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Chancengleichheit für alle an deutschen Schulen? Erklärungsansätze für Bildungsnachteile an deutschen Schulen

Titel: Chancengleichheit für alle an deutschen Schulen? Erklärungsansätze für Bildungsnachteile an deutschen Schulen

Akademische Arbeit , 2012 , 32 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anna Theresa Wendel (Autor:in)

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die unterschiedlichsten Ursachen sind für den mangelnden Schulerfolg von Migratenkindern verantwortlich. In dieser Arbeit werden nun die drei führenden Forschungsansätze, die versuchen den schulischen Misserfolg von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu erklären, vorgestellt und diskutiert.

Die ersten beiden Erklärungsansätze, der kulturell-defizitäre und der humankapitaltheoretische Ansatz, suchen die Gründe für die Defizite der betroffenen Kinder überwiegend in deren familiären Umfeld und derer kulturellen Herkunft.

Die dritte Theorie, die der institutionellen Diskriminierung, geht weg von den sozioökonomischen Einflüssen und bezieht sich auf die Struktur der Schule und ihren Selektionsmechanismen.

Dieser Ansatz geht davon aus, dass der Bildungsmisserfolg von Migrantenkinder mit deren kulturellem Erbe zusammenhängt. Unter dem kulturellen Erbe versteht man, den „Prozess, durch den ein Kind in die Kultur eingeführt wird, während dessen es die konstituierenden Elemente einer Kultur und die spezifische Form, in der sie aufeinander bezogen sind, kennenlernt und verinnerlicht.“

Die Basispersönlichkeit eines Kindes wird demnach von den Eltern und dem sozialen Umfeld geformt. Man geht davon aus, dass diese dann oftmals nicht vereinbar mit den Methoden der schulischen Bildung hier in Deutschland ist.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erklärungsansätze für die Bildungsnachteile von Schülern mit Migrationshintergrund im deutsche Schulsystem

2.1 Die kulturell-defizitäre Erklärung

2.1.1 Analyse und Kritik

2.2 Die humankapitaltheoretische Erklärung

2.2.1 Ergänzung: Das kulturelle Kapital von Bourdieu

2.2.2 Analyse und Kritik

2.3 Erklärung durch institutionelle Diskriminierung

2.3.1 Analyse und Kritik

2.4 Vergleich der Theorien

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für die bestehende Chancenungleichheit im deutschen Schulsystem, insbesondere im Hinblick auf die signifikant schlechteren Bildungsabschlüsse von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Ziel ist es, die drei dominierenden wissenschaftlichen Erklärungsansätze kritisch zu analysieren, deren theoretische Grundlagen zu hinterfragen und durch einen Vergleich der Theorien sowie Reformvorschläge Ansätze zur Förderung der Chancengleichheit aufzuzeigen.

  • Kulturell-defizitäre Erklärungsansätze und ihre Grenzen
  • Die Humankapitaltheorie in Anwendung auf Migrantenfamilien
  • Die Rolle des kulturellen Kapitals nach Pierre Bourdieu
  • Institutionelle Diskriminierung als strukturelle Bildungsbarriere
  • Vergleichende Analyse der theoretischen Perspektiven

Auszug aus dem Buch

2.3 Erklärung durch institutionelle Diskriminierung

Dieser Ansatz gehört zu den neueren und bisher am wenigsten erforschten Erklärungsversuchen für den schulischen Misserfolg von Migrantekindern. Er stellt im Unterschied zu den vorherigen Theorien einen Perspektivwechsel dar, denn das Augenmerk ist hier nicht mehr auf das Versagen der Migranten und deren Familien gerichtet ist, sondern auf die Struktur der Institution Schule, deren Merkmale, Selektionsmechanismen und Entscheidungspraktiken.

Gomolla und Radtke haben im Jahr 2000 zum ersten Mal eine empirische Studie zu diesem Ansatz durchgeführt. Getestet wurde an Grundschülern in Bielefeld, wie Diskriminierung von Kindern mit Migrationshintergrund als Ergebnis organisatorischen Handelns in Schulen im Zusammenhang mit einwanderungs- und bildungspolitischen Rahmenbedingungen entsteht. Die Autoren konzentrierten sich hier vor allem auf die relevanten Entscheidungsstellen in der Schullaufbahn: die Einschulung, die Überweisung auf eine Sonderschule für Lernbehinderte und den Übergang in die Sekundarstufe am Ende der Grundschulzeit, da weitaus mehr Migrantenkinder in der Vorschule zurückgestuft werden als Deutsche.

Man argumentiert diese Entscheidung mit den mangelnden Deutschkenntnissen der Kinder und der fehlenden bzw. zu geringen Kindergartenzeit. Laut Gomolla liegt hier eine direkte institutionelle Diskriminierung vor, da zum einen kein zusätzlicher Sprachunterricht (Deutsch als Fremdsprache) für die Migrantenkinder in der Vorschule angeboten wird, und zum anderen diese rechtlich auch nicht zum Spracherwerb gedacht ist. Des Weiteren kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass auch indirekte institutionelle Diskriminierung vorliegt, da Lehrern den Kindern, die Sprachschwierigkeiten in Deutsch haben, oftmals auch noch weitere Defizite zuschreiben (z.B. mangelnde Schulreife oder mangelnde Schulfähigkeit). Diskriminierungen resultieren „sowohl aus Formen der Gleichbehandlung von Migrantenkindern unter vermeintlich neutralen Leistungs-und Beurteilungskriterien als auch aus Formen der Ungleichbehandlung, jeweils im Vergleich mit ihren Mitschülern.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die mangelnde Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem trotz PISA-Schock und führt in die Fragestellung der Arbeit ein, welche die drei führenden Erklärungsansätze für Bildungsunterschiede bei Migrantenkindern diskutiert.

2. Erklärungsansätze für die Bildungsnachteile von Schülern mit Migrationshintergrund im deutsche Schulsystem: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Erklärungsansätze vor, die entweder familiäre Defizite, fehlendes Humankapital oder institutionelle Selektionsmechanismen der Schule für den schulischen Misserfolg verantwortlich machen.

2.1 Die kulturell-defizitäre Erklärung: Dieser Abschnitt erläutert die Annahme, dass kulturelle Unterschiede und ein als problematisch wahrgenommenes „kulturelles Erbe“ der Migrantenfamilien mit den Anforderungen des deutschen Schulsystems kollidieren.

2.1.1 Analyse und Kritik: Hier wird aufgezeigt, dass der kulturell-defizitäre Ansatz zu kurz greift, da er die hohe Bildungsaspiration der Migranteneltern ignoriert und soziale Schichtung anstelle von Kultur als ausschlaggebend betrachtet.

2.2 Die humankapitaltheoretische Erklärung: Dieser Teil befasst sich mit der ökonomischen Sichtweise, nach der Bildungsentscheidungen und -erfolge von der Akkumulation von Humankapital (Investitionen in Bildung) innerhalb der Familie abhängen.

2.2.1 Ergänzung: Das kulturelle Kapital von Bourdieu: Es wird Bourdieus Theorie des Kapitals eingeführt, die den Fokus auf inkorporierte, objektivierte und institutionalisierte Formen kulturellen Kapitals legt, die über den bloßen Geldbetrag hinausgehen.

2.2.2 Analyse und Kritik: Kritische Würdigung der Humankapitaltheorie und Bourdieus Ansatz, wobei betont wird, dass Ressourcenmangel in Migrantenfamilien real existiert, aber individuelle Merkmale oft überschätzt werden.

2.3 Erklärung durch institutionelle Diskriminierung: Dieser Abschnitt führt den Perspektivwechsel ein, indem nicht mehr das Versagen der Individuen, sondern die Selektionspraktiken und institutionellen Bedingungen der Schule als Ursache benannt werden.

2.3.1 Analyse und Kritik: Die empirischen Belege für institutionelle Diskriminierung werden diskutiert, wobei die Schwierigkeit ihrer direkten Messung gegen ihre große Bedeutung als systemischer Faktor abgewogen wird.

2.4 Vergleich der Theorien: Zusammenführung der Ansätze zu einer systematischen Sichtweise, die ein komplexes Geflecht aus inner- und außerschulischen Faktoren als Ursache für Bildungsbenachteiligung identifiziert.

Schlüsselwörter

Bildungschancen, Migrationshintergrund, Chancengleichheit, Humankapitaltheorie, Kulturelles Kapital, Institutionelle Diskriminierung, Schulerfolg, Bildungssystem, Sozialisation, Bildungsbenachteiligung, Selektionsmechanismen, PISA-Studie, Bildungsaufstieg, Bildungsaspiration, Migrantenfamilien

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Ursachen für Bildungsungleichheit im deutschen Schulsystem, mit einem besonderen Fokus auf die Gründe, warum Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger niedrigere Bildungsabschlüsse erzielen als Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder umfassen die Bildungsforschung und -soziologie, wobei insbesondere kulturelle Erklärungsansätze, investitionstheoretische Modelle (Humankapital) sowie systemkritische Ansätze der institutionellen Diskriminierung diskutiert werden.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit sucht nach den Gründen für die gravierenden Bildungsunterschiede zwischen Migrantenkindern und deutschen Schülern und prüft, ob diese durch familiäre Defizite, ökonomische Investitionsentscheidungen oder strukturelle Barrieren im Schulwesen erklärbar sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung empirischer Bildungsstudien (wie PISA und Studien zu institutioneller Diskriminierung) basiert, um die verschiedenen Theorien zu vergleichen und zu bewerten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der drei führenden Forschungsansätze: der kulturell-defizitären Theorie, der Humankapitaltheorie (unter Einbeziehung von Bourdieus Kapitalbegriff) und der institutionellen Diskriminierung, inklusive einer kritischen Analyse jedes Modells.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Humankapital, kulturelles Kapital, institutionelle Diskriminierung, Chancengleichheit, Bildungsaspiration und der Selektionsmechanismus des deutschen Schulsystems.

Welche Bedeutung hat der Ansatz von Pierre Bourdieu für diese Untersuchung?

Bourdieu ermöglicht eine differenziertere Sicht auf die Humankapitaltheorie, indem er zeigt, dass Bildungserfolg nicht nur von ökonomischen Investitionen, sondern maßgeblich vom im Elternhaus vermittelten kulturellen Kapital abhängt, welches jedoch auch von Familien aus unteren sozialen Schichten akkumuliert werden kann.

Inwieweit spielt institutionelle Diskriminierung eine Rolle bei der Schullaufbahnempfehlung?

Die Arbeit legt dar, dass institutionelle Diskriminierung durch informelle Praktiken der Lehrkräfte und strukturelle Selektionskriterien der Schule (wie die Notengebung und Empfehlungspraktiken) dazu führen kann, dass Kinder mit Migrationshintergrund selbst bei vergleichbarer Leistung häufiger auf niedrigere Schulformen verwiesen werden.

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Details

Titel
Chancengleichheit für alle an deutschen Schulen? Erklärungsansätze für Bildungsnachteile an deutschen Schulen
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Autor
Anna Theresa Wendel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
32
Katalognummer
V306770
ISBN (eBook)
9783668046610
ISBN (Buch)
9783668133129
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung Migrant Schulsystem
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anna Theresa Wendel (Autor:in), 2012, Chancengleichheit für alle an deutschen Schulen? Erklärungsansätze für Bildungsnachteile an deutschen Schulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306770
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Leseprobe aus  32  Seiten
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