Das Erlernen einer fremden Sprache stellt jeden Lerner vor eine Vielzahl von Herausforderungen. Ebenso wie für die Lerner ergeben sich auch für die Lehrenden der Fremdsprache zahlreiche zu bewältigende Aufgaben. Die Einstellung auf die Lerner, die Berücksichtigung ihrer Voraussetzungen und Gegebenheiten wie Alter, sprachliche Sozialisation, Motivation sowie Begabung, folglich die Unterschiedlichkeit ihrer Lernerkompetenzen, gilt es für die Lehrpersonen des Fremdsprachenunterrichts zu berücksichtigen.
Zudem steht den DaF-Lehrern eine breite Palette unterschiedlicher Verfahren und Methoden bei der Vermittlung der Lehrinhalte zur Verfügung. Neben dem traditionellen Fremdsprachenunterricht kann das Erlernen einer Fremdsprache ebenso durch die Kommunikation mit Muttersprachlern erfolgen.
Unabhängig von der Wahl der Methode und Verfahren verfolgt der Fremdsprachenunterricht ein klares Ziel: die Sprachbeherrschung. Um diese zu erlangen, gilt es, zusätzlich zur Form einer Sprache, den grammatischen und lexikalischen Zeichen, ebenso den Inhalt, die pragmatische Bedeutung der Zeichen zu erlernen, um letztlich deren Zusammenhang zu verstehen. Dieser Lernprozess und das daraus resultierende Verständnis für die Form und Funktion der zu erlernenden Sprache ist Voraussetzung für die sichere Anwendung dieser. Die Sprache ist die Grundlage unserer Handlungen. Folglich ermöglicht sie dem Lernenden, Handlungen durchzuführen und auf Kommunikationspartner einzuwirken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deutsch lernen und beherrschen
2.1 DaF: Definition und theoretische Grundlagen des Fremdsprachenlernens
2.2 Die Bedeutung der Grammatik für den DaF-Unterricht
2.3 Kriterien für eine lernerfreundliche Grammatikvermittlung
3. Das System der Substantivflexion
3.1 Die Grammatik des Deutschen: Besonderheiten und Systematik – am Beispiel der Flexion
3.2 Die Substantivflexion: Flexionsparadigmen und Flexionsformen
3.3 Die Rolle des Genus bei der Substantivflexion und die Verteilung der Pluralsuffixe
3.4 Vier Substantivklassen nach Wiese
4. Grammatikvermittlung im DaF-Unterricht am Beispiel der Substantivflexion
4.1 Analyse von Vermittlungsansätzen in DaF-Lehrwerken
4.2 Mögliche Integration einer systematischen Vermittlung der Pluralbildung in den DaF-Unterricht
4.3 Methodisch-didaktische Überlegungen zur Umsetzung des Unterrichtsgegenstandes
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Grammatikvermittlung im Unterricht Deutsch als Fremdsprache (DaF), wobei der Fokus auf der systematischen Darstellung der Substantivflexion liegt. Das Ziel ist es zu belegen, dass die Pluralbildung im Deutschen einer nachvollziehbaren Systematik folgt, und aufzuzeigen, wie diese durch gezielte, lernerfreundliche Vermittlungsstrategien effektiver als durch bloßes Auswendiglernen in den Unterricht integriert werden kann.
- Grundlagen des Fremdsprachenlernens und der DaF-Didaktik
- Strukturelle Analyse des deutschen Substantivflexionssystems
- Kritische Evaluation von Vermittlungsansätzen in gängigen DaF-Lehrwerken
- Entwicklung und didaktische Fundierung eines systematischen Modells zur Pluralvermittlung
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Substantivflexion: Flexionsparadigma und Flexionsformen
Wie bereits angeführt, ist unter der Nominalflexion, zu der die Flexion des Substantivs zählt, die Flexion zu verstehen, die nach den Flexionskategorisierungen Kasus, Numerus und Genus dekliniert. Jedes Substantiv weist demnach Merkmale dieser Merkmalklassen auf. Flexionsformen eines Lexems werden in sogenannten Flexionsparadigmen zusammen gestellt. Das Flexionsparadigma umfasst demnach die Menge der Wortformen eines Worts (vgl. Meibauer et al. 2007, S. 22). Die deutsche Sprache zählt zu den flektierenden Sprachen mit zum Teil recht komplexen Flexionsparadigmen. Dem entgegen stehen die isolierenden Sprachen, wie das Chinesische und Vietnamesische, die nur eine Form im Flexionsparadigma aufweisen (vgl. Eisenberg 2004, S. 151). Das traditionelle Substantivparadigma weist acht Positionen auf, die sich aus den vier Kasus und den zwei Numeri ergeben (vgl. ebd., S. 158), was das folgende Beispiel verdeutlicht.
Jede Wortform des Paradigmas weist unterschiedliche Flexionskategorien auf. Abhängig von den Flexionskategorien können die Wortformen verschiedene Markierungen tragen, wodurch sie sich voneinander unterscheiden. Die Nominalflexion erfolgt in erster Linie durch die Anfügung von Flexionsmorphemen, genauer gesagt durch Suffixe. Sie kann in die substantivische, pronominale und adjektivische Flexion unterteilt werden (vgl. Sahel/Vogel 2013, S. 24).
Betrachtet man nun die Flexion des Substantivs genauer, lassen sich folgende Eigenschaften feststellen: Das Substantiv ist eine Wortart mit festem Genus, alle Formen eines Substantivparadigmas sind daher entweder Femininum, Maskulinum oder Neutrum (vgl. Eisenberg 2004, S. 158). Genus ist folglich unveränderbar und stellt somit streng genommen keine Flexionskategorisierung des Substantivs dar. Hierbei handelt es sich lediglich um eine lexikalische Eigenschaft des Substantivs. Streng genommen flektiert das Substantiv folglich nur nach Numerus und Kasus (vgl. Sahel/Vogel 2013, S. 23). Das Genus kann nur durch den Artikel sichtbar gemacht werden, es wird daher als inhärentes Merkmal bezeichnet (vgl. Meibauer et al. 2007, S. 23).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Bedeutung der Grammatikvermittlung im DaF-Kontext hervorzuheben und die Notwendigkeit einer systematischeren Herangehensweise an die Substantivflexion zu begründen.
2. Deutsch lernen und beherrschen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Fremdsprachenlernens, beleuchtet die Rolle der Grammatik im DaF-Unterricht und definiert Kriterien für eine lernerfreundliche Unterrichtsgestaltung.
3. Das System der Substantivflexion: Hier wird das grammatische System der deutschen Substantivflexion unter besonderer Berücksichtigung des Genus und der verschiedenen Flexionsklassen nach Wiese detailliert analysiert.
4. Grammatikvermittlung im DaF-Unterricht am Beispiel der Substantivflexion: Dieser Teil enthält eine Analyse von Lehrwerken, zeigt deren Defizite in der Pluralvermittlung auf und entwirft ein systematisches, induktives Modell für die Unterrichtspraxis.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit bestätigt die Ausgangsthese, dass eine explizite und systematische Vermittlung der Plural-Regularitäten den Lernprozess optimiert und die Sprachbeherrschung effektiver fördert.
Schlüsselwörter
Deutsch als Fremdsprache, DaF, Grammatikvermittlung, Substantivflexion, Pluralbildung, Flexionsparadigma, Genus, Morphologie, Lernregeln, Lehrwerkanalyse, Induktives Lernen, Sprachbeherrschung, Didaktik, Nominalflexion, Systematik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Grammatikvermittlung im DaF-Unterricht, spezifisch mit der Herausforderung der deutschen Substantivflexion und Pluralbildung für Lernende.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Fremdsprachenlernens, das linguistische System der deutschen Substantivflexion sowie didaktische Konzepte zur Vermittlung dieser komplexen Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu zeigen, dass die Pluralbildung kein willkürliches Phänomen ist, und Methoden zu entwickeln, wie diese Systematik für Lernende explizit und verständlich dargestellt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse linguistischer Fachliteratur sowie auf eine kritische, exemplarische Analyse ausgewählter DaF-Lehrwerke.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine linguistische Analyse des Substantivsystems (Kapitel 3) und eine didaktische Untersuchung der Vermittlung in Lehrbüchern samt eines konkreten Lösungsvorschlags für den Unterricht (Kapitel 4).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie DaF, Substantivflexion, Pluralbildung, systematische Grammatikvermittlung und didaktische Reduktion gekennzeichnet.
Warum wird der s-Plural in der Arbeit besonders hervorgehoben?
Die Arbeit entscheidet sich bewusst dafür, den s-Plural als Grundregel zu behandeln, da er trotz seiner oft als peripher eingestuften Rolle einen wichtigen Bestandteil des Grundwortschatzes für DaF-Lernende darstellt.
Welche Rolle spielt das Genus für die Pluralbildung?
Das Genus fungiert als ein entscheidender Steuerungsfaktor für die Wahl des Pluralsuffixes, weshalb eine korrekte Genuszuweisung eine Grundvoraussetzung für die Anwendung der Pluralregeln ist.
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- Christina Hidding (Author), 2015, Grammatikvermittlung im DaF Unterricht. Systematisches Erlernen einer flektierenden Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305449