Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Möglichkeiten und Grenzen betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) im Kontext von psychosozialen Belastungen durch Schichtarbeit im Pflegeberuf. Dabei orientiert sich die Struktur am Public Health Action Cycle.
Es wird zunächst ein Überblick zum Problemhintergrund gegeben, dann der Handlungsbedarf abgeleitet, Strategiemöglichkeiten anhand der Interventionspraxis erläutert und schließlich eine Evaluation dieser Maßnahmen mit abgeleiteten Handlungsempfehlungen für die Praxis durchgeführt.
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
1 Einleitung
2 Begrifflichkeiten und theoretische Grundlagen
2.1 Biopsychosoziale Gesundheit und betriebliche Gesundheitsförderung
2.2 Schicht- und Nachtarbeit im Setting Betrieb
3 Schichtarbeit und betriebliche Gesundheitsförderung
3.1 Auswirkungen von Schichtarbeit und Handlungsempfehlungen für die Zielgruppe
3.2 Interventionspraxis und Möglichkeiten betrieblicher Gesundheitsförderung
3.3 Interventionspraxis im Franziskus Hospital Bielefeld
3.4 Grenzen betrieblicher Gesundheitsförderung und bestehende Probleme
4 Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) dazu beitragen können, die psychosozialen Belastungen von Beschäftigten im Pflegesektor, die durch Schichtarbeit entstehen, zu reduzieren und deren Work-Life-Balance zu verbessern.
- Analyse der gesundheitlichen und psychosozialen Auswirkungen von Schichtarbeit im Pflegesektor.
- Untersuchung von Interventionsmöglichkeiten im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung.
- Evaluation praktischer Ansätze anhand eines Fallbeispiels (Franziskus Hospital Bielefeld).
- Identifikation von Grenzen der BGF sowie von Handlungsbedarfen für die zukünftige Praxis.
Auszug aus dem Buch
3.1 Auswirkungen von Schichtarbeit und Handlungsempfehlungen für die Zielgruppe
Aus biomedizinischer Perspektive nimmt Schichtarbeit Einfluss auf den circadianen Rhythmus. Dadurch verändern sich physiologische Prozesse, wie die Körpertemperatur oder die Ausschüttung von Hormonen (Paridon et al., 2012, S. 86). Eine Folge ist die schlechtere Schlafqualität bei Schichtarbeitern (ebd., S. 92). Auch die Risikofaktoren Rauchen und Übergewicht, sind stärker ausgeprägt (Oberlinner, Ott, Nasterlack, Yong, Messerer, Zober, 2009, S. 309-312). Bara und Arber (2009, S. 361) diskutieren Unterschiede von Auswirkungen auf die Psyche und Kognition abhängig vom Geschlecht. Sie beschreiben, dass Frauen häufiger über Ängste klagen, Männer hingegen über depressive Verstimmungen.
Ein Erklärungsansatz dafür sind die psychosozialen Auswirkungen von Schichtarbeit. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird von der Hälfte der Schichtarbeitenden (49,9%) als problematisch empfunden, besonders betroffen sind hier Frauen (Wiener, 2013, S. 243). Für den Pflegesektor ist dies von besonderer Relevanz, da von 1,94 Millionen Beschäftigten im stationären Bereich, 79% Frauen sind (Statistisches Bundesamt, 2013, S. 14). Schichtarbeit erfordert einen Verzicht auf regelmäßige soziale Kontakte und ermöglicht nur eine mangelhafte Teilhabe an gesellschaftlichen Ereignissen (Fergen & Böhm, 2012). Daher kommt es ebenfalls zu einer gesellschaftlichen Desynchronisation.
Die empfundenen Belastungen durch Schichtarbeit können durch die Art ihrer Ausgestaltung beeinflusst werden – So sinken mit zunehmender Einflussnahme auf die Dienstplangestaltung die empfundenen Nachteile, auch positive Effekte werden beschrieben (Jansen, Kant, Nijhuis, Swaen, Kristensen, 2004, S. 139-142).
Zusammenfassung der Kapitel
Zusammenfassung: Bietet einen Überblick über das Problemfeld der psychosozialen Belastung durch Schichtarbeit in der Pflege und die Zielsetzung der Arbeit.
1 Einleitung: Stellt die Relevanz des Themas im Kontext der demografischen Entwicklung und der Arbeitsbedingungen in der Pflege dar.
2 Begrifflichkeiten und theoretische Grundlagen: Definiert die zentralen Konzepte wie biopsychosoziale Gesundheit, betriebliche Gesundheitsförderung und Schichtarbeit.
3 Schichtarbeit und betriebliche Gesundheitsförderung: Analysiert Auswirkungen der Schichtarbeit, Handlungsbedarfe sowie Interventionsmöglichkeiten in verschiedenen Unternehmen.
4 Fazit: Bewertet die untersuchten Maßnahmen und leitet Impulse für die zukünftige Interventions- und Forschungspraxis ab.
Schlüsselwörter
Schichtarbeit, Pflegeberuf, betriebliche Gesundheitsförderung, psychosoziale Belastung, Work-Life-Balance, biopsychosoziale Gesundheit, Gesundheitszirkel, Dienstplangestaltung, Verhältnisprävention, Setting-Ansatz, Public Health Action Cycle, Mitarbeiterzufriedenheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Möglichkeiten und Grenzen betrieblicher Gesundheitsförderung, um die psychosozialen Belastungen von Pflegekräften durch Schichtarbeit zu mindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Schichtarbeit, die daraus resultierende gesundheitliche sowie soziale Desynchronisation, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die praktische Umsetzung von Gesundheitsförderungsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu erörtern, wie durch betriebliche Gesundheitsförderung die psychosozialen Auswirkungen der Schichtarbeit positiv beeinflusst werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit orientiert sich am Public Health Action Cycle und nutzt eine Literaturrecherche sowie ein qualitatives Praxisgespräch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Auswirkungen von Schichtarbeit, leitet Handlungsbedarfe ab und untersucht verschiedene Interventionsansätze in Unternehmen sowie konkret im Franziskus Hospital Bielefeld.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schichtarbeit, Pflegeberuf, betriebliche Gesundheitsförderung, Work-Life-Balance und biopsychosoziale Gesundheit stehen im Mittelpunkt der Untersuchung.
Welche Rolle spielt das Geschlecht bei der Schichtbelastung?
Frauen sind laut Arbeit besonders durch die Doppelbelastung von Familie und Beruf betroffen und klagen häufiger über Ängste im Zusammenhang mit den Belastungen.
Was ist das Haupthindernis im Franziskus Hospital Bielefeld?
Es fehlt an Flexibilität in der Dienstplanung aufgrund eines geringen Personalschlüssels, und wissenschaftliche Leitlinien zur „gesunden Schichtgestaltung“ sind auf Stationsebene kaum bekannt.
Warum gibt es bisher so wenige Studien zu diesem Thema?
Es fehlen systematisch erhobene Daten, die den unternehmerischen Gewinn einer solchen Gesundheitsförderung belegen, wodurch der Anreiz für Betriebe zur Investition oftmals gering bleibt.
- Citar trabajo
- Susanne Sterz (Autor), 2015, Psychosoziale Belastungen durch Schichtarbeit im Pflegeberuf, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307305