Der vorliegende Text befasst sich mit der Fragestellung, welche Aussagen in Musikclips über den Screen getroffen werden und wie dieser im Kontext der Intermedialität reflektiert und definiert wird.
Um den Diskurs der Gattung zu vermeiden, ist der Begriff 'Musikclip' anderen Ausdrücken wie 'Musikvideo' oder 'Videoclip' vorzuziehen.
Im Folgenden werden Musikclips analysiert, die offenkundig als solche vermarktet worden sind. Die besprochenen Künstler sind eindeutig als Musiker zu identifizieren. Ihre Clips mögen zwar autonome Kunstwerke sein – von ihrer klassischen kommerziellen Funktion sind sie jedoch nicht befreit. Alle gewählten Beispiele machen den Screen auf die ein oder andere Weise sichtbar.
Inhaltsverzeichnis
1. A Screen Within a Screen
2. Intermedialität und Medienreflexion im Musikclip
2.1 Vorbetrachtungen
2.2 Der Screen als Binnenmedium
2.3 Offenlegung des Apparatus
2.4 Fremdreferentialität
2.5 Der Screen – Ein Resümee
3. Verweigerung der Intermedialität als Chance für Authentizität
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Funktion des "Screens" (Bildschirm/Leinwand) in Musikclips und analysiert, wie dieser im Kontext intermedialer Prozesse reflektiert, definiert und zur Konstruktion von Identität oder zur Appellfunktion genutzt wird.
- Die ästhetische und semiotische Analyse des Screens als Binnenmedium und Fenster zur Welt.
- Die Untersuchung der Intermedialität und Medienreflexion in verschiedenen Musikclip-Genres.
- Die Bedeutung von Materialität und technologischer Manipulation innerhalb der visuellen Erzählweise.
- Die Rolle des Zuschauers im post-cinematischen Zeitalter und die Auswirkungen interaktiver Screen-Konzepte.
Auszug aus dem Buch
2.2 Der Screen als Binnenmedium
Zunächst soll der Screen in der Rolle des Binnenmediums verhandelt werden. Demzufolge gibt es in den dazugehörigen Beispielen immer ein physikalisches Medium mitsamt Screen, das in den jeweiligen Clips eine entscheidende Rolle spielt.
Als Erstes wird der Screen im Zusammenhang von Fernsehen betrachtet. Rammstein – Amerika (Reg. Joern Heitmann, 2004) zeigt die Band bei einer Performance auf dem Mond, die global übertragen und auf den TV-Geräten weltweit rezipiert wird. Dabei wird auf die erste bemannte Mondlandung der Apollo 11 angespielt.
The moon scenes are intercut with non-whites around the world both performing distinct national customs (dances, prayers, songs) and consuming products of American culture (hamburgers, pizza, cigarettes). We see Africans, Australian Aborigines, and Southeast Asians dancing. We see a Muslim take off his Nike tennis shoes and say his prayers beside oil wells. We see Buddhist novices eating hamburgers, Africans eating pizza and sitting on Santa's lap, a Japanese on a motorcycle with a big, greasy '50s-style pompadour, Eskimos watching television, etc. As the song comes to an end, we realize that all this apparently archival footage is of recent vintage, because everyone is lip-syncing to the chorus.
Die Thematik des Songs ist der amerikanische Kultur-Imperialismus: "We're all living in America, because America has gone global". Jedoch handelt es sich dabei um eine bestimmte Form von Amerika. Es ist nicht das Amerika der indianischen Ureinwohner.
Zusammenfassung der Kapitel
1. A Screen Within a Screen: Einführung in die theoretische Relevanz des Begriffs "Screen" und die Problematik der Definition des Mediums Musikclip.
2. Intermedialität und Medienreflexion im Musikclip: Analyse der theoretischen Grundlagen intermedialer Funktionen und Untersuchung der vielfältigen Erscheinungsformen des Screens, unterteilt in die Rollen als Binnenmedium, Apparatus-Element und fremdreferenzielles Medium.
3. Verweigerung der Intermedialität als Chance für Authentizität: Reflexion darüber, wie der bewusste Verzicht auf intermediale Ebenen als stilistisches Mittel zur Authentizitätssteigerung eingesetzt werden kann.
Schlüsselwörter
Musikclip, Screen, Intermedialität, Medienreflexion, Binnenmedium, Appellfunktion, Wunschkonstitution, Voyeurismus, Interaktivität, Authentizität, Post-cinematisch, Videotechnologie, Visuelle Narratologie, Digitale Konstruktion, Kultur-Imperialismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die funktionale und ästhetische Bedeutung des Screens (TV, Computer, Projektion) in Musikvideos und wie diese Technik die Kommunikation zwischen Clip und Zuschauer bestimmt.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Schwerpunkte sind die intermediale Verknüpfung von Medien, der Screen als Binnenmedium, die Selbstreflexion des Mediums Musikvideo sowie Fragen der Identitätskonstruktion durch Technologie.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, welche Aussagen in Musikclips über den Screen getroffen werden und wie dieser im Kontext der Intermedialität reflektiert, definiert und genutzt wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine medienwissenschaftliche Filmanalyse angewandt, die durch semiotische Begriffe und die Einbeziehung theoretischer Diskurse zur Intermedialität und zum Spektakel gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Analysebereiche: Den Screen als Binnenmedium, die Offenlegung des Apparatus (technische Bedingungen) und die Fremdreferentialität (Bezugnahme auf andere Medien).
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch?
Wichtige Begriffe sind Intermedialität, Medienreflexion, Apparatus, Voyeurismus und die "to-be-looked-at-ness" der Protagonisten.
Wie verändert sich die Rolle des Screens in interaktiven Clips?
Der Screen wird von einem reinen Transporteur von Inhalten zu einem interaktiven Feld, bei dem der Zuschauer durch eigene Interaktion (z.B. Facebook-Fotos) Teil der Bedeutungskonstitution wird.
Welche Bedeutung hat die "Verweigerung der Intermedialität"?
Sie dient als gestalterisches Mittel, um durch die Beschränkung auf eine Ebene (z.B. ein einziges Setting) eine höhere Glaubwürdigkeit oder "Authentizität" für den Inhalt des Songs zu erzeugen.
- Citation du texte
- Thomas Vasniszky (Auteur), 2015, Intermedialität und Medienreflexion im Musikclip, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306930