Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung - das verspricht Artikel 6 Absatz 1 unseres Grundgesetzes. Leider scheint dieses Privileg Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen oftmals verwehrt zu bleiben, während heterosexuellen Eheleuten in Deutschland selbst bei (eingeschränkter) Infertilität verschiedene Wege offen stehen, ihren Wunsch nach einer Familie zu erfüllen. Dieses Phänomen hat diverse Hintergründe, denn homosexuelle Partnerschaft steht in einem äußerst kritischen gesellschaftlichen Diskurs.
Fakt ist, dass heute eine Vielfalt an Familienformen besteht und gelebt wird, welche jede für sich Respekt und Akzeptanz verdient; das nicht zuletzt deshalb, weil die Kinderzahlen in den letzten Jahrzehnten dramatisch rückläufig sind, was die Frage provoziert, ob wir es uns angesichts dieser Tatsache überhaupt leisten können und wollen Paaren, vorzuschreiben in welchem familiären Zusammenhang Kinder entstehen und aufwachsen dürfen und wo nicht.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit interessiert vordergründig die Frage welcher Möglichkeiten sich Menschen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aktuell bedienen können, um ihren Kinderwunsch zu realisieren.
Das Ziel besteht darin Methoden und Wege zu finden und zusammen zu tragen, welche zur Erfüllung des Kinderwunsches führen können unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Zugänge für Männer und Frauen sowie der rechtlichen Grundlagen.
Inhaltsverzeichnis
EINFÜHRUNG
A GESELLSCHAFTLICHE KONTROVERSE UM DIE GLEICHGESCHLECHTLICHE ELTERNSCHAFT
1 DIE BEDEUTUNG VON FAMILIE
1.1 DEFINITION FAMILIE
1.2 FAMILIE IM WANDEL
1.3 DEMOGRAPHISCHE ENTWICKLUNG
2 PLURALISIERUNG UND INDIVIDUALISIERUNG DER HAUSHALTS- UND FAMILIENFORMEN
2.1 DIE REGENBOGENFAMILIE
2.2 BESONDERHEITEN DER „HOMO-EHE“
2.2.1 Das Lebenspartnerschaftsgesetz
2.2.2 Steuerrechtliche Gleichstellung
3 STAND DER FORSCHUNG
4 STATISTISCHE ANGABEN
5 HOMOSEXUALITÄT IN DER SOZIALEN ARBEIT
B MÖGLICHKEITEN FÜR MENSCHEN IN GLEICHGESCHLECHTLICHEN LEBENSGEMEINSCHAFTEN IHREN KINDERWUNSCH ZU REALISIEREN- HINDERNISSE UND GRENZEN
6 ENTKOPPELUNG VON BIOLOGISCHER UND SOZIALER ELTERNSCHAFT
6.1 WEGE ZUR BIOLOGISCHEN ELTERNSCHAFT
6.1.1 Die heterologe Insemination
6.1.1.1 Spendersamen aus der Samenbank
6.1.1.2 Rechtlicher Rahmen für Samenbanken
6.1.1.3 Die private Samenspende
6.1.2 Queerfamilien
6.1.2.1 Das Kleine Sorgerecht
6.1.2.2 Stiefkindadoption
6.1.3 Leihmutterschaft/ Eizellspende
6.1.3.1 Was ist unter Leihmutter- oder Ersatzmutterschaft zu verstehen?
6.1.3.2 Die Leihmutterschaft im gesetzlichen Kontext
6.1.3.3 Eizellspende und Leihmutterschaft im Ausland
6.1.3.4 Juristische Hürden bei Inanspruchnahme einer Leihmutter aus dem Ausland
6.2 WEGE ZUR SOZIALEN ELTERNSCHAFT
6.2.1 Adoption durch gleichgeschlechtliche Partner
6.2.1.1 Die Inlandsadoption
6.2.1.2 Historischer Abriss zur Adoption
6.2.1.3 Der Weg zur Adoption eines Kindes
6.2.1.4 Die rechtliche Einbettung der Adoption
6.2.1.5 Die Sukzessive Zweitadoption
6.2.2 Die Internationale Adoption
6.2.2.1 Was ist eine Internationale Adoption?
6.2.2.2 Die Ursprünge der internationalen Adoption
6.2.2.3 Rechtliche Aspekte der Internationalen Adoption
6.2.2.4 Die internationale Vermittlung
6.2.2.5 Vermittlungskosten
6.2.2.6 Hindernisse
6.2.3 Pflegeelternschaft
6.2.3.1 Die unbefristete Vollzeitpflege
6.2.3.2 Rechtliche Aspekte
6.2.4 Kafala
7 KRITISCHE REFLEXION
8 SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die vielfältigen, teils hürdenreichen Wege, die Menschen in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften in Deutschland aktuell beschreiten können, um ihren Kinderwunsch zu realisieren. Dabei werden sowohl biologische als auch soziale Methoden unter Berücksichtigung der geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen, gesellschaftlicher Kontroversen und individueller Ressourcen analysiert.
- Rechtliche Situation und Herausforderungen für gleichgeschlechtliche Elternschaft in Deutschland.
- Biologische Wege zur Elternschaft (Insemination, Leihmutterschaft, Eizellspende) und deren Hürden.
- Soziale Wege zur Elternschaft (Adoption, Pflegeelternschaft) und deren rechtliche Einbettung.
- Vergleich internationaler Ansätze und Einordnung in den Kontext der Sozialen Arbeit.
- Bedeutung von Kindeswohl und Gleichstellung im aktuellen gesellschaftspolitischen Diskurs.
Auszug aus dem Buch
6. Entkoppelung von biologischer und sozialer Elternschaft
Die Unterscheidung zwischen biologischer und nicht-biologischer, sprich sozialer Elternschaft wird zunächst am deutlichsten auf der Paarebene, da in gleichgeschlechtlichen Beziehungen nur ein Partner als biologischer Elternteil des Kindes hervorgehen kann.
Während es sich schon für lesbische Frauen als kompliziert erweist leibliche Kinder zu gebären, ist dies für homosexuelle Männer mangels körperlicher Voraussetzungen ungleich schwieriger.
Viele Jahre lang habe man, so Fthenakis (2002, S.8), geglaubt, dass homosexuelle Männer nur im Kontext vormaliger heterosexueller Beziehungen Vater werden können. Heute hingegen strebten Männer und Frauen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften immer häufiger an, die Aufgaben der Elternrolle zu übernehmen. Dabei hätten sie mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kämpfen und seien bei ihrem Wunsch nach Vaterschaft mit zahlreichen Fragen und Problemen konfrontiert. Allein die reine Vorgehensweise um Vater zu werden könne sehr entmutigend erscheinen. Potentielle homosexuelle Väter benötigten daher genaue aktuelle Informationen darüber wie sie Eltern werden können.
„Männer haben mehr als Frauen gegen Vorurteile der Gesellschaft zu kämpfen.“
Zusammenfassung der Kapitel
EINFÜHRUNG: Diese Einleitung skizziert die Problematik des Kinderwunsches bei gleichgeschlechtlichen Paaren und ordnet das Thema in den aktuellen gesellschaftlichen und rechtlichen Diskurs unter Bezugnahme auf das Grundgesetz ein.
A GESELLSCHAFTLICHE KONTROVERSE UM DIE GLEICHGESCHLECHTLICHE ELTERNSCHAFT: Hier wird der historische und kulturelle Kontext der Familie beleuchtet, einschließlich des Wandels des Familienbegriffs und der rechtlichen Besonderheiten der Lebenspartnerschaft im Vergleich zur Ehe.
1 DIE BEDEUTUNG VON FAMILIE: Dieses Kapitel definiert Familie aus rechtlicher und soziologischer Sicht und diskutiert den Wandel sowie die demografische Entwicklung in Deutschland.
2 PLURALISIERUNG UND INDIVIDUALISIERUNG DER HAUSHALTS- UND FAMILIENFORMEN: Die Vervielfältigung von Familienformen wird hier erörtert, wobei Regenbogenfamilien und die rechtlichen Rahmenbedingungen der „Homo-Ehe“ eine zentrale Rolle einnehmen.
3 STAND DER FORSCHUNG: Ein Überblick über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Publikationen zum Thema Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.
4 STATISTISCHE ANGABEN: Dieses Kapitel fasst die Datenlage zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften und Kindern in diesen Familien basierend auf dem Mikrozensus zusammen.
5 HOMOSEXUALITÄT IN DER SOZIALEN ARBEIT: Hier wird die Rolle der Sozialen Arbeit reflektiert, die darin besteht, unterrepräsentierte Gruppen zu unterstützen, Diskriminierung entgegenzuwirken und berufliche Kompetenzen für diesen Klientenkreis zu entwickeln.
B MÖGLICHKEITEN FÜR MENSCHEN IN GLEICHGESCHLECHTLICHEN LEBENSGEMEINSCHAFTEN IHREN KINDERWUNSCH ZU REALISIEREN- HINDERNISSE UND GRENZEN: Ein umfassender praktischer Teil, der Wege zur biologischen und sozialen Elternschaft untersucht.
6 ENTKOPPELUNG VON BIOLOGISCHER UND SOZIALER ELTERNSCHAFT: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert Methoden wie Insemination, Leihmutterschaft, Adoption und Pflegeelternschaft sowie die damit verbundenen juristischen und praktischen Herausforderungen für gleichgeschlechtliche Paare.
7 KRITISCHE REFLEXION: Zusammenfassende Bewertung der recherchierten Möglichkeiten und der Hindernisse bei der Erfüllung des Kinderwunsches unter Berücksichtigung der Rolle der Sozialen Arbeit.
8 SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK: Fazit zur gesellschaftlichen Akzeptanz und Ausblick auf notwendige rechtliche Anpassungen, um die Gleichstellung von Familienformen zu fördern.
Schlüsselwörter
Gleichgeschlechtliche Partnerschaft, Kinderwunsch, Regenbogenfamilie, Insemination, Leihmutterschaft, Adoption, Pflegeelternschaft, Stiefkindadoption, Familienrecht, Kindeswohl, Homosexualität, Soziale Arbeit, Diskriminierung, Familienformen, Reproduktionsmedizin.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche rechtlichen und praktischen Möglichkeiten homosexuelle Paare in Deutschland haben, um sich den Wunsch nach eigenen Kindern zu erfüllen, und mit welchen Hindernissen sie dabei konfrontiert sind.
Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der rechtlichen Situation von Regenbogenfamilien, biologischen Wegen zur Elternschaft wie Insemination oder Leihmutterschaft sowie den sozialen Wegen wie Adoption und Pflegeelternschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, Methoden und Wege zur Erfüllung des Kinderwunsches für gleichgeschlechtliche Paare zusammenzutragen und die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Schwierigkeiten kritisch zu reflektieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es handelt sich um eine Literatur- und Recherchearbeit, die aktuelle Gesetzeslagen, Gerichtsurteile, statistische Daten des Mikrozensus sowie soziologische und pädagogische Fachpublikationen auswertet.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert die Entkoppelung von biologischer und sozialer Elternschaft und detailliert verschiedene praktische Optionen inklusive der jeweiligen rechtlichen Hürden im In- und Ausland.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Regenbogenfamilie, Kinderwunsch, Stiefkindadoption, Leihmutterschaft, Insemination, Kindeswohl und Soziale Arbeit.
Welche Rolle spielt die Leihmutterschaft in dieser Arbeit?
Die Leihmutterschaft wird als eine – in Deutschland verbotene, international aber für schwule Paare oft genutzte – Methode analysiert, wobei die Arbeit die hohen rechtlichen und ethischen Risiken betont.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Sozialen Arbeit?
Die Soziale Arbeit wird aufgefordert, Regenbogenfamilien als gleichwertige Familienform anzuerkennen, sie in ihrer Lebenswirklichkeit zu unterstützen und aktiv für den Abbau von Diskriminierung und rechtlichen Benachteiligungen einzutreten.
- Citation du texte
- Julia Surel (Auteur), 2013, Der Kinderwunsch von Menschen in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304394