Bin Ich mein Facebook-Ich? Wie stellt sich der Zusammenhang zwischen dem „public man“ und der Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken dar?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Niedergang des „public man“

3. Die Facebook-Nutzer

4. Selbstdarstellung auf Facebook

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“[1] Dieser Titel eines philosophischen Buches von Richard David Precht erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich. Genau genommen ist dies nicht der Fall. Eben diese Frage zeigt auf, dass jede Person, ohne an einer psychischen Störung zu leiden, mehrere Rollen spielen kann. Wenngleich eine umfassende Betrachtung dieser Frage hier keinerlei Rolle spielen soll, so führt es doch zu verschiedenen Gedankenexperimenten.

Soziale Medien, hier vor allem Facebook zu nennen, sind in der heutigen nicht mehr von der Gesellschaft zu trennen. Weltweit hatte Facebook im Quartal vier des letzten Jahres 1,228 Milliarden Nutzer.[2] Verglichen mit der Anzahl der auf der Erde lebenden Menschen, derzeit rund 7,3 Milliarden[3], nutzen also in etwa 17 Prozent der Weltbevölkerung Facebook. Setzt man diesen Gedanken fort, stellen sich eine Reihe von Fragen. Klar ist, dass, abgesehen von einigen Privatsphäreeinstellungen, alle Profile für jedermann zugänglich sind. Somit ist jede Person, die ein Profil bei Facebook besitzt, der Öffentlichkeit zugänglich, sie steht im öffentlichen Raum des sozialen Netzwerks. Es ist, folgt man den Gedanken des Buchtitels, also durchaus im Rahmen des Möglichen, dass eine Selbstinszenierung stattfindet. Folgt man der Theorie von Richard Sennett über den Fall des „public man“, so müsste ein Rückzug in die Privatheit im öffentlichen Raum erkennbar sein. Im Folgenden soll also betrachtet werden, ob der „public man“ im sozialen Netzwerk Facebook eine Renaissance erlebt oder ob eine Inszenierung der Persönlichkeit durch die Nutzer vollzogen wird.

2. Der Niedergang des „public man“

Richard Sennett beschrieb in seinem Buch „the fall of the public man“ den Wandel der Beziehung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit. Wenngleich eine allumfassende Betrachtung dieses Werkes im Rahmen dieser Arbeit in keiner Weise möglich ist, so ist eine kurze Betrachtung zur Klärung der oben genannten Frage durchaus hilfreich. Gerade mit Blick auf den öffentlichen Raum in sozialen Medien ist die Betrachtung des Wandels von Privatheit und Öffentlichkeit von Interesse.

Sennett beginnt mit einem historischen Vergleich zum alten Rom. Seiner Aussage nach ist ein Vergleich zwischen der Krise in der römischen Gesellschaft mit dem Zusammenhang von Öffentlichkeit und Privatheit durchaus legitim.[4] Neben einigen Gemeinsamkeiten macht er aber auch einen gravierenden Unterschied deutlich. Der Umgang mit Privatheit ist heute durchaus ein anderer. Eben dieser kann nicht frei vom Einfluss der Öffentlichkeit sein und dürfte Auswirkungen auf unsere Selbstdarstellung anderen gegenüber haben.[5] Eine Abschottung der Privatheit gegenüber der Öffentlichkeit konnte auch in der viktorianischen Gesellschaft dokumentiert werden. Hier wurde durch die Wahl der Kleidung die Person, die diese trug, verschleiert, es herrschte eine Art Einheitskleidung vor. Im Gegensatz dazu sollten Schauspieler in dieser Zeit aufgrund der Wahl der Bekleidung ein Individuum darstellen. Charakter, Stellung oder Vorgeschichte sollten damit hervorgehoben werden.[6] Dieser Zusammenhang reichte jedoch bis ins 19. Jahrhundert. Die Darstellung des Charakters war weiterhin mit Abneigung verbunden. Eine Ausnahme bildeten auch hier die Schauspieler, darüber hinaus auch andere Personen des öffentlichen Lebens, von ihnen wird diese Darstellung erwartet.[7] Eben diese Darstellung oder die Wahl der Kleidung ist auch heute noch sichtbar. Klar ist, dass auch die Sprache in verschiedenen Umgebungen anders ist. Zuhause kleidet man sich anders, als in einem Restaurant, die Sprache ist gehobener.

Sennett beschreibt das Individuum als einen Schauspieler, dessen Kunst geraubt worden ist.[8] Die Intimität, also die Privatheit, wandelte sich dahingehend, dass soziale Beziehungen nur dann authentisch sind, wenn sie nahe an den individuellen Bedürfnissen der Personen liegen.[9] Er schließt damit, dass der Mensch bestrebt ist, die anderen mit dem Selbst nicht zu belasten, es folgt ein Rollenspiel im öffentlichen Raum. Der Mensch zieht sich ins Private zurück.[10]

Folgt man Sennett, so müsste auch in sozialen Netzwerken als öffentlichem Raum ein Rückzug ins Private zu erkennen sein. Gleichzeitig dürfte die Darstellung des Selbst im Rahmen des eigenen Profils einer Maskerade dienen, die eine gezielte Selbstdarstellung, gerade aufgrund der gegebenen Möglichkeiten, zu Folge hat. Eben dies soll im weiteren Verlauf Betrachtung finden.

[...]


[1] Precht, Richard David (2007): „Wer bin ich – und wenn ja wie viele?”. München: Goldmann

[2] vgl. Statista (2015): “Anzahl der monatlich aktiven Facebook-Nutzer weltweit”.

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/37545/umfrage/anzahl-der-aktiven-nutzer-von-

facebook/. Abgerufen am: 20.02.2015

[3] vgl. Stiftung Weltbevölkerung (2015): “Die Weltbevölkerungsuhr”.

http://www.weltbevoelkerung.de/meta/whats-your-number.html. Abgerufen am: 20.02.2015

[4] vgl. Sennett, Richard (1986): „Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität“. Frankfurt a. M.: Fischer. S.15

[5] vgl. ebd. S. 16

[6] vgl. ebd. S.45

[7] vgl. ebd. S. 48

[8] vgl. Sennett, Richard (1986): „Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität“. Frankfurt a. M.: Fischer. S. 335

[9] vgl. ebd. S. 329

[10] vgl. ebd. S. 335

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Bin Ich mein Facebook-Ich? Wie stellt sich der Zusammenhang zwischen dem „public man“ und der Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken dar?
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Erziehungswissenschaft, insbesondere Bildungs- und Erziehungstheorie sowie philosophische Grundlagen)
Veranstaltung
Subjektwerdung und Vergesellschaftung im historischen Prozess
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V306016
ISBN (eBook)
9783668051393
ISBN (Buch)
9783668051409
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Facebook, soziale Netzwerke, Subjektwerdung, Gesellschaft, Medien, Selbstinszenierung, „public man“
Arbeit zitieren
Silvio Haase (Autor), 2014, Bin Ich mein Facebook-Ich? Wie stellt sich der Zusammenhang zwischen dem „public man“ und der Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken dar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306016

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