DEMOKRATIE LEBEN. Aspekte zur Entwicklung einer pädagogischen Konzeption zur systematischen Förderung demokratischen Lernens


Fachbuch, 2015
50 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Inhalt ... 3

Vorwort ... 4

Einleitende Gedanken zur Thematik ... 5

1. Zum Begriff „Demokratie“ ... 9
1.1 „Demokratie“ als Staatsform ... 9
1.2 Zum Demokratiebegriff in der Erziehungswissenschaft ... 10
1.3 Demokratische Werte ... 11

2. Aspekte zur Entwicklung einer pädagogischen Konzeption „DEMOKRATIE LEBEN“ ... 14
2.1 Bereiche der zu entwickelnden pädagogischen Konzeption ... 14
2.1.1 Kompetenzen für das Leben von Demokratie ... 16
2.1.2 Erziehungsgrundsätze und methodische Aspekte ... 19
2.1.3 Altersgemäße und bedürfnisorientierte Programmgestaltung ... 22

3. Kennzeichnung und Praxis demokratischen Lernens ... 30
3.1 Orientierung an demokratischen Werten und Normen ... 32
3.2 Handeln nach demokratischen Werten und Normen ... 33
3.3 Überdenken des Handeln im Hinblick auf demokratische Werte und Normen ... 34

4. Abschließende Gedanken zum „Integrated Day“ ... 36

Literaturverzeichnis (einschließlich weiterführender Literatur) ... 37

Sachregister ... 43

Glossar ... 44

Der Autor ... 46

Vorwort

Im Jahr 2015 und in den nachfolgenden Jahren wird sich wegen des Flüchtlingsansturms der Bevölkerungsanteil an muslimischen Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland stark erhöhen. Da im Islam keine Trennung von Kirche und Staat besteht, werden die Menschenrechte im Allgemeinen von der Scharia abgeleitet; demokratische Rechte wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder die Meinungs- und Religionsfreiheit entsprechen oft nicht den Lebensgewohnheiten vieler Muslime.

Will man das Entstehen von Parallelgesellschaften in der BRD vermeiden, reichen Integrationshilfen wie die sprachliche Förderung, die berufliche Eingliederung oder die Schaffung von Wohnraum nicht aus. Eine soziale Integration in die demokratische Gesellschaft stellt sich als wichtige Aufgabe. Sie kann nur über ein gemeinsames Leben, das sich an demokratischen Werten orientiert, erreicht werden.

Um das Ziel eines friedlichen und demokratischen Zusammenlebens in unserer Gesellschaft zu erreichen, ist eine systematische Förderung demokratischen Lernens unerlässlich. Dies bedeutet in pädagogischer Hinsicht eine große Herausforderung im Bildungs- und Erziehungswesen.

Als Möglichkeit bietet sich an, an einem Nachmittag an öffentlichen Schulen einen „Integrationstag“ („Integrated Day“), der für alle verpflichtend sein sollte, einzuführen. An diesen Tagen des Schullebens, die frei von Hausaufgaben sein müssen, sollten für Schülerinnen und Schüler hoch motivierende Aktivitäten (Spiel- und Sportveranstaltungen, Abenteuerunternehmungen, interkulturelle Feste, Workshops, Projekte etc.), stattfinden, bei denen Demokratie gelebt wird. Eine Aus- und Fortbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter (Übungsleiter von Sportvereinen u. a.), vor allem über die Möglichkeiten einer Förderung demokratischer Verhaltensweisen (Werteerziehung), wäre im Hinblick auf eine erfolgreiche pädagogische Arbeit sinnvoll (vgl. S. 7f.).

In dieser Schrift werden Aspekte zur Entwicklung eines pädagogischen Handlungsmodells mit offenem Charakter zur Förderung des „Lebens von Demokratie“ in knapper Form dargestellt (Kompetenzen für das Leben von Demokratie, Erziehungsgrundsätze wie das interkulturelle Lernen oder das Erfahrungslernen, bedürfnisorientierte Programmgestaltung) sowie Gesichtspunkte zur Praxis demokratischen Lernens (Orientierung an demokratischen Werten und Normen beim Handeln etc.) thematisiert.

Einleitende Gedanken zur Thematik

Eine systematische Förderung der Demokratiefähigkeit in den öffentlichen Schulen und Bildungsinstitutionen (vom Kindergarten bis zur Hochschule) ergibt sich aus der gesellschaftlichen Situation, die eine Gefährdung der Demokratie erkennen lässt.

Zwar hat es schon immer Einbruchs- oder Gewaltdelikte gegeben, die Häufigkeit und die Brutalität, mit der personale Gewalt heute ausgeübt wird, hat aber eine „neue Qualität“ (Heiko Maas) erreicht. Daneben existiert in unserer Gesellschaft auch ein „strukturelle Gewalt“ (Galtung), die unter anderem durch eine Unterdrückung von Minderheit, durch Armut und ökonomische Abhängigkeit, durch eine „verantwortungslose Ausbeutung von Ressourcen oder durch eine Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen“ (vgl. Gerr 2000, S. 101) gekennzeichnet ist.

Menschenrechtsverletzungen finden heute täglich in unserem gesellschaftlichen Leben statt. In jüngster Zeit sind es vor allem rechtsextremistische Aktivitäten – sie sind häufig rassistisch motoviert – sowie linksradikale Gewalttaten, die eine Bedrohung darstellen; der Terror islamistischer Fundamentalisten in den europäischen Staaten stellt heute eine reale Bedrohung dar.

Es sind aber auch Tendenzen erkennbar, dass durch die Politik selbst eine Gefährdung der freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung ausgeht, so beispielsweise durch Einschränkung der Persönlichkeitsrechte und durch eine systematische Speicherung privater Daten. Ebenso wird die Demokratie durch eine lückenlose Überwachung der globalen Kommunikation durch deutsche oder andere Geheimdienste (NSA etc.) gefährdet.

Der in unserem Staat existierende intransparente Lobbyismus entzieht sich häufig – auch durch eine Verlagerung von Zuständigkeiten nach Brüssel – einer Kontrolle durch demokratisch legitimierte Institutionen. Geheimverhandlungen (über TTIP, TISA, CETA), die unter dem starken Einfluss großer Konzerne stattfinden, widersprechen fundamentalen demokratischen Prinzipien und bedeuten eine Aushöhlung der parlamentarischen Demokratie.

Diese wenigen Beispiele weisen bereits auf eine Notwendigkeit verstärkter pädagogischer Anstrengungen bezüglich einer systematischen Förderung demokratischer Lernprozesse hin.

Eine weitere Gefährung der Demokratie kann sich auch durch die Migrationsbewegungen, die ein globales Phänomen sind, ergeben. Flüchtlingsströme aus Ländern wie Syrien, Pakistan, Afghanistan, Iritrea, Somalia oder dem Nordirak nach Europa haben im Jahr 2015 ein bisher unvorstellbares Ausmaß erreicht. Das bedeutet für die Bundesrepublik Deutschland, dass sich der Anteil muslimischer Bürger in den nächsten Jahren stark erhöhen wird.

Eine säkulare Auffassung von Glaubensfragen besitzen die meisten Muslime nicht. Koran und Sunna regeln Rechte und Pflichten der Gläubigen und sind die Basis für die Verhaltensregeln. Bei orthodoxer islamischer Sichtweise wird eine Trennung von privatem und religiösem Leben nicht gesehen; Menschenrechte werden von der Scharia abgeleitet; diese wird als göttliche Ordnung gesehen und bildet die Rechtsgrundlage für das Zusammenleben der Muslime.

Selbst bei liberaler Auslegung der Scharia kann es zu Konflikten bezüglich der Rechtsauffassung (beispielsweise im Hinblick auf die Rechte der Frau im demokratischen Rechtsstaat und der im Islam) kommen.

Das in der BRD geltende Verfassungsrecht sowie die Grundprinzipien demokratischer Ordnungs- und Wertvorstellungen dürfen nicht in bestimmten Bevölkerungsgruppen vom islamischen Recht (Scharia) abgelöst werden. Die „freiheitliche demokratische Grundordnung“ (fdGO) muss von allen Bürgerinnen und Bürgern, unabhängig von ihrem Glauben oder kulturellen Lebensgewohnheiten, respektiert werden.

„Toleranz“ als demokratischer Wert hat deshalb da seine Grenzen, wo wegen einer Glaubensauffasssung Grundrechte wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder Meinungs- und Religionsfreiheit verletzt werden.

Wie bereits im Vorwort erwähnt, dürfen sich deshalb Integrationshilfen nicht nur auf die Förderung von Deutschkenntnissen, auf die Schaffung von Wohnraum oder auf die berufliche Ausbildung und Eingliederung beschränken. Will man das Entstehen von Parallelgesellschaften verhindern, so ist eine soziale Integration aller Menschen in unser demokratisches Gemeinwesen von fundamentaler Bedeutung.

Will man in der Bundesrepublik Deutschland und auch in Europa den Fortbestand der Demokratie nicht aufs Spiel setzen, so muss mit der Bewältigung wichtiger Aufgaben unverzüglich begonnen werden. Gerade in der gegenwärtigen Situation ist die „Wehrhaftigkeit“ des demokratischen Staates gefragt.

Für das Erziehungssystem bedeutet das, dass in den öffentlichen Schulen und Erziehungseinrichtungen eine systematische Förderung demokratischen Lernens zur Leitlinie allen pädagogischen Handelns erhoben werden muss.

In dieser Schrift sollen Gesichtspunkte für das Entwickeln einer geeigneten pädagogischen Konzeption zur Förderung demokratischer Lernprozesse in den öffentlichen Schulen und Erziehungsinstitutionen aufgezeigt werden.

In einem herkömmlichen Unterricht mit seinen meist fachlich orientierten Lerninhalten und festgelegten Lernpensen kann man zwar durch eine entsprechende didaktische Gestaltung der Unterrichtsarbeit demokratisches Lernen anregen, eine gezielte systematische Förderung der Schülerinnen und Schüler zu einem Handeln, das sich an demokratischen Werten und Normen orientiert, dürfte aber meist nur ansatzweise gelingen, zumal ein pädagogischer Freiraum nicht von allen Lehrkräften genutzt wird. In den weiterführenden Schulen steht ein solcher Freiraum wegen der zu bewältigenden Stofffülle in der Praxis nicht immer zur Verfügung.

Als Erfolg versprechender Weg würde sich anbieten, einen Nachmittag als „Tag des Schullebens“ an allen öffentlichen Schulen einzuführen, an dem im Mittelpunkt der gemeinsamen Unternehmungen das „Leben von Demokratie“ steht.

Dieser Tag könnte auch als „Integrationstag“[1] für die Eingliederung der Kinder und Jugendlichen aus den Flüchtlingsfamilien in das demokratische Gemeinwesen von Bedeutung sein.

Größere Aktionen könnten (mit einer Einverständniserklärung der Eltern und mit entsprechender Absicherung einer Gemeindeversicherung) an einigen Wochenenden stattfinden.

Die Teilnahme am „Integrated Day“ sollte für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend sein, wobei die Aktivitäten bedingt frei gewählt werden könnten. Die Programme (Inhalte), die nicht von den Erwachsenen vorgegeben, sondern gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen zu entwickeln sind, sollten sich an den altersspezifischen Interessen und Bedürfnissen orientieren. Damit wird gewährleistet, dass durch die große Attraktivität der Unternehmungen alle zur aktiven Beteiligung motiviert werden.

Unter anderem bieten sich Workshops zu verschiedenen Bereichen, Spielnachmittage, sportliche Aktivitäten, abenteuerliche Unternehmungen, Geländespiele und Erkundungswanderungen, kreatives Gestalten, Singen und Musizieren, Werkarbeiten, soziale Projekte oder selbst gestaltete Feiern und interkulturelle Feste an.

Die Freude und der Spaß am gemeinsamen Tun sollte für Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt dieser Tage stehen; den pädagogisch Verantwortlichen kommt die methodische Aufgabe zu, die Tage so zu gestalten, dass das Leben und Erleben von demokratischen Werten ermöglicht wird.

Ohne ehrenamtliche und Mithilfe, beispielsweise von Übungsleitern örtlicher Sportvereine, Jugendleiterinnen und Jugendleitern von kirchlichen und freien Jugendverbänden oder interessierten Eltern, dürfte die Entwicklung eines solchen pädagogischen Modells und die Umsetzung des „Integrated Day“ mit Schwierigkeiten verbunden sein. Ferner ist bei ehrenamtlicher Tätigkeit eine theoretische und praktische Schulung von großer Bedeutung sowie eine Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern sinnvoll.

Unter anderem müssen Qualifikationen erworben oder erweitert werden in relevanten Bereichen wie der Spielpädagogik oder der Durchführung von Projekten, die sich besonders gut für die Förderung sozialer und demokratischer Lernprozesse eignen.

Die Förderung der „Demokratie als Lebensform“ bleibt eine ständige erzieherische Herausforderung. Will man antidemokratischen Tendenzen in den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen begegnen, so ist neben politischen und anderen Aufgaben auch ein schnelles pädagogisches Handeln dringend erforderlich.

In dieser Schrift soll kein fertiges Konzept vorgestellt, sondern Anregungen für die Entwicklung eines offenen Modells gegeben werden.

1. Zum Begriff „Demokratie“

Der Begriff „Demokratie“ kann unterschiedlich interpretiert werden. Vor dem Eingehen auf Aspekte zur Entwicklung einer pädagogischen Konzeption für eine systematische Förderung demokratischer Lernprozesse in den öffentlichen Schulen und Erziehungsinstitutionen ist deshalb eine terminologische Klärung von Bedeutung. Weiterhin ist die Frage zu stellen, was demokratische Werte sind, an denen man sich beim Leben von Demokratie orientieren sollte.

1.1 Demokratie als Staatsform

Der Terminus „Demokratie“ wird im Allgemeinen in Verbindung mit einer Staatsform gebracht. Der aus dem Griechischen stammende Begriff setzt sich aus „démos“ („Volk“) und „kratia“ („Herrschaft“) zusammen und bedeutet „Volksherrschaft“. Im antiken Griechenland bezeichnete der Begriff die „direkte Volksherrschaft“, wobei nur die Männer das Privileg besaßen, an den Volksversammlungen teilnehmen zu dürfen.

Heute wird der Terminus „Demokratie“ vor allem als Sammelbegriff für Herrschaftsformen wie „direkte“ oder „repräsentative“ Demokratie benutzt. In diesem Sinne will „Demokratie“ verdeutlichen, dass die Staatsgewalt unmittelbar oder mittelbar vom Volk ausgeübt wird.

Grundlegende Bedeutung für die Entwicklung der modernen Demokratien hatten die Lehren Jean Jacques Rousseaus (1712 – 1778) von der Volkssouveränität als einem unveräußerlichen und unteilbaren Recht des Volkes.

In seinem im Jahre 1762 in Amsterdam erschienenen Werk „Du contrat social ou Principes du droit politique“ („Vom Gesellschaftsvertrag oder Prizipien des Staatsrechts“) entwickelte Rousseau eine Lehre von der Volkssouveränität. Er stellte den Gemeinwillen (volonté générale) als Recht gegenüber einem absolutistischen Staat heraus. Damit wurde Rousseau zum geistigen Wegbereiter der Französischen Revolution. Der Staat wird als „Gesellschaftsvertrag“, der von freien Bürgern geschlossen wird, aufgefasst; im „contrat social“ vollzieht sich die freiwillige Vereinigung der Einzelwillen zu einem Gesamtwillen. Rousseau fordert eine Verfassung, in der die „natürliche und unveräußerliche Freiheit“ in Einklang mit Ausübung staatlicher Gewalt zu bringen ist (vgl. Rousseau 1977, S. 17 ff.).

Auf dem von Rousseau geprägten Begriff „Volkssouveränität“ gründet sich auch die gegenwärtige Legitimation von allgemeinen Wahlen und Volksentscheiden. Aus diesem Recht kann der demokratische Grundsatz einer „Herrschaft der Mehrheit“ des Gemeinwesens abgeleitet werden. In der Bundesrepublik Deutschland hat man sich nicht für eine unmittelbare, sondern für eine repräsentative, parlamentarische Demokratie entschieden. Die demokratische Ordnung ist im Grundgesetz (GG) verankert.

1.2 Zum Demokratiebegriff in der Erziehungwissenschaft

Der Terminus „Demokratie" kann aber nicht nur im Sinne einer Staatsform, sondern auch als pädagogischer Fachbegriff interpretiert und verwendet werden.

So benutzt John Dewey (1859-1952), der wohl wichtigste Vertreter des philosophischen Pragmatismus, in seinem Hauptwerk „Demokratie und Erziehung“ (1916) den Begriff im pädagogischen Sinne. Im Vorwort zur deutschsprachigen Ausgabe von 1993 bezeichnet Jürgen Oelkers diese wichtige Schrift im Hinblick auf eine Überwindung von „totalitären Ansätzen der Pädagogik“ als ein „Schlüsselwerk der internationalen Reformpädagogik“ (vgl. S. 3 f.). Die Bedeutung dieses wegweisenden Werks wurde in Deutschland über lange Zeit kaum wahrgenommen.

Die Termini „Erziehung“ und „Demokratie“ sind in der philosophischen Pädagogik John Deweys – im Gegensatz zur traditionellen Pädagogik – aufeinander bezogen.

Dewey rückt ab von den platonischen Grundlagen einer idealistischen Pädagogik, die durch Festlegung von verbindlichen Erziehungszielen den Heranwachsenden in eine Richtung steuern will, die staats- bzw. gesellschaftskonform ist.

In seinem „Nachwort zur Neuausgabe“ von „Demokratie und Erziehung“ (1993, S. 503) schreibt Jürgen Oelkers zu John Deweys „pädagogischer Wendung“: „Die Idee ist, ‚Erziehung’ als demokratische Erfahrung zu begründen, wie andererseits ‚Demokratie’ als Medium der Erziehungserfahrung zu verstehen. Erziehung ist nicht Funktion oder Instrument der Politik, sondern sie verwirklicht sich als Demokratie. Dabei sind Schulen embryonale Orte der Gesellschaft, nicht Anstalten des Staates.“

Demokratie“ wird von Dewey also nicht als „Regierungsform“, sondern als „Form des Zusammenlebens“ interpretiert (Dewey 1916). Für Dewey ist erst in einer demokratischen Umgebung Erziehung möglich, was sich für ihn in der Schule in der „Mitbestimmung der Schüler“ zeigt (vgl. Bohnsack 1979, S. 93f.). Auch das pädagogische Begleiten ist seiner „Grundtendenz nach ein demokratisches Geschehen“ und zeigt sich in der Achtung der pädagogischen Begleiterinnen und Begleiter (Lehrerinnen und Lehrer) vor der Individualität der Kinder und Jugendlichen (vgl. Gerr 1998, S. 71). Weil Lernen immer auch „Wahrnehmungslernen“ (Tausch/Tausch) bedeutet , ist der demokratische Erziehungsstil der angemessene.

„Erziehung“ sieht Dewey als „Höherentwicklung des Individuums“ (heute spricht man von „Persönlichkeitsförderung“). „Demokratie“ wird von ihm als „Höherentwicklung der sozialen Umwelt“ umschrieben (vgl. Hänsel 1986, S. 32).

1.3 Demokratische Werte [2]

Als zentralen demokratischen Wert kann man das „Leben“ ansehen; von ihm können alle weiteren demokratischen Werte und damit auch Normen (Verhaltensregeln) abgeleitet werden (vgl. Gerr 1998, S. 60).

[...]


[1] Der Begriff bezeichnete ursprünglich ein Modell freien Lernens an englischen Primarschulen.

[2] Der Text auf den Seiten 11 bis 13 wurde abschnittweise aus dem Buch „Erziehung zum gewaltfreien Handeln“ entnommen (Gerr 2015a, S. 40-42).

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
DEMOKRATIE LEBEN. Aspekte zur Entwicklung einer pädagogischen Konzeption zur systematischen Förderung demokratischen Lernens
Autor
Jahr
2015
Seiten
50
Katalognummer
V308797
ISBN (eBook)
9783668072916
ISBN (Buch)
9783668072923
Dateigröße
2798 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demokratie als Lebensform, demokratische Werte und Normen, Konzeption zur sozialen Integration von Flüchtlingen, demokratisches Lernen, bedürfnisorientierte attraktive Lerninhalte, demokratische Kompetenzen
Arbeit zitieren
Dr. phil. Hans E. Gerr (Autor), 2015, DEMOKRATIE LEBEN. Aspekte zur Entwicklung einer pädagogischen Konzeption zur systematischen Förderung demokratischen Lernens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308797

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