Die pädagogische Konzeption wurde zur systematischen Förderung demokratischen Lernens entwickelt. An einem wöchentlich stattfindenden Inklusionstag, an dem alle örtlichen Schulen beteiligt sind, soll gemeinsam "Demokratie gelebt" werden. Beim Projekthandeln wird die Bildung von Kleingruppen mit gewählten Gruppensprechern empfohlen; diese vertreten die Interessen und Bedürfnisse der Kleingruppenmitglieder im Projektrat, dem neben den Gruppensprecherinnen auch die erwachsenen pädagogischen Begleiter(innen) angehören. Über die im Projektrat erarbeiteten Planungen und Handlungsschritte sowie eingebrachten Änderungsvorschläge wird dann bei der Projektversammlung von allen auf demokratischem Wege entschieden.
Bei den überschulisch organisierten Projekttagen mit hoch motivierenden Aktivitäten, an denen auch Erfahrungen mit der Inklusion gewonnen werden können, ist die enge Verbindung von Wert-, Handlungs- und Reflexionsorientierung das zentrale didaktische Prinzip.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitende Gedanken zur Thematik
1. Zum Begriff „Demokratie“
1.1 „Demokratie“ als Staatsform
1.2 Zum Demokratiebegriff in der Erziehungswissenschaft
1.3 Demokratische Werte
2. Aspekte zur Entwicklung einer pädagogischen Konzeption „DEMOKRATIE LEBEN“
2.1 Bereiche der zu entwickelnden pädagogischen Konzeption
2.1.1 Kompetenzen für das Leben von Demokratie
2.1.2 Erziehungsgrundsätze und methodische Aspekte
2.1.3 Altersgemäße und bedürfnisorientierte Programmgestaltung
3. Kennzeichnung und Praxis demokratischen Lernens
3.1 Orientierung an demokratischen Werten und Normen
3.2 Handeln nach demokratischen Werten und Normen
3.3 Überdenken des Handeln im Hinblick auf demokratische Werte und Normen
4. Abschließende Gedanken zur Demokratiepädagogik und zum „Inklusionstag“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein pädagogisches Handlungsmodell für öffentliche Schulen zu entwickeln, das eine systematische Förderung der Demokratiefähigkeit durch handlungsorientierte Lernprozesse und die Etablierung eines demokratischen Schullebens ermöglicht.
- Entwicklung einer pädagogischen Konzeption zur Förderung des "Lebens von Demokratie"
- Einführung des "Inklusionstages" als Lernort für Demokratie
- Förderung von Selbst- und Sozialkompetenzen durch Erfahrungslernen
- Bedeutung der Reflexion und Wertorientierung für den Lernprozess
- Strukturierung von demokratischen Entscheidungsprozessen und Projekthandeln
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Kompetenzen für das Leben von Demokratie
Für die Gestaltung eines demokratischen Zusammenlebens in unserer Gesellschaft werden Kompetenzen benötigt, die formuliert und durch ein aufbauendes Erfahrungslernen im Schulleben systematisch zu fördern sind (vgl. Schema 2!). In den Ausführungen werden nicht alle Aspekte thematisiert.
Demokratiefähigkeit umfasst verschiedene Kompetenzbereiche, die teilweise aufeinander aufbauen; unter anderem können folgende Bereiche unterschieden werden:
Wahrnehmungsfähigkeit: Im Kindesalter ist die Förderung der Sinne von fundamentaler Bedeutung, denn sie bildet die Grundlage für alle Operationen, Lern- und Erziehungsprozesse (beispielsweise für analytische und motorische Fähigkeiten oder auch für das soziale Lernen) – (vgl. Gerr 1998, S. 102).
Selbstkompetenz und sozial-emotionale Kompetenzen: Dieser Bereich umfasst wesentliche Fähigkeiten einer Persönlichkeitsförderung. Zur Förderung der Ich- oder Selbstkompetenzen gehören unter anderem die Fähigkeiten, Selbstvertrauen aufzubauen, die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen, eigene Gefühle wahrzunehmen und authentisch auszudrücken, Selbständigkeit und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen sowie Entscheidungsfähigkeit zu erlangen. Zu den Sozialkompetenzen (sie bilden auch die Voraussetzungen für eine Teamfähigkeit) gehören unter anderem die Fähigkeiten der Kontaktaufnahme und der Kooperation, der Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft, der Konfliktlösung mit angemessenen Mitteln, der Sprache und die Empathie (vgl. Gerr 2014, S. 14).
Zusammenfassung der Kapitel
Zum Begriff „Demokratie“: Dieses Kapitel erläutert den Demokratiebegriff sowohl als Staatsform als auch als pädagogischen Fachbegriff im Sinne John Deweys und definiert zentrale demokratische Werte.
Aspekte zur Entwicklung einer pädagogischen Konzeption „DEMOKRATIE LEBEN“: Hier werden die methodischen Grundlagen, die benötigten Kompetenzen sowie altersgemäße Programmgestaltungen für das Konzept vorgestellt.
Kennzeichnung und Praxis demokratischen Lernens: Dieses Kapitel beschreibt die praktische Umsetzung durch die Integration von Handeln, Orientierung an Werten und Reflexion, insbesondere durch Projekte an sogenannten Inklusionstagen.
Abschließende Gedanken zur Demokratiepädagogik und zum „Inklusionstag“: Der Autor resümiert die Bedeutung einer systematischen Demokratieförderung und plädiert für die Einführung schulischer Mitbestimmungsformen wie Schülerparlamente und Klassenräte.
Schlüsselwörter
Demokratie, Demokratiefähigkeit, Demokratiepädagogik, Inklusionstag, Projekthandeln, Erfahrungslernen, Handlungsorientierung, Werteerziehung, Selbstkompetenz, Sozialkompetenz, Interkulturelles Lernen, John Dewey, Schülerparlament, Reflexion, Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Umsetzung eines pädagogischen Modells zur systematischen Förderung von Demokratiefähigkeit an öffentlichen Schulen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Erfahrungslernen, die Vermittlung demokratischer Werte, der Aufbau von Selbst- und Sozialkompetenzen sowie die Förderung eines demokratischen Miteinanders in einer multikulturellen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Skizzierung eines pädagogischen Konzepts, das durch handlungsorientierte Projekte und ein demokratisches Schulleben Kindern und Jugendlichen hilft, Demokratie als Lebensform zu verinnerlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf theoretische Grundlagen der Reformpädagogik (insbesondere John Dewey), Erziehungspsychologie und aktuelle gesellschaftliche Analysen, um ein anwendungsorientiertes Handlungsmodell zu deduzieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Kompetenzbereiche der Demokratiefähigkeit, stellt Erziehungsgrundsätze wie Bedürfnisorientierung und Handlungsorientierung vor und konkretisiert die Praxis durch Projektstrukturen wie den Inklusionstag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Demokratiefähigkeit, Inklusionstag, Projekthandeln, Erfahrungslernen, Wertebildung und soziale Kompetenz.
Was genau ist der „Inklusionstag“ im Modell des Autors?
Der Inklusionstag ist ein wöchentlich stattfindendes, schulübergreifendes Projekt, das frei von Hausaufgaben ist und in dem Schüler selbstbestimmt Projekte und Aktivitäten gestalten, um soziale Integration und Demokratie zu leben.
Warum spielt die „Reflexion“ eine so große Rolle?
Laut dem Autor führen Erlebnisse erst durch eine gedankliche Aufarbeitung (Reflexion) zu echten, authentischen Erfahrungen, die eine bewusste Verhaltensänderung im Hinblick auf demokratische Werte ermöglichen.
Welche Rolle spielen Klassenrat und Schülerparlament?
Diese Gremien dienen als demokratische Organisationsformen, um Mitbestimmung im Schulalltag zu verankern und den Schülern zu ermöglichen, Verantwortung für ihr eigenes Lernen und die Gestaltung des Schullebens zu übernehmen.
- Quote paper
- Dr. phil. Hans E. Gerr (Author), 2024, DEMOKRATIE LEBEN. Aspekte zur Entwicklung einer pädagogischen Konzeption zur systematischen Förderung demokratischen Lernens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308797