Die Sinnhaftigkeit und Pro- und Contra-Argumente für die Errichtung von Pflegekammern. "Kann eine Verklammerung der Pflegefachberufe zur beruflichen Identität beitragen?"
Die politische und pflegefachliche Einflussnahme auf Augenhöhe mit anderen Professionen des Gesundheitswesens, insbesondere mit der Ärzteschaft, sowie die berufliche Partizipation, Mitbestimmung und Mitsprache der Pflege bei wichtigen pflegepolitischen Entscheidungsprozessen, ist seit vielen Jahren eine zentrale Forderung der professionell Pflegenden. Diese Forderung wird von vielen Berufsorganisationen in Deutschland mit Nachdruck eingefordert.
Diese Hausarbeit hat den Anspruch, die aktuelle Situation über die Errichtung von Pflegekammern in Deutschland, deren juristische als auch verfassungsrechtliche Kontroverse sowie die Aufgaben einer berufsständischen Kammer kurz zu repetieren. Der Ansporn dieser Arbeit ist es auch, die Merkmale einer berufsständischen Kammer als auch die bundesweiten Diskussionen um die Zwangsmitgliedschaft, die eine Registrierung aller Pflegenden voraussetzt, abzubilden. Wie der Titel der Hausarbeit es verspricht, werden die Pro- und Contra-Argumente zur Etablierung von Pflegekammern in den Bundesländern dargestellt.
Des Weiteren wird der Versuch unternommen, eine Antwort auf die Kernfrage “Kann eine Verkammerung der Pflegefachberufe zur beruflichen Identität beitragen?” flankierend aufzuspüren. Da am 01.01.2015 der erste Gründungsausschuss durch das Landeskabinett in Rheinland-Pfalz zur Errichtung der ersten Pflegekammer beschlossen wurde, wird die Arbeit mit einem Experteninterview abgerundet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung - Pflege als selbstbestimmte Profession -
1.1 Methodologie dieser Hausarbeit
1.2 Berufliche Identität als Selbstkonzept
2 Pflegekammer - Fluch oder Imagesegen
2.1 Juristische Bewertung zur Gründung von Pflegekammern
2.2 Pflichtmitgliedschaft und Registrierung
3 Historie zur Etablierung von Pflegekammern
3.1 Berufliche Selbstverwaltung
3.2 Aufgaben von berufsständischen Kammern
4 Pro- und Contra-Argumente einer Kammergründung
4.1 Pro-Argumente
4.2 Contra-Argumente
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Situation sowie die Pro- und Contra-Argumente zur Errichtung von Pflegekammern in Deutschland. Ziel ist es, die juristischen und verfassungsrechtlichen Kontroversen zu beleuchten und die Forschungsfrage zu erörtern, inwiefern eine Verkammerung der Pflegefachberufe zur Stärkung der beruflichen Identität beitragen kann.
- Politische und pflegefachliche Einflussnahme sowie Partizipation der Pflege.
- Juristische und verfassungsrechtliche Bewertung der Pflichtmitgliedschaft.
- Historische Entwicklung und Etablierung von Pflegekammern in Deutschland.
- Berufliche Identität als komplexes Selbstkonzept innerhalb des Pflegeberufs.
- Experteninterview zur praktischen Umsetzung am Beispiel Rheinland-Pfalz.
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung - Pflege als selbstbestimmte Profession -
Die politische und pflegefachliche Einflussnahme auf Augenhöhe mit anderen Professionen des Gesundheitswesens, insbesondere mit der Ärzteschaft, sowie die berufliche Partizipation, Mitbestimmung und Mitsprache der Pflege bei wichtigen pflegepolitischen Entscheidungsprozessen, ist seit vielen Jahren eine zentrale Forderung der professionell Pflegenden. Diese Forderung wird von vielen Berufsorganisationen in Deutschland mit Nachdruck eingefordert. Der Deutsche Pflegerat (DPR als Bundesarbeitsgemeinschaft der Pflegeorganisationen) als ein wichtiger Dachverband im deutschen Hebammen- und Pflegewesen, hat mit unterschiedlich konzertierten Aktionen die bundesweite Etablierung von Pflegekammern in den Bundesländern empfohlen. „Seine Unterstützung einer Pflegekammer hat der Deutsche Pflegerat in der sog. Strausberger Erklärung vom 31.8.2004 prononciert zum Ausdruck gebracht.“ Die Professionalisierungsbestrebungen sowie die Akademisierung beziehungsweise die aktuellen Diskussionen über eine gemeinsame generalisierte Pflegeausbildung zur/zum „Pflegefachfrau/-mann“ durch ein neues Pflegeberufegesetz, ist seit einigen Jahren in aller Munde. Martin Schlie, konstatiert im Zusammenhang mit den Professionalisierungs- und Autonomiebestrebungen der beruflich Pflegenden in Deutschland, das die Gründung von Pflegekammern ein zentrales Kriterium der Professionalisierung in der Pflege darstellt.
Seit 1990 debattieren Politiker unterschiedlicher Parteien, Landespflegeräte, Fachreferate, Wissenschaftler, Pflege- und Berufsverbände einschließlich ihrer Dachorganisationen sowie Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften und an der Spitze die Fördervereine in den Bundesländern, um die bundesweite Forderung, eine berufsständische Kammer als Selbstverwaltung der professionell Pflegenden in Deutschland zu etablieren. Das klare Votum für die Etablierung von interessensunabhängigen Pflegekammern als starke Vertretung der Pflegenden ist keinesfalls nur ein Lippenbekenntnis oder ein enthusiastischer Lobbyismus oder eine Absichtserklärung einiger Akteure. Denn, es ist kein offenes Geheimnis, dass die Berufsgruppe der professionell Pflegenden bei Allokationsentscheidungen in der deutschen Gesundheitsversorgung derzeit keinerlei erkennbare Partizipationsmöglichkeiten haben. Die Mitbestimmung der Pflege durch die Errichtung von Pflegekammer nennt Prof. Dr. iur. Heinrich Hanika als Demokratische Partizipationsmöglichkeit der Pflege.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung - Pflege als selbstbestimmte Profession -: Das Kapitel führt in die Forderung der professionell Pflegenden nach Partizipation und die Bedeutung der Pflegekammern für die Professionalisierung ein.
2 Pflegekammer - Fluch oder Imagesegen: Hier werden die juristische Bewertung, die Zwangsmitgliedschaft und die Notwendigkeit von Kammern zur Stärkung der beruflichen Identität diskutiert.
3 Historie zur Etablierung von Pflegekammern: Dieser Abschnitt behandelt die Entstehung der Fördervereine und die rechtlichen Rahmenbedingungen berufsständischer Selbstverwaltung.
4 Pro- und Contra-Argumente einer Kammergründung: Das Kapitel stellt die verschiedenen Standpunkte von Befürwortern und Kritikern einer Verkammerung gegenüber.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert die Bedeutung der Pflegekammern als Instrument für gesellschaftspolitische Teilhabe und berufliche Identitätsstiftung.
Schlüsselwörter
Pflegekammer, Professionalisierung, Berufsständische Selbstverwaltung, Pflegefachberufe, Partizipation, Berufliche Identität, Zwangsmitgliedschaft, Gesundheitswesen, Pflegeethik, Berufsordnung, Deutscher Pflegerat, Interessensvertretung, Selbstkonzept, Landespflegekammer, Politik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Debatte um die Einführung von Pflegekammern in Deutschland und untersucht deren Notwendigkeit sowie die damit verbundenen Vor- und Nachteile.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die Themen Professionalisierung der Pflege, berufliche Identität, rechtliche Zulässigkeit von Pflichtmitgliedschaften und die politische Einflussnahme durch berufsständische Kammern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Analyse der Kontroversen um die Gründung von Pflegekammern und die Beantwortung der Frage, ob eine Verkammerung zur beruflichen Identität der Pflegefachkräfte beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller Rechtsgutachten und Fachpublikationen sowie einem Experteninterview zur praktischen Situation am Beispiel von Rheinland-Pfalz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die juristische Bewertung, die historische Entwicklung der Kammergründungsbestrebungen sowie die detaillierte Darstellung von Pro- und Contra-Argumenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Pflegekammer, Partizipation, Berufsständische Selbstverwaltung, berufliche Identität und Professionalisierung.
Wie bewerten Kritiker die Einführung einer Pflegekammer?
Kritiker sehen in einer Pflegekammer oft einen bürokratischen Apparat, der die Berufsfreiheit einschränkt und die bereits bestehende Interessenvertretung durch Verbände und Gewerkschaften unnötig konkurrenziert.
Welche Rolle spielt das Experteninterview in der Arbeit?
Das Experteninterview mit der Vertreterin der Pflegekammer Rheinland-Pfalz dient dazu, den aktuellen Stand der praktischen Umsetzung, wie die Registrierung und die Rolle der Berufsordnung, aus erster Hand zu erläutern.
- Citar trabajo
- Johann Weigert (Autor), 2015, Pflege als selbstbestimmte Profession. Die Errichtung von Pflegeberufekammern in Deutschland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304079