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Die Entwicklung der Fegefeuerlehre in der Antike

Title: Die Entwicklung der Fegefeuerlehre in der Antike

Term Paper , 2008 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Dr. phil Sandra Herfellner (Author)

Theology - Comparative Religion Studies
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Was geschieht mit uns nach dem Tod? Gibt es ein Weiterleben danach, und wenn ja, wie können wir uns ein solches vorstellen? Werden wir nach dem Tod für unsere Sünden zur Rechenschaft gezogen? Diese Fragen beschäftigen den modernen Menschen mit Sicherheit genauso, wie den Menschen vor 2000 Jahren. Jedoch ist der heutige Mensch mit einer Vielzahl von möglichen Antworten konfrontiert und wählt sich aus diesen die für ihn zugänglichste aus.

Die Antworten, die wir für uns selbst auf diese Fragen finden, sind allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit von unseren Wünschen oder auch Ängsten beeinflusst. Den Gedanken, dass es kein Fortleben unserer Seele nach dem Tod gibt und dass danach alles aus ist, können die meisten Menschen nicht ertragen und die Vorstellung, dass es nach dem Tod so etwas wie ein Gericht gibt, rührt auch daher, dass die Menschen eine Motivation für moralisch bzw. ethisch richtiges Handeln suchen. Wenn gute Taten ohne Lohn blieben und schlechte Taten nicht bestraft würden, welchen Grund hätte der Mensch dann noch, Gutes zu tun? Zwar drängt das Gewissen des Menschen nach Ansicht des Psychoanalytikers Carl Gustav Jung von Natur aus auf das Gute hin, trotzdem wünscht sich der Mensch eine Belohnung, denn der richtige Weg ist auch oft der schwierigere.

Wenn es allerdings zu diesem Gericht kommt, haben die meisten Menschen bestimmt Schwierigkeiten, sich eindeutig einer Seite (Himmel oder Hölle, wenn man so will) zuzuordnen, denn auch der grundsätzlich gute Mensch hat in seinem Leben Fehler gemacht und Sünden begangen. Dieser Mensch fühlt sich, so wie er ist, dann vielleicht noch nicht bereit, Gott mit all seinen Fehlern und Schwächen gegenüber zu treten oder in eine Gemeinschaft mit ihm einzugehen. Es muss also noch etwas geben, was uns nach dem Tod bereit für Gott macht. So könnte man aus heutiger Sicht die Vorstellung eines Reinigungsortes oder Fegefeuers erklären.

Der Gedanke an das Fegefeuer lässt in uns allerdings oft sofort grausame Bilder von Feuer, Schmerzen und Qualen aufblitzen, obwohl uns unser Verstand gleichzeitig sagt, dass diese Vorstellungen veraltet sind. Doch obwohl uns die zum Teil mythisch beeinflussten Unterweltsvorstellungen heute befremdlich erscheinen, sind solche Ideen auf irgendeine Weise in uns verankert und stellen immer noch ein Thema dar. Deshalb ist es interessant, zu hinterfragen, wie diese Ideen überhaupt entstanden sind. Darauf soll in der folgenden Arbeit eingegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Die psychologische Notwendigkeit der Fegefeuerlehre aus heutiger Sicht

1. Die Eingliederung der Fegefeuertheorie in den biblischen Glauben

2. Der Begriff „Fegefeuer“

3. Der erste Keim der Fegefeuerlehre in den Visionsberichten der Märtyrerin Perpetua

3.1. Der geschichtliche Hintergrund

3.2. Die Dinocrates-Visionen

3.3. Die psycho-analytische Deutung

3.4. Die taufkatechetische Deutung

3.5. Ist der Aufenthaltsort des Dinocrates das Purgatorium?

3.6. Unterbewusste Beeinflussung durch heidnisch und christlich geprägte Bilder

4. Tertullians Vorstellungen von den Geschehnissen nach dem Tod

4.1. Zur Person des Tertullian

4.2. Tertullians Vostellungen über die Geschichte der ganzen Menschheit

4.3. Tertullians Vorstellung über die Geschichte des Einzelnen

5. Cyprians Vorstellungen von einem Reinigungsort

5.1. Zur Person des Cyprian

5.2. Cyprians Theorie entsteht aus einer “psychologische[n] und apologetische[n] Notwendigkeit” heraus.

5.3. Das Schicksal der Toten bei Cyprian

5.4. Cyprians Einstellung zum Umgang mit den Lapsi und die damit verbundene innerkirchliche Diskussion

5.5. Ep 55,20

6. Die Vollendung des Menschen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die psychologischen Hintergründe der Fegefeuerlehre. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie sich das Konzept des Purgatoriums von den ersten Visionen der Märtyrerin Perpetua über die Theologie von Tertullian und Cyprian bis hin zu einer modernen, psychologisch-theologischen Interpretation gewandelt hat.

  • Historische Entstehung und biblische Einordnung des Fegefeuer-Begriffs
  • Die Bedeutung der Visionsberichte der Märtyrerin Perpetua als früher Ansatzpunkt
  • Tertullians Modell des Jenseits und dessen Einfluss auf die spätere Lehre
  • Cyprians Vorstellung eines Reinigungsortes im Kontext der innerkirchlichen Debatten
  • Moderne Betrachtung des Purgatoriums als positiver Vollendungsprozess

Auszug aus dem Buch

3.2. Die Dinocrates-Visionen

“Ich sehe den Dinocrates aus einem finsteren Ort hervorkommen, wo noch mehr Leute waren, fieberglühend und durstig, mit ganz schmutzigem Antlitz, bleich und mit der Wunde im Gesicht, die er hatte, als er starb. Dieser Dinokrates war nämlich mein leiblicher Bruder gewesen, der mit sieben Jahren an einem Gesichtskrebs auf schreckliche Art zugrunde ging, so daß sein Tod allen Menschen ein Ekel und Grausen war. Für ihn hatte ich also gebetet, und zwischen mir und ihm war ein großer Abstand, so daß wir beide nicht zueinander konnten. Außerdem war an jenem Ort, wo Dinocrates stand, eine ‘piscina’ voll Wasser, deren Rand höher als der Knabe war, und Dinocrates streckte sich, wie um zu trinken. Ich aber empfand Schmerz darüber, daß zwar jene ‘piscina’ voll Wasser war, und er dennoch wegen des hohen Randes nicht trinken konnte. Und ich erwachte und erkannte, daß mein Bruder in Not sei, aber ich vertraute darauf, daß ich seiner Not werde abhelfen können, und betete für ihn alle Tage, bis wir zum Staatskerker hinübergebracht wurden; denn wir sollten im Amphitheater kämpfen. Damals war (gerade) der Geburtstag des Caesaren Geta. Und ich betete für jenen (Dinocrates), indem ich Tag und Nacht stöhnte und weinte, daß mir um seinet willen Erfüllung gewährt werde. Am Tag, an dem wir aber im Kerker verblieben, wurde mir Folgendes gezeigt: Ich sehe jenen selben dunkeln Ort, den ich damals gesehen hatte, (ganz hell) und Dinocrates mit reinem Körper wohlgekleidet sich erfrischend. Und wo die Wunde war, sehe ich eine Narbe und jene ‘piscina’, welche ich vorher sah, hatte ihren Rand bis auf Nabelhöhe des Knaben gesenkt, und er schöpfte daraus ohne Unterlaß, und auf deren Rand stand eine goldene Flasche voll Wasser, und Dinocrtes trat hinzu und begann aus ihr zu trinken, und sie wurde nicht leer. Befriedigt und erfeut ging er dann hin, um nach Art der Kinder zu spielen - und ich erwachte. Da verstand ich, daß er aus dem Ort der Strafe wegversetzt sei.”

Zusammenfassung der Kapitel

Die psychologische Notwendigkeit der Fegefeuerlehre aus heutiger Sicht: Das Kapitel führt in die menschliche Suche nach Sinn im Angesicht des Todes ein und verknüpft diese mit dem psychologischen Bedürfnis nach einem Ort der Reinigung.

1. Die Eingliederung der Fegefeuertheorie in den biblischen Glauben: Es wird erläutert, dass das Purgatorium kein direktes biblisches Konzept ist, sondern sich aus einem Wandel vom dualistischen zum dreiteiligen Jenseitsmodell entwickelte.

2. Der Begriff „Fegefeuer“: Dieses Kapitel untersucht die etymologische Herleitung des Begriffs und betont, dass die Lehre als jahrhundertelanger Prozess zu verstehen ist.

3. Der erste Keim der Fegefeuerlehre in den Visionsberichten der Märtyrerin Perpetua: Hier wird analysiert, wie Perpetuas Visionen ihres verstorbenen Bruders Dinocrates eine frühe Vorstellung von fürbittendem Gebet und Läuterung illustrieren.

4. Tertullians Vorstellungen von den Geschehnissen nach dem Tod: Das Kapitel beschreibt Tertullians zweigeteiltes Jenseitsmodell und dessen Rolle bei der Entwicklung der frühen Fegefeuervorstellungen.

5. Cyprians Vorstellungen von einem Reinigungsort: Die Arbeit zeigt auf, wie Cyprian durch seine Auslegung von Buße und Erlösung, insbesondere in seinen Briefen, den Gedanken der Reinigung expliziter formulierte.

6. Die Vollendung des Menschen: Das Abschlusskapitel interpretiert das Purgatorium heute nicht mehr als Ort der Qual, sondern als positiven Vollendungsprozess und Weg zur Gemeinschaft mit Gott.

Schlüsselwörter

Fegefeuer, Purgatorium, Jenseitsvorstellungen, Perpetua, Tertullian, Cyprian, Dinocrates-Visionen, Läuterung, Theologie des Todes, Lapsi, Eschatologie, christliche Lehre, Buße, Seelenheil, Vollendungsprozess.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung und die heutige Relevanz der Fegefeuerlehre, wobei der Fokus auf den frühen christlichen Textzeugnissen liegt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die biblische Einordnung, der Wandel von Jenseitsmodellen, die Rolle von Visionsberichten sowie die theologische Entwicklung durch Kirchenväter wie Tertullian und Cyprian.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Ursprung der Idee eines Reinigungsortes nach dem Tod zu hinterfragen und zu verstehen, warum diese Vorstellung psychologisch tief im Menschen verwurzelt ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-theologische Analyse, kombiniert mit psychologischen Deutungsansätzen, um die überlieferten Texte und Visionen zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Perpetua-Visionen, die Konzepte bei Tertullian sowie die spezifische Auslegung durch Cyprian in seinen Briefen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Purgatorium, Läuterung, Zwischenzustand und christliche Eschatologie stehen im Zentrum der wissenschaftlichen Auseinandersetzung.

Wie interpretierte Perpetua die Situation ihres verstorbenen Bruders Dinocrates?

Perpetua sah ihren Bruder in einem Zustand der Not, konnte ihm jedoch durch ihr Gebet helfen, sodass er aus einem leidvollen Ort in einen Zustand der Erfrischung und Erlösung gelangte.

Warum spielt die Rolle der Lapsi bei Cyprian eine wichtige Rolle für die Fegefeuerlehre?

Cyprian musste für die sogenannten Lapsi – Gläubige, die unter Verfolgungsdruck ihren Glauben verleugneten – eine Lösung finden. In seinen Antithesen deutete er einen jenseitigen Reinigungsort an, an dem diese ihre Schuld abbüßen können.

Was unterscheidet die moderne Sichtweise von der historischen Vorstellung des Fegefeuers?

Während historisch oft grausame Bilder von physischer Strafe und Pein vorherrschten, wird das Purgatorium heute primär als ein innerer Vollendungsprozess zur Vorbereitung auf die Gemeinschaft mit Gott verstanden.

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Details

Title
Die Entwicklung der Fegefeuerlehre in der Antike
College
University of Regensburg  (Katholische Theologie)
Course
Auferstehung und Jenseits im frühen Judentum, im Neuen Testament und im frühen Christentum
Grade
1,0
Author
Dr. phil Sandra Herfellner (Author)
Publication Year
2008
Pages
16
Catalog Number
V308436
ISBN (eBook)
9783668067387
ISBN (Book)
9783668067394
Language
German
Tags
Fegefeuer Purgatorium Antike Himmel Hölle Jenseits
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. phil Sandra Herfellner (Author), 2008, Die Entwicklung der Fegefeuerlehre in der Antike, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308436
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