Die Schule ist ein Ort, an dem jeder einen Teil seines Lebens verbringt. In den letzten Jahren hat sich die Schullandschaft in Deutschland verändert. Es gibt keine Hauptschulen mehr, stattdessen Realschulen Plus und an immer mehr Schulen gibt es das Angebot der Ganztagsschule. Für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe ist es normal, bis zum späten Nachmittag in der Schule zu sein. Die Veränderungen zeigen, dass der Ort Schule vom Lernort zum Lebensort für viele wird.
Solange Schülerinnen und Schüler in der Schule sind, befinden sich auch Betreuungspersonen dort. Die Schule ist gleichzeitig die Stelle an der Weichen gestellt werden für das zukünftige Leben. Dabei kommt es zu Fragen, Konkurrenzkämpfen und Probleme aus der Vergangenheit oder Familie werden sichtbar. Wie werden Schülerinnen und Schüler unterstützt? Sind es Vertrauenslehrer, Schulpsychologen oder Freunde? Wer kann bei Tod und Trauer trösten?
Die Schulseelsorger wollen hier eine Anlaufstelle sein, die als Handlungsfeld der Kirche in der Schule gesehen wird. In der folgenden Arbeit soll veranschaulicht werden, wo kirchliche Handlungsfelder in der Schule liegen, welche Erwartungen/Anforderungen an Seelsorge in der Schule gestellt werden und wie Seelsorger zu ihren Aufgaben qualifiziert werden.
Im ersten Teil wird ein Versuch der Definition gestartet. Anschließend soll die Notwendigkeit der Seelsorger anhand der Lebenswelt und dem Auftrag der Kirche erklärt werden. Zum Schluss wird das Handlungsfeld der Seelsorge beschrieben.
Der zweite Teil geht auf die Kompetenzen der Seelsorger ein, zeigt hilfreiche Methoden auf und ordnet die Seelsorge in der Schule in gegenwärtige Seelsorgetheorien ein. Im letzten Teil werden Qualifizierungskonzepte vorgestellt und miteinander verglichen. Zum Schluss steht der Ausblick, welche weiteren Entwicklungen es im Bereich der Schulseelsorge in der deutschen Schullandschaft in Zukunft noch geben kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Handlungsfeld Schulseelsorge
2.1 Was ist Schulseelsorge? - Versuch einer Definition
2.2 Rahmenbedingungen
2.3 Notwendigkeit von Seelsorge in der Schule
2.3.1 Folgen der veränderten Lebenswelt
2.3.2 Auftrag der Kirche
2.4 Einsatzorte/Handlungsfelder und Bezugspersonen
2.5 Zwischenfazit
3. Kompetenzen und Seelsorgetheorien
3.1 Allgemeine Kompetenzen von Seelsorgern in der Schule
3.2 Kompetenzorientierung im Studium
3.3 Methoden: Das Kurzgespräch und die kollegiale Beratung
3.3.1 Das Kurzgespräch
3.3.2 Kollegiale Beratung
3.4 Einordnung in gegenwärtige Seelsorgetheorien
3.4.1 Alltagsseelsorge
3.4.2 Systemische Seelsorge
3.4.3 Biblische Seelsorge
4. Vergleich der Qualifizierungen in den Landeskirchen
4.1 Evangelische Kirche Hessen und Nassau
4.1.1 Entwicklung
4.1.2 Konzept
4.1.3 Zielgruppe
4.2 Evangelische Kirchen in Baden
4.2.1 Konzept bis 2012
4.2.2 Zusammenschluss mit Württemberg
4.2.3 Zielgruppe
4.3 Ein Vergleich
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Handlungsfeld der evangelischen Schulseelsorge, identifiziert notwendige Kompetenzen für Seelsorger im schulischen Kontext und vergleicht verschiedene Qualifizierungskonzepte innerhalb der deutschen Landeskirchen, um die Qualität und Zukunftsfähigkeit dieses kirchlichen Dienstes aufzuzeigen.
- Theoretische Grundlagen und Definitionen der Schulseelsorge.
- Analyse der Notwendigkeit seelsorgerlicher Präsenz in der Schule.
- Darstellung und Evaluation professioneller Methoden wie Kurzgespräch und kollegiale Beratung.
- Systemische und biblische Ansätze in der Schulseelsorge.
- Vergleichende Analyse der Ausbildungskonzepte der EKHN sowie der badischen und württembergischen Landeskirchen.
Auszug aus dem Buch
3.3.1.2 Fragetechniken
Die Fragetechniken im Kurzgespräch sind so gewählt, das die obengenannten Eigenschaften eintreffen. Da Menschen von klein auf ihre inneren Gefühle/Wahrnehmungen durch Sprache oder Bewegungen ausdrücken, ist es wichtig, dass der Seelsorger sich an der Sprache der ratsuchenden Person orientiert. Grundlegend ist die mäeutische Fragetechnik. Sie ist nach Gutmann das Herzstück des Kurzgespräches und zielt drauf, dass die ratsuchende Person sich selbst erkundet. Durch geschlossene Fragen, welche nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden können, soll die ratsuchende Person „im positiven Sinne verstört“ werden und ins Überlegen kommen. Sie vermeidet Fragen nach den Ursachen mit den Fragewörtern: „Wieso, warum, weshalb“, sondern blickt in die Zukunft und benutzt Fragewörter der Informationsfragen. Ein Gespräch kann beispielsweise so aussehen:
„Ich habe Probleme…“ (gesenkter Kopf, schlaffe Körperhaltung, leise Stimme.)
„Welche Probleme genau?“ (Aufforderung, selbst aktiv zu definieren)
„Womit haben sie Probleme?“ (Aufforderung Bezüge herzustellen)
„Woher wissen Sie, dass Sie Probleme haben?“ (Aufforderung, sich zu hinterfragen)
„Wie merken Sie ihre Probleme?“ (Aufforderung, alle Sinneswahrnehmungen ernst zu nehmen)
„Was machen die Probleme mit Ihnen?“ (Aufforderung, aus dem Statistischen ins Dynamische zu wechseln)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Bedeutungswandel der Schule als Lebensraum ein und skizziert die Relevanz der Schulseelsorge sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Handlungsfeld Schulseelsorge: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Schulseelsorge, erläutert die Rahmenbedingungen sowie die Notwendigkeit von Seelsorge aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen und klärt den Auftrag der Kirche.
3. Kompetenzen und Seelsorgetheorien: Hier werden die erforderlichen Kompetenzen für Seelsorger dargestellt, bewährte Methoden wie das Kurzgespräch analysiert und die Schulseelsorge in verschiedene theoretische Ansätze eingeordnet.
4. Vergleich der Qualifizierungen in den Landeskirchen: Dieses Kapitel stellt die Weiterbildungskonzepte der EKHN sowie der Kirchen in Baden und Württemberg vor und vergleicht diese hinsichtlich ihrer Schwerpunkte und Zielgruppen.
5. Fazit und Ausblick: Diese Zusammenfassung reflektiert die positive Entwicklung der Schulseelsorge und benennt zukünftige Herausforderungen sowie notwendige Ausbauschritte der Qualifizierungsangebote.
Schlüsselwörter
Schulseelsorge, Evangelische Kirche, Religionsunterricht, Seelsorgekonzepte, Kurzgespräch, Kollegiale Beratung, Schulentwicklung, Seelsorgekompetenz, Schulpastoral, Lebensbegleitung, Systemische Seelsorge, Biblische Seelsorge, Qualifizierung, Krisenintervention, Schulalltag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der evangelischen Schulseelsorge als wichtigem Handlungsfeld der Kirche, das über den klassischen Religionsunterricht hinausgeht und Schüler sowie Lehrkräfte bei der Lebensbewältigung unterstützt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Schulseelsorge, den benötigten Kompetenzen des Personals, der Anwendung spezifischer Gesprächsmethoden und dem Vergleich der landeskirchlichen Weiterbildungskonzepte.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Notwendigkeit kirchlicher Seelsorge in der Schule zu begründen und aufzuzeigen, wie durch eine fundierte Qualifizierung eine professionelle und tragfähige seelsorgerliche Praxis an Schulen gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, dem Studium von Fortbildungskonzepten verschiedener Landeskirchen sowie der kritischen Auswertung praktisch-theologischer und seelsorgerelevanter Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Handlungsfelder, eine detaillierte Erörterung notwendiger Kompetenzen und Methoden – wie dem Kurzgespräch und der kollegialen Beratung – sowie eine vergleichende Untersuchung der Ausbildungsstrukturen in der EKHN sowie in Baden und Württemberg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Schulseelsorge, Seelsorgekompetenz, Kurzgespräch, Schulentwicklung und kirchliches Qualifizierungskonzept definieren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "Sorge als Fürsorge" und "Sorge des in der Welt seins" für Schulseelsorger wichtig?
Die Unterscheidung hilft Seelsorgern, zwischen der aktiven Zuwendung zu Anderen und der notwendigen Selbstfürsorge sowie Reflexion des eigenen Lebens zu differenzieren, um authentisch und professionell in der Schule handeln zu können.
Welche Rolle spielt die kollegiale Beratung speziell für das Lehrerkollegium?
Die kollegiale Beratung bietet Lehrern, die unter hohem Erwartungsdruck stehen, einen geschützten Raum, um gemeinsam Probleme zu reflektieren, Entlastung zu finden und durch den Austausch mit Gleichgestellten handlungsorientierte Lösungen zu entwickeln.
- Quote paper
- Johanna Franzmann (Author), 2014, Seelsorge in der Schule. Handlungsfelder, Kompetenzen und Qualifizierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308041