Grundlagen zum Mindestlohn. Auswirkungen in der ökonomischen Theorie und auf den Arbeitsmarkt in Deutschland


Projektarbeit, 2015
40 Seiten, Note: 1,9

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen und internationaler Vergleich
2.1 Definition und Begriffsabgrenzung
2.2 Arten von Mindestlöhnen
2.2.1 Nationale Mindestlöhne
2.2.2 Regionale Mindestlöhne
2.2.3 Branchenspezifische Mindestlöhne
2.3 Ziele eines Mindestlohns

3 Wirkungen von Mindestlöhnen in der ökonomischen Theorie
3.1 Theoretische Grundlagen der Lohnbildung
3.2 Die Neoklassische Theorie
3.2.1 Grundlagen
3.2.2 Ein Mindestlohn ohne Auswirkungen
3.2.3 Ein Mindestlohn mit negativen Auswirkungen
3.3 Das Monopsonmodell

4. Deutschland und der Mindestlohn
4.1 Entwicklung und öffentliche Debatte
4.2 Das Mindestlohngesetz
4.3 Übergangsregelungen
4.4 Ausnahmen vom Mindestlohn

5 Erste Auswirkungen des Mindestlohns in Deutschland
5.1 Wie viele Arbeitnehmer konnten bisher vom Mindestlohn profitieren?
5.2 Hat der Mindestlohn zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt?
5.3 Hat der Mindestlohn zu Preiserhöhungen geführt?

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Nationale Mindestlöhne in Europa pro Monat

Abbildung 2: Nationale Mindestlöhne in Europa pro Stunde

Abbildung 3: Nationale Mindestlöhne in Europa pro Monat in KKS

Abbildung 4: Nationale Mindestlöhne in Europa pro Stunde in KKS

Abbildung 5: Regionale Mindestlöhne in den USA

Abbildung 6: Branchentarifbindung in Deutschland

Abbildung 7: Arbeitsmarkt ohne Mindestlohn

Abbildung 8: Mindestlohn entspricht dem Gleichgewichtslohn

Abbildung 9: Mindestlohn, der unter dem Gleichgewichtslohn liegt

Abbildung 10: Mindestlohn, der über Gleichgewichtslohn liegt

Abbildung 11: Mindestlohn im Monopsonmodell

Abbildung 12: Ausnahmen vom Mindestlohn

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Nationale Mindestlöhne haben eine lange Tradition. Der erste Mindestlohn wurde bereits im Jahr 1894 in Neuseeland eingeführt. Vorreiter in Europa war Großbritannien, wo der erste Mindestlohn im Jahr 1909 eingeführt wurde.[1] Mittlerweile gibt es in fast allen europäischen Ländern einen Mindestlohn. Die Höhe der Mindestlöhne innerhalb der europäischen Länder differiert jedoch stark. Insbesondere zwischen den „alten“ und den „neuen“ EU-Mitgliedstaaten gibt es deutliche Unterschiede. Die anwachsende Zahl von Vollzeitarbeitnehmern, welche zusätzlich noch auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind, tarifvertragliche Vereinbarungen auf niedrigem Niveau sowie die entsprechenden Regelungen in der Mehrzahl der europäischen Länder haben auch in Deutschland zu einer öffentlichen, politischen und wirtschaftlichen Diskussion um einen gesetzlichen Mindestlohn geführt.[2] Dies führte schließlich dazu, dass zum 01.01.2015 das Mindestlohngesetz in Deutschland in Kraft getreten ist, welches einen flächendeckenden Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde für das gesamte Bundesgebiet vorsieht.[3] Doch welche Auswirkungen haben Mindestlöhne auf den Arbeitsmarkt und wie sieht die erste Zwischenbilanz nach der Einführung des Mindestlohns in Deutschland aus? Befragt man Ökonomen zum theoretischen Effekt von Mindestlöhnen können die Antworten, je nach herangezogenem Modell für die theoretische Analyse, unterschiedlich ausfallen.[4]

2 Grundlagen und internationaler Vergleich

2.1 Definition und Begriffsabgrenzung

Ein Mindestlohn definiert sich als ein gesetzlich oder tarifvertraglich festgelegtes Arbeitsentgelt, welches den Beschäftigten als Minimum zusteht. Es handelt sich um das in der Höhe kleinste rechtlich zulässige Arbeitsentgelt.[5]

Der Zweck eines (flächendeckenden) gesetzlichen Mindestlohns besteht somit in erster Linie in der Sicherung des Existenzminimums eines abhängig Beschäftigten. Zielsetzung eines gesetzlichen Mindestlohns ist die Eindämmung des vorhandenen Niedriglohnsektors, wodurch man sich eine effektive Bekämpfung der zunehmenden Lohnarmut verspricht.[6]

2.2 Arten von Mindestlöhnen

Eine Mindestlohnregelung kann sich entweder auf einen Stundenlohn oder ein monatliches Einkommen beziehen. Man unterscheidet zwischen drei Arten von Mindestlöhnen. Neben dem nationalen Mindestlohn gibt es noch den regionalen Mindestlohn, welcher sich zum Beispiel auf Bundesstaaten oder Städte bezieht. Eine weitere Variante sind die branchenspezifischen Mindestlöhne.[7] Darüberhinaus gibt es in jedem Land noch einzelne Sonderregelungen für beispielsweise Jugendliche, Auszubildende oder bestimmte Berufsgruppen. Außerdem kann man die rechtliche Grundlage von Mindestlöhnen unterscheiden. Es gibt den gesetzlichen, allgemeinverbindlichen oder tarifvertraglich geregelten Mindestlohn. Die nationalen und die regionalen Mindestlöhne sind gesetzlich geregelt. Tarifliche Mindestlöhne dahingegen gelten für bestimmte Branchen, Berufsgruppen oder Unternehmen und unterliegen dem jeweiligen Tarifvertrag. Bei einem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag wird der Geltungsbereich des Tarifvertrages, unabhängig davon ob die Arbeitgeber oder Arbeitnehmer organisiert sind, auf eine ganze Branche, alle Mitglieder eines Berufszweiges oder eine ganze Region ausgeweitet.[8]

2.2.1 Nationale Mindestlöhne

In 60 Prozent aller Länder gilt ein nationaler Mindestlohn. Der nationale Mindestlohn gilt landesweit und wird in der Regel von der Regierung oder durch Verhandlungen der Tarifparteien festgelegt. In jedem Land gibt es dazu Sonderregelungen für bestimmte Gruppen. In Luxemburg gilt der Mindestlohn beispielsweise nur für den privaten Sektor. Angestellte beim Staat sind somit vom Mindestlohn in Luxemburg ausgeschlossen. In Großbritannien gilt der Mindestlohn nicht für Obdachlose und Häftlinge. In Belgien ist der Mindestlohn für Jugendliche niedriger. So kann jeder Staat seine eigenen Sonderregelungen für bestimmte Gruppen festlegen.[9] Es gibt bei den Ausnahmen allerdings nicht nur Abweichungen nach unten. Einige Länder wie zum Beispiel Luxemburg oder Ungarn haben oberhalb des allgemeinen Mindestlohns noch eine zweite Lohngrenze gezogen, die einen höheren Mindestlohn für Beschäftigte mit einer gewissen Berufsausbildung und Erfahrung definiert.

Innerhalb der EU gibt es am 01. Januar 2015 in 22 der 28 Mitgliedsstaaten nationale Mindestlöhne. In den übrigen sechs Mitgliedsstaaten existieren keine nationalen, sondern ausschließlich sektorale Mindestlöhne, die in der Regel durch Tarifverträge festgelegt werden. Weltweit gibt es nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation in mehr als 100 Staaten nationale Mindestlöhne.[10]

Die Höhe der nationalen Mindestlöhne variiert dabei stark. Innerhalb der EU hat Bulgarien mit 184 Euro pro Monat den niedrigsten Mindestlohn. Der höchste Mindestlohn in der EU wird mit 1.923 Euro pro Monat in Luxemburg gezahlt. Die 22 Mitgliedsstaaten der EU, in denen es einen nationalen Mindestlohn, gibt können in drei Hauptgruppen unterteilt werden. Grundlage für die Unterteilung ist die Höhe des monatlichen Lohns in Euro. In den Ländern in Gruppe 1 liegt der monatliche Mindestlohn unter 500 Euro. Unter Gruppe 2 fallen alle Länder, in denen der monatliche Mindestlohn zwischen 500 und 1.000 Euro liegt. Gruppe 3 umfasst die sieben Mitgliedsstaaten, in denen der monatliche Mindestlohn bei deutlich über 1.000 Euro liegt. Im Vergleich dazu liegt der auf Bundesebene geltende Mindestlohn in den USA nur knapp über der Grenze von 1.000 Euro pro Monat. In einigen Ländern wird der nationale Mindestlohn nicht auf Monatsbasis festgelegt. Innerhalb der EU sind dies: Deutschland, Irland, Frankreich, Malta und das Vereinigte Königreich. In diesen Ländern wird der entsprechende Mindestlohnsatz anhand der geleisteten Regelarbeitsstunden, welche sich von Land zu Land unterscheiden können, in einen monatlichen Mindestlohn umgerechnet.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Nationale Mindestlöhne in Europa pro Monat[12]

Parallel dazu kann man die nationalen Mindestlöhne auch in Euro pro Stunde darstellen. In den Ländern, in denen der nationale Mndestlohn auf Monatsbasis fesgelegt wird, wird der moantliche Mindestlohn in den enstprechenden Stundensatz umgerechnet. Logischerweise weist auch hier Luxemburg mit einem Mindestlohn von 11,12 Euro pro Stunde den höchsten Mindestlohn aus, während Bulgarien mit einem Mindestlohn von 1,06 Euro pro Stunde das Schlusslicht innerhalb der EU bildet. Auch hier lassen sich im Hinblick auf Mindestlohnniveaus innerhalb der EU die drei bekannten Gruppe identifizeren. Die Gruppe mit dem niedrigsten Mindestlohnniveau umfasst die Länder, in denen der monatliche Mindestlohn weniger als 3 Euro pro Stunde beträgt. In den Ländern der mittleren Gruppe liegt der Mindestlohn zwischen 3 und 5 Euro pro Stunde. Deutschland bewegt sich mit dem zum 01.01.2015 eingeführten Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde am unteren Rand der westeuropäischen Spitzengruppe, welche ingesamt das höchste Lohnniveau in Europa aufweist.[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Nationale Mindestlöhne in Europa pro Stunde[14]

Da die jeweiligen Lebenshaltungskosten in den einzelnen Ländern unterschiedlich sind, muss bei der Beurteilung über die Höhe eines Mindestlohns auch berücksichtigt werden, welche Kaufkraft mit dem jeweiligen Mindestlohn verbunden ist. Daher ist es sinnvoll den internationalen Vergleich von nationalen Mindestlöhnen zusätzlich in Kaufkraftstandards auszudrücken.[15] Die Unterschiede zwischen den Mindestlöhnen innerhalb der EU sind erheblich geringer, wenn sie in Kaufkraftstandards ausgedrückt werden, da dabei die Preisniveauunterschiede beseitigt wurden. Der Abstand zwischen den Mindestlohnsätzen in Euro pro Monat innerhalb der EU verringert sich dabei von einem Verhältnis von 1:10 in Euro auf ein Verhältnis von 1:4 in KKS.[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Nationale Mindestlöhne in Europa pro Monat in KKS[17]

Auch bei der Darstellung in Kaufkraftstandards kann man zusätzlich den Mindestlohn pro Stunde als Grundlage nehmen. Die Differenz zwischen dem höchsten und niedrigsten Mindestlohn auf Stundenbasis verringert sich hierbei von einem Verhältnis von etwa 1:11 in Euro auf ein Verhältnis von 1:5,5 in KKS.[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Nationale Mindestlöhne in Europa pro Stunde in KKS[19]

2.2.2 Regionale Mindestlöhne

Regionale Mindestlöhne findet man unter anderem in den USA und Japan. Da es in Japan keinen nationalen Mindestlohn gibt, legt der Rat für Mindestlöhne dort regionale Mindestlöhne fest. Insgesamt sind regionale Mindestlöhne aber weniger stark verbreitet. Bekanntestes Beispiel für regionale Mindestlöhne sind die USA. In den USA existiert zwar ein nationaler Mindestlohn, die einzelnen Bundesstaaten können jedoch einen Mindestlohn festlegen, der höher ist.[20] 29 der 50 Bundesstaaten haben einen Mindestlohn festgelegt, der oberhalb der nationalen Mindestlohngrenze liegt (Abbildung 5).[21]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Regionale Mindestlöhne in den USA[22]

2.2.3 Branchenspezifische Mindestlöhne

Wie bereits erwähnt, gibt es in vielen Ländern auch tarifvertraglich festgelegte Mindestlöhne. Die tarifvertraglichen Mindestlöhne sind in Deutschland je Branche unterschiedlich und existieren als sogenannte Branchenmindestlöhne nur in den Bereichen, in denen es Tarifverträge gibt. Die Entwicklung in Deutschland zeigt allerdings, dass in der jüngsten Vergangenheit immer mehr Arbeitgeber die Tarifbindung ablehnen und aus den Tarifverträgen austreten. Die Folge dessen ist, dass die Tarifbindung in Deutschland seit Jahren abnimmt. Ende 2013 waren nur noch die Hälfte aller Arbeitnehmer in Betrieben mit einem Branchentarifvertrag beschäftigt. Bis zur Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland konnten nur rund 4 Millionen Beschäftigte in 13 Branchen von einem Mindestlohn profitieren.[23]

[...]


[1] Vgl. Schuster, Beschäftigungsrisiken, S. 3.

[2] Vgl. Kühl, Oschmiansky, Mindestlohn.

[3] Vgl. o.V., gesetzlicher Mindestlohn.

[4] Vgl. Detzer, theoretische Debatte, S.413.

[5] Vgl. Henneberger, Keller, Mindestlohn Definition.

[6] Vgl. Bispinck, Schäfer, Schulten, Mindestlohn Argumente, S. 575.

[7] Vgl. Ennemoser, Mindestlohn Grundlagen, S. 7.

[8] Vgl. Schuster, Beschäftigungsrisiken, S. 3-4.

[9] Vgl. Schuster, Beschäftigungsrisiken, S. 4-5.

[10] Vgl. Schulten, Mindestlohnbericht 2015, S. 133.

[11] Vgl. Eurostat, Pressemitteilung.

[12] Eigene Darstellung nach: Eurostat, Mindestlöhne in Euro pro Monat.

[13] Vgl. Schulten, Mindestlohnbericht 2015, S. 133-134.

[14] Eigene Darstellung nach: Schulten, Mindestlohnbericht 2015, S.134.

[15] Vgl. Schulten, Mindestlohnregime Europa, S. 7.

[16] Vgl. Eurostat, Pressemitteilung.

[17] Eigene Darstellung nach: Eurostat, Mindestlöhne in KKS pro Monat.

[18] Vgl. Schulten, Mindestlohnbericht 2015, S. 133-135.

[19] eigene Darstellung nach: Schulten Mindestlohnbericht 2015, S.135.

[20] Vgl. Schuster, Beschäftigungsrisiken, S. 5.

[21] Vgl. Chockshi, Nationale Mindestlöhne USA.

[22] Eigne Darstellung nach: Chockshi, Nationale Mindestlöhne USA.

[23] Vgl. Ennemoser, Mindestlohn Grundlagen, S. 12-13.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Grundlagen zum Mindestlohn. Auswirkungen in der ökonomischen Theorie und auf den Arbeitsmarkt in Deutschland
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen
Note
1,9
Autor
Jahr
2015
Seiten
40
Katalognummer
V304764
ISBN (eBook)
9783668030954
ISBN (Buch)
9783668030961
Dateigröße
1087 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mindestlohn
Arbeit zitieren
Jerry Brooks (Autor), 2015, Grundlagen zum Mindestlohn. Auswirkungen in der ökonomischen Theorie und auf den Arbeitsmarkt in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304764

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