Welchen Beitrag zur Sprachförderung kann das Fach Mathematik leisten?


Essay, 2014

7 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit wird sich mit der Sprachförderung im Fach Mathematik beschäftigen. Ich finde die Thematik interessant und auch relevant. Interessant, da seit der PISA-Studie 2000 das Thema Sprachförderung in der Schulpolitik, in Hochschulen als auch in Schulen eines der dominierenden Themen ist und wichtig, weil ich Mathematik studiere und somit Sprachförderung im Mathematikunterricht für mich als zukünftiger Mathematiklehrer von großer Relevanz ist.

Zum Aufbau der Arbeit: Zunächst wird eine Definition des Begriffs Sprachförderung versucht. Danach folgt eine Überleitung zum aktuellen politischen Diskurs, wobei hauptsächlich auf den Wandel des Mathematikunterrichts eingegangen wird. Anschließend werden Besonderheiten der mathematischen Fachsprache sowie der deutschen Sprache in sechs Bereichen beschrieben. Daraufhin werden ausgewählte Kompetenzbereiche des Kernlehrplans NRW für Realschulen vorgestellt, um auf Basis dieser geeignete Fördermaßnahmen für einen sprachsensiblen Unterricht zu illustrieren. Schlussendlich wird ein Fazit gezogen, in welchem unter anderem die anfängliche Frage nach dem Beitrag des Fach Mathematik zur Sprachförderung beantwortet wird.

2. Hauptteil

2.1. Sprachförderung

Zuallererst muss definiert werden, was Sprachförderung im Mathematikunterricht (MU) meint. Die Sprachwelt im Mathematikunterricht unterscheidet sich von der Sprachwelt außerhalb des Unterrichts, das heißt im Unterricht findet hauptsächlich die mathematische Fachsprache bzw. Unterrichtssprache Verwendung, außerhalb des Unterricht die Alltagssprache. Bei der Sprachförderung wird diese Problematik der Konkurrenzsysteme beachtet. Dort geht es um die Nutzung von Fördermaßnahmen, mit denen eine Verbesserung der fachsprachlichen Fähigkeiten von SuS erzielt werden soll. Sprachförderung im schulischen Kontext bezieht sich nicht nur ausschließlich auf Lerner, die in ihrer Entwicklung Defizite im Sprachgebrauch und -verständnis zeigen, sondern auf alle Lerner, da sich die Sprachförderung nachweislich positiv auf das Lernen im Fach auswirkt. Somit sollte Ziel eines Fachunterrichts sein, die fachsprachlichen Kompetenzen der SuS dahingehend zu erweitern, dass ein differenzierteres Verstehen und Behalten möglich wird. Lernhemmnisse sollen dabei abgebaut werden.

2.2. Zukünftige Klassenverbände

Die Sprache spielt im Leben aller Menschen eine entscheidende Rolle. Durch sie wird erst Kommunikation auf sprachlicher Ebene möglich. Im schulischen Kontext gilt zu beachten, dass mehrere Sprachwelten (s.o.) nebeneinander existieren. Bei Mehrsprachigen wird der Sachverhalt noch komplexer. Diese müssen zwischen Muttersprache und der Zweitsprache Deutsch unterscheiden, wobei diese sich gliedert in Alltags- und Fachsprache. Da Deutschland heutzutage ein Einwanderungsland ist, in welchem sich in den Klassenverbänden in naher Zukunft bis zu ⅓ Mehrsprachige befinden, ist es zwingend erforderlich, dass sich Lehrkräfte auf diese zukünftigen Gegebenheiten vorbereiten. Die Vorbereitung besteht unter anderem darin, sich zunächst einmal klar zu machen, wie solche Klassenverbände sprachsensibel unterrichtet werden können. Es muss sich vergegenwärtigt werden, dass Sprache ein wichtiger Lerngegenstand ist, der wie fachliche Kompetenzen erworben sowie erweitert werden muss und ebenfalls ein Lernmedium darstellt, welches den Unterricht grundlegend bestimmt. Da im Unterricht aber speziell die Fachsprache mit ihren Besonderheiten auftaucht, ist eine Förderung zwingend notwendig. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass Mathematik als Schulfach ein sogenanntes Geberfach ist, das heißt die Fachsprache wird von anderen Fächern wie beispielsweise Physik genutzt oder sogar vorausgesetzt. Somit kann die Vermutung aufgestellt werden, dass solch ein Geberfach grundsätzlich stark in der Verantwortung steht und somit einen sehr wesentlichen Beitrag zur schulischen Sprachförderung leisten kann.

2.3. Wandel des MU und politischer Diskurs

Historisch betrachtet war das Fach Mathematik lange Zeit ein stark lehrerzentriertes Fach, in welchem die Sprache der Mathematik ausschließlich der Lehrperson vorbehalten war. Die SuS allerdings hatten meist gar nicht erst die Möglichkeit, sich sprachlich am Unterricht zu beteiligen, da ihnen nur eine passive Rolle zukam, nämlich die Fragen der Lehrperson mit einsilbigen Antworten zu erwidern. Ein ausgiebiger kommunikativer Austausch, die Voraussetzung für Sprachförderung, war somit ausgeschlossen.

Nach dem schlechten Abschneiden bei der PISA-Studie, bei der deutschen SuS im europäischen Vergleich fachsprachliche Schwierigkeiten und u.a. eine unterentwickelte Lesekompetenz bescheinigt wurde, formulierte die Kultusministerkonferenz (KMK) unter anderem auch für das Fach Mathematik Bildungsstandards. Die Bildungsstandards wurden konkretisiert, woraus die Kernlehrpläne hervorgingen. Der Vorteil dieser Lehrpläne gegenüber den alten Lehrplänen ist die Kompetenzorientierung, die im Gegensatz zur alten Lernzielorientierung beachtet, dass reines Inputlernen ungenügende Schülerfähigkeiten hervorbringt.

Aufgrund dieser Beschlüsse veränderte sich der Mathematikunterricht an Schulen weg vom stark lehrerzentrierten Unterricht hin zum aktiv entdeckenden Unterricht, in welchem die SuS die Möglichkeit erhalten, sich ausgiebig sprachlich zu betätigen. Zuletzt wurde ein Erlass vom Ministerium für Schule zur Sprachförderung verfasst, welcher nochmals ein eindeutiges Signal an die Schulen sendete, nämlich verstärkt sprachfördernde Methoden in den Unterricht zu integrieren.

Mathematik in der Schule, wie in der Vergangenheit üblich, als reines Rechenfach zu betrachten, birgt deshalb Gefahren. Fachinhalte und Fachsprache im weitesten Sinne, mit inbegriffen das Hörverstehen, Sprechen, Lesen und Schreiben, sind eng miteinander verflochten und sollten im Unterricht gleichsam gefördert werden. Der Unterricht, der Fachinhalte mit Sprachfördermaßnahmen verbindet, wird als sprachsensibler Unterricht bezeichnet. Dieser Unterricht berücksichtigt, dass Sprache ein wichtiger Lerngegenstand ist, der nicht durch lehrerzentrierten Unterricht und einseitigen Unterrichtsgesprächen erworben werden kann.

2.4. Besonderheiten der mathematischen Fachsprache

Verallgemeinert lässt sich sagen, dass sich das Fach Mathematik in einem äußerst abstrakten Bereich bewegt. Dementsprechend hält die mathematische Fachsprache Schwierigkeiten bereit, die von der Lehrperson gekannt werden sollten, damit sie mögliche Probleme bei SuS diagnostizieren und beheben kann. Leisen hat diese Besonderheiten in vier Bereiche, nämlich in Lexik und Syntax, in fachtypischen Sprachstrukturen, in besondere Fachinhalte sowie in spezifische Fachtexte, unterteilt. Hinzugefügt werden müssen allerdings in diesem Kontext zwei Bereiche, die bei Leisen ausgespart wurden. Diese sechs Bereiche werden nachfolgend skizziert.

Zu Bereich 1: Die Lexik der Fachsprache kann Schwierigkeiten bereiten, da sie in der Form im Alltag nur selten Verwendung findet, wodurch die SuS verunsichert werden könnten. Schwierige Fachbegriffe sind hier beispielsweise Divisor, Induktion, Proportionalität. Darüber hinaus unterscheidet sich der syntaktische Aufbau der Fachsprache erheblich von der Alltagssprache. So werden im Mathematikunterricht Passivformen [das Altpapier wird], Relativsätze [Regeln, die das Zählen erleichtern] und Nebensatzkonstruktionen [taucht ein Körper in eine Flüssigkeit ein] genutzt. Zudem wird oft auf unpersönliche Ausdrucksweisen [man habe ein Quadrat gegeben] zurückgegriffen oder aber auf nominale Ausdrücke mit Präpositionen [Rechne aus, wie viel km jeder].

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Welchen Beitrag zur Sprachförderung kann das Fach Mathematik leisten?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Fakultät für Geisteswissenschaften)
Veranstaltung
Didaktisches Grundlagenstudium Deutsch (DGD), Seminar: B4 Fallstudien
Note
1.7
Autor
Jahr
2014
Seiten
7
Katalognummer
V302875
ISBN (eBook)
9783668016125
ISBN (Buch)
9783668016132
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
welchen, beitrag, sprachförderung, fach, mathematik
Arbeit zitieren
Alexander Gaida (Autor), 2014, Welchen Beitrag zur Sprachförderung kann das Fach Mathematik leisten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302875

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