„Der Bilanzposten, der derzeit die größte Gefahr für das Vermögen der Aktionäre an ihrem Unternehmen in sich birgt, heißt Goodwill, im Deutschen auch Firmenwert genannt.“ Diese Schlagzeile eines renommierten Wirtschaftsmagazins kann stellvertretend für das aktuelle Pressebild der Rechnungslegung angesehen werden. Dabei wird weiter ausgeführt: „Nach den aktuellen Bilanzierungsregeln lässt sich ohne Übertreiben von einer Goodwill-Blase sprechen, die stetig wächst.“ Um die Brisanz zu verstärken wird darin eine Parallele zu vergangenen Börsenblase geschaffen, um die aktuelle Dringlichkeit zu verdeutlichen.
Demgegenüber entwickelt sich eine rechtliche Aktualität immer auf Grundlage von Veränderungen durch Reformen, die Neuerungen und Streitfragen mit sich bringen. Hierbei gilt die Goodwill-Bilanzierung nach nationalen und internationalen Recht wohl als Präzedenzfall, für eine stetige und umfassende Neugestaltungen, die mit diametralen Meinungen einhergeht. Denn insbesondere in den letzten Jahren hat die bilanzielle Behandlung des Goodwill in der nationalen und internationalen Rechnungslegung eine grundlegende Änderung erfahren.
Die vorliegende Ausarbeitung verfolgt das Ziel, die Goodwill-Bilanzierung nach den nationalen und internationalen Bilanzierungsnormen darzustellen und dabei stets kritisch zu hinterfragen. Darüber hinaus sollen auf potenzielle Anwendungsprobleme in diesem Kontext eingegangen werden.
Die Untersuchung ist dabei insgesamt in vier Kapitel strukturiert. Im Anschluss zu diesem Kapitel soll, um dem Leser die speziellen bilanzrechtlichen Überlegungen darstellen zu können, zunächst die betriebswirtschaftlich relevante Grundlagen über den Goodwill als Basis vermittelt werden. Hierin wird erläutert was unter dem Begriff Goodwill zu verstehen ist, woraus er sich abgeleitet hat und wie er i.S. dieser Ausarbeitung definiert werden soll. Daneben werden die verschiedenen Arten des
Goodwill erörtert und kategorisiert, welches für das bilanzielle Verständnis von immenser Bedeutung ist. Darüber hinaus sollen innerhalb des Grundlagenteils die möglichen Ansätze einer Aufteilung des Goodwill in seine Komponenten betrachtet, und die Bedeutung des Goodwill in der Rechnungslegungspraxis verdeutlicht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitender Teil
1.1 Aktuelle Bezugnahme und Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Abgrenzung der Thematik
1.3 Betriebswirtschaftlich relevante Grundlagen zum Goodwill
1.3.1 Begriff des Goodwill
1.3.2 Arten des Goodwill
1.3.2.1 Überblick
1.3.2.2 Originärer und derivativer Goodwill
1.3.2.3 Positiver und negativer Goodwill
1.3.2.4 Konsolidierungs- und Nicht-Konsolidierungs-Goodwill
1.3.2.5 Minderheiten-Goodwill und Mehrheiten-Goodwill
1.3.3 Komponenten eines Goodwill
1.3.4 Bedeutung des Goodwill
2 Bilanzierung des Geschäfts- oder Firmenwerts im Einzel- und Konzernabschluss nach dem HGB
2.1 Erstmalige Bilanzierung des Geschäfts- oder Firmenwerts
2.1.1 Entstehung und Ansatz im Einzelabschluss
2.1.2 Entstehung und Ansatz im Konzernabschluss
2.1.3 Anwendungsprobleme bei der Ermittlung des Geschäfts- oder Firmenwerts
2.1.4 Bilanzieller Charakter als Vermögensgegenstand
2.2 Folgebilanzierung des Geschäfts- oder Firmenwerts
2.2.1 Vorbemerkung
2.2.2 Planmäßige Abschreibung
2.2.2.1 Rechtliche Ausgangssituation
2.2.2.2 Bestimmung der Nutzungsdauer
2.2.2.3 Typisierung der Nutzungsdauer durch das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG)
2.2.3 Außerplanmäßige Abschreibung
2.2.3.1 Rechtliche Ausgangssituation
2.2.3.2 Zeitpunkt des Werthaltigkeitstest
2.2.3.3 Ermittlung des beizulegenden Werts
2.2.4 Wertaufholung
2.3 Der negative Geschäfts- oder Firmenwert
2.3.1 Einzelabschluss
2.3.2 Konzernabschluss
2.4 Ausweis und Anhangangaben
3 Bilanzierung des Goodwill nach den IFRS
3.1 Vorbemerkung
3.2 Erstmalige Bilanzierung des Goodwill
3.2.1 Entstehung und Ansatz
3.2.2 Bewertung der nicht beherrschenden Anteile
3.2.2.1 Überblick
3.2.2.2 Partial-Goodwill-Methode
3.2.2.3 Full-Goodwill-Methode
3.2.2.4 Bilanzielle Auswirkungen
3.2.3 Bilanzieller Charakter als Vermögenswert
3.2.4 Goodwill-Allokation
3.2.4.1 Aufteilung des Goodwill auf zahlungsmittelgenerierende Einheiten
3.2.4.2 Auswirkungen auf die Folgebilanzierung
3.2 Folgebilanzierung des Goodwill
3.2.1 Vorbemerkung
3.2.2 Impairment-Only-Approach
3.2.2.1 Grundkonzeption beim Goodwill
3.2.2.2 Ermittlung des erzielbarer Betrags
3.2.2.2.1 Nutzungswert als erzielbarer Betrag
3.2.2.2.1.1 Vorbemerkung
3.2.2.2.1.2 Schätzung der künftigen Cashflows
3.2.2.2.1.3 Bestimmung des Diskontierungszinssatz
3.2.2.2.2 Nettoveräußerungswert als erzielbarer Betrag
3.2.2.2.3 Synopse der Wertkategorien des erzielbaren Betrags
3.2.2.3 Ermittlung des Buchwerts
3.2.2.4 Verteilung eines etwaigen Wertminderungsbedarfs
3.2.2.5 Wertaufholung
3.3 Der negative Goodwill
3.4 Ausweis und Anhangangaben
4 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelor-Thesis analysiert die Goodwill-Bilanzierung unter Berücksichtigung sowohl nationaler (HGB) als auch internationaler (IFRS) Rechnungslegungsnormen. Das Ziel der Arbeit ist es, die komplexen Vorschriften zur Erst- und Folgebewertung des Geschäfts- oder Firmenwerts darzustellen, kritisch zu hinterfragen und die in der Praxis auftretenden Anwendungsprobleme sowie bilanzpolitischen Gestaltungsspielräume zu beleuchten.
- Vergleichende Analyse der Goodwill-Bilanzierung zwischen HGB und IFRS
- Problematik der Abgrenzung von Firmenwertkomponenten und der Nutzungsdauerschätzung
- Untersuchung des "Impairment-Only-Approach" versus planmäßiger Abschreibung
- Behandlung von negativem Goodwill und Auswirkungen auf den Konzernabschluss
- Kritische Würdigung der Offenlegungspflichten und der Informationsfunktion des Anhangs
Auszug aus dem Buch
1.1 Aktuelle Bezugnahme und Problemstellung
„Der Bilanzposten, der derzeit die größte Gefahr für das Vermögen der Aktionäre an ihrem Unternehmen in sich birgt, heißt Goodwill, im Deutschen auch Firmenwert genannt.“1 Diese Schlagzeile eines renommierten Wirtschaftsmagazins kann stellvertretend für das aktuelle Pressebild der Rechnungslegung angesehen werden. Dabei wird weiter ausgeführt: „Nach den aktuellen Bilanzierungsregeln lässt sich ohne Übertreiben von einer Goodwill-Blase sprechen, die stetig wächst.“2 Um die Brisanz zu verstärken wird darin eine Parallele zu vergangenen Börsenblase geschaffen, um die aktuelle Dringlichkeit zu verdeutlichen. Denn auch vor allem jüngere Unternehmensübernahmen, wie bspw. die prominente Akquisition von WhatsApp Inc. durch Facebook Inc. führen dazu, „dass die Bewertung einer Firma mit einem Internet-Geschäftsmodell häufig zum überwiegenden Teil aus auf Zukunftshoffnungen basierendem Goodwill besteht. Der US-Internetkonzern Facebook bezahlte für die Kurznachrichten-Gesellschaft im vergangenen Jahr 17 Mrd. $. Knapp 90 % davon macht der Goodwill aus […]“3.
Demgegenüber entwickelt sich eine rechtliche Aktualität immer auf Grundlage von Veränderungen durch Reformen, die Neuerungen und Streitfragen mit sich bringen. Hierbei gilt die Goodwill-Bilanzierung nach nationalen und internationalen Recht wohl als Präzedenzfall, für eine stetige und umfassende Neugestaltungen, die mit diametralen Meinungen einhergeht. Denn insbesondere in den letzten Jahren hat die bilanzielle Behandlung des Goodwill in der nationalen und internationalen Rechnungslegung eine grundlegende Änderung erfahren. Die gegenwärtige Relevanz der Thematik verdeutlichen auf nationaler Basis die Änderungen durch das Gesetz zur Umsetzung der Bilanzrichtlinie 2013/34/EU (Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz, kurz BilRUG). Dabei betreffen entscheidende Änderungen die Bilanzierung des Goodwill. Daneben sieht das Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) durch die Bekanntgabe des E-DRS 30, welchem eine gesetzliche GoB-Vermutung4 zukommt, weitere wesentliche Änderungen in Bezug auf den Goodwill vor.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitender Teil: Dieser Teil beschreibt die hohe aktuelle Relevanz der Goodwill-Bilanzierung, verdeutlicht durch die wachsende Bedeutung von Unternehmensübernahmen und die damit einhergehende Problematik, und legt die Zielsetzung sowie den Aufbau der Arbeit dar.
2 Bilanzierung des Geschäfts- oder Firmenwerts im Einzel- und Konzernabschluss nach dem HGB: Es wird die Behandlung des Geschäfts- oder Firmenwerts nach deutschem Handelsrecht analysiert, wobei insbesondere der Charakter als Vermögensgegenstand und die Herausforderungen der planmäßigen sowie außerplanmäßigen Abschreibung im Fokus stehen.
3 Bilanzierung des Goodwill nach den IFRS: Dieses Kapitel widmet sich den internationalen Rechnungslegungsstandards, wobei der Schwerpunkt auf der Bewertung nicht beherrschender Anteile, dem Impairment-Only-Approach und der Goodwill-Allokation auf zahlungsmittelgenerierende Einheiten liegt.
4 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse des Vergleichs zwischen HGB und IFRS zusammen, diskutiert die verbleibenden Anwendungsprobleme und gibt einen Ausblick auf potenzielle zukünftige Entwicklungen im Normensystem.
Schlüsselwörter
Goodwill, Geschäfts- oder Firmenwert, Bilanzierung, HGB, IFRS, Impairment-Test, planmäßige Abschreibung, Unternehmensübernahme, Kapitalkonsolidierung, Nutzungsdauer, Werthaltigkeit, negativer Goodwill, Anhangangaben, Konzernabschluss, Bilanzpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Goodwill-Bilanzierung und untersucht kritisch, wie dieser Bilanzposten nach nationalen (HGB) und internationalen (IFRS) Rechnungslegungsregeln behandelt wird.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Erst- und Folgebewertung des Goodwills, die methodischen Unterschiede zwischen den Rechnungslegungssystemen, der Umgang mit negativem Goodwill sowie die Problematik der Werthaltigkeitsprüfung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die nationalen und internationalen Bilanzierungsnormen für Goodwill darzustellen und kritisch zu hinterfragen, um auf potenzielle Anwendungsprobleme und Risiken in der Praxis hinzuweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einer theoretischen Analyse auf Basis von Fachliteratur und aktuellen Rechnungslegungsstandards, die durch empirische Befunde und Beispiele aus der Praxis untermauert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der HGB-Bilanzierung (Kapitel 2) und der IFRS-Bilanzierung (Kapitel 3), jeweils unterteilt in Erst- und Folgebilanzierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Goodwill, Impairment-Test, Kapitalkonsolidierung, HGB, IFRS, Nutzungsdauer und Bilanzpolitik.
Welche Rolle spielt der sogenannte "Badwill" in der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt den negativen Goodwill (Badwill) als Sonderfall und analysiert kritisch, wie dieser nach HGB und IFRS ertragswirksam oder erfolgsneutral zu erfassen ist.
Wie kritisch sieht der Autor den "Impairment-Only-Approach"?
Der Verfasser steht dem Impairment-Only-Approach nach IFRS skeptisch gegenüber, da dieser aufgrund weitreichender Ermessensspielräume bilanzpolitische Manipulationen begünstigen kann und plädiert in Teilen für eine Rückkehr zu planmäßigen Abschreibungen.
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- Andreas Hütter (Autor), 2015, Goodwill-Bilanzierung nach HGB und IFRS, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305302