Salvador Dalí beschäftigte sich neben der Malerei auch mit anderen Arten der Kunst, sein Können reichte von Goldschmiedearbeiten über Mode- und Theaterdesign bis hin zur Filmkunst. Seine bekannteste Mitarbeit ist dabei die an dem Film „Un chien andalou“ (dt. Ein andalusischer Hund) von 1929, den er zusammen mit Luis Buñuel realisierte.
Meine Bachelorarbeit hingegen wird sich mit einem weniger bekannten und erst lange nach seinem Tod fertiggestellten Werk befassen, nämlich „Destino“, einer Zusammenarbeit zwischen Walt Disney, John Hench und Salvador Dalí. Aus dieser Zusammenarbeit von 1945 sollte ein Trickfilm noch nie dagewesener Art entstehen.
Im Wesentlichen wird es in meiner Arbeit um Dalís Anteil an dem Endprodukt gehen und darum, ob und wie seine Vorlagen am Ende in die Tat umgesetzt wurden.
Durch den geringen Bekanntheitsgrad des Kurzfilmes und das späte Erscheinen im Jahr 2003 ist die Quellenlage in Bezug auf den Film eher spärlich, und die meisten Quellen, die sich auf den Film beziehen, sind im Internet zu finden. Meine Hauptquellen werden der Katalog anlässlich der Ausstellung „Dalí & Film“ in der Tate Modern in London sowie die Dokumentation „Dalí & Disney: Wie Destino entstand“ aus dem Hause Disney sein.
Beide Quellen sind weder in der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek noch in der Institutsbibliothek vorhanden. Zusätzlich besteht bei der Dokumentation die Schwierigkeit der Verschriftlichung der Interviewtexte. Eine weitere wichtige Quelle wird das Buch „Dalí, Disney and Destiny: The Inside Story of Destino“ von Jordan R. Young sein, welches nur als E-Book erschienen ist. Ich werde in meiner Arbeit kurz auf Dalís Leben und Wirken eingehen und anschließend einen Einblick in sein Mitwirken an Filmen geben, an denen er zeitlich vor Destino mitgearbeitet hat. Dies ist wichtig, um seine Entwicklung in diesem Bereich aufzeigen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Über den Künstler
2.1 Das Leben des Salvador Dalí
2.2 Salvador Dalí und der Film
3. Destino (1946/2003)
3.1 Entstehungsgeschichte
3.2 Filmbeschreibung
3.3 Dalís Motive in Destino
3.4 Die Darstellung der Zeit in Destino
4. Abschließende Erkenntnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Kurzfilm „Destino“, ein gemeinsames Projekt von Walt Disney und Salvador Dalí, mit dem primären Ziel zu ergründen, wie die surrealistischen Entwürfe Dalís im Medium des Trickfilms durch die Disney-Studios interpretiert und technisch umgesetzt wurden. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Vorlagen in das Endprodukt einflossen und welche Wirkung Dalís Kunst im Bewegtbild auf den Betrachter entfaltet.
- Die Entstehungsgeschichte des Films Destino
- Analyse der surrealistischen Bildsprache im Trickfilm
- Die filmtechnische Umsetzung von Dalís Konzepten
- Der Einfluss von Musik und Zeitdarstellung auf die Erzählweise
- Vergleichende Untersuchung von Dalís Motiven in Bild und Film
Auszug aus dem Buch
3.4 Die Darstellung der Zeit in Destino
Als bewegtes Medium hat der Film den Vorteil, dass man in ihm die Zeit bedeutend besser darstellen kann als in einem starren Bild. Dadurch wird der Film zu einem für Dalí interessanten Medium, denn „Dalí war vom Phänomen der Zeit besessen, und seine Bilder sind eine Metapher für die flüchtige Natur des Menschen, für seinen Verfall, den die verrinnende Zeit unvermeidlich mit sich bringt.“ Die Zeit selbst spielte nicht nur bei Dalí eine wichtige Rolle, sondern war für den gesamten Surrealismus von Bedeutung. Dabei gab es eine interessante Sicht auf diesen unvermeidbaren Aspekt des Lebens. „In der Traum-Wirklichkeit, die unbedacht einen großen Teil menschlicher Realität ausmacht, stellt sich seelischer Zusammenhang her, indem die Gesetze von Raum, Zeit, Geschichtlichkeit, Logik unwirksam sind. Zwar schlafen wir zumeist in der Verfassung, aber das Seelenleben ist ja nicht tot. Es bewegt sich nur nach anderen Maßgaben: bildhafte Darstellung, Verdichtung, Verschiebung, Ersatz, Verkehrung ins Gegenteil, Aufhebung des Satzes vom Widerspruch – um nur an einige Züge von Sigmund Freuds Traumtheorie zu erinnern.“
In „Destino“ wird auf vielen verschiedenen Ebenen auf Zeit Bezug genommen, begonnen mit der Hintergrundmusik, über vorhandene Objekte und Handlungen, bis hin zur erzählten Geschichte. Ein wichtiger Unterschied zwischen den beiden Kunstformen der Musik und der Malerei besteht darin, dass es für ein Bild keinen Unterschied macht, ob es eine Minute betrachtet wird oder zwei. Das Bild verändert sich in dieser Zeit nicht. Die Musik jedoch lebt von der Veränderung und somit von der Zeit. Dass dieser Kurzfilm zeitlich auf die Musik abgestimmt ist, was man an vielen verschiedenen Stellen sehen kann, gibt ihm einen entsprechenden Vorsprung gegenüber unbewegten Bildern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die künstlerische Vielseitigkeit Salvador Dalís und führt in das spezifische Thema der Zusammenarbeit mit Walt Disney am Kurzfilm „Destino“ sowie die damit verbundene Quellenlage ein.
2. Über den Künstler: Dieses Kapitel skizziert den Lebensweg Salvador Dalís, seine Verbindung zum Surrealismus und seine frühen sowie prägenden Erfahrungen und Projekte im Bereich des Mediums Film.
3. Destino (1946/2003): Dieser Hauptteil analysiert die komplexe Entstehungsgeschichte des Films, beschreibt die visuelle Erzählweise, untersucht die spezifischen surrealistischen Motive und beleuchtet intensiv die Rolle der Zeitdarstellung.
4. Abschließende Erkenntnisse: Das Fazit bewertet „Destino“ als gelungene filmische Erweiterung von Dalís Werk und diskutiert, wie die moderne Technik dazu beigetragen hat, die Visionen des Künstlers in eine neue, bewegte Form zu überführen.
Schlüsselwörter
Salvador Dalí, Walt Disney, Destino, Surrealismus, Kurzfilm, Zeittheorie, Trickfilmtechnik, Storyboard, Traumdeutung, Weiche Uhren, Filmanalyse, Animation, Bildsprache, John Hench, Filmgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem 2003 fertiggestellten Kurzfilm „Destino“, einer historischen Zusammenarbeit zwischen dem surrealistischen Künstler Salvador Dalí und den Walt Disney Studios.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die künstlerische Vision Dalís, deren Übertragung in das Medium des Trickfilms, der Vergleich zwischen statischer Malerei und dynamischer Filmerzählung sowie die Darstellung des Phänomens Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie Dalís Entwürfe und Ideen von den beteiligten Trickfilmmachern interpretiert und technisch umgesetzt wurden und wie effektiv die surrealistische Ästhetik im Medium Film wirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine film- und bildanalytische Methode angewandt, bei der Sequenzen des Films mit den ursprünglichen Storyboards und anderen bekannten Werken Dalís verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Entstehungsgeschichte, eine detaillierte Filmbeschreibung, die Untersuchung spezifischer Dalí-Motive sowie eine tiefgehende Analyse der Zeitdarstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Salvador Dalí, Destino, Surrealismus, Zeitdarstellung, Trickfilm, Animation und Bildsprache.
Warum war die Zusammenarbeit zwischen Dalí und Disney so besonders?
Sie stellt eine ungewöhnliche Begegnung zweier völlig unterschiedlicher künstlerischer Welten dar – des abstrakten Surrealismus Dalís und der kommerziellen, bildgewaltigen Animation Disneys.
Inwieweit spielt die Zeit eine Rolle in „Destino“?
Die Zeit dient als Grundthema, das sowohl über die Musik, über Symbole wie die berühmten „weichen Uhren“ als auch durch die filmische Manipulation der Zeitstrecke (Zeitraffer, Zeitlupe) thematisiert wird.
- Citation du texte
- Sarah Philippi (Auteur), 2015, Salvador Dalís Destino. Unterschiede in der Darstellung der Zeit in Bild und Film, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306564