Ohne die Zustimmung der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges - Großbritannien, USA, Sowjetunion und Frankreich - konnte die Wiedervereinigung Deutschlands nicht durchgeführt werden, konnten der Status Berlins, die Bestimmung der Grenzen, die Stationierung von Truppen auf deutschem Boden und die Bestimmungen über die Luftkorridore nach Berlin nicht verändert werden. Doch reagierte jedes der vier Länder auf unterschiedliche Weise auf die Entwicklungen in Mitteleuropa und dies auch aus jeweils unterschiedlichen Gründen und Motiven. Diese Reaktionen darzustellen, ihre Motive, Gründe und Ursprünge herauszuarbeiten und miteinander zu vergleichen ist Ziel dieser Arbeit.
Dabei soll vor allem die Leitfrage beantwortet werden: Worauf beruhten die unterschiedlichen Positionen der vier Mächte zur deutschen Wiedervereinigung? Hierfür werden die jeweils einzelnen Positionen der Staaten im Verlauf des Umbruchs 1989/1990 chronologisch untersucht und dargestellt. Häufig kam es dabei zu Positions- und Einstellungsveränderungen, wobei auch die Ursachen für diese Meinungswechsel herausgearbeitet werden sollen. Betrachtet wird hierbei primär der Zeitraum zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung, allerdings werden in jedem Kapitel auch frühere Entwicklungen angeschnitten.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
1. FRAGESTELLUNG UND VORGEHENSWEISE
2. FORSCHUNGSSTAND UND QUELLENLAGE
II. DIE UNTERSCHIEDLICHEN POSITIONEN DER VIER MÄCHTE ZUR DEUTSCHEN EINHEIT
1. DIE POSITION GROßBRITANNIENS ZUR DEUTSCHEN EINHEIT
a) Ablehnende Haltung Thatchers
b) Antideutsche Ressentiments Thatchers
c) Unterschiedliche Positionen im Kabinett
d) Ursprünge der Positionen von Thatcher und des Außenministeriums
2. DIE POSITION FRANKREICHS ZUR EINHEIT
a) Persönliche Einstellung Mitterrands zu Deutschland
b) Offizielle Zustimmung, inoffizielle Ablehnung – ambivalentes Verhalten Mitterrands
c) Bedingungen für die deutsche Wiedervereinigung
d) Ursprung der französischen Position
3. DIE POSITION DER SOWJETUNION ZUR DEUTSCHEN EINHEIT
a) Deutsche Frage als Teil der „Perestroika“
b) Zurückhaltung, Unsicherheit und Skepsis nach dem Mauerfall
c) Bewegung der Position, Bündnisfrage, Durchbruch und Zustimmung gegen Sicherheits- und Finanzgarantien
d) Ursprung der sowjetischen Position
4. DIE POSITION DER USA ZUR DEUTSCHEN EINHEIT
a) Gesamtstrategie zur deutschen Wiedervereinigung – Einheit als Triumph der USA im Kalten Krieg
b) Zurückhaltung um Provokation zu vermeiden
c) Einigung mit Sowjetunion und Ausbau amerikanischen Einflusses in Europa
d) Ursprung der amerikanischen Position
III. FAZIT UND VERGLEICH DER POSITIONEN UND IHRER URSPRÜNGE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die unterschiedlichen Positionen der vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs zur deutschen Wiedervereinigung während des Umbruchs 1989/90, arbeitet deren Motive sowie Ursprünge heraus und vergleicht diese miteinander.
- Chronologische Untersuchung der nationalen Positionen von Großbritannien, Frankreich, der Sowjetunion und den USA.
- Analyse der persönlichen und machtpolitischen Hintergründe, die das jeweilige Agieren der Regierungen prägten.
- Erforschung der Wechselwirkungen zwischen internen innenpolitischen Zwängen und außenpolitischen Zielsetzungen.
- Vergleich der Strategien zum Umgang mit dem Prozess der deutschen Einheit und deren Einbettung in europäische Sicherheitsarchitekturen.
Auszug aus dem Buch
a) Ablehnende Haltung Thatchers
Als im Spätsommer und Herbst 1989 das Szenario einer deutschen Wiedervereinigung durch die Staatskrisen und Protestbewegungen in Osteuropa, speziell der DDR, und dem Wandel in der Sowjetunion immer realistischer wurde, kam aber schnell Thatchers wahre Einstellung zum Vorschein: Tatsächlich stand sie der deutschen Wiedervereinigung von Anfang an mit Besorgnis, Skepsis und Ablehnung gegenüber. Bei einem Treffen mit Gorbatschow im September 1989 sagte sie dem sowjetischen Präsidenten, sie wolle mit Blick auf Deutschland das „rasante Tempo der Entwicklung [...] bremsen" und Stabilität wahren.10 Deutschland dürfe kein „Elefant im Porzellanladen werden.“11 Sie führte weiter aus und machte deutlich, was von den bisherigen offiziellen Bekenntnissen Großbritanniens zur Wiedervereinigung zu halten sei: „England und Westeuropa haben kein Interesse an einer deutschen Wiedervereinigung. Es mag sein, dass in offiziellen NATO-Dokumenten etwas anderes geschrieben steht, aber das spielt ja keine Rolle. Wir wollen keine deutsche Wiedervereinigung.“12 Auch nach dem Mauerfall beschwichtigte Thatcher und versuchte, den Status Quo zu erhalten.13
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Einleitung in die Thematik der Wiedervereinigung aus Sicht der Siegermächte, Erläuterung der Fragestellung sowie Darlegung der Forschungsbasis.
II. DIE UNTERSCHIEDLICHEN POSITIONEN DER VIER MÄCHTE ZUR DEUTSCHEN EINHEIT: Umfassende Untersuchung der Haltungen und Motive von Großbritannien, Frankreich, der Sowjetunion und der USA im Kontext des Umbruchs 1989/90.
III. FAZIT UND VERGLEICH DER POSITIONEN UND IHRER URSPRÜNGE: Zusammenfassende Gegenüberstellung der unterschiedlichen nationalen Positionen und der zugrundeliegenden machtpolitischen sowie persönlichen Motive.
Schlüsselwörter
Deutsche Wiedervereinigung, Vier Mächte, Margaret Thatcher, Francois Mitterrand, Michail Gorbatschow, George Bush, Kalter Krieg, Perestroika, NATO, Außenpolitik, Souveränität, Europäische Integration, deutsche Einheit, Umbruch 1989/90.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs – Großbritannien, Frankreich, die Sowjetunion und die USA – im Zeitraum des Umbruchs 1989/90 auf die deutsche Wiedervereinigung reagierten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die nationalen politischen Positionen, die spezifischen Motive hinter diesen Entscheidungen sowie die Frage, worauf diese Haltungen historisch und machtpolitisch basierten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die unterschiedlichen Reaktionen der vier Mächte zu vergleichen und die Beweggründe – von persönlicher Ablehnung bis hin zu machtstrategischen Interessen – differenziert herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Die Arbeit nutzt eine chronologische Untersuchung sowie einen vergleichenden Ansatz, basierend auf einer fundierten Auswertung von Primärquellen wie Memoiren, Gesprächsprotokollen und zeitgenössischen Dokumenten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier Kapitel, die jeweils die Position eines Staates detailliert analysieren, von der Haltung der Führungspersonen bis hin zu den Ursprüngen der nationalen Außenpolitik.
Welche zentralen Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Analyse ist durch Begriffe wie deutsche Einheit, machtstrategische Interessen, persönliche Antipathien, Sicherheitsarchitektur und den Systemwandel nach dem Kalten Krieg charakterisiert.
Warum lehnte Margaret Thatcher die Wiedervereinigung so vehement ab?
Ihre Haltung beruhte sowohl auf einer persönlichen Biografie, die von den Erlebnissen des Zweiten Weltkriegs geprägt war, als auch auf der strategischen Furcht vor einem dominanteren Deutschland und einem Souveränitätsverlust Großbritanniens.
Wie veränderte sich die Position der Sowjetunion im Laufe des Prozesses?
Die Sowjetunion agierte zunächst aus Unsicherheit und ökonomischem Druck heraus, nutzte die deutsche Frage jedoch später geschickt als Hebel, um wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung für die Perestroika-Politik zu sichern.
- Citar trabajo
- Jean Mikhail (Autor), 2012, Die Deutsche Wiedervereinigung als Gegenstand machtpolitischer Interessen. Die vier Siegermächte und ihre unterschiedlichen Positionen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303407