Hausaufgaben und Ausdauertraining im Schulsport


Masterarbeit, 2015

59 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Physiologische Anpassungen durch Ausdauertraining
2.1 Was versteht man unter Ausdauertraining?
2.2 Auswirkungen und Adaptationen eines Ausdauertrainings mit mittlerer Intensität
2.2.1 Sportherz
2.2.2 Kapillarisierung
2.2.3 Blut
2.2.4 Energiestoffwechsel
2.2.5 Maximale Sauerstoffaufnahme
2.2.6 Immunsystem

3. Sinnhaftigkeit von Ausdauertraining im Schulsport
3.1 Ergebnisse eines Unterrichtsexperiments zum Effekt von Ausdauertraining
3.2 Sinngebungen im Sportunterricht?

4. Ausdauertraining im Schulsport attraktiv gestalten
4.1 Beliebte Sportarten im Schulsport bei SuS'
4.2 Attraktive Übungsformen für ein Ausdauertraining im Schulsport
4.2.1 Methodisch-didaktische Hinweise zur Übungsvariation
4.2.2 Übungsformen Leichtathletik
4.2.3 Übungsformen Fußball
4.2.4 Übungsformen Volleyball
4.3 Effektivität von Ausdauertraining im Schulsport

5. Hausaufgaben im Sportunterricht?!
5.1 Didaktische Entwicklung von Hausaufgaben im Sportunterricht
5.2 Run(tastisch) & Bike - Ein Hausaufgabenkonzept im Ausdauertraining
5.2.1 Voraussetzungen Run(tastisch) & Bike
5.2.2 Durchführung von Run(tastisch) & Bike
5.2.3 Umsetzung im Sportunterricht

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die moderne und oftmals unnatürliche Lebensweise hat viele neue Probleme für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden geschaffen. Mangel an Bewegung, falsche Ernährung und der zunehmende Stress, den die Leistungsgesellschaft mit sich bringt, haben große Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Besonders Bewegungsarmut, die in großen Teilen der Gesellschaft vorherrscht, stellt eine ganz wesentliche Ursache für die beiden 'großen' Zivilisationskrankheiten Arterio- sklerose und Herzinfarkt dar. Zu diesem Schluss kommt bereits im Jahre 1984 der Sportmediziner Ernst van Aaken (vgl. van Aaken, 1984, S. 56). Im Jahre 2008 veröffentlichte das Robert-Koch-Institut eine Studie zum Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen. Im Ergebnis stellte diese Studie fest, dass der Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher sich gegenüber den 1980er- und 1990er-Jahren um 50% erhöht hat sowie 15% der Kinder und Ju- gendlichen in Deutschland Übergewicht haben (vgl. Robert-Koch-Institut, 2008, S. 41). Weiter führen nach wie vor Herzkreislauferkrankungen die Mortalitätsstatisti- ken in Deutschland an. In konkreten Zahlen bedeutet dies, dass im Jahre 2005 58,5% der Frauen und 41,5% der Männer an Herz-Kreislauferkrankungen verstar- ben (vgl. Graf & Halle, 2007, S. 1).

Schaut man in die aktuell gültigen Kerncurricula für das Fach Sport in Niedersach- sen, so wird dort explizit als Zielperspektive von Sportunterricht genannt: "Befähi- gung zum verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Körper und der ei- genen Gesundheit." (Niedersächsisches Kultusministerium, 2007, S. 7) Weiter sol- len die Schülerinnen und Schüler (in der Folge als SuS' abgekürzt) nach der sechsten Klassenstufe in der Lage sein, 25 Minuten bzw. nach der achten Klas- senstufe 30 Minuten ausdauernd ohne Pause zu laufen. Schaut man weiter in den Bildungsbeitrag des Faches Sport, so wird dort angeregt, die SuS' zu einer gesun- den Lebensführung zu erziehen und folglich an eine lebensbegleitende sportliche Betätigung heranzuführen (vgl. Niedersächsisches Kultusministerium, 2007, S. 7).

Doch lassen sich diese Ziele allein durch den Schulsport realisieren, um den sich fortsetzenden Trend des Bewegungsmangels und dem unter anderem daraus re- sultierenden Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen entgegen zu wirken? Einen Beitrag hierzu kann sicherlich der Ausdauersport in der Schule leisten. Hier setzt diese Masterarbeit an. Zum einen sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, in welcher Art und Weise der Ausdauersport in den Schulsport integriert werden kann. Im Vordergrund stehen hier attraktive Spielformen oder auch abgeänderte Übungen aus anderen Sportarten mit dem Ziel, die Ausdauerleistungsfähigkeit auf Seiten der SuS' zu verbessern. Der konzeptionelle Gedanke dabei ist die integrier- te Ausdauerschulung in den Sportarten, die SuS' sowieso gerne in der Schule be- treiben, da Ausdauer- oder auch allgemein Konditionstraining im Schulsport eher unerwünscht ist (vgl. Dallinger, 2010, S. 74ff). Aufgrund der Nähe des Ausdauer- sports zur Leichtathletik wird aber auch in diesem Bereich versucht, attraktive Be- wegungsangebote herauszuarbeiten.

Insgesamt wird es im Kapitel zur attraktiven Gestaltung von Ausdauertraining im Schulsport um allgemeine Handlungshinweise gehen, aber auch konkrete Übungsformen werden vorgestellt. Zu verstehen ist dieser Teil der Ausarbeitung als Anregung für die eigene 'Kreativität in der Umsetzung'. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit der Übungsformen im Bereich der Ausdauerschulung erhoben.

Weiter ist Grundlage für diese Vorgehensweise aber auch ein gewisses Wissen über Adaptationsvorgänge des menschlichen Organismus durch Ausdauertraining, weshalb zu Beginn der Arbeit ein Kapitel sich damit kurz beschäftigt. Anschlie- ßend soll zusätzlich die Frage diskutiert werden, inwieweit Ausdauersport in der Schule überhaupt sinnvoll ist. Sind aufgrund der wenigen Unterrichtsstunden im Fach Sport überhaupt physiologische Effekte zu erwarten bzw. zu erzielen? Gibt es auch andere wichtige Aspekte, die der Ausdauersport in der Schule den SuS' vermitteln kann?

Am Ende soll aber auch die Frage ansatzweise beantwortet werden, inwieweit sich ein Hausaufgabenkonzept mit ausdauerorientiertem Fokus positiv auf die SuS' auswirken kann und warum vielleicht gerade die Ausweitung des Schulsports mit Hilfe von Hausaufgaben genutzt werden sollte. Hier soll es vornehmlich um die Vorstellung eines Konzeptes gehen sowie mögliche Wege der Umsetzung und Durchführung aufgezeigt werden.

2. Physiologische Anpassungen durch Ausdauertraining

In diesem Abschnitt geht es um Ausdauertraining und dessen Auswirkung auf verschiedene Bereiche des menschlichen Organismus. Zunächst ist es notwendig aufzuzeigen, was ein Ausdauertraining aus trainingswissenschaftlicher Sicht kennzeichnet und welche Trainingsformen es innerhalb dieses Konstrukts gibt. Anschließend sollen dann verschiedene Adaptationsprozesse, ermöglicht durch Ausdauertraining, kurz vorgestellt werden.

2.1 Was versteht man unter Ausdauertraining?

Ausdauer ist eine der Voraussetzungen für Leistungsfähigkeit, sei es im Sport oder in der Alltagswelt. Präziser formuliert sichert die Ausdauer "eine zuverlässige Dauerbeanspruchung mit optimaler Intensität und stabiler Technik im Training und im Wettkampf und begrenzt [...] ermüdungsbedingte Leistungseinschränkungen." (Schnabel, Harre & Krug, 2008, S. 179)

Eine ähnliche Auffassung zum Begriff der Ausdauer vertritt Weineck (2007, S. 141): "Unter Ausdauer wird allgemein die psycho-physische Ermüdungswider- standsfähigkeit des Sportlers verstanden." Weiter differenziert ergibt sich für die psychische Ausdauer die Fähigkeit, einem Reiz möglichst lange zu widerstehen um folglich die Belastung aus mentaler Sicht möglichst lange aufrecht zu erhalten. Bei der physischen Ausdauer geht es dann um die Ermüdungswiderstandsfähig- keit des Organismus bzw. einzelner Teilsysteme (vgl. Weineck, 2007, S. 141).

Somit ergibt sich für das Ausdauertraining die Zielvorstellung, ermüdungsbedingte Leistungsverluste bei Wettkampf-, aber auch bei Trainingsbelastungen zu verrin- gern und somit die sportliche Leistung zu steigern. Es lässt sich aber auch folgern, dass ohne entsprechende Ausdauerleistungsfähigkeit die sportliche Leistung ein- geschränkt ist und Ausdauer dadurch zu einer Grundlage sportlicher Aktivität wird (vgl. Schnabel et al., 2008, S. 347). Weiter spielt, gerade im Bereich des Schul- sports, die Ausdauerleistungsfähigkeit eine große Rolle, da eine vorzeitige Ermü- dung die mögliche Übungszeit verkürzt und auch die Realisierung eines intensiven Trainingsprogramms unmöglich macht. Außerdem wird die Wahl von Trainingsme- thoden und -inhalten durch mangelnde Leistungsfähigkeit im Bereich der Ausdau- er eingeschränkt (vgl. Weineck, 1994, S. 145f.).

Des Weiteren soll die trainingswissenschaftliche Betrachtung der Begriffe 'Aus- dauer' und 'Ausdauertraining' an dieser Stelle nicht genauer differenziert werden, da sie eher als Grundlage dieser Arbeit zu verstehen ist. Notwendig ist allerdings eine Eingrenzung der Begrifflichkeiten, wenn in der Folge dieser Arbeit von Aus- dauertraining gesprochen wird. Im Hinblick auf Ausdauertraining gibt es verschie- dene Trainingsmethoden. Die Trainingswissenschaft unterscheidet in Dauer-, In- tervall- und Wiederholungsmethoden, welche jeweils weiter nach Intensitäten ge- staffelt werden können (vgl. Schnabel et al., 2008, S. 349). Bei den nachfolgenden Betrachtungen zu Adaptationsvorgängen wird von einem Training mit Hilfe der kontinuierlichen Dauermethode in einem mittleren Intensitätsbereich ausgegan- gen. Die kontinuierliche Dauermethode kennzeichnet eine "länger andauernde Be- lastung ohne Unterbrechung" (Schnabel et al., 2008, S. 349) mit konstanter Inten- sität und einer Belastungsdauer von 30 Minuten bis hin zu mehreren Stunden. Bei einem Ausdauertraining mit mittlerer Intensität wird von einem Bereich von ca. 2 bis 3 mmol/l Laktaktkonzentration im Blut und einer Herzfrequenz von ca. 75 bis 80% der maximalen Herzfrequenz ausgegangen (vgl. Neumann, Pfützner & Berbalk, 2007, S. 141). Die angegebene Herzfrequenz entspricht dann bei einem Fünfzehnjährigen ungefähr 155 bis 165 Schlägen pro Minute.

Der gesetzte Trainingsrahmen bietet sich für die Schule bzw. die heterogenen Gruppen innerhalb des Schulsports an, da davon ausgegangen werden kann, dass dem Großteil der SuS' die Absolvierung dieser Belastung aus körperlicher und mentaler Sicht möglich ist. Weiter ist zu beachten, dass im Kindesalter auf ein umfangreiches anaerobes Ausdauertraining nach Intervall- oder Wiederholungs- methode verzichtet werden sollte (vgl. Hottenrott & Gronwald, 2009, S. 29). Zum einen entsprechen hohe anaerobe Belastungen nicht dem Bewegungsverhalten von Kindern und zum anderen spielen orthopädische Voraussetzungen sowie Stresstoleranz eine große Rolle (vgl. Hottenrott & Gronwald, 2009, S. 26ff). Ab dem Jugendalter kann dann die anaerobe Ausdauerfähigkeit gezielter trainiert werden, welche aber in dieser Arbeit eine eher untergeordnete Rolle spielt.

2.2 Auswirkungen und Adaptationen eines Ausdauertrainings mit mittlerer Intensität

In diesem Teilabschnitt sollen nun gezielt einige wichtige Adaptationsvorgänge kurz dargestellt werden. Vorab sei angemerkt, dass sich diese Arbeit auf die we- sentlichen Anpassungserscheinungen beschränkt und diese auch nicht in aller Komplexität beschrieben werden. Es soll lediglich ein Einblick gegeben werden, mit welchen Adaptationen des menschlichen Organismus durch Ausdauertraining zu rechnen ist. Zunächst sei erwähnt, dass ein Ausdauertraining mit mittlerer In- tensität einen positiven Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System ausübt. „Diese Form des Ausdauertrainings - auch als extensives Dauerlauftraining zu bezeich- nen - kann im Sinne einer Verbesserung der Herz-Kreislauf-Parameter […] durchgeführt werden“ (Weineck, 2004, S. 267). Weitere Aspekte sind im Folgen- den dargestellt.

2.2.1 Sportherz

Durch körperliche Belastung steigt der Bedarf an Sauerstoff und Nährstoffen pro- portional zur geleisteten Arbeit an. Dies hat zur Folge, dass das Herz diesen ge- steigerten Bedarf abdecken muss. Erreicht wird dies durch eine Erhöhung des Herzminutenvolumens. Das Volumen an Blut, welches das Herz über die Aorta pro Zeiteinheit verlässt, wird somit gesteigert. Die Steigerung des Herzminutenvo- lumens gelingt durch eine Erhöhung der Herzfrequenz, sowie des Schlagvolu- mens. Durch diese erhöhte, regelmäßige Beanspruchung des Herzens im Bereich des Ausdauertrainings kommt es zu adaptativen Veränderungen im Herzmuskel. Diese adaptativen Veränderungen führen zum einen zu einer Hypertrophie des Herzens und zum anderen aber auch zu einer Dilatation (Erweiterung) der Herz- höhlen, wobei letztgenanntes stärker an der Vergrößerung des Herzens beteiligt ist (vgl. Weineck, 2004, S. 133). Man spricht von einem Sportherzen, wenn beim Sportler ein Herzvolumen von 13 ml pro Kilogramm Körpergewicht vorliegt und bei einer Sportlerin entsprechend von 12 ml pro Kilogramm Körpergewicht (vgl. Neu- mann et al., 2007, S. 50). Der Vorteil dieser Vergrößerung des Herzens bzw. der Volumenzunahme besteht darin, dass die Herzarbeit ökonomisiert wird. Diese Ökonomisierung drückt sich zum einen energetisch aus, das heißt, das Sportherz arbeitet effektiver in Bezug auf das Schlagvolumen, da eine entscheidend geringe- re Faserverkürzung im Herzmuskel notwendig ist, um die gleiche Menge Blut herauszupumpen als das bei einem normalen Herzen der Fall ist (vgl. Weineck, 2004, S. 134). Zum anderen nimmt die Herzfrequenz ab, was aus der Erhöhung des Schlagvolumens resultiert. Die gleiche Menge an Blut kann mit niedrigerer Frequenz herausgepumpt werden. Dies hat außerdem zur Folge, dass der Sauer- stoffverbrauch des Herzmuskels sinkt. Neben dieser Funktionsoptimierung nimmt auch die maximale Förderleistung des Herzens aufgrund des erhöhten Schlagvo- lumens zu. Dies bedeutet, dass das Herzminutenvolumen sich erhöht, welches ein wesentlicher Faktor für die Steigerung der Sauerstofftransportkapazität des Herz- Kreislauf-Systems ist (vgl. Neumann et al., 2007, S. 48f.). Als Nebeneffekt tritt zu- dem eine Verbesserung der kardialen Blutversorgung ein. Diese Verbesserung hat ihren Ursprung in der herabgesetzten Herzfrequenz. Bei niedrigeren Herzfrequen- zen ändert sich das Verhältnis von Diastole und Systole. Die Diastole wird zeitlich länger, das heißt, die Zeit, in der das Herz mit Blut versorgt wird, nimmt zu (vgl. Weineck, 2004, S. 140). Diese Adaptationsprozesse zusammengefasst ergeben eine wesentliche Ökonomisierung der Herzarbeit, was zur Folge hat, dass das Herz am Tag weniger Arbeit leisten muss und somit in gewisser Hinsicht geschont wird (vgl. Weineck, 2004, S. 141). Neumann et al. (2007, S. 49) stellen fest: „Prin- zipiell ist in allen Altersbereichen […] eine Anpassung des Herzens nachweisbar, wenn über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten mehrmals wöchentlich in einer Ausdauersportart trainiert wird.“ Nur sind bei mittlerer Intensität Abstriche in der Sportherzanpassung zu machen. Da die Sportherzanpassung von mehreren Faktoren beeinflusst wird, in denen zum einen die Belastungsintensität und auch der Belastungsumfang enthalten sind, kommt es bei dieser Art des Ausdauertrai- nings nur zu einer geringen Sportherzanpassung (vgl. Neumann et al., 2007, S. 47 & S. 52).

2.2.2 Kapillarisierung

Die Muskelzelle benötigt zur Energiebereitstellung bzw. -umwandlung Sauerstoff und Substrate. Sie ist sozusagen abhängig von diesen beiden notwendigen Gü- tern und deren Transport. Zusätzlich müssen dann noch Stoffwechselschlacken abtransportiert werden. Dies erfordert ein ausgeprägtes Kapillarsystem, um auch bei erhöhter Belastung die Versorgung der Zellen sicherzustellen. Demnach ist die bessere Durchblutung durch die Vergrößerung der kapillaren Austauschfläche ein wesentlicher Faktor für die (den Stoffwechsel betreffende) Leistungsfähigkeit (vgl. Weineck, 2007, S. 256). Um durch Ausdauertraining den Effekt der Erweiterung im Kapillarsystem voranzutreiben, ist es notwendig, mindestens etwa 30 Minuten bei konstant erhöhtem Blutdruck zu trainieren. Dies hat dann zur Folge, dass es zur Aussprossung neuer Haargefäße kommt, welches den Stoffaustausch aufgrund der größeren Austauschfläche in der Peripherie verbessert. Diesen Prozess be- zeichnet man als Kapillarisierung (vgl. Weineck, 2007, S. 256f.). Bei mittlerer In- tensität befinden wir uns im Bereich des aeroben Ausdauertrainings und durch dieses Training erfolgt eine relativ rasche Erhöhung der Kapillardichte, was auch an folgender Grafik erkenntlich wird (vgl. Weineck, 2007, S. 256f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Kapillardichtenveränderung aufgrund von aeroben Ausdauertraining nach Weineck (2007, S. 256).

2.2.3 Blut

Im Folgenden wird auf längerfristige Anpassungen im Bereich des Blutes einge- gangen, die vor allem durch Ausdauertraining bewirkt werden (vgl. Weineck, 2004, S. 163). Gerade aerobe Belastungen mit großem Umfang erzielen dort den größ- ten Effekt (vgl. Weineck, 2007, S. 259). Da mittlere Intensität den Bereich der aeroben Belastung kennzeichnet, hängt es vornehmlich am Trainingsumfang, in- wieweit Anpassungen im Bereich des Blutes vonstattengehen. Eine annähernd optimale Entwicklung wird nur durch große Trainingsumfänge ermöglicht. Durch das Gefäßsystem fließt das Blut in alle Teilbereiche des Körpers und verknüpft diese durch ständige Zirkulation miteinander. Es verbindet die jeweiligen Organ- systeme zu einer funktionellen Einheit. Das Blut hat mehrere Aufgaben. Wie eben schon beschrieben, hat es im Körper eine Vermittlungsfunktion. Dazu kommt der Transport von Stoffen sowie eine Puffer- und Abwehrfunktion (vgl. Neumann et al., 2007, S. 64). Eine Auswirkung von Ausdauertraining ist eine Vergrößerung des Blutvolumens, um sämtliche Aufgaben des Blutes auch bei höherer Belastung auf- recht zu erhalten. Diese Zunahme kann bis zu 40% betragen und ist vor allem auf einen Anstieg des Plasmavolumens gegenüber dem Volumen der roten Blutkör- perchen zurückzuführen (vgl. Weineck, 2004, S. 163f.). Durch die Erhöhung des Blutvolumens kommt es auch zur absoluten Erhöhung der Erythrozyten (vgl. Weineck, 2004, S. 165) und somit zu einer Erhöhung des Hämoglobins, welches wichtigster Bestandteil für den Sauerstofftransport des Blutes ist (vgl. Neumann et al., 2007, S. 65). Somit verbessert sich die Sauerstofftransportkapazität. Zudem kommt es durch die Blutvolumenzunahme zu einer weiteren Abnahme der Herz- frequenz, da die Herzarbeit weiter ökonomisiert wird. Volumenarbeit ist energe- tisch günstiger als Frequenzarbeit (vgl. Weineck, 2007, S.259; vgl. Weineck, 2004, S. 137). Des Weiteren ändert sich gerade durch extensive Ausdauerbelastungen der Hämatokrit-Wert. Dieser gibt die Fließeigenschaft des Blutes an. Dieser wird positiv beeinflusst und hat zur Folge, dass das Herz Energie beim Pumpvorgang einsparen kann sowie der kapillare Gasaustausch und demnach auch die musku- läre Sauerstoffversorgung begünstigt wird (vgl. Neumann et al., 2007, S. 65). Zu- dem wird durch die Vergrößerung des Blutvolumens die Pufferkapazität des Blutes erhöht. Dies geschieht wie beim Hämoglobin absolut. Der Vorteil dieser zusätzli- chen Puffersysteme besteht darin, dass die lokale und allgemeine körperliche Er- müdbarkeit herabgesetzt wird (vgl. Weineck, 2007, S. 259f.). Weiterhin spielen diese Puffersysteme eine wichtige Rolle in der Regulation des Säure-Basen- Haushaltes (vgl. Neumann et al., 2007, S. 68).

2.2.4 Energiestoffwechsel

Beim Ausdauertraining bis zur aeroben Schwelle treten eher niedrige Energie- flussraten auf und die Energieversorgung wird fast vollständig über den Fettstoff- wechsel geregelt (vgl. Weineck, 2004, S. 267). Da der Bereich der mittleren Inten- sität aber durchaus auch leicht über der aeroben Schwelle liegt, findet zusätzlich Kohlenhydratverbrennung statt. Der Anteil an der Arbeitsenergie durch Oxidation von freien Fettsäuren kann bei mittlerer Intensität durchaus bis zu 70% betragen (vgl. Weineck, 2007, S. 300). Deswegen spricht man auch bei einem Dauerlauf- training im Bereich der aeroben Schwelle von einem ‚Fettstoffwechseltraining‘(vgl. Weineck, 2004, S. 267). Da der Grad der Kohlehydratverbrennung allerdings nur sehr gering ist, bzw. die Glykogenspeicher dadurch weitgehend verschont bleiben, kommt es auch nur zu einer leichten Superkompensation in diesen Depots. Dage- gen kommt es zu einer großen Steigerung der Aktivität der Enzyme, die für die Be- ta-Oxidation (aerober Fettsäureabbau) zuständig sind (vgl. Weineck, 2007, S. 271). Eine Studie mit 55 trainierten Probanden ergab, dass eine Belastungsinten- sität im Bereich von 65% der VO2-Max als Optimum für den Fettstoffwechsel an- gesehen werden kann (vgl. Jeukendrup, 2005, S. 337). Diesen Intensitätsbereich kann man durchaus der mittleren Intensität zuordnen. Die VO2-Max Belastung als abgeleitete Empfehlung für die Trainingspraxis ist aber eher als problematisch an- zusehen (vgl. Meyer & Kindermann, 1999, S. 285). Weiterhin kommt es durch aerobes Ausdauertraining zu einer Anpassung der Mitochondrien, die auch als ‚Kraftwerke der Zelle‘ bezeichnet werden. Ihre Oberfläche kann ungefähr um das Zwei- bis Dreifache zunehmen. Zudem erhöht sich auch die Anzahl dieser ‚Kraft- werke‘. Diese jeweilige Zunahme begünstigt weiter die aerobe Metabolisierung in- nerhalb der Zellen, denn dies ist genau die Aufgabe der Mitochondrien. Wird ein solches aerobes Ausdauertraining über einen Zeitraum von sechs Wochen durch- geführt, so kommt es bereits zu einer Anpassung dieser mitochondrialen Kapazität (vgl. Weineck, 2007, S. 246f.). Ein wesentlicher Vorteil der verbesserten Fettver- brennungsfähigkeit ist, dass später dann auch bei höheren Intensitäten Fettsäuren besser umgesetzt werden und somit zum Teil die Glykongenspeicher geschont werden können (vgl. Weineck, 2007, S. 271).

2.2.5 Maximale Sauerstoffaufnahme

„Die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) spiegelt global die kardiopulmonal- metabolische Kapazität des Organismus wieder, da sie alle an der Leistungser- bringung beteiligten Mechanismen erfaßt [sic]“ (Weineck, 2004, S. 260). Zu diesen Mechanismen gehört die äußere Atmung, der Gasaustausch in der Lunge, das Herz-Minuten-Volumen (auch Herz-Zeit-Volumen genannt), der Sauerstofftrans- port im Blut, die belastungsgerechte Verteilung des Herz-Minuten-Volumens sowie die Sauerstoffaufnahme in die entsprechende Muskulatur (vgl. Meyer & Kinder- mann, 1999, S. 285). Bei mittlerer Intensität kommt es zu keiner deutlichen An- passung der maximalen Sauerstoffaufnahme, da diese aufgrund der zu geringen Intensität zu wenig beansprucht wird. Es finden aber leichte Anpassungsprozesse statt, da die aerobe Leistungsfähigkeit in gewissem Maße überschritten wird. An- zeichen dafür ist ein Anstieg der Laktatkonzentration im Blut über 2 mmol/l (vgl. Schnabel et al., 2008, S. 351; Neumann et al., 2007, S. 72f.). Dass es nur zu einer geringen Anpassung im Bereich der maximalen Sauerstoffaufnahme kommt, war vorab zu sehen, da bei mittlerer Intensität die Sportherzanpassung bzw. die Herz- größe auch nur sehr geringe Anpassungserscheinungen zeigte. Gerade die Herzgröße ist mit ein entscheidender Parameter für die maximale Sauerstoffauf- nahme (vgl. Weineck, 2007, S. 254; vgl. Weineck, 2004, S. 264).

2.2.6 Immunsystem

Bei körperlicher Belastung kommt es im Körper zu einer Sofortreaktion. Die vor- handenen Immunzellen, die sich noch nicht im Blutstrom befinden (etwa 50%), werden teilweise mobilisiert (vgl. Weineck, 2004, S. 189). Bei mittlerer Intensität steigt die Cortisolkonzentration im Blut nach 30-minütiger Belastung von 295 nmol/l (Kontrolltageswert ohne körperliche Belastung) auf etwa 300 nmol/l. Cortisol hat zur Folge, dass es zu einem Anstieg der Neutrophilkonzentration im Blut kommt und die Verweilzeit dieser Neutrophile in der Blutzirkulation zunimmt. Neutrophile gehören mit einem Anteil von 50-65% zu den häufigsten Leukozyten (weißen Blutkörperchen) und dienen der Immunabwehr sowie der Identifizierung und Zerstörung von Mikroorganismen. Weiterhin kommt es nach 30 minütiger Be- lastung zu einer Erhöhung der NK-Zellen (natürliche Killerzellen) von einem Ta- geskontrollwert in Ruhe von etwa 220 Zellen pro Mikroliter Blut auf ungefähr 600 NK-Zellen pro Mikroliter Blut. Nach Abbruch der Belastung pendeln sich die Werte wieder auf die Vorbelastungswerte ein (vgl. Weineck, 2004,S. 190ff). Mittlere In- tensitäten im Ausdauertraining erreichen die größte Begünstigung im Bereich der immunologischen Toleranz. In dieser Intensitätshöhe stellt die Trainingsbelastung kein gefährdendes Element in Bezug auf das Immunsystem dar (vgl. Neumann et al., 2007, S. 107f.). Solch ein Training „[…] optimiert die Abwehrmechanismen, sei es durch Aufräumarbeiten der Makrophagen, Stimulierung der Lymphozyten oder auch durch eine Auslösung der Akut-Phase-Reaktion […]“ (Weineck, 2004, S. 192).

Somit lässt sich zum Ende dieses Abschnitts kurz zusammenfassen, dass ein Ausdauertraining mit mittlerer Intensität nicht das Effektivste im Bereich der Stei- gerung der Leistungsfähigkeit ist. Dennoch lässt sich festhalten, dass diese Art von Training sich positiv auf die Gesundheit des Trainierenden auswirkt und zum Teil auch dessen (Ausdauer-)Leistung steigert. In der Folge soll nun die Frage be- trachtet werden, inwieweit ein Ausdauertraining im Schulsport 'Sinn' macht und ob dort überhaupt positive Ergebnisse, aufgrund der wenigen Unterrichtszeit, erzielt werden können.

3. Sinnhaftigkeit von Ausdauertraining im Schulsport

In diesem Abschnitt sollen kurz Ergebnisse eines Unterrichtsexperiments von Strobelt aus dem Jahre 1986 vorgestellt werden, um die Nützlichkeit und auch die Notwendigkeit von Ausdauerschulung im Sportunterricht zu verdeutlichen bzw. ansatzweise zu rechtfertigen. Anschließend soll die Frage nach weiterer Sinn- gebung von Ausdauertraining im Schulsport, abgesehen von einer Leistungsstei- gerung, betrachtet werden.

3.1 Ergebnisse eines Unterrichtsexperiments zum Effekt von Ausdauertraining

Über einen Zeitraum von zehn Monaten (September 1982 - Juni 1983) wurden zehn 4. Klassenstufen mit 87 Mädchen und 98 Jungen einem Ausdauerexperi- ment unterzogen. Das Ganze fand als Komplexuntersuchung statt, d.h. es muss- ten auch alle sonstigen wesentlichen Ziele des Schulsports berücksichtigt werden und es konnte sich nicht ausschließlich auf Ausdauerschulung konzentriert wer- den. Bei drei Sportstunden pro Woche, was heutzutage schon eher die Ausnahme darstellt, wurden wöchentlich davon 15 Minuten für die spezielle Ausdauerschu- lung genutzt. Zu den einzelnen Einheiten gibt es keine näheren Angaben, lediglich wird von "vielseitigen Programmen" gesprochen (vgl. Zeuner, 2009, S. 132f.). An- zumerken ist noch, dass Ausdauer in zwei verschiedenen Varianten geschult wur- de. Eine Gruppe hat kontinuierlich, d.h. jeweils wöchentlich die 15 Minuten Aus- dauerschulung absolviert. Die andere Gruppe arbeitete diskontinuierlich im Be- reich der Ausdauerschulung, d.h. 4-6 Wochen jeweils 30 Minuten und nachfolgend 4-6 Wochen ohne spezielle Ausdaueraspekte. Die Leistungsentwicklung der SuS' wurde durch sechs Tests im Abstand von jeweils sechs Wochen im 2000-Meter- Lauf verfolgt. Ausgewählt wurde diese Form der Leistungsüberprüfung aus Sicht des Autors, da davon ausgegangen wird, dass SuS' bei solchen Tests um beste Ergebnisse bemüht sind (vgl. Zeuner, 2009, S. 133).

Bei beiden unterschiedlichen Herangehensweisen wurden hochsignifikante Leis- tungssteigerungen der SuS' festgestellt. Diese sind in folgender Abbildung darge- stellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: 2000m-Laufleistungen (m/s) von Mädchen und Jungen der Klasse 4 im Ergebnis von 6 Leistungstests nach Zeuner (2009, S. 134).

Zur Grafik ist noch anzumerken, dass es sich bei VR1 um die kontinuierliche und bei VR2 um die diskontinuierliche Ausdauerschulung handelt. Weiter ist festzuhal- ten, dass die Leistungssteigerungen nicht alleine den physischen Adaptationen durch das Ausdauertraining zuzuschreiben sind. Andere Aspekte wie bspw. die Zunahme des biologischen Alters, angemessene Tempogestaltung während des Laufes, Verbesserung der Lauftechnik bzw. -ökonomie und weitere Lernaspekte durch das Absolvieren des 2000-Meter-Laufes sind nicht zu vernachlässigen (vgl. Zeuner, 2009, S. 134f.). Dennoch lässt sich im Ergebnis festhalten, dass leichte Ökonomisierungen im Herz-Kreislauf-Bereich und vermutlich auch im Kohlenhyd- ratstoffwechsel anzunehmen sind.

Weiter wurde die relative Sauerstoffaufnahmefähigkeit zu Beginn und zum Ende der Untersuchung bei beiden Untersuchungsgruppen gemessen. Hier schneiden vor allem die SuS' der kontinuierlichen Ausdauerschulung positiv ab. Bei den Mädchen verbesserte sich der Wert von anfangs 39,56 (ml/kg min^-1) auf 40,21 (ml/kg min^-1). Bei den Jungen stieg der Wert von 46,29 (ml/kg min^-1) auf 47,02 (ml/kg min^-1). Insgesamt lässt sich festhalten, dass auch im Kindes- und Ju- gendalter eine angemessene Ausdauerschulung im Schulsport mit geringen Zeit- anteilen aus gesundheitlicher Sicht nicht unterschätzt werden sollte und auch schon mit wenig Zeiteinsatz nachweisbare positive Effekte erreicht werden können (vgl. Zeuner, 2009, S. 136).

3.2 Sinngebungen im Sportunterricht?

Sinn kann wiederum im Schulsport auch auf unterschiedliche Weise entstehen. Bis jetzt ging es vornehmlich darum, den Sinn in einer 'Leistungssteigerung' bzw. einer Steigerung von biopositiven Effekten zu sehen (vgl. Kapitel 2.2). Doch wird heutzutage vielmehr von mehrperspektivischem Sportunterricht gesprochen. Nach Kurz (2003, S. 6) wird der Sinn des Sports von den Aktiven darin gesehen, dass er "Gesundheit [...] fördert, Kontakte zu anderen Menschen aufbaut [...], Herausfor- derungen bietet [...], ein Medium ästhetischer Botschaften [...] ist, [...] aufregende Erfahrungen erschließt, Spannung und den Reiz des ungewissen Ausgangs berei- thält".

In der Folge soll nun explizit die Perspektive 'Gesundheit' in Bezug zu Ausdauer- schulung im Schulsport betrachtet werden, ohne den Fokus zu sehr auf die positi- ven Adaptationsvorgänge zu legen. Vielmehr soll es darum gehen, welche zusätz- lichen Aspekte für einen gesundheitserziehenden Schulsport sprechen. Denn zu den unbestrittenen Aufgaben des Schulsports gehört, nach Vorgabe der Landes- regierung, die Förderung der Gesundheit (vgl. Niedersächsisches Kultusministeri- um, 2007, S. 7). Wenn Gesundheitserziehung ein Teilauftrag der Schule insge- samt ist, lässt sich kaum bestreiten, dass sie in keinem anderen Fach besser prak- tiziert werden kann als im Sport. Weil insbesondere bei Ausdauertätigkeiten ein 'in sich hineinhorchen' auch den SuS' möglich ist, können verschiedene Körperreak- tionen erfühlt werden. Dies kann zur Folge haben, dass der Umgang mit dem ei- genen Körper verbessert werden kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Hausaufgaben und Ausdauertraining im Schulsport
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Sportwissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
59
Katalognummer
V302978
ISBN (eBook)
9783668011434
ISBN (Buch)
9783668011441
Dateigröße
1627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausdauertraining, Schulsport, Hausaufgaben, Unterrichtskonzept, Schüler, Training, Ausdauer
Arbeit zitieren
Andreas Gröger (Autor), 2015, Hausaufgaben und Ausdauertraining im Schulsport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302978

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