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Soziale Angst bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Ein Leitfaden für die Schulsozialarbeit

Titre: Soziale Angst bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Thèse de Master , 2015 , 161 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Janina Grothe-Baierle (Auteur)

Psychologie - Psychosociologie
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Résumé Extrait Résumé des informations

„60 Augenpaare starren mich an, wenn ich an der Tafel etwas erklären muss. Das halte ich nicht aus, am liebsten würde ich abhauen.“ (Report Psychologie 15.04.2014) Bei meiner Arbeit als Schulsozialarbeiterin an einem Berufskolleg begegneten mir immer wieder Schülerinnen und Schüler, die über ähnliche Erfahrungen und Erlebnisse berichteten. Viele erlebten Unsicherheit in sozialen Situationen, hatten Angst, vor größeren Gruppen zu sprechen; Angst, nach einem Praktikumsplatz zu fragen; Angst, vor Prüfungen und teilweise auch Angst, telefonischen Kontakt mit Institutionen aufzunehmen. Diese Ängste können sich sehr belastend auf das Leben der Jugendlichen und jungen Erwachsenen auswirken und führten mitunter zu starkem Vermeidungsverhalten. Teilweise trauten sich die Betroffenen bei Krankheiten nicht, in der Schule anzurufen oder vermeiden den Schulbesuch vollständig, was sich negativ auf ihre Zukunftschancen auswirkte. Meine Beobachtungen werden durch Studien zur sozialen Phobie bestätigt. Nach Angaben von der wissenschaftliche Geschäftsführerin der Verhaltenstherapieambulanz Frankfurt Dr. Regina Steil ist die soziale Phobie „eine der häufigsten psychischen Erkrankungen im Jugend- und jungen Erwachsenenalter, wobei soziale Ängste mit einem hohen Risiko für einen vorzeitigen Schulabbruch einhergehen“ (iDW, 19.09.2012). Circa 5 bis 10% aller Jugendlichen erkranken im Laufe ihres Lebens nach Angaben des Informationsdienst Wissenschaft (iDW) an einer sozialen Phobie (ebd.).Die folgende Arbeit wird sich zunächst umfassend mit der Theorie sozialer Angst in ihren unterschiedlichen Ausprägungsformen beschäftigen, auf die Verbreitung im Jugendalter näher eingehen und dann die Zusammenhänge von sozialer Angst und Schule aufzeigen. Sie schließt mit einem umfangreichen Leitfaden für die Beratung im Rahmen der Schulsozialarbeit ab, der zunächst auf die Beratung älterer Jugendlicher und junger Erwachsener (16 bis 25 Jahre) ausgelegt ist, jedoch auch an jüngere Jugendliche durch eine „kindlichere“ Ausgestaltung angepasst werden kann. Viele der Hinweise im Beratungsleitfaden können auch in anderen Beratungsformen (Z.B. in der psychologische Beratungsstelle etc.) Anwendung finden.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Besonderheiten des Jugendalters und des jungen Erwachsenenalters

3. Soziale Angst

3.1 Symptomatik und Klassifikation

3.1.1 Klinische Formen sozialer Angst

3.1.1.1 Soziale Phobie bzw. soziale Angststörung

3.1.1.2 Ängstliche bzw. vermeidend –selbstunsichere Persönlichkeitsstörung

3.1.2 Subklinische Formen sozialer Angst

3.1.2.1 Subklinische soziale Ängste

3.1.2.2 Schüchternheit

3.1.3 Zusammenfassung

3.2 Epidemiologie und Komorbidität im Jugendalter und jungen Erwachsenenalter

3.2.1 Prävalenz

3.2.2 Erstmanifestation, Verlauf und Prognose

3.2.3 Komorbidität

3.2.4 Inzidenz und Persistenz

3.2.5 Folgen

3.2.6 Hilfesuchverhalten und Behandlungserfolge

3.2.7 Zusammenfassung und Folgerungen

3.3 Ätiologie

3.3.1 Biologische Vulnerabilitätsfaktoren

3.3.1.1 Heritabilität

3.3.1.2 Persönlichkeitseigenschaften

3.3.1.3 Neurobiologische Aspekte

3.3.2 Psychologische und familiäre Vulnerabilitätsfaktoren

3.3.2.1 Bindungs- und Erziehungsstil

3.3.2.2 Psychische Vorerkrankungen

3.3.3 Störungsspezifische Faktoren

3.3.3.1 Soziale Kompetenz.

3.3.3.2 Sensibilität für Gesichtsausdruck und Blickkontakt

3.3.3.3 Kognitive Prozesse

3.3.3.3.1 Theoretische Grundlagen und allgemeine Befunde

3.3.3.3.2 Befunde aus Studien

3.3.4 Faktoren der individuellen Lebensbiografie, Lebensereignisse

3.3.5 Soziodemografische Faktoren

3.3.6 Zusammenfassung und Folgerungen

4. Soziale Angst im Zusammenhang mit dem Lebens- und Lernort Schule

4.1 Auswirkungen schulischer Bedingungen auf soziale Angst

4.2 Soziale Angst und Schulangst

4.3 Auswirkungen von sozialer Angst auf den Schulerfolg

4.4 Zusammenfassung und Folgerungen

5. Beratung der sozialen Angst in der Schule

5.1 Ausgangsbedingungen und Setting im Kontext Schule

5.1.1 Einbeziehung des Lehrerkollegiums

5.1.2 Niederschwelligkeit und Freiwilligkeit des Angebotes

5.2 Ein Beratungsleitfaden

5.2.1 Phase 1 – Schaffung günstiger Ausgangsbedingungen

5.2.1.1 Entwicklung einer „therapeutischen Allianz“

5.2.1.2 Problembezogene Informationssammlung

5.2.1.3 Organisatorische Aspekte

5.2.2 Phase 2: Aufbau von Änderungsmotivation und vorläufige Auswahl von Änderungsbereichen

5.2.2.1 Aufbau von Beratungsmotivation (speziell Änderungsmotivation)

5.2.2.2 Vorläufige Auswahl von Änderungsbereichen

5.2.3 Phase 3 - Verhaltensanalyse und funktionales Bedingungsmodell

5.2.4 Phase 4 - Vereinbaren von Beratungszielen

5.2.5 Phase 5 – Planung, Auswahl und Durchführung spezieller Methoden

5.2.5.1 Kognitive Umstrukturierung

5.2.5.2 Verhaltensexperimente und Verhaltensmodifikation

5.2.6 – Phase 6 – Evaluation

5.2.7 Phase 7 - Endphase – Erfolgsoptimierung und Abschluss der Therapie

5.2.7.1 Stabilisierung und Transfer

5.2.7.2 Beendigen / Ausblenden der Kontakte

5.3 Zusammenfassung

6. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein tieferes Verständnis für das Phänomen der sozialen Angst bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu entwickeln und evidenzbasierte Ansätze für eine wirksame Beratung im schulischen Kontext aufzuzeigen. Dabei wird insbesondere untersucht, wie sich soziale Ängste auf die schulische Laufbahn auswirken und welche psychosozialen Faktoren ihre Entstehung und Aufrechterhaltung beeinflussen.

  • Theoretische Fundierung sozialer Ängste und deren Abgrenzung von pathologischen Störungsbildern.
  • Epidemiologische Analyse der Verbreitung und Komorbidität von sozialer Angst bei jungen Menschen.
  • Untersuchung ätiologischer Faktoren, einschließlich biologischer, psychologischer und familiärer Einflüsse.
  • Praxisorientierte Erarbeitung eines Beratungsleitfadens basierend auf dem Modell von Kanfer, Reinecker und Schmelzer.

Auszug aus dem Buch

3.3.3.3.1 Theoretische Grundlagen und allgemeine Befunde

Nach Beck, Emery und Greenberg (1985) weisen Personen mit sozialer Angststörung eine Hypersensitivität gegenüber den Signalen von Anderen bezogen auf die Akzeptanz der eigenen Person, auf und befürchten, ihr Verhalten und gegebenenfalls eigene körperliche Reaktionen könnten zu Statusverlust oder Zurückweisung führen. Sie betrachten die Entstehung dieser dysfunktionalen kognitiven Ausrüstung aus entwicklungspsychologischer Perspektive. Aus ihrer Sicht kann dauerhafte Angst vor sozialen Situationen entstehen, wenn die Anforderungen in einem bestimmten Kontext die sozialen Fertigkeiten eines Kindes übersteigen oder es unsicher, bezogen auf das richtige soziale Verhalten, ist.

In einer solchen Situation entwickelt das Kind die Angst, sozial zu versagen (inkompetent zu sein oder zu wirken oder die Unterstützung wichtiger Bezugspersonen zu verlieren). Wird diese Angst durch negative Erfahrungen bestätigt, kann dauerhafte Angst vor der sozialen Situation entstehen, die auch auch dann bestehen bleibt, wenn die zuvor fehlenden sozialen Fertigkeiten bereits lange entwickelt sind (vgl. Beck u.a. 1985; Müller 2002; Steil u.a. 2011). Treten dann Stressoren, wie besondere Belastungen und belastende Lebensereignisse auf, so werden die in der Vergangenheit entwickelten kognitiven Schemata aktiviert, was zur Entwicklung problematischer Gefühle und Verhaltensweisen führt.

Zu den kognitiven Schemata gehören „perfektionistische Standards bei der Bewertung des eigenen Verhaltens“ mit der Annahme, immer intelligent und witzig wirken zu müssen, „die Sichtweise, dass andere Menschen sehr kritisch in ihrer Beurteilung sind“, „die extreme Gewichtung der Bewertung durch andere und der gesellschaftlichen Folgen“, damit zusammenhängend „die überkritische Prüfung des eigenen Verhaltens auf Angemessenheit/Unangemessenheit“ und die Bewertung des Selbst als inkompetent oder Versager (Müller 2002, S. 63). Das Gedächtnis speichert diese Schemata als konditionale Thesen, welche auf Wenn-Dann Verknüpfungen basieren, beziehungsweise als unkonditionale Annahmen, das heißt als Grundüberzeugungen mit absoluten Bewertungen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz sozialer Ängste bei Jugendlichen ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, eine effektive Beratungsmethode für die Schulsozialarbeit zu formulieren.

2. Besonderheiten des Jugendalters und des jungen Erwachsenenalters: Dieses Kapitel beschreibt die zentralen Entwicklungsaufgaben und die spezifischen Anforderungen an Jugendliche in modernen Industriegesellschaften.

3. Soziale Angst: Dieser umfangreiche Teil beleuchtet die Symptomatik, Klassifikation sowie epidemiologische Daten und ätiologische Faktoren der sozialen Angst.

4. Soziale Angst im Zusammenhang mit dem Lebens- und Lernort Schule: Das Kapitel analysiert die spezifischen Auswirkungen des schulischen Umfelds auf die Entstehung und Verschärfung von Ängsten sowie den Einfluss auf den Schulerfolg.

5. Beratung der sozialen Angst in der Schule: Hier wird ein konkreter Beratungsleitfaden entwickelt, der auf dem Selbstmanagement-Modell basiert und verschiedene Phasen der Beratung detailliert darstellt.

6. Fazit und Ausblick: Diese Zusammenfassung reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und gibt einen Ausblick auf notwendige zukünftige Forschungs- und Handlungsfelder.

Schlüsselwörter

Soziale Angst, Soziale Phobie, Jugendliche, Junge Erwachsene, Schulsozialarbeit, Beratung, Kognitive Verhaltenstherapie, Schulangst, Komorbidität, Symptomatik, Ätiologie, Selbstmanagement, Sicherheitsverhalten, Vermeidungsverhalten, Prävention.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Abschlussarbeit primär?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik sozialer Ängste bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen und entwickelt daraus einen praxisorientierten Leitfaden für die Beratung innerhalb der Schulsozialarbeit.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Neben der Definition und Klassifikation von sozialen Ängsten werden epidemiologische Daten, die Ursachen (Ätiologie) sowie der spezifische Einfluss des Lernorts Schule detailliert analysiert.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, wie eine wirkungsvolle, ressourcenorientierte Beratung im Rahmen der Schulsozialarbeit aussehen kann, um betroffenen Jugendlichen bei der Bewältigung ihrer Ängste zu unterstützen.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Beratung empfohlen?

Die Autorin stützt sich auf das Selbstmanagement-Modell von Kanfer, Reinecker und Schmelzer, ergänzt durch kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze wie die kognitive Umstrukturierung und Rollenspiele.

Welche Aspekte werden im Hauptteil zur Entstehung sozialer Ängste behandelt?

Der Hauptteil differenziert zwischen biologischen Vulnerabilitätsfaktoren, psychologischen und familiären Einflüssen sowie störungsspezifischen kognitiven Prozessen, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Störung beitragen.

Welche Rolle spielt die Schule bei der Entstehung sozialer Angst?

Die Schule wird als ein Ort beschrieben, der durch hohen Leistungsdruck, soziale Bewertungssituationen und Interaktionen mit Lehrkräften und Gleichaltrigen sowohl als Auslöser als auch als Kontext für die Verschärfung bestehender Ängste fungieren kann.

Wie wird im Leitfaden mit der "therapeutischen Allianz" umgegangen?

Die Allianz wird durch den Aufbau einer wertschätzenden, sanktionsfreien Atmosphäre entwickelt, wobei insbesondere die Autonomie der Jugendlichen respektiert und das Vertrauensverhältnis zum Berater gestärkt werden soll.

Was zeichnet das vorgeschlagene 7-Phasen-Modell für die Beratung aus?

Das Modell strukturiert den Beratungsprozess von der Schaffung günstiger Ausgangsbedingungen über die Verhaltensanalyse und Zielvereinbarung bis hin zur Evaluation und Endphase der Therapie.

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Résumé des informations

Titre
Soziale Angst bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Sous-titre
Ein Leitfaden für die Schulsozialarbeit
Université
Niederrhein University of Applied Sciences Mönchengladbach  (Fachbereich Sozialwesen)
Cours
Psychosoziale Beratung und Mediation
Note
1,0
Auteur
Janina Grothe-Baierle (Auteur)
Année de publication
2015
Pages
161
N° de catalogue
V304614
ISBN (ebook)
9783668028289
ISBN (Livre)
9783668028296
Langue
allemand
mots-clé
Jugendsoziologie Soziologie Psychologie Soziale Angst Schulsozialarbeit Beratung Berufskolleg Schule Jugendliche junge Erwachsene soziale Angststörung Schüchternheit
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Janina Grothe-Baierle (Auteur), 2015, Soziale Angst bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304614
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Extrait de  161  pages
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