Mönchspapst Gregor der Große. Leben und Pastoralregel


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. historisch-politischer Kontext
2.1 Einfall der Hunnen und daraus resultierende Völkerwanderung
2.2 politische Situation Roms (um 540)

3. Die Person: Gregor der Große
3.1 Kurzbiographie zu Gregor
3.2 Gregors Zeit im Staatsdienst
3.3 Gregor als Mönch und Diakon
3.4 Gregors Einstand in das Pontifikat

4. Papst Gregor I. als Missionar
4.1 Kontakt und Missionierung der Langobarden
4.2 Angelsachsenmission unter Gregor I.

5. Gregors Schriftauslegung und die Pastoralregel
5.1 Die Intention und Auslegung Gregors Schriften
5.2 Die „Regula pastoralis“

6. Fazit / Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Vor der Zeit Gregors des Großen war Europa, wie wir es heute kennen, in den Grundfesten erschüttert. (...) ein ethnischer, kultureller und religiöser Flicken- teppich, der sich additiv aneinanderreihte, aber keinen den Gesamtraum über- greifenden Zusammenhalt besaß (...)1. Ausgehend vom Einfall der Hunnen in das römische Reich beginnt die Zeit der ‘Völkerwanderung‘ und somit eine über mehrere Jahrhunderte andauernde Zeit der Eroberungen des römischen Impe- rialgebietes. Doch schon vor dem Hunneneinfall, welcher auf 375/376 datiert wird, siedelt sich ein germanisches Volk neben dem römischen Reich an; Die Goten. Europa was also den Einflüssen „fremder Kulturen und deren Religio- nen“2 ausgesetzt.

Zielsetzung dieser Arbeit soll es sein, die Frage zu beantworten, warum Gregor der Große ein so bedeutsamer Mensch und schließlich als einer der wichtigsten Päpste in der Geschichte der katholischen Kirche angesehen wird? Diese Fra- gestellung wird sich im Verlauf der Hausarbeit fast von selbst beantworten wenn der historische Kontext als Grundlage für Gregors Handeln gesehen wird. Abschließend gilt es noch zu klären, warum sich Gregor I. als „Servus servorum Dei“3 bezeichnete und warum sich dieser Begriff bis heute als Bezeichnung des Kirchenoberhauptes halten kann?

Historie, Biographie und das Wirken Gregors des Großen spielen somit die Hauptrolle in meiner Arbeit.

2. historischer Kontext

2.1 Einfall der Hunnen und daraus resultierende Völkerwanderung

Als Einstieg und Hintergrundinformation soll eine kurze ‘Zeitreise‘ in die Spätan- tike sowie ins frühe Mittelalter dienen, an welcher ich die politische und kulturel- le Situation kurz vor, während und nach Gregor dem Großen aufzeigen möchte.

Vor Gregors Zeit war Europa dem Einfall fremder Völker ausgesetzt. Ein Ein- fluss fremder Kulturen, Riten und damit verbundenen religiösen Ansichten war dadurch nicht zu vermeiden. Die Blütezeit der Völkerwanderung beginnt mit dem „Einfall der Hunnen um 376“4. Ein genauer Grund für die Wanderung der

Hunnen ist nicht genau geklärt, jedoch wiederholt sich in mehreren antiken Quellen die Grausamkeit dieses Volkes während seiner Raubzüge. Als gutes Beispiel dient hier eine Quelle des römischen Schreibers Ammianus Marcelli- nus:

- „ Das Hunnenvolk, in alten Berichten nur wenig genannt, wohnt jenseits der Mäotischen Sümpfe zum Eismeer zu und istüber alle Ma ß en wild. (...) Die- se kampftüchtige, unbändige Menschenrasse brennt vor entsetzlicher Gier nach Raub fremden Gutes; plündernd und mordendüberfiel sie damals ihre Grenznachbarn und drang bis zu den Alanen, den einstigen Massageten, vor. “ -
- - Ammanius Marcellinus, Res Gestae, 31,2 1;31, 2, 12

Aufgrund der in Quellen beschriebener Brutalität und Reuelosigkeit der Hun- nen, flohen zahlreiche germanische Stämme gen Westen. Vor allem die Ter- winger, ein westgotisches Volk, ergriffen „die Flucht vor fremden Angreifern“5 und flohen über ihre Landesgrenzen, hinein in das römische Reich. Rom war zwar auf gotische Flüchtlinge vorbereitet, rechnete aber nicht mit einer solchen Flut an Menschen. Auf Grund dessen musste es folgerichtig zu Versorgungs- engpässen der Flüchtlinge kommen. Dies führte dazu, dass sich die geflohe- nen Goten im Jahr 376 erhoben und gegen Rom in den Krieg zogen. Die seit 376 bis 382 andauernde Phase wird auch der erste Gotenkrieg genannt.

Die römischen Führungsspitzen zeigten sich nicht sehr beeindruckt, schließlich gab es schon mehrere Jahrhunderte zuvor Zusammenstöße zwischen Römern und Germanen. Doch erst gegen Ende des 4. (...) Jahrhunderts waren germanische Stämme so stark geworden, dass ihr Angriff den Lebensnerv des römischen Reiches traf.6

Somit kam es dann 378 zur Schlacht von Adrianopel, in welcher die Goten gegen ein 30000 Mann starkes kaiserliches römische Herr als Sieger hervorgingen. „Dies war sicher keine Entscheidungsschlacht. Trotzdem leitete dieser Tag einen Wandel der römischen Politik ein“7.

2.2 politische Situation Roms

In Folge dessen, kam es dann 382 zum Gotenvertrag welcher es den terwingi- schen Goten erlaubte sich auf Reichsboden unterhalb der Donau anzusiedeln. Dies war nicht die letzte Auseinandersetzung zwischen Römern und Goten.

„Gregor wurde in der Zeit der Gotenkriege geboren (...)“8, in welcher der oströmische Kaiser Justinian I. Erfolge in der Rückeroberung des von Goten besetzten Italiens verbuchen konnte.

Gregor, um das Jahr 540 in Rom geboren, entstammte aus einer vornehmen römischen Senatorenfamilie, aus der bereits zwei Päpste, Felix III. (483-492) und Agapet I. (535-536), hervorgegangen waren.9

Er wuchs also in einem von Kriegen und Machtkämpfen erschüttertem Rom auf und lernte schnell den Umgang mit Christen sowie mit Heiden.

„568 fielen die ursprünglich in Pannonien sesshaften heidnisch-arianischen Langobarden in Italien ein.“10 „Diese eroberten in erschreckender Geschwindig- keit weite Teile der heutige Regionen Emilia und Toskana (...)“11, schafften es jedoch nicht Rom einzunehmen. Doch Rom war zu Gregors Jugendjahren nicht nur von politischen Unruhen heimgesucht worden. Im Jahr 590 ist Rom von der Beulenpest befallen worden. „Während dieser Seuchennot erkannten die christ- lichen Geistlichen, dass trotz der zahlreichen Verbote die alten Gottheiten noch tief im Volksglauben wurzelten“12. Auf Grund der hohen Zahl der Toten waren viele Römer von Gott empört und begannen an ihrem Glauben zu zweifeln.

3. Die Person: Gregor der Große

3.1 Kurzbiographie zu Gregor

Gregor der Große, geboren um das Jahr 540, stammt aus reichem, senatori- schem, römischem Adelshaus. Da aus seinem Geschlecht schon 2 Päpste her- vorgegangen waren und sein Vater ein Beamter des römischen Staates war lernte Gregor schnell wie wichtig es ist die Balance zwischen Staat und Kirche zu halten. Eine gute Ausbildung war ihm also schon in die Wiege gelegt wor- den. Besonders ausgeprägt waren seine Lehrstunden in Rhetorik und Rechts- wissenschaft.

Schon im Jugendalter erlernte Gregor die Verwaltung des familieneigenen Grundbesitzes. Seine Fähigkeiten sowie die familiäre Tradition ermöglichten es Gregor im Staatsdienst tätig zu werden. Doch nicht nur Staatsaufgaben waren ihm vertraut, auch kirchliche Gepflogenheiten wurden ihm von Kindesbeinen an beigebracht. So war Gregor überaus bibelvertraut und setzte sich schon als junger Mann mit den Grundsätzen des christlichen Glaubens auseinander. Sein Vater - Gordianus - hatte als „regionarius“ der römichen Kirche das höchste Staatsamt bekleidet, welches einem Laien in Rom offen stand. Seine Aufgabe war es, amtliche Bezirke und Stadtregionen unter kirchlicher Obhut zu verwal- ten.

Nicht viel ist von Gregors Mutter Silvia bekannt. Nach dem Tod ihres Ehemannes ergriff sie, wie es für damalige ältere aristokratische Damen nicht üblich war, das religiöse Leben im Kloster Cella Nova, in der Nähe der St. Paulus Basilika.13

Die elterliche Villa stand am Fuße des Caelius, am „clivus scauri“, einer der bekannten sieben Hügel Roms. Diese wandelte Gregor in seiner späteren Zeit als Mönch in ein Benediktinerkloster um.

3.2 Gregors Zeit im Staatsdienst

Nach seinem Studium in Rechtswissenschaften ging auch Gregor offiziell in den Staatsdienst. „572/573 war Gregor praefectus urbi, höchster Beamter der Zivilverwaltung Roms“14, welchem die Verwaltung von Staatssicherheit, Gerichtbarkeit, Steuerverwaltung, Verwaltung der Wasserleitungen (Aquädukte) sowie die Stadtbefestigung und deren Verteidigung unterliegt.

Der Stadtpräfekt präsidiert zudem den Senat, arbeitet mit dem Papst zusammen - beispielsweise bei der öffentlichen Kornverteilung -, und war dem Exarchen, letztlich dem Kaiser; Rechenschaft schuldig.15

Wie bereits erwähnt bekommt Gregor auch beruflich den Spagat zwischen Staat und Kirche gestanden. Jedoch verliert das Amt des Präfekten immer mehr an Bedeutung und da ein jenes Amt stark mit dem Senat verbunden war musste Gregor in die Zukunft schauen und sich auf ein neues Amt besinnen. „Der Senat löste sich (...) allmählich auf. Seine letzten Aktivitäten datieren aus den Jahren 578 und 580.“16

Nun stellt sich die Frage warum ein der junge Gregor einen Beruf ergriffen hat, welcher unweigerlich in eine Sackgasse zu führen droht?

Da Gregor schon als Jugendlicher die Verwaltung des Elterlichen Grundbesitzes gelernt hat, ist darauf zu schließen, dass er eine leitende Position in Verwaltungsdienst angestrebt hat. Weiterhin wäre anzumerken, dass er von seinem Pflichtethos heraus motiviert für die Stadt Rom arbeiten wollte.

[...]


1 Von Padberg, Lutz E.: Die Christianisierung Europas im Mittelalter. Reclam, Stuttgart 2009 S. 9

2 Ebd. , S.78

3 Goez, Elke: Papsttum und Kaisertum im Mittelalter; Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009 S. 14 àBezug: 2 Petr 1,1 und Röm 1,1

4 Kampers, Gerd: Geschichte der Westgoten; Schöningh, Paderborn 2008 S.41 3

5 Ostrowski, Mstti: Die Völkerwanderung - Überblick und Folgen - (Studienarbeit); Grin Verlag 2009 S.6

6 Rosen, Klaus: Die Völkerwanderung: C.H. Beck Verlag, München 2006 S. 21

7 Herwig, Wolfram: Die Goten - Von den Anfängen bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts, C.H. Beck Verlag, München, 2001 S. 137

8 Müller, Barbara: Führung im Denken und Handeln Gregors des Großen, Mohr Siebeck, Tübingen, 2009 S. 11

9 „Gregor der Große, Homiliae in evangelia, Evangelienhomilien“ Erster Teilband, Herder 1997

10 Ebd.

11 Goez, Elke: Papsttum und Kaisertum im Mittelalter; Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009 S.12

12 Artemis & Winkler: Geißeln der Menschheit. Kulturgeschichte der Seuchen, Düsseldorf/Zürich 1997, S. 439

13 Müller, Barbara: Führung im Denken und Handeln Gregors des Großen, Mohr Siebeck, Tübingen, 2009 S. 21

14 Gregor der Große, Homiliae in evangelia, Evangelienhomilien“ Erster Teilband, Herder 1997

15 Müller, Barbara: Führung im Denken und Handeln Gregors des Großen, Mohr Siebeck, Tübingen, 2009 S. 23

16 Ebd. , S. 24

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Mönchspapst Gregor der Große. Leben und Pastoralregel
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für katholische Theologie)
Veranstaltung
Historische Theologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V304716
ISBN (eBook)
9783668030800
ISBN (Buch)
9783668030817
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Regula pastoralis, Mönchspapst, Greogor, Gregor der Große
Arbeit zitieren
Max Jung (Autor), 2013, Mönchspapst Gregor der Große. Leben und Pastoralregel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304716

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