung
7.2 Spezielle Forschungsdesigns
7.2.1 Querschnittsstudien
7.2.2 Longitudinalstudien
7.2.3 Panel
7.2.4 Monitoring
7.2.5 Zusammenfassung
7.3 Epidemiologie
7.3.1 Einleitung
7.3.2 Besondere Studienarten
7.3.3 Begriffe der Epidemiologie
7.3.4 Dokumentation
7.3.5 Zusammenfassung
7.4 Evidence based Medicine
8. Qualitative Forschungspraxis
8.1 Einleitung
8.2 Grounded Theory (Glaser und Strauss 1967)
8.3 „Triangulation“ (Flick 2004/08)
8.4 Qualitative Studie
8.4.1 Einleitung
8.4.2 Idee, Problem
8.4.3 Inhaltliche Konzeption
8.5 Methodische Konzeption
8.5.1 Zur Stichprobe:
8.5.2 Planung
8.5.3 Implementation
8.6 Auswertung
8.6.1 Einleitung
8.6.2 Auswertungsbasis
8.6.3 Auswertungsstrategie der narrativen Interviews
8.6.4 Zusammenfassung
8.7 Präsentation der Ergebnisse
8.8 Zusammenfassung
9. Quantitative Forschungspraxis
9.1 Einleitung
9.2 Forschungsansatz
9.2.1 Entdeckungskontext (Quantitative Studie)
9.3 Begründungskontext (Patientenzufriedenheit)
9.3.1 Exploration
9.3.2 Inhaltliche Konzeption
9.3.3 Methodisches Konzeption
9.3.4 Planung
9.3.5 Implementation
9.3.6 Auswertung und Präsentation
9.3.7 Exkurs Faktorenanalyse
9.3.8 Zusammenfassung der Ergebnisse
10. Qualität von Studien
10.1 Einleitung
10.2 Probleme der Beurteilung wissenschaftlicher Arbeiten
10.2.1 Exkurs: Beispiel einer medizinischen „Studie“
10.3 Interpretation von Ergebnissen
10.3.1 Exkurs:
10.4 Die Lehre von der Frage
10.4.1 Einleitung
10.4.2 Probleme bei der Frageformulierung
10.4.3 Die Anordnung der Fragen im Fragebogen
10.5 Zur Zuverlässigkeit (Reliabilität) und Gültigkeit (Validität) von Studien
10.5.1. Einleitung
10.5.2 Zur Reliabilität
10.5.3 Zur Validität
10.5.4 Zusammenfassung
10.6. Gütekriterien der qualitativen Sozialforschung
10.6.1 Einleitung
10.6.2 Gütekriterien
10.6.3 Zusammenfassung
10.7 Ethik der Forschung
10.7.1 Einleitung
10.7.2 Ethik-Kommission und Antrag
10.8 Interessenkonflikte
10.8.1 Einleitung
10.8.2 Die Realität
10.8.3 Zusammenfassung:
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die theoretischen Grundlagen der empirischen Sozialforschung kritisch zu beleuchten und den Bogen von der allgemeinen Wissenschaftstheorie zur spezifischen Forschungspraxis zu spannen. Sie untersucht dabei, wie wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung durch unterschiedliche methodische Ansätze – quantitativ wie qualitativ – determiniert wird und welche ethischen Herausforderungen sich in der Forschungspraxis, insbesondere im medizinischen und gesundheitswissenschaftlichen Kontext, ergeben.
- Wissenschaftstheoretische Fundierung der empirischen Sozialforschung
- Differenzierung zwischen quantitativen und qualitativen Forschungsansätzen
- Methodologische Handlungslogiken in angewandten Bereichen (Evaluation, Projektmanagement, Case-Management)
- Kritische Reflexion der Forschungsqualität und wissenschaftlicher Gütekriterien
- Ethische Fragestellungen und Interessenkonflikte im Forschungsprozess
Auszug aus dem Buch
1. Grundlagen der Wissenschaftstheorie
Wissenschaftstheorie kann als Metatheorie des kulturspezifischen wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses bezeichnet werden. Sie beschäftigt sich primär mit den begrifflichen und methodischen Grundannahmen und Regeln, nach denen Wissenschaft und Ergebnisse der Wissenschaft als allgemeingültig anerkannt werden. Wissenschaftstheorie ist anders ausgedrückt ein Problem unterschiedlicher Vorgehensweisen zur Erkenntnisgewinnung. Die Naturwissenschaften arbeiten nach anderen Regeln als die Psychologie oder die Soziologie, die Philosophie oder die Jurisprudenz.
Aufgrund ihrer formal-logischen und mathematisch orientierten Regeln unterstellt man den Naturwissenschaften ein höheres Maß an Objektivität als den Sozialwissenschaften, wobei der Begriff der Objektivität gleichsam zu problematisieren wäre (s. Konstruktivismus).
Prinzipiell ist Wissenschaftstheorie aber ein Sprachspiel mit Begriffen und Regeln, die mehr oder weniger Konsens bzw. Verbindlichkeit in der scientific community beanspruchen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Grundlagen der Wissenschaftstheorie: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung wissenschaftstheoretischer Auffassungen vom naiven Empirismus bis zum Konstruktivismus nach.
2. Verstehende Sozialforschung: Hier werden die Grundlagen der Hermeneutik und deren Bedeutung für den Erkenntnisprozess in den Sozialwissenschaften erläutert.
3. Exkurs: Erkenntnisprozess der Medizin: Dieser Abschnitt dient dazu, Algorithmen der Medizin als vereinfachte Handlungs- und Erkenntnisschemata zu dekonstruieren.
4. Theorie: Das Kapitel widmet sich der Definition und Rolle von Theoriebildung sowie der Operationalisierung von Hypothesen.
5. Messmethoden der Empirischen Sozialforschung: Hier werden die Erhebungs- und Auswertungsmethoden für sowohl quantitative als auch qualitative Forschung vorgestellt.
6. Forschungsansätze: Die Differenzierung zwischen theorieorientierter und anwendungsorientierter Forschung steht im Fokus, inklusive Ansätzen wie Evaluation und Case-Management.
7. Forschungsdesigns: Dieses Kapitel behandelt verschiedene Forschungsdesigns wie Querschnitts- und Längsschnittstudien sowie die Grundlagen der Epidemiologie.
8. Qualitative Forschungspraxis: Anhand von Studienbeispielen wird die Realität qualitativer Forschung, inklusive Methodik und Auswertungsstrategien, vermittelt.
9. Quantitative Forschungspraxis: Der Fokus liegt auf dem praktischen Forschungsprozess, der Hypothesenbildung und der statistischen Auswertung am Beispiel einer Studie.
10. Qualität von Studien: Abschließend werden Gütekriterien, ethische Aspekte und Interessenkonflikte in der wissenschaftlichen Forschung kritisch reflektiert.
Schlüsselwörter
Wissenschaftstheorie, Empirische Sozialforschung, Qualitative Forschung, Quantitative Forschung, Erkenntnisprozess, Hermeneutik, Kritischer Rationalismus, Konstruktivismus, Evaluationsforschung, Case-Management, Validität, Reliabilität, Forschungsethik, Interessenkonflikte, Evidence based Medicine.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Auseinandersetzung mit der Wissenschaftstheorie und den Methoden der empirischen Sozialforschung, um eine Brücke zwischen theoretischer Reflexion und praktischer Anwendung zu schlagen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen des Erkenntnisprozesses, die Methoden der Datenerhebung und Auswertung, die Anwendung dieser Methoden in unterschiedlichen Forschungsansätzen (theoretisch vs. anwendungsorientiert) sowie die kritische Qualitätssicherung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel besteht darin, Forschenden ein Verständnis für die wissenschaftstheoretische Fundierung ihrer Arbeit zu vermitteln und Kriterien für eine kompetente und ethisch reflektierte Forschungspraxis zur Verfügung zu stellen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden sowohl quantitative Methoden (statistische Verfahren, standardisierte Befragungen) als auch qualitative Verfahren (narrative Interviews, Beobachtungen, Hermeneutik) detailliert analysiert und deren Anwendungsgebiete differenziert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einführung in Wissenschaftsströmungen, eine methodische Anleitung für die Forschungspraxis (Erhebung, Auswertung, Design) sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Qualitätssicherung in Studien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Wissenschaftstheorie, Erkenntnisprozess, Methodologie, Qualitätssicherung und Forschungsethik aus.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von anderen Methodik-Büchern?
Die Arbeit zeichnet sich durch die explizite Reflexion des Erkenntnisinteresses aus und stellt die Verbindung zwischen der wissenschaftstheoretischen Metaebene und der konkreten Forschungspraxis (z. B. durch die Diskussion von Interessenkonflikten) in den Vordergrund.
Welche Rolle spielt die kritische Reflexion für den Autor?
Für den Autor ist kritische Reflexion essenziell, da er Wissenschaft als soziales und historisch bedingtes System begreift, das nicht unhinterfragt übernommen werden darf, sondern ständig auf seine Voraussetzungen und Konsequenzen hin überprüft werden muss.
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- Dr. phil. Rudolf Kutz (Author), 2015, Empirische Sozialforschung. Darstellung von Wissenschaftstheorie, Forschungsansätzen, Forschungsspraxis und Qualität der Forschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301992