Die Relevanz von interreligiösem Lernen für ein friedliches Zusammenleben

Ein Plädoyer


Hausarbeit, 2013
9 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Comenianische Lehrprinzipien

2. Rechtliche Rahmenbestimmungen des Religionsunterrichts

3. Interreligiöses Lernen
3.1 Hintergrund
3.2 Begegnung und Dialog

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Eine zunehmend multikulturelle und multireligiöse Lebenssituation erfordert Orte und Zeiten, in denen diese Situation zum besseren gegenseitigen Verständnis thematisiert, erhellt und in ihren möglichen Konfliktsituationen aufgeklärt werden kann. Dafür sind im evangelischen Religionsunterricht Freiräume und eventuell Kooperationsphasen einzuplanen und durch Modellversuche praktisch zu erproben.“[1]

Diese vom Rat der EKD formulierte Forderung für den Religionsunterricht findet ihren Zuspruch spätestens nach Terroranschlägen wie dem 11. September 2001. Ereignisse die unmittelbar mit Religion in Verbindung gebracht werden und unreflektiert Kindern und Jugendlichen Sprengstoff für feindseliges Verhalten liefern.

Kulturelle, religiöse und weltanschauliche Pluralität ist selbst im evangelischen Religionsunterricht unter Schülern und Schülerinnen keine Seltenheit mehr. Die Fähigkeit, mit Menschen unterschiedlich religiöser Orientierung zurechtzukommen, ist Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben in unserer gegenwärtig höchst komplexen Gesellschaft. Der Religionsunterricht kann und sollte Brücken einer Begegnung in Respekt und Akzeptanz erarbeiten und das Fundament hierfür bereits in der Grundschule legen.

Gegenstand dieser Seminararbeit ist das Konzept des „Interreligiösen Lernens“. Zu Beginn werden Lehrprinzipien des Pädagogen Comenius fokussiert, die sich im Verlauf im Konzept des „Interreligiösen Lernens“ aufzeigen lassen. Punkt zwei diskutiert entscheidende rechtliche Rahmenbestimmungen in Bezug auf den Religionsunterricht. Zum Abschluss wird die Bedeutung der Begegnung und des Dialoges für das interreligiöse Lernen thematisiert und die Relevanz des interreligiösen Lernens für ein friedliches Zusammenleben dargestellt.

1. Comenianische Lehrprinzipien

Der Pädagoge Johan Amos Comenius hat in seinem 1658 veröffentlichtem Werk „Orbis sensualium pictus“ Prinzipien der Bildung aufgezeigt, die noch in die gegenwärtige Schuldidaktik hineinreichen. Das Prinzip der Ganzheitlichkeit, der Differenzierung und der Ästhetisierung der Lehrinhalte.[2]

Das Prinzip der Ganzheitlichkeit ist bereits im Aufbau des Orbis pictus erkennbar. Das Schulbuch ist praktisch eine kleine bebilderte Enzyklopädie des gesamten damaligen Lebens. Es umfasst alle „Realien“[3] der von Gott erschaffenen Welt. Himmel und Erde, Pflanzen und Tiere, bis hin zu den Menschen und deren Handwerke, Künste und Wissenschaften, Tugenden und Laster. Dieser ganzheitliche Blick zeichnet sich ebenfalls in den Kapiteln über Religion ab. Comenius präsentiert nicht nur den christlichen Glauben, sondern wendet sich auch anderen Religionen, wie dem Judentum, zu.[4]

Das Prinzip der Differenzierung hingegen beruht auf der Einsicht, dass alle Realien unserer Welt einen Namen zur Benennung tragen. Dieser dient der Klarheit bei Unterscheidungsprozessen.[5]

Das ästhetische Prinzip der Lehrinhalte impliziert die Notwendigkeit sinnlicher Vorstellungs- und Wahrnehmungsangebote. Im Orbis pictus wird dieses durch eine Text- und einer inhaltlich deckenden Bildebene ermöglicht.[6]

Comenius Pädagogik orientiert sich an dem Gedanken, dass der Mensch die Welt und Alles in ihr nur verstehen kann, wenn eine einseitige Sichtweise vermieden wird, wenn „kein `realienverengender Blick` die Relativität und Bezogenheit der Realien zueinander verstellt“[7]. Hier liegt die Parallele zum interreligiösen Lernen. Wie im Orbis pictus, der sich nicht auf die verengende Darstellung nur einer Religion konzentriert, werden in diesem Unterrichtskonzept bekenntnisübergreifende Lehrinhalte und Verstehungsprozesse angestrebt, was im Verlauf dieser Arbeit aufgezeigt werden soll.

2. Rechtliche Rahmenbestimmungen des Religionsunterrichts

Der Religionsunterricht in Deutschland stellt sich als eine „res mixta“ dar, einer gemeinsamen Angelegenheit von Staat und Kirche. Die kirchliche Seite wird vertreten durch die Religionsgemeinschaft des jeweiligen Schulbezirks, wie Artikel 7 des Grundgesetzes festlegt. In Absatz drei heißt es:

„(3) Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schule mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechts wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundgesetzen der Religionsgemeinschaften erteilt. […].“[8]

Interessant ist die Tatsache, dass dieses Gesetz einen nach Konfessionen getrennten Religionsunterricht impliziert, da dieser „in Übereinstimmung mit der Religionsgemeinschaft“ erfolgen soll. Nun stellt sich mir als zukünftige evangelische Religionslehrerin die Frage, wie ein nur konfessionell ausgerichteter Religionsunterricht unserer gegenwärtig religiös vielfältigen Situation gerecht werden kann? Das verursacht doch bei Schülern und Schülerinnen eine, ganz gegen das comenianische Lehrprinzip sprechende, verengende Sichtweise von Religion. Zudem führt das gerade nicht zu Akzeptanz und Verständnis anderer religiöser Orientierungen, was ein friedliches Zusammenleben gefährden könnte.

Der Rat der EKD hat im Juli 1971 zu diesem verfassungsrechtlichen Tatbestand folgende Stellungnahme geäußert, die mich letztlich motiviert, einen evangelischen Religionsunterricht in interreligiöser Perspektive zu vertreten:

„(4) Die `Grundsätze der Religionsgemeinschaften` schließen in der gegenwärtigen Situation die Forderung ein, sich mit den verschiedenen geschichtlichen Formen des christlichen Glaubens (Kirchen, Denominationen, Bekenntnisse) zu befassen, um den eigenen Standpunkt und die eigene Auffassung zu überprüfen, um Andersdenkende zu verstehen und um zu größerer Gemeinsamkeit zu gelangen. Entsprechendes gilt für die Auseinandersetzung mit nichtchristlichen Religionen und nichtreligiösen Überzeugungen.

(5) Das theologische Verständnis der `Grundsätze der Religionsgemeinschaften` korrespondiert mit einer pädagogischen Gestaltung des Unterrichts, der zugleich die Fähigkeit zur Interpretation vermittelt und den Dialog und die Zusammenarbeit einübt.“[9]

Diese Stellungnahme eröffnet dem Religionsunterricht einen wichtigen rechtlichen Raum. Zu dem inhaltlichen Lehrstoff, der „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften“ erteilt werden soll, zählen nunmehr auch nichtchristliche Religionen und deren Weltanschauungen.

Der evangelische Religionsunterricht wird immer evangelisch orientiert bleiben, das wird bereits durch die konfessionelle Bindung der Lehrkraft sichergestellt. Aber „ausgehend vom christlichen Glauben lernen [sie] [Schüler und Schülerinnen, S.K.] andere Religionen kennen und entdecken Gemeinsamkeiten und Unterschiede. [10]

[...]


[1] Stellungnahme des Rates der EKD zu Religion in der Grundschule, 2001, zit. nach: http://www.ekd.de/EKD-Texte/rugrundschule_2000_grundschule3.html, 20.09.2013.

[2] Vgl. Jürgen Heumann, Religiöse Grundbildung in der öffentlichen Schule, in: Christa Dommel in Verbindung mit Jürgen Heumann und Gert Otto (Hrsg.), Werte Schätzen. Religiöse Vielfalt und öffentliche Bildung. Festschrift für Jürgen Lott zum 60. Geburtstag, Frankfurt/Main 2003, 120 ff.

[3] Der Ausdruck „Realien“ wurde von Prof. Dr. Jürgen Heumann übernommen aus: Ebd., 123 f.

[4] Vgl. Heumann 2003, 124.

[5] Vgl. ebd., 123.

[6] Vgl. ebd., 121.

[7] Ebd. 124.

[8] Zit nach: Gottfried Adam, Rainer Lachmann, Begründung des schulischen Religionsunterrichts, in: Martin Rothgangel, Gottfried Adam, Rainer Lachmann (Hg.), Religionspädagogisches Kompendium, 7Aufl., Göttingen 2012, 150.

[9] Stellungnahme des Rates der EKD zu verfassungsrechtlichen Fragen des Religionsunterrichts, 1971, zit. nach: Ebd. 151 f.

[10] Kerncurriculum für die Grundschule, Schuljahrgänge 1-4, Fach Evangelische Religion, Niedersachsen 2006, 29.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Relevanz von interreligiösem Lernen für ein friedliches Zusammenleben
Untertitel
Ein Plädoyer
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Ev. Theologie und Religionspädagogik)
Veranstaltung
Grundlagen der Religionspädagogik
Note
1,3
Jahr
2013
Seiten
9
Katalognummer
V306918
ISBN (eBook)
9783668050433
ISBN (Buch)
9783668050440
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bitte anonym veröffentlichen! Preisvorstellung 12,99 Euro. Danke.
Schlagworte
relevanz, lernen, zusammenleben, plädoyer
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Anonym, 2013, Die Relevanz von interreligiösem Lernen für ein friedliches Zusammenleben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306918

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