Überschriften müssen in aller Kürze den Leser über den Inhalt des Textes informieren und gleichzeitig Anreize zum Lesen des Artikels schaffen. Innerhalb von wenigen Sekunden fällt der Leser seine Entscheidung, ob der Text weiter gelesen wird oder nicht. In Zeiten des Interjournalismus kann sogar eine schlechte Überschrift dazu führen, dass der Artikel in Suchmaschinen nicht gefunden wird. Es kann dementsprechend nicht genug darauf hingewiesen werden, wie wichtig eine gut gewählte Überschrift ist. Doch wie ist es möglich mit wenigen Worten den Inhalt des Textes zu komprimieren und gleichzeitig einen Leseanreiz zu schaffen?
Bei Betrachtung der Überschriften der heutigen Zeitungssprache ist besonders die hohe Anzahl von Nomen auffällig. Es sind vor allem die Komposita, die große Beliebtheit in der Pressesprache besitzen und äußerst produktiv sind. Mithilfe dieser Wortbildungen ist es möglich, Begriffe und Themen straff in einem Ausdruck zusam-menzufassen.
Innerhalb dieser Seminararbeit erfolgt eine synchrone Betrachtung der nominalen Komposition in Überschriften in Bezug auf die Zeitungssprache der deutschen Gegen-wartssprache unter der Fragestellung, welche Kompositionsarten am produktivsten sind und welche morphologischen Besonderheiten ihnen zu Grunde liegen. Bereits nach kurzer Zeit steht fest, dass die Determinativkomposition den Großteil der nominalen Komposition ausmacht und deshalb diese Kompositionsart genauer untersucht wird.
Es soll die Frage beantwortet werden, worin die Unterschiede zwischen einer täglich erscheinenden Boulevard-Zeitung und einer Wochenzeitung in morphologischer Sicht liegen bzw. ob überhaupt noch ein Unterschied zwischen einer Tages- und Wochenzeitung festzustellen ist, wenn man hierbei die Onlineangebote betrachtet, die an-ders als die Printmedien, ständig aktualisiert werden können und nicht täglich bzw. wöchentlich erscheinen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Charakteristika der Zeitungen
2.1. Die Bild-Zeitung: BILD.de
2.2. Die ZEIT: ZEIT ONLINE
3. Untersuchungskorpus
4. Makroanalyse
4.1. Wortarten
4.1.1. Allgemein / Rubrik
4.1.2. Dach- / Schlagzeile
4.2. Nomen
4.2.1. Allgemein / Rubrik
4.2.2. Dach- / Schlagzeile
5. Wortbildung: Nominale Komposition
5.1. Nominale Komposition
5.2. Determinativkomposition
6. Mikroanalyse
6.1. Aufbau der Determinativkomposita
6.2. Kopplung oder Zusammenschreibung?
6.3. Augenblickskomposita: Ad-hoc-Bildungen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die morphologische Struktur der nominalen Komposition in den Online-Überschriften von BILD.de und ZEIT ONLINE, um produktive Wortbildungsarten zu identifizieren und Unterschiede zwischen einer Boulevard- und einer Wochenzeitung festzustellen.
- Vergleichende Analyse der nominalen Komposition in Online-Zeitungssprachen.
- Ermittlung der produktivsten Kompositionsarten und morphologischen Besonderheiten.
- Untersuchung des Einflusses von Redaktionskonzepten auf die Schlagzeilengestaltung.
- Analyse der Verwendung von Kopplung versus Zusammenschreibung.
- Erfassung von Augenblickskomposita und deren Rolle bei der Aufmerksamkeitssteuerung.
Auszug aus dem Buch
6.3.Augenblickskomposita: Ad-hoc-Bildungen
Bei Untersuchung der Determinativkomposita stellte sich heraus, dass einige Kompositionen ungewöhnlich gebildet wurden und noch nicht im allgemeinen Wortschatz aufgenommen worden sind. Diese auffälligen Kompositionen werden in der Literatur als Augenblickskomposita bezeichnet und kommen dem Bedürfnis nach Sprachökonomie nach. Ihre Bedeutung stützt sich auf Text- und Weltwissen, wodurch diese teilweise nur innerhalb eines bestimmten Zusammenhanges verstanden werden können.
Beliebt ist es in beiden Zeitungen, Namen oder Kürzel mit einem Nomen zu verbinden. Neben den geläufigen Kompositionen wie SPD-Politiker oder US-Regierung gibt es auch Kompositionen, die nicht geläufig sind. Im Zusammenhang mit dem Bau des Flughafens Berlin Brandenburg werden beispielsweise die Kompositionen BER-Desaster, BER-Architekt, BER-Flughafen und BER-Eröffnungstermin verwendet. Eigennamenkomposita haben zudem auch eine starke Tendenz zur Kürze. Hilfreich ist es hierbei, die Komposita als Phrase wiederzugeben, wie bei Lügers Werk Pressesprache vorgeschlagen wird. Die Steinbrück-Krise würde somit als eine Krise, in der sich Steinbrück befindet, der ARD-Markencheck als ein Markencheck, der von der ARD durchgeführt wird, Twitter-Pics als Pics, die auf Twitter gemacht wurden usw. aufgelöst.
Neben der Möglichkeit Informationen zu verdichten, kann auch eine gewisse Polemik ausgedrückt werden, wie das Beispiel Verballer-Meisterin aus der BILD zeigt, in der die schlechte Schießleistung von Miriam Gössner beim Biathlon-Weltcup beschrieben wird. Ein weiteres Beispiel ist das Wort Fleischwahn von ZEIT ONLINE, das eine ganz andere Ausdrucksseite als der Vergleichsbegriff Fleischatlas von BILD.de besitzt. Thema beider Artikel war eine Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, in der der durchschnittliche jährliche Fleischkonsum in Deutschlands veröffentlicht wurde. Die Bezeichnung dieses Fleischkonsums als Wahn, betont eine deutlich ablehnende Haltung, wohingegen Fleischatlas eine neutralere Äußerung darstellt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Textkorpus der BILD mehr Augenblickskomposita festzustellen sind als in der ZEIT. Untersucht man alle auffälligen Kompositionen auf ihren Neuheitswert, indem sie auf einen Eintrag im Duden vergleicht, so entfallen auf BILD.de 96 Neologismen und 38 auf ZEIT ONLINE. Das deutlich höhere Vorkommen von Augenblickskomposita in der BILD lässt sich mit den bisherigen Ergebnissen im Bereich der Kopplung verbinden, da mithilfe von ungewöhnlichen nominalen Kompositionen die Aufmerksamkeit des Lesers gewonnen werden soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Arbeit analysiert die synchrone nominale Komposition in Online-Zeitungsschlagzeilen, um produktive morphologische Strukturen und Unterschiede zwischen Boulevard- und Qualitätsjournalismus zu untersuchen.
2. Charakteristika der Zeitungen: Das Kapitel beschreibt die unterschiedlichen redaktionellen Profile von BILD.de als Boulevardportal und ZEIT ONLINE als Qualitätsmedium sowie deren jeweilige Zielgruppen und Online-Konzepte.
3. Untersuchungskorpus: Hier werden die Auswahlkriterien für die untersuchten Artikel der beiden Online-Zeitungen sowie die methodische Eingrenzung des Textkorpus dargelegt.
4. Makroanalyse: Es erfolgt eine quantitative Untersuchung der Wortarten-Verteilung und ein Vergleich der Anteile von Nomen und anderen Wortklassen in Dach- und Schlagzeilen.
5. Wortbildung: Nominale Komposition: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Determinativkomposition im Deutschen und deren Rolle als produktive Wortbildungsart in der Pressesprache.
6. Mikroanalyse: Der Teil analysiert detailliert den internen Aufbau der Determinativkomposita, die Regeln zur Kopplung oder Zusammenschreibung sowie die Funktion von Augenblickskomposita.
7. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass BILD.de stärker zu Kürzung und Kopplung neigt, während ZEIT ONLINE komplexere Komposita und Satzstrukturen verwendet.
Schlüsselwörter
Nominale Komposition, Determinativkomposition, Zeitungssprache, BILD.de, ZEIT ONLINE, Morphologie, Wortbildung, Augenblickskomposita, Neologismen, Sprachökonomie, Dachzeile, Schlagzeile, Online-Journalismus, Kopplung, Zusammenschreibung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die nominale Komposition in den Online-Überschriften der Zeitungen BILD.de und ZEIT ONLINE im Vergleich.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Der Fokus liegt auf der morphologischen Analyse der Schlagzeilengestaltung, der Verwendung von Wortbildungsarten wie Determinativkomposita und dem Einfluss der jeweiligen Zeitungskultur auf die Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, produktive Kompositionsarten in der modernen Zeitungssprache zu identifizieren und Unterschiede in der morphologischen Struktur zwischen Boulevard- und Wochenzeitungen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Analyse verwendet?
Die Autorin verwendete eine empirische Arbeitsmethode zur Datenerfassung und quantitativen Analyse eines Textkorpus, ergänzt durch eine morphologische Untersuchung der Sprachstrukturen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Makroanalyse der Wortarten-Verteilung und eine Mikroanalyse, die sich explizit mit dem Aufbau der Komposita, der Schreibweise (Kopplung vs. Zusammenschreibung) und Ad-hoc-Bildungen befasst.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Untersuchung wird durch Begriffe wie nominale Komposition, Determinativkomposition, Augenblickskomposita und die sprachliche Unterscheidung von Boulevard- und Qualitätsmedien geprägt.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Dach- und Schlagzeile eine wichtige Rolle?
Die Differenzierung zeigt, dass Dachzeilen primär der Orientierung dienen und einen höheren Nominalanteil aufweisen, während Schlagzeilen häufiger ganze Sätze bilden.
Was sind Augenblickskomposita und warum finden sie Erwähnung?
Augenblickskomposita sind spontane Wortbildungen, die nicht im allgemeinen Wortschatz stehen; sie dienen der Sprachökonomie und werden gezielt zur Erzeugung von Aufmerksamkeit genutzt.
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- Arne Meiners (Autor), 2013, Nominale Komposition in Überschriften. Zeit Online und Bild.de, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307958