Unternehmen, die sich im Management der unsicheren Gründungsprozesse besonders gut verstehen, sind Inkubatoren. Gerade in Zeiten der Pre-Hype-Zeit der Net Economy haben sie einen enormen Aufschwung erhalten. Inkubatoren bieten einen „Rundum-Sorglos-Brutkasten“ für Gründerteams. Der Grundgedanke dieser neuen Generation der Inkubatoren besteht in einem kombinierten Frühphasendeal. Infrastruktur, Netzwerke, Know-how, Ressourcen, Personal und Kapital werden gleichzeitig aus einer Hand angeboten und zudem über viele junge Unternehmen übergreifend koordiniert (vgl. Kollmann 2011). Im Gegenzug erhält der Inkubator Anteile der Unternehmung - in einigen Fällen sind dies sogar die Mehrheitsanteile der gesamten Unternehmung. Doch ist die Einbettung in einen Inkubator wirklich entsprechend nützlich? Wie steuert das Management des Inkubators den Gründungsprozess? Mit welchen Betreuungskonzeptionen arbeiten die Inkubatoren mit den Start-ups zusammen? Wie versuchen Inkubatoren den Erfolg eines Jungunternehmens herbeizuführen?
Diese zentralen Fragestellungen sind Untersuchungsbestandteil der vorliegenden Arbeit, die sich in vier verschiedene Bereiche untergliedern lässt. Im nachfolgenden Teil der Arbeit werden die theoretischen Grundlagen erläutert. Es werden drei zentrale Bereiche der Inkubatorenforschung umrissen.
> Inkubatorenentwicklung: Was sind Inkubatoren in Abgrenzung zum VC-Geber?
> Inkubatorenkonfiguration: Was machen Inkubatoren?
> Inkubatoreneinfluss und Theorien der Inkubatorforschung: Welche Theorien lassen sich hierbei heranziehen?
Im empirischen Teil der Arbeit werden die Arbeitsweisen und Betreuungskonzepte deutscher Inkubatoren und Venture Capital-Geber näher analysiert. Dazu wurden qualitative Interviews mit ausgewählten Inkubator- und VC-Experten geführt. Der Interviewleitfaden bildete den Rahmen der Frageninhalte. Dieser wurde aus den Erkenntnissen des theoretischen Teils abgeleitet. Grund für die Hinzunahme des Venture Capital-Gebers war es, die Betreuungskonzeptionen der Inkubatoren besser verstehen und abgrenzen zu können. Durch die Gegenüberstellung der verschiedenen Herangehensweisen konnten zentrale Aussagen zu den Inkubatorenkonzepten herausgearbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit
2 Die Theorie
2.1 Who is who?
2.2 Betreuung durch Inkubatoren und Company Builder
2.3 Einfluss, Effekte und Theorien der Startup-Betreuung
3 Die Empirie
3.1 Forschungsdesign
3.2 Untersuchung
3.3 Ergebnisse
3.3.1 Interorganisationaler Akteur im institutionellem Gefüge
3.3.2 Intraorganisationaler Akteur im Startup-Ecosystem
3.3.3 Implikationen
4 Diskussion mit Forschungsausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Betreuungskonzeptionen von Inkubatoren in Deutschland systematisch zu erfassen und ein Modell zur Darstellung der Managementprozesse zu entwickeln. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie verschiedene Akteure, wie Company Builder und Acceleratoren, Start-ups bei ihrer Unternehmensentwicklung unterstützen und steuern.
- Analyse der verschiedenen Inkubatoren-Typen und deren Geschäftsmodelle
- Untersuchung des "Start-up-Lifecycles" und der damit verbundenen Unterstützungsbedarfe
- Anwendung der Netzwerktheorie zur Analyse von Akteurskonstellationen
- Gegenüberstellung von Venture Capital-Gebern und Inkubatoren im Hinblick auf ihre Betreuungsleistungen
- Entwicklung eines Dimensionsmodells zur systemischen Start-up-Betreuung
Auszug aus dem Buch
2.1 Who is who?
Im Pool der „Start-up-Helfer“ befindet sich eine Vielzahl von Akteuren, die mit unterschiedlichen Intentionen, Konzepten und Strategien Start-ups beim Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens helfen. In der Gesamtzahl lassen sich diese Akteure anhand von verschiedenen Kategorien, z.B. Zielsetzung, Zeitpunkt und Art der Unterstützung abgrenzen. Einen groben, verständlichen Überblick bietet sich anhand des „Start-up-Lifecycles“.
Dieser sog. Lebenszyklus eines Start-ups stellt den Entwicklungsprozess eines Jungunternehmens dar und besteht aus drei zentralen Phasen (vgl. Schefczyk 2004, S. 42; Weitnauer 2011, S. 10; Braun 2013, S. 9; Kollmann 2014, S. 111; siehe Abbildung 2).
I. Early-Stage: Klassischerweise wird die Early-Stage in die Seed- und die Start-up Phase unterteilt.
> Seed: In dieser Phase entwickelt das Gründerteam das Produkt, führt Markt- und Unternehmensanalysen durch und entwirft erste Prototypen. Auf Basis dieses Prototyps wird das Geschäftsmodell erstellt. Es handelt sich hierbei um klassische Grundlagenentwicklung, die mit typischen Managementproblemen, wie z.B. der Fehleinschätzung der Produktidee und des Marktes einhergehen. In dieser Phase generiert das Start-up logischerweise keine Umsätze, mit laufenden Personal- und Entwicklungskosten häufen sich Verluste.
> Start-up: In dieser Phase beginnt nach verbreitetem Verständnis die eigentliche Unternehmensgründung. Der Abschnitt umfasst den Entwicklungszeitraum zwischen dem Vorhandensein eines Prototypen und eines marktfähigen Produkts. Erste Marketingaktivitäten werden umgesetzt. Klassische Managementprobleme werden durch das wachsende Misstrauen seitens der Kapitalgeber bestärkt. Die permanenten Personal- und Entwicklungskosten häufen die Unternehmensverluste an. Erste Pilotkunden werden akquiriert und mithilfe des erarbeiteten Marketing und Vertriebskonzepts können erste Unternehmensumsätze generiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Rückgangs von Neugründungen ein und definiert das Ziel, die Betreuungskonzeptionen von Inkubatoren als zentrale Akteure zu untersuchen.
2 Die Theorie: Das Kapitel vermittelt den aktuellen Forschungsstand zu Inkubatoren, deren Typisierung und theoretische Einbettung, insbesondere unter Anwendung der Netzwerktheorie.
3 Die Empirie: Dieser Teil beschreibt das Forschungsdesign und analysiert auf Basis von Experteninterviews die konkreten Arbeitsweisen, Betreuungskonzepte und Netzwerkstrukturen deutscher Inkubatoren und VC-Geber.
4 Diskussion mit Forschungsausblick: Das letzte Kapitel fasst die Kernaussagen der Arbeit zusammen und identifiziert neue Forschungsbedarfe für die sich wandelnde Inkubatorenlandschaft.
Schlüsselwörter
Inkubatoren, Start-ups, Venture Capital, Gründung, Unternehmensentwicklung, Netzwerktheorie, Company Builder, Acceleratoren, Business Incubation, Gründungsfinanzierung, Business Angel, Entrepreneurship, Innovationsförderung, Start-up-Betreuung, Geschäftsmodelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert systematisch die Betreuungskonzepte von Inkubatoren und Venture Capital-Gebern in Deutschland, um deren Rolle bei der Unterstützung von Start-ups besser zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung und Konfiguration von Inkubatoren, der Start-up-Lifecycle, die Finanzierung junger Unternehmen sowie die Anwendung der Netzwerktheorie auf Gründungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erfassung der Betreuungskonzeptionen von Inkubatoren und die Entwicklung eines Modells, das die Managementprozesse und die Unterstützung von Start-ups systemisch darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden qualitative Experteninterviews mit Inkubator- und VC-Experten geführt, ergänzt durch eine umfassende Marktanalyse deutscher Akteure.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Grundlagen (Inkubatortypen, Theorien zur Betreuung) als auch eine empirische Untersuchung der deutschen Akteurslandschaft und deren konkrete Arbeitsweisen dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Inkubatoren, Venture Capital, Netzwerktheorie, Gründungsfinanzierung und Unternehmensentwicklung charakterisiert.
Welche spezifische Rolle spielt der Company Builder?
Company Builder werden als "All-inclusive-Paket" beschrieben, die Start-ups durch eigene Geschäftsmodelle und intensive operative Unterstützung frühzeitig entwickeln und skalieren.
Wie unterscheidet sich die "Build to flip"-Strategie von der "Build to hold"-Strategie?
"Build to flip" ist auf Renditemaximierung durch schnellen Exit ausgerichtet, während "Build to hold" auf langfristige Beteiligungen und synergetische Geschäftsmodelle setzt.
Was ist die Bedeutung der "doppelten Einbettung" für Inkubatoren?
Die doppelte Einbettung beschreibt sowohl die Verknüpfung im externen institutionellen Start-up-Ecosystem als auch die interne Vernetzung innerhalb des eigenen Portfolios.
- Citar trabajo
- Sebastian Greitemann (Autor), 2015, Inkubatoren in Deutschland. Eine Analyse ausgewählter Start-up Betreuungskonzepte, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309521