Unter dem Fähigkeitsselbstkonzept ist die subjektive Einschätzung eigener Kompetenzen und Fähigkeiten zu verstehen. Im weiteren Verlauf wird das Fähigkeitsselbstkonzept auf den Lehr/- und Lernprozess bezogen, insbesondere auf die Selbsteinschätzung individueller Leistungen in den Fächern Mathematik und Deutsch. Dabei steht eine universelle Betrachtungsweise im Vordergrund, d.h. weitere Differenzierungen in Geschlecht, Art der Schule u.ä. werden hier nicht weiter thematisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Fähigkeitsselbstkonzept nach traditioneller Entwicklungspsychologie
2.1. Der Verlauf des Fähigkeitsselbstkonzeptes
2.2. Die Relevanz der Notengebung
3. Der Zusammenhang von Fähigkeitsselbstkonzept und Schulleistung
4. Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des Fähigkeitsselbstkonzepts von Schülern im schulischen Kontext und untersucht die Faktoren, die zu einer realistischeren Selbsteinschätzung über den Zeitverlauf führen, sowie den Zusammenhang zwischen diesem Selbstkonzept und der tatsächlichen schulischen Leistung.
- Entwicklung des Fähigkeitsselbstkonzepts vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe
- Einfluss von Notengebung und sozialen Vergleichsprozessen auf die Selbsteinschätzung
- Wechselwirkungen zwischen Fähigkeitsselbstkonzept und Schulleistung
- Bedeutung von Lehrkraft-Einflüssen und Schulübergängen
- Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Leistungseinschätzung
Auszug aus dem Buch
2.1. Der Verlauf des Fähigkeitsselbstkonzept
Nach zahlreichen entwicklungspsychologischen Studien, vor allem aus dem angloamerikanischen Sprachraum, zeigt sich, dass die Selbsteinschätzung der Schüler zu Beginn der Grundschule sehr hoch ist, im weiteren Schulverlauf aber immer realistischer wird. Das folgende Schaubild soll diesen Verlauf verdeutlichen:
Die Erkenntnisse dieser Grafik beziehen sich auf Daten der LOGIK-Studie. Die Longitudinalstudie zur Genese individueller Kompetenzen untersucht in einer Längsschnittstudie 200 Kleinkinder in einem Zeitraum von neun Jahren. Hierbei werden universelle, differentielle und individuelle Verhaltensmuster analysiert, auf der Grundlage der kognitiven, sozialen, personalen und moralischen Entwicklung. Sowohl in Deutsch, als auch in Mathematik zeigt sich der angenommene Abwärtstrend des Fähigkeitsselbstkonzepts, in dem untersuchten Zeitraum vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe II. Mögliche Gründe für diese Entwicklung sind:
- die Fähigkeit der Kinder, Informationen aus verschiedenen Quellen systematisch zu verarbeiten, ist noch nicht voll ausgeprägt.
- Es finden zwar soziale Vergleichsprozesse innerhalb der Schulklasse statt, diese werden aber nicht systematisch auf das eigene Fähigkeitsselbstkonzept transformiert.
- Die Notengebung führt zu einer realistischeren Selbsteinschätzung.
- Oft dominiert bei Kindern im Alter von fünf bis acht noch das sogenannte „Wunschdenken“.
An dem Schaubild wird des weiteren deutlich, dass sich die Kurve des Fähigkeitsselbstkonzeptes immer im positiven Bereich verläuft. Würde man den Durchschnitt aus den Schülern die sich über und denen die sich unterschätzen nehmen, wäre anzunehmen, dass der Verlauf des Fähigkeitsselbstkonzeptes auf der x-Achse eine Konstante bildet. Das dies nicht so ist, belegt das Schaubild. Daraus ist zu schließen, dass sich nahezu alle Schüler überschätzen. In der ersten Klasse schätzen sich sogar 60% der Schüler als „am Besten“ ein. Markant sind die Anstiege des FSK in der ersten Klasse und zu Beginn der dritten Schulklasse. Demnach muss die These der Entwicklung vom „Optimisten zum Realisten“ relativiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert das Fähigkeitsselbstkonzept als subjektive Einschätzung eigener Kompetenzen und legt den Fokus der Arbeit auf den schulischen Lernprozess in den Fächern Mathematik und Deutsch.
2. Das Fähigkeitsselbstkonzept nach traditioneller Entwicklungspsychologie: Dieses Kapitel erläutert die Tendenz von Schülern, ihre Fähigkeiten zu Beginn der Schulzeit zu überschätzen und mit zunehmender Dauer eine realistischere Einschätzung zu entwickeln.
2.1. Der Verlauf des Fähigkeitsselbstkonzeptes: Hier werden die Gründe für den Abwärtstrend der Selbsteinschätzung analysiert, wie etwa die kognitive Reifung und soziale Vergleichsprozesse.
2.2. Die Relevanz der Notengebung: Das Kapitel untersucht, inwieweit die Einführung von Zensuren zu einer realistischeren Selbsteinschätzung beiträgt und wie die Notenverteilung im Schulverlauf homogener wird.
3. Der Zusammenhang von Fähigkeitsselbstkonzept und Schulleistung: Dieser Abschnitt analysiert die komplexen Wechselwirkungen zwischen Leistung und Selbstbild, wobei das Selbstkonzept als ein „Zusatzmotor“ für die Leistungsfähigkeit fungiert.
4. Schlussbemerkung: Der Autor resümiert die bisher universelle Betrachtungsweise und weist auf die Notwendigkeit hin, zukünftig geschlechtsspezifische Unterschiede stärker zu berücksichtigen.
Schlüsselwörter
Fähigkeitsselbstkonzept, Entwicklungspsychologie, Schulleistung, Selbsteinschätzung, LOGIK-Studie, SCHOLASTK-Studie, Notengebung, soziale Vergleichsprozesse, Grundschule, Leistungsmotivation, Geschlechterunterschiede, Chancengleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich das Fähigkeitsselbstkonzept von Schülern während ihrer schulischen Laufbahn entwickelt und welche Faktoren diese subjektive Selbsteinschätzung beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der Verlauf des Fähigkeitsselbstkonzepts, die Rolle der Notengebung, soziale Vergleichsprozesse innerhalb der Schulklasse sowie die Wechselwirkung zwischen dem Selbstkonzept und der schulischen Leistung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Erklärungsversuch der Entwicklung vom „Optimisten zum Realisten“ anhand traditioneller entwicklungspsychologischer Ansätze zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse wissenschaftlicher Studien, insbesondere der LOGIK-Studie und der SCHOLASTK-Studie, um theoretische Konzepte der Pädagogischen Psychologie zu explizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den zeitlichen Verlauf der Selbsteinschätzung bei Schülern, den Einfluss von Lehrkraft-Feedback sowie den reziproken Zusammenhang zwischen Kompetenzselbsteinschätzung und messbarer Schulleistung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fähigkeitsselbstkonzept, Schulleistung, Entwicklungspsychologie, Notengebung und soziale Vergleichsprozesse.
Warum steigen manche Schüler zu Beginn der dritten Klasse wieder in ihrer Selbsteinschätzung an?
Dieser Anstieg lässt sich meist mit einem obligatorischen Lehrerwechsel erklären, da die neue Lehrkraft den Fokus zunächst auf das gegenseitige Kennenlernen legt und Schüler die Chance zur Neubewertung ihrer Leistungsfähigkeit erhalten.
Welche Bedeutung haben geschlechtsspezifische Unterschiede laut der Arbeit?
Die Arbeit weist darauf hin, dass Mädchen in naturwissenschaftlichen Fächern oft ein schlechteres Fähigkeitsselbstkonzept haben als Jungen, was langfristig die Berufswahl und Chancengleichheit beeinflussen kann.
Ist ein hohes Fähigkeitsselbstkonzept immer vorteilhaft für die Leistung?
Ja, ein optimistisches Selbstkonzept wirkt wie ein „Zusatzmotor“, der dazu führt, dass schwierige Aufgaben schneller gelöst und Selbstzweifel in Lernsituationen effektiver überwunden werden.
- Quote paper
- Christian Fritsch (Author), 2004, Wie entwickelt sich das Fähigkeitsselbstkonzept - ein Erklärungeversuch nach Ansätzen der traditionellen Entwicklungspsychologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30807