Islamic Banking. Ein Erfolgsmodell?


Akademische Arbeit, 2007
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abkürzungserläuterungen

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Begriffsbestimmung und Ziel der Arbeit
1.3 Vorgehensweise und Abgrenzung
1.4 Recherche

2 Erfolgsnachweise des Islamic Bankings
2.1 Betrachtung der Kapitalmärkte aus korantreuer Sicht
2.2 Weitere Erfolgsnachweise für Islamic Finance

3 Das schariakonforme Leistungspotential der Deutschen Bank Gruppe

4 Fazit, Bewertung und Ausblick
Glossar V
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis VII

5 Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur) VIII

Internetquellenverzeichnis

Abkürzungserläuterungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

„Eine Investition in Wissen

bringt noch immer die besten Zinsen.“ (Benjamin Franklin)

In einem toleranten Sozialstaat wie der Bundesrepublik Deutschland aufgewachsen zu sein be- deutet auch, sich mit anderen Religionen und Weltanschauungen zu befassen. Im Religionsun- terricht der Schulzeit wurde bereits diskutiert, dass es auch im mittelalterlichen europäischen Christentum ein Zinsverbot respektive Wucherverbot gab. Die Vereinnahmung von Zinsen war den jüdischen Kaufleuten vorbehalten. Gleichwohl verschwand dieses mittelalterliche Zinsver- bot, offiziell im 19. Jahrhundert, aus dem heutigen - in der Neuzeit entstandenen - konventio- nellen Bankensystem.1

Während meines Studiums las ich zunächst in einem Zeitungsartikel über ein islamisches Bankenwesen, das noch immer ein Zinsverbot vorsieht. Dies machte mich neugierig und bei einem Praktikum bei der Deutschen Bank in Singapur konnte ich viele Fragen klären. Durch meinen Kontakt dort zu einem pakistanischen Moslem in meinem Team erfuhr ich praxisnah, was korantreues Banking ist. Darüber hinaus führte die Deutsche Bank kurz vor Beginn meines Praktikums im asiatisch-pazifischen Raum ihre schariakonforme Fondsfamilie ein, mit der ich mich ebenfalls näher beschäftigte. Schließlich wurde mein Interesse nicht zuletzt dadurch geweckt, dass die Thematik „Islamic Finance“ in der Vorlesungsreihe Wirtschaftsethik, im Studiengang Bank, an der Berufsakademie Karlsruhe behandelt wurde.

Christoph Biermeier

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Der Anteil der Bevölkerung in Europa, der aufgrund seiner religiösen Überzeugung nach den Vorschriften des Islams lebt, ist bei Tätigung von Finanztransaktionen durch diese Vorschriften eingeschränkt und dadurch von der Inanspruchnahme bestimmter konventioneller Bankprodukte ausgeschlossen. Anfang 2007 umfasste diese Gruppe weltweit ein Fünftel (1,31 Milliarden)2 aller 6,53 Milliarden3 Menschen; in Deutschland leben 3,05 Millionen4 Muslime. Abb. 1 zeigt den prozentualen Anteil der islamischen Bevölkerung aller Länder.

Abb. 1: Die muslimische Welt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an [McKinsey (2005)] S. 2.

Aufgrund bestimmter Passagen der heiligen Schrift der Muslime - des Korans - und des allge- meinen islamischen Rechtsverständnisses - der Scharia - unterliegt ein muslimischer Kauf- mann, der sein Unternehmen nach den Maßgaben des Islam führt, Investitions- und Finanzie- rungsrestriktionen, die vom konventionellen westlichen Bankwesen abweichen. Islamisch ge- führte Unternehmen sind durch die Restriktionen oft gezwungen,

schariauntreue Geschäfte einzugehen oder Banktransaktionen vollständig zu vermeiden. Is- lamic Banking setzt an dieser Stelle an und offeriert seinen Kunden bedarfsgerechte und durch- dachte Produkte, die schariakonform sind. Es schließt eine Lücke in der Aufstellung des Ban- kenwesens.5

Dabei ist Islamic Banking nicht eine Art des Bankgeschäftes, das ausschließlich von islamischen Banken angeboten werden muss und wird. Im Gegenteil, auch westliche Banken können zum eigenen Vorteil islamkonforme Produkte und Lösungen anbieten und einige Institutionen haben diesen Gedanken auch bereits in die Praxis umgesetzt.

In den letzten dreißig Jahren hat sich nach der Gründung der ersten islamischen Bank im Jahre 1963 in Ägypten der islamische Zweig in der Bankenwelt eigenständig entwickelt.6 Darüber hinaus haben in den letzten drei bis fünf Jahren viele international tätige Finanzinstitute, wie Citigroup, Deutsche Bank, HSBC, UBS etc., Tochtergesellschaften oder Niederlassungen im Nahen, Mittleren und Fernen Osten gegründet, um sich dort auf schariakonforme Bankge- schäfte zu spezialisieren.7 Dieser Bankenzweig wächst jährlich mit zweistelligen Prozentraten und wird derzeit auf ein Volumen zwischen 500 und 700 Mrd. US$ geschätzt. Die Ratingagen- tur Standard & Poors geht davon aus, dass der Markt mittelfristig ein potentielles Volumen von 4.000 Mrd. US$ erreichen wird.8 Es stellt sich daher die Frage, ob es für westliche Finanzinsti- tutionen ratsam wäre, neue Finanzlösungen zu konstruieren und Niederlassungen in den Kern- regionen um die arabische Halbinsel und den asiatisch-pazifischen Raum zu gründen (vgl. Abb. 1).

1.2 Begriffsbestimmung und Ziel der Arbeit

Islamic Economics, das islamische Verständnis von Ökonomie, steht am Anfang der Betrach- tungen dieser Arbeit. Wesentlicher Bestandteil dieses islamischen Wirtschaftssystems ist der Bankensektor; er wird in der Fachterminologie als Islamic Banking bezeichnet. Ein weiterer Begriff, der in dieser Arbeit synonym für Islamic Banking verwendet wird, ist Islamic Finance - das islamische Finanzwesen.

Im Großen und Ganzen ist es so, dass islamische Finanzierungstätigkeiten nur Firmenkunden vorbehalten sind. Aus diesem Sachverhalt ergibt sich der in der Überschrift dieser Arbeit ver- wendete Begriff: Islamische Investition & Finanzierung. Darunter soll im Folgenden die Unternehmensfinanzierung und -investition unter Berücksichtigung des islamischen Rechtsverständnisses verstanden werden.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es zu überprüfen werden, ob sich durch das Befolgen der Scha- ria-Richtlinien signifikante Nachteile für einen Anleger ergeben. Anschließend daran wird noch kurz das das schariakonforme Leistungspotential der Deutschen Bank Gruppe vorgestellt.

1.3 Vorgehensweise und Abgrenzung

Arabische Begriffe, die nicht im Deutschen verwendet werden, sind im Glossar auf Seite V dieser Arbeit erläutert. Im Fließtext sind sie in kursiver Schrift gehalten. Dies soll den Einstieg in das zum Teil ungewohnte Vokabular erleichtern. Immer dann, wenn eine Überset- zung zu Missverständnissen führen könnte, wird anstelle einer deutschen Übersetzung der eng- lische Fachterminus, der in der Finanzwelt und einschlägigen Literatur inzwischen allgemein anerkannt ist, benutzt.

Der Islam samt dem damit verbundenen Rechtsverständnis ist sehr komplex. Es würde den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen, auf alle Einzelheiten desselben einzugehen. Daher werden im Folgenden nur die allgemeinen Gedanken und Entwicklungen des Islams dargestellt, sofern sie zum Verständnis des islamischen Bankwesens und seiner Chancen für das konventionelle Banksystem erforderlich sind.

1.4 Recherche

Zur Informationsbeschaffung wurde eine Vielzahl von Medien herangezogen. Zunächst standen Gespräche mit Kollegen bei der Deutschen Bank Dubai und Singapur und die Suche nach geeigneten Informationen im Internet im Vordergrund. Besonders anlässlich eines Praktikums in Singapur im Jahre 2007 hatte der Autor Gelegenheit, im Gespräch mit Bankern, die sich bereits mit schariakonformen Transaktionen auseinandergesetzt hatten, zu informieren. Danach wurde das Internet als Quelle möglichst aktueller Informationen zum Thema betrachtet. Es gilt allerdings festzuhalten, während das Internet grundsätzlich eine Fülle von Informationen bietet, dass die Verlässlichkeit der Quellen stets sorgfältig geprüft werden muss.

Im nächsten Schritt wurde das Literaturangebot zur Thematik sondiert und eingehend studiert. Dieser Schritt ist besonders für das Verständnis der theoretischen Grundlagen des islamischen Ökonomiegedankens von großer Bedeutung. Grundsätzlich gibt es relativ wenig spezifische Literatur zum islamischen Bankenwesen. Vielmehr betrachtet ein Großteil der Fachbücher die Thematik eher auf der Ebene einer umfassenden Ökonomie. In der Literatur ist die konkrete Umsetzung und Beschreibung eines islamischen Bankensystems selten Gegenstand der Betrachtungen. Der wesentliche Teil der einschlägigen Literatur ist in Englisch und Arabisch verfasst. Darüber hinaus haben sich fast alle namhaften Finanzinstitutionen mit der Thematik befasst und bieten entsprechende, zum Teil besonders hochwertige Broschüren, Handbücher und spezielle Internetpräsenzen an.

2 Erfolgsnachweise des Islamic Bankings

2.1 Betrachtung der Kapitalmärkte aus korantreuer Sicht

Im Folgenden soll überprüft werden, ob sich durch das Befolgen der Scharia-Richtlinien signifikante Nachteile für einen Anleger ergeben.

Harry M. Markowitz publizierte im Jahre 1952 die kapitalmarkttheoretische Grundlagenarbeit (Portfolio Selection) über die Vorteile der Diversifikation. In seiner Theorie, die bis heute als Status quo der Kapitalmarktforschung gilt, beschreibt er, welche Vorteile durch Diversifikation in Bezug auf ein Portfoliorisiko entstehen. Seiner Theorie zufolge halten alle Kapitalmarkta- genten wohl diversifizierte Portfolios.9 Für einen gläubigen Moslem ist nur die Investition in Aktien erlaubt, die halal sind. Aus diesem Grund erscheint es für einen islamischen Anleger schwierig, ein wohl diversifiziertes Portfolio zu halten. Dies könnte eine geringere Rendite als das Marktportfolio10 implizieren und würde den Anleger schlechter stellen als konventionelle Kapitalmarktanleger.

Um herauszufinden, ob schariatreue Kapitalmarktanleger in der Vergangenheit signifikant benachteiligt wurden, soll eine Auswahl der Dow Jones Islamic Market Indicefamilie (DJIM) mit der jeweiligen Benchmark verglichen werden.

Die DJIM-Indices wurden 1999, als die ersten islamischen Indices, vorgestellt. Mittlerweile besteht die Familie aus 70 verschiedenen Indices und umfasst so ein weites Feld des schari- akonformen Anlageuniversums.11 Das Dow Jones Scharia-Überwachungskomitee begutachtet dazu ständig die Zusammenstellungen und Einhaltung der islamischen Richtlinien und die Übereinstimmungen mit den Fatwas.

[...]


1 Zum Zins im Christentum s. [Waibl (2004)] S. 12ff.

2 Vgl. [CIA (2007)] „World Factbook”.

3 Vgl. [CIA (2007)] „World Factbook”.

4 Vgl. [CIA (2007)] „World Factbook”.

5 Vgl. [PWC (2005)] S. 2.

6 Vgl. [Premchand (2000)] S. 11.

7 Vgl. [Altundag/Haldi (2003)] Vorwort der Herausgeber; [McKinsey (2005)] S. 3.

8 Vgl. [Dar Al Istithmar (2006)] S. 8ff.

9 Vgl. [Hockmann/Thießen 2002] S. 73-76; weiterführend zur Kapitalmarkttheorie s. [Wöhe 2005] S. 751ff.

10 In dieser Arbeit soll das Marktportfolio als ein Index verstanden werden, der als Benchmark für ein schariakonformes Portfolio verwendet werden kann (z.B. Dow Jones oder DAX).

11 Für einen Überblick über die Indices s. [Dow Jones (2007)] S. 2.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Islamic Banking. Ein Erfolgsmodell?
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Karlsruhe, früher: Berufsakademie Karlsruhe
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V309205
ISBN (eBook)
9783668074033
ISBN (Buch)
9783668179837
Dateigröße
699 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
islamic banking, Scharia-Richtlinien, Leistungspotential, Islamic Economics, islamisches Finanzwesen
Arbeit zitieren
Christoph Biermeier (Autor), 2007, Islamic Banking. Ein Erfolgsmodell?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309205

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