Fickgeschichten eines Perpffs. Die Lebenswelten Gothic und BDSM im Internet


Fachbuch, 2015
199 Seiten
Kivi van der Neut (Autor)

Leseprobe

Inhalt

Man nehme: ein Studienthema, einen Haufen Interviewter bzw. deren Meinungen, mischt Geschichten, Bilder, eine Prise Theorie, einen Hauch Statistik, ein Schüsselchen wilder Schlussfolgerungen und Äußerungen von Experten zum Thema, parfümiert mit Rezepten zum Kochen und zum Leben. Gut gemixt, gekühlt, geschüttelt und abgetropft wird daraus:

Lebenswelten Gothic und BDSM (unter besonderer Berücksichtigung des Internets)

oder aber völlig irreführend: Fickgeschichten eines Perpffs

[Abbildung MindMap für Schatzsuche – in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Kapitelverzeichnis

0: Vorspiel ... 10
1: Am Ampfang (Einstieg) ... 34
2: Theorieterror (theoretische Grundlagen) ... 62
3: Summa Summ Summ Summmm (Studie/Ergebnisse) ... 92
3½: Gedanken eines ganzes Tages ... 183
4: Sadistik ... 184
Anh.: Literatur, Internetadressen, Nachspiel ... 201

Geschichten-/Gedichtverzeichnis

Der LARPer ... 19
Die Szenen ... 31
Konformität ... 40
Loki ... 48
Devote Männer ... 50
Interview mit einem lasziven Luder ... 58
Spätherbst ... 68
Poly A Mort ... 88
Nachsitzen ... 102
Zauberhafte Dominanz ... 132
Dirty Talking ... 143
Hütchenspieler ... 169
Open End ... 180

Bilderverzeichnis

Ein wichtiger Hinweis zu den Bildern:

Grafiken sind entweder handgesägt oder mundgemalt.

Screenshots erfolgten CO2 neutral und auf ungebleichtem Bildschirm.

Fotos sind entweder eigene oder zur Verfügung gestellte. Die freundlichen Verweser und/oder Künstler werden erwähnt und im Anhang noch einmal ausführlich mit weiterführenden Adressen genannt.

Fotos mit der Fußnote ¹ ausgestattet wurden von Digital_Artist nachbearbeitet.

[Abbildungsverzeichnis in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Rezeptverzeichnis

[Rezepsverzeichnis in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Vorspiel

[Bild „ThoughtVampire“ THX@Brühnöh – in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Dieses Kapitel dient als Einstieg und Wegweiser durch dieses Buch, die Studie, die Geschichten, die Bilder und Rezepte. Tauch ein mit mir in die wunderbare Welt des Perpffs, der Gothen und der BDSMer ...

Mit einem Talent ist man auch das Opfer seines Talents; man lebt unter dem Vampirismus seines Talents. (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Lieber Leser,

hat Dich der bescheuerte Titel neugierig gemacht? Bitte entschuldige, dass ich Dich so einfach duze, aber das ist nun mal so Usus in den weiten Weiten des Netzes und natürlich unter Menschen, die entweder auch der allgemeinen Anglifizierung zum Opfer gefallen sind oder sich gut kennen. Dich, werter Blätterer dieser Seiten, kenne ich natürlich nicht, aber ich erlaube mir, Dich für einen Freund zu halten, eben weil Du in diesen Seiten blätterst (zumindest haben wir eine Gemeinsamkeit, nämlich dass uns bescheuert erscheinende Dinge neugierig machen). Du wirst mich in diesem Buch ziemlich gut kennen lernen, aber nicht nur mich ... Verschwurbelt!!! Ach, nochmal von vorn, Entschuldigung.

Liebe Liebende,

würde Bastian Pastewka jetzt sagen und ähnlich salbungsvoll und entsagend schaue ich jetzt gerade auch … (wie ein scheißender Hund, um genau zu sein, Hans im Glück und der Frauendompteur kennen das). Na gut, dann eben nicht liebe Liebende, bleiben wir beim Blätterer, der ja jetzt erwartet, dass es endlich losgeht mit dem Ficken. Tut mir Leid, ich habe Dich arglistig getäuscht. In diesem Buch geht es gar nicht ums Ficken, jedenfalls nicht mehr oder weniger als in – sagen wir Brainless Love (Schmidt, 2012) – auch. Enttäuscht?

Ich habe den Titel gewählt, weil das Wort Ficken, „Ihr wollt alle nur Ficken!!!!“, uns immer so schön anspringt (Lokinski aka Rafael Roman Arroyo, 2005 live in der Karlsruher Innenstadt). Ich hätte auch Vögeln oder Lieben oder so nehmen können, aber ich glaube an die Kraft der Vulgärsprache als Ausdruck innerer Spannungen (hab ich jetzt auch beinahe geklaut, von Mozart, 2013, Kinski ging aber auch hervorragend) des Künstlers. Natürlich! Ficken, das spricht nun mal an, ob man will oder nicht, es ist nicht stubenrein, aber wir tun es alle … go figure, wie der Franzose so sagen würde. Fickgeschichten eines Perpffs also. Was ist ein Perpff eigentlich? Das weiß der Brühnöh (mit Betonung auf der zweiten Silbe) nicht, und der hat für das Perpff mit seinen Förmchen im Blei- und Fotosatzkasten gespielt, das weiß der Digital_Artist nicht, und er hat die Bilder bearbeitet, ich weiß es auch nicht. Walter Moers könnte es wissen, denn er hat sein kleines Arschloch mal darüber sprechen lassen. Aber ganz genau weiß man es eben nicht und ich bin dem Arschloch ja quasi jetzt zuvorgekommen, indem ich das Perpff durch dieses Buch geistern lasse.

Ganz toll, aber worum geht es denn überhaupt? Das ist eine richtig gute Frage. Es geht um die Lebenswelten von Szenen (Subkulturen wollen sie nicht genannt werden, auch wenn sie die klassischen, formalen Ansprüche an eine Subkultur durchaus erfüllen). Es geht um die Schwarze Szene (also die Gothic, Goth, Gothen und all die anderen Namen, die sie entweder selbst geprägt haben oder die ihnen mitgegeben worden sind) und die BDSM-Szene (so es denn eine gibt, es gibt da auch vehement verneinende Stimmen). Ich bin selber Mitglied beider Szenen und habe mich daher irgendwann einmal dafür interessiert, ob und wie da Gemeinsamkeiten in den Szenen sind, wo sie sich berühren oder gar überschneiden, ineinander verwoben sind oder sich klar voneinander distanzieren. Dann hat mich interessiert, wie die Szenemitglieder ihre Welt und ihre Mitwelt wahrnehmen und gestalten, aber auch, wie sie von ihrer Umwelt wahrgenommen und angenommen oder abgestoßen werden. Ich wollte wissen, was die Szenen auszeichnet, was sie bewegt, welche Gemeinsamkeiten und Motivatoren es gibt. Ich wollte auch speziell wissen, wie die Szenen sich im Netz präsentieren und bewegen.

Erlaube mir aber zunächst einmal vorab zu erklären, was ich mit diesem Buch versuche und was eben nicht. Dann kannst Du immer noch entscheiden, ob es das Lesen wert ist, oder ob Du Dich lieber auf die vielen schönen Bilder konzentrieren möchtest. Ich meine, da Du es nun schon einmal hast …

Dieses Buch ist teuer. Es kostet Geld und es kostet Nerven. Es ist deswegen teuer, weil ich möchte, dass es Dir wertvoll erscheint, aber auch weil ich möchte, dass das Buch schön ist. Das schulde ich den vielen Mitwirkenden, vor allem jenen, die so großzügig Texte und Bilder gespendet haben. Gerade die Bilder möchten in angemessenem Rahmen präsentiert werden. Dieses Buch soll Spaß machen. Dazu gehört, dass es gut aussieht und sich gut anfühlt, dass man es gern in den Händen hält und darin herumliest oder -schaut.

Dieses Buch ist alles. Es beinhaltet eine Studie, die auf wissenschaftlichen Grundlagen fußt, es enthält meine Interpretation der gesammelten Daten, es spuckt, gar nicht mal gegen Ende, eine Theorie aus, die auf den vorliegenden Daten basiert, und es hat sogar Anhänge, in denen ich meine Vorgehensweise darstelle und meine wilden Behauptungen zu belegen versuche. Dieses Buch ist also seriös. Es ist aber auch ein Geschichtenbuch und sogar ein Witzebuch. Ein Kochbuch ist es auch. Viele meiner Interviewpartner haben nicht nur ihre Szeneidentität dargestellt, sondern auch Geschichten oder Gedichte, Bilder und Rezepte beigesteuert. Die fiktiven Teile dieses Buches sind locker in die fachlichen eingestreut. Das macht das Lesen kurzweiliger, und ein bisschen leichte Kost fördert bekanntlich die Verdauung eher trockener Fakten. Die Bilder hatte ich ja schon erwähnt.

Ganz viele Menschen haben also zu diesem Buch beigetragen, von daher ist es doch fast logisch, dass ich mir wünsche, dass es auch ganz viele Menschen lesen, oder? Und nicht nur wegen des ebenso bescheuerten wie genialen Titels (hier geht mein ganz spezieller Dank an Walter Moers, ohne dessen „Kleines Arschloch“ ich nie auf die Idee gekommen wäre, mir ausgerechnet ein Perpff vorzustellen). Was die Fickgeschichten nicht sind: Aus der Szene für die Szene oder so etwas ähnliches. Wohlgeformte Leser sind: Szenemitglieder, Szeneanhänger, Szeneforscher, Bildergucker, Lästermäuler, sinnliche Trockenschwimmer, Tastaturerotiker, leicht Verrückte und vor allem Interessierte. Dies ist kein wissenschaftliches Werk. Es ist weder in der Soziologie noch in der Sozialpsychologie, in der Subkulturforschung oder in sonst einer wissenschaftlich-theoriebasierten Ecke verortet, auch wenn ich mir große Mühe gegeben habe, aus den vorliegenden Informationen mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden ein transparentes, nachvollziehbares und ggf. reproduzierbares Ergebnis zu zaubern. Ich werde mich nicht in die Erläuterung und Interpretation klassischer oder kritischer Theorie verstricken und Dich damit langweilen. Dazu gibt es auch schon genügend wirklich seriöse Literatur, die ich (sofern sie die Fickgeschichten berührt und beeinflusst hat) sowohl zitiere als auch im Literaturverzeichnis anführe. Einen Anspruch habe ich jedoch: dieses Buch ist kein Plagiat. Wo ich abgeschrieben habe, ist das klar erkenntlich und ich gebe fremdes Wissen nicht als das meine aus. Außer bei den Kochrezepten. Wenn ich das alles selbst probieren hätte müssen, was ich da gesammelt habe, dann wäre das Buch heute noch nicht fertig.

[Rezept-Block-Blog – in dieser Leseprobe nicht enthalten]

[Foto „That door stays closed“– in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Edit sagt: Und noch ein paar Dinge ist dieses Buch NICHT:

Es ist keine Szenebibel (weder der einen noch der anderen Art), in den Fickgeschichten spiegeln sich nur die Meinungsbilder einiger weniger (ob Freiwilliger oder selbst Auserwählter kann jeder für sich entscheiden). Szenebibeln werden übrigens grundsätzlich direkt nach ihrer Niederschrift entführt und lassen Anhänger und Gläubige (und Gläubiger) führungs- und richtungslos allein durch die Welt irren. Auch die Autoren kann man meist nicht dingfest machen, diejenigen, die ihnen das Lämpchen gehalten haben allerdings leider meist sehr wohl.

Es ist keine Anleitung, wie man sich in die Szene der Wahl integriert, dort eine Heimat und Anerkennung, Handlungssicherheit, Identität oder gar Erklärungen findet.

Es ist keine Nummerntäfelchenshow (mit ohne Preisen (danke an Elma Hörig)), welcher Szenegänger nun echter, truer, schwärzer, domiger, subbiger etc. ist.

Es ist kein Tatsachenbericht und erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität, auch wenn ein kleiner statistischer Kniff es mir erlaubt zu vermuten, dass gewisse gewonnene Informationen sich in den Gesamtszenen und … Festhalten! der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik ähnlich verteilen könnten.

Es ist kein Mitläufer des allgemeinen Medieninteresses aufgrund irgendwelcher literarischer Meisterwerke, die derzeit gängig sind und von allen, die sich berufen fühlen, diskutiert werden (müssen?).

es ist kein Vorkau-/Instantgericht: eine gute Freundin hat mich zu Recht darauf aufmerksam gemacht, dass die Schreiberei (serious game!) immer ein Drahtseilakt zwischen den Erwartungen des Lesers (nicht für doof gehalten zu werden, aber trotzdem alles mundgerecht erklärt zu bekommen) und dem Anspruch des Verfassers (Leser, die weiterdenken, die Lücken selbständig schließen, sich evtl. zusätzlich sinnvolle und/oder notwendige Informationen selbst besorgen, aber bitte keine allwissenden Leser, sonst müsste man ja gar nicht erst schreiben) sei. Ich wähle die Mitte der Mitte und mache an manchen Stellen einfach einen Punkt, ohne weiter zu erklären. Denken, Lachen, Schimpfen, Träumen, Buch bescheuert finden … alles erwünscht und erlaubt.

Es ist keine Satire und an keiner Stelle boshaft gemeint.

ich wünsche Dir einen guten Lesehunger und viel Vergnügen beim Stöbern, Lesen, Schauen und Nachkochen. Aber:

Essen (und Lesen) auf eigenes Risiko!!

[Hinweise und Special Thanks to – in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Intermezzo

Der LARPer (Geschichte)

Sie riskiert einen morgendlichen Blick in den Spiegel. Um die Augen herum ist ihr Gesicht ein bisschen müde, die ersten Fältchen vertiefen sich, ist man mit vierzig schon alt? Oder wird man dann alt? Sie fühlt sich jedenfalls alt. Wieder Wochenende und wieder allein. Sie ist vom Alleinsein müde geworden, so müde, dass sie noch nicht einmal die Energie aufbringen kann, darüber zu weinen, nur ein bisschen Trauer bleibt. Im Winter ist es schlimmer als im Sommer, und die Wochenenden sind am schlimmsten. Da schlägt sie mühsam die kostbare Zeit tot, die sie eigentlich nutzen sollte, um sich von anstrengenden Wochentagen zu erholen.

Die Stadt, sie könnte in die Stadt gehen, aber sie mag diese Stadt nicht. Sie hat das Provinznest von Anfang an nicht gemocht und hat sich deshalb nie die Mühe gegeben, sich mit ihm anzufreunden. Sie fühlt sich hier nicht zu Hause, sie arbeitet hier nur. Nur wenige Kneipen gefallen ihr hier und noch weniger Männer. Nur selten macht sie sich die Mühe sie genauer zu betrachten. Die Jahre haben die Gesichter in ihrer Vergangenheit immer ähnlicher gemacht, und auch die dazugehörigen Geschichten gleichen sich. Die Auswahl scheint immer geringer zu werden. Die netten Männer in ihrer Umgebung sind verheiratet, vielleicht zu einem kleinen Seitensprung bereit, die anderen sind entweder sehr jung und fühlen sich noch, wie lange noch, von ihrer Reife und Erfahrung angezogen, oder sie haben sehr seltsame Gelüste und sind deshalb genauso allein wie sie. Die Gesichter in ihrer Gegenwart haben keine Konturen mehr, und sie verschwinden noch während der Nacht; sie kann und will sie nicht halten.

Eigentlich ist ihr Herz zu leer und zu müde, um noch wirklich hungrig zu sein. Hungrig nach was überhaupt, Liebe, ein Märchenprinz? Lächerlich, das hat sie doch nun wirklich hinter sich. Sie möchte sich bei einem guten Buch zusammenrollen und die Zeit zum Teufel wünschen. Zeit! Sie hasst diese Wochenenden, die sich am Samstagmorgen so endlos vor ihr auszudehnen scheinen, düstere Wintertage in dieser entsetzlichen Stadt, in der sie niemanden wirklich kennt und in der ihr niemand wichtig ist. Zähfließendes Wochenende, sie ist allein und kann in Ruhe verlorenen Illusionen von Liebe und Zweisamkeit nachtrauern. Sie ist allein und friert vor innerlicher Kälte. Die Einsamkeit und die unbestimmte Trauer darüber scheinen Wärme und Energie aus ihrem Körper zu saugen. Nach einem solchen Wochenende fühlt sie sich immer ganz hohl und leer. Kritisch mustert sie ihr Gesicht. Ich weiß nicht, was ich will, ich weiß nicht, was ich brauche. Kann nicht mal jemand für mich wollen?

Das, was sie haben kann, das will sie nicht. Sie hat sie in ihrem Leben gehabt, diese netten Kerle, die den Boden anbeteten, auf dem sie lief. Sie wollten nichts weiter, als sie ein bisschen lieben, ihr nah sein, sie ein Stück des Wegs zu begleiten. Sie waren sanft und harmlos und so verdammt nett, dass sie einen Tritt verdienten. Sie hat sie getreten und sie haben sich dafür auch noch bedankt, sie galt als kapriziös. Also hat sie so lange getreten, bis sie sich getrollt haben, die netten Kerle, mit buchstäblich eingezogenem Schwanz. Danke, aber auf hündische Liebe kann sie verzichten.

Die Liebe der netten Kerle war ihr immer zu einfach. Statt dessen jagte sie dem Ideal einer lieblosen Vergangenheit hinterher, um Liebe muss man kämpfen, man muss sie sich verdienen. Interessant sind nur die, die sie nicht haben kann, dann erwacht ihr Jagdinstinkt. Sei schlecht zu mir, fleht ihre Seele, dann kann ich dich lieben. Manchmal wünscht sie sich einen der netten Kerle zurück, nur um nicht allein zu sein, aber sie weiß, dass sie das Muster nicht brechen würde, sie würde wieder beißen und um sich schlagen, weil das Nettsein und die sanfte Nähe unerträglich werden. Wo ist der Rittersmann, der mit wehenden Fahnen die Festung ihrer Bindungsängste bezwingt?

Sie schüttelt den Kopf, zu viele Kitschromane gelesen. Sie ist kein Burgfräulein in Nöten, sie ist eine erwachsene Frau, oder vielleicht doch nicht so ganz? Sie erinnert sich an eine Kontaktanzeige (selbstverständlich heimlich gelesen, eigentlich hat sie so etwas ja nicht nötig), die einzige, die sie wirklich angesprochen hat: “… auf dem Feld der Liebe habe ich zu viel verbrannte Erde hinterlassen. Wo sind sie denn, die starken Frauen? Alle schreien sie nach Arschlöchern und heulen dann, wenn sie eins vor sich stehen haben …” Starke, harte Worte; das mit der verbrannten Erde kennt sie gut.

Da ist er wieder, dieser kleine Stich im Herzen. Den Mann zu knacken wäre interessant. Aber ist er immer noch interessant, wenn er dann mit Rosen in der Hand vor ihr auf den Knien liegt und seinem Arschlochsein abschwört, weil er sich in sie verliebt hat? Sie will doch so gern diese Liebe zulassen und weiß doch jetzt schon, dass sie das nicht kann. Bitte lieb mich nicht, sonst stirbst du. Ein scheinbar endloser Teufelskreis, und die kluge Erkenntnis zeigt noch lange keinen Ausweg.

Raus hier, nur weg von diesem Spiegel, ihr Gesicht sagt ihr zu viel heute morgen. Vielleicht ein kleiner Bummel, ein Spaziergang über den Weihnachtsmarkt der fürchterlichen Stadt, alles ist besser als samstagmorgendliche Selbsterkenntnisse. Sie zieht glühweinseliges Philosophieren diesem nüchternen, psychologischen Harakiri entschieden vor.

Sie mag den Winter nicht besonders, die Tage sind zu kurz, es wird viel zu früh dunkel und die Menschen tragen so viele Kleider auf dem Leib, dass man sie gar nicht richtig sehen kann. Der frostklare Vormittag versöhnt sie ein bisschen mit dieser Jahreszeit, die Sonne scheint aus einem fahlblauen Himmel und vertreibt den Raureif aus den peinlichst gepflegten Vorgärten. Sie betrachtet ein Eichhörnchenpaar, das sich in den kahlen Bäumen verspielt nach Nahrung umsieht; das possierliche Treiben der kleinen Nager schüttelt sie aus ihrem Winterphlegma und schafft fast so etwas wie Vorfreude auf den Bummel durch die Stadt.

Sie trödelt an ein paar Schaufenstern entlang, betrachtet schöne Dinge, die sie sich nicht leisten kann und schlendert dann über den Weihnachtsmarkt. Vorbei an Ständen mit Kitsch, der sich Kleinkunst schimpft und in jeder Stadt derselbe ist, hinunter zum Marktplatz. Dort sind Spieler, Mittelalterdarsteller, denen sie eine Weile zuschaut, bevor sie weitergeht. Ein netter Wintertag, die Stimmung in den Gassen zwischen den Buden ist erheitert, es riecht nach Glühwein und Pommes Frites. In einem Anfall von ironischer Kauflust erwirbt sie ein hübsches Solitaire-Spiel und kauft dann noch einige Süßigkeiten. Der Abend wird lang und sie hat noch ein gutes Buch. Eigentlich wäre dies ein perfekter Abend, um gemeinsam vor dem Kaminfeuer zu lesen, etwas Glühwein zu trinken und auf dem Sofa zu kuscheln … Kaminfeuer? Kuscheln?? Träum weiter!

Als sie zu dem Platz zurückkommt, sind die Spieler mit ihrer Schlachtgetümmelei gerade fertig und packen ihre Requisiten ein, Hellebarden, Schwerter, Rüstungsteile und seltsame Hüte. Ist denen denn gar nicht kalt? Sie geht zum nächsten Glühweinstand und bestellt spontan drei Glühwein, die sie dann zu den Spielern hinüberträgt. Zu dritt sitzen sie dann auf der Treppe vor dem Brunnen und nippen an den dampfenden Bechern. Eigentlich ein widerliches Gebräu, aber mit einem tüchtigen Schuss Rum ist es gerade noch erträglich. Sie spricht nicht viel, blinzelt einfach nur in die Sonne und bemüht sich nicht um eine Unterhaltung. Sie will weder flirten, noch besonders nett sein, sie will einfach nur ihren Glühwein in Gesellschaft trinken und dann zurück in die Wärme ihrer Wohnung. Ein bisschen Lesen, ein bisschen Selbstmitleid, die Zeit totschlagen. Sie macht es sich auf der Treppe etwas gemütlicher, rückt sich auf ihrem Kissen - einer der LARPer hat ihr seinen Hut angeboten - zurecht, schließt ihre Augen und versucht etwas Sonnenwärme in ihrem Gesicht zu fangen. Eigentlich ein wirklich schöner Tag, sie fühlt sich zwar ein bisschen leer, aber ungeheuer friedlich, das wird wohl der Glühwein sein.

“Du siehst müde aus.” unterbricht einer der Spieler das freundschaftliche Schweigen. “Ja.” sagt sie mit immer noch geschlossenen Augen und fügt für sich hinzu, wenn du nur wüsstest, wie sehr. Müde, sieht man es ihr tatsächlich so sehr an? Sie schlägt die Augen auf und wendet sich dem LARPer zu, ihre Eitelkeit zwingt sie, die Frage zu stellen.

“Sieht man es so deutlich?”

“Ich sehe es sehr deutlich.” mit Betonung auf dem ich.

Das ist interessant, sie nimmt den Burschen genauer in Augenschein, was kann er mit seinen wachen Augen sonst noch alles sehen? Er ist eigentlich nicht ihr Typ, zu klein, zu blond, zu ich-weiß-nicht-was. Aber mit seiner Bemerkung hat er sehr treffsicher den Finger in die Wunde gelegt und irgendetwas hat er, das ihr vertraut erscheint. Sie unterhalten sich ein wenig, sie erzählt von dem Grund für die Müdigkeit, ihrem Job, dem Alleinsein, der endlosen Jagd nach dem eigenen Schwanz in ihrem eigenen kleinen Teufelskreis. Er sagt nicht viel, aber sein ganzer Körper scheint konzentriert zuzuhören und sein intensiver Blick hält ihren ganz fest, eigentlich viel zu fest. Er sitzt einfach da, strahlt eine ungeheure Ruhe und Energie aus und hört ihr zu, als ob es nichts Wichtigeres auf der Welt gäbe.

Und dann ist es plötzlich da, dieses seltsame Gefühl. In ihrem Herzen sagt es “Ping”, ein kleiner, glockenheller Klang, den sie schon fast vergessen hat. Dieser völlig fremde Mensch hört ihr zu, versteht sie, nimmt sich Zeit für sie. Ping, ein Riss in dem eisigen Winterpanzer um ihre Seele? Ist dies das Märchen der Eiskönigin?

Dieser Mann hat gelebt, das kann sie sehen, sein Gesicht, die Lach- oder Sorgenfältchen um seine Augen herum erzählen die Geschichte davon. Er ist ausgestiegen, berichtet er lakonisch, hat seine Karriere hinter sich gelassen für eine Zeit voller Abenteuer und Begeisterung, für eine Zeitreise zurück ins Mittelater, für ein besseres Nutzen eines ohnehin zu kurzen Lebens. Er will es mit allen Sinnen genießen können. Seine Augen sind scharf, er hat ihre Müdigkeit erkannt, und nun fühlt seine warme Hand sich durch den Eispanzer und legt sich sanft auf die Wunde ihrer Einsamkeit. Er ist in diesem Augenblick das Rätsel und die Lösung; er ist anders, er ist frei und kann sie dennoch so gut verstehen. Er braucht sie nicht, will sie nicht einmal, er hört nur zu und versteht, ist da, und sein Körper spricht mit ihrem.

“Wir müssen essen gehen.” sagt er unvermittelt.

“Ja.” und wie sehr, fügt sie wieder leise für sich hinzu.

Was für ein herrlicher Tag, was für ein herrlicher Mann. Er kümmert sich nicht um ihre Regeln und Konventionen, er bestimmt. Das ist etwas, was die netten Kerle nicht begreifen, frau will doch einfach nur erobert werden.

Verliebt sein muss etwas mit Chemie zu tun haben. Die Chemie zwischen zwei Menschen stimmt oft nur einen Augenblick lang und schon passieren die merkwürdigsten Dinge. Die Welt ändert sich, die Chemie des eigenen Körpers wird mit wunderbaren Glückshormonen angereichert, das Blut pulst schneller durch die Adern, und man ist mit leichter, rosaroter Blindheit geschlagen. Frühlingsgefühle mitten im Winter. Plötzlich hat sie eine schier unerschöpfliche Energie, Temperament und Kreativität sprudeln nur so, sie sieht sogar jünger aus, wundert sie sich vor dem Spiegel. Plötzlich kein Appetit mehr auf Süßigkeiten, kein Interesse an Kitschromanen mehr, sie sieht rosige Haut, muntere Augen, einen straffen und jungen Körper, der diese frühlingshaften Gefühle genießt und im Genuss noch verstärkt. Was ist aus den selbstkritischen Blicken auf Falten und scheinbar beginnende Rettungsringe um ihre Taille geworden? Muss ein anderer Mensch ihren Körper begehren, damit sie ihn schön finden kann?

Der Mann, der da so wunderbar professionell mit ihren Hormonen jongliert ist erfrischend anders als alles, was sie vorher erlebt hat. Er ist brutal, schonungslos offen und ehrlich, Ritter und Schurke, Minnesänger nie: er spielt virtuos mit ihrem Körper und beschäftigt ihr Herz.

“Du bist mir wichtig.”, sagt er und streichelt sie in Ekstase.

“Unser Zusammentreffen war Schicksal.”, sagt er und dringt mit seinem Körper in ihre Seele.

Dass ihre Spielregeln für ihn nicht gelten, ist in diesem Moment unwichtig, nach solchen Worten hat sie gehungert, und er sagt sie. Sie macht sich ganz auf für ihn, lässt sich davontragen und wird zum Spielball ihrer Gefühle in seinen Händen. Er liebt sie lange und ausgiebig, scheint ihren Körper schon ewig zu kennen: wenn sie in seine Augen blickt, sieht sie darin den Spiegel ihrer Lust, seltsam.

Er überrascht sie, passt in keines ihrer Schemata, sprengt alle Rahmen. Der Spieler nimmt die kleinen Bälle ihrer verwirrten Gefühle, die sie ihm scheinbar hinwirft und spielt ganz meisterhaft mit ihnen. Sie wirbeln durcheinander, so dass sie ihnen kaum mehr folgen kann. War das eben ihre Vorsicht? Schon wieder vorbei. Wirbelte dort ihre Einsamkeit vorüber? Wunderschön, wie seine Gegenwart aus ihren vertrauten Gefühlen ein Kaleidoskop an neuen Farben und Mustern macht. Sie wird neugierig auf den LARPer, möchte mehr von diesem faszinierenden Mann wissen, der ihr Leben so durcheinanderwirbelt. Er hat Regeln, die er ihr nicht erklärt; Bereiche seines Lebens, die er ihr verweigert. Das Spiel läuft entweder nach seinen Regeln oder gar nicht.

Er beginnt sie zu verunsichern, sie redet zu viel und sagt zu wenig dabei. Er ist ihr nah und doch unberührbar, entzieht sich ihren Fragen und Wünschen. Er streichelt ihre Seele, sie berührt nur seine Haut. Sein Schweigen, seine Ruhe und die Wärme seines Körpers machen sie ganz weich und verletzlich; sie möchte sich hingeben, fallenlassen und aufgefangen werden. Sie weiß, dass er genau das nicht tun würde, deshalb ist der Wunsch so groß.

“Du stellst die falschen Fragen.”, damit entzieht er sich ihren vorsichtigen Annäherungsversuchen. Diese Zurückweisung reizt sie, wie gern möchte sie diesen seltsamen Mann erobern. Eine kleine, schmerzende Stelle im Herzen sollte eigentlich als Warnung dienen, kennt sie dieses Spiel nicht schon von irgendwoher aus der grauen Vorzeit, die seine Gegenwart ins Vergessen verdammt hat? Für Vorsicht bleibt jetzt keine Zeit mehr, Angriff oder Flucht sind die Alternativen. Und jetzt erkennt sie auch das Spiel wieder, der Teufelskreis schließt sich auf’s Neue, wie das ausgeht, weiß sie doch schon.

“…Tauch deine Hand in Schlangengift und sprich von meinem Schmerz, dann leg die Hand, die giftig ist, auf mein zerbroch’nes Herz…” zitiert sie und schaut in den Spiegel. Ihre Augen sind weit geöffnet, hungrig und verletzt zugleich. Sie kennt das Spiel, in dem es nur Verlierer gibt und kann es doch nicht lassen. Sie vermisst den schützenden Panzer um ihr Herz, der unter den streichelnden Händen des Spielers so schnell geschmolzen ist. Waren das tatsächlich seine Hände, oder war das nur ihre Sehnsucht nach Wärme?

Ihr Körper beginnt sich auf seine Weise zu schützen; sie würde es so gern wollen, aber sie kann sich ihm nicht mehr hingeben, ihre Ekstase bekommt den schalen Beigeschmack der Vorsicht. Ihr Verstand ist ständig auf der Hut, aber noch immer wühlt er in ihrer Seele, noch immer will sie ihn doch nur lieben dürfen, ihm endlich nahekommen. Er ändert seine Regeln, bricht aus, kommt zurück, weist sie von sich, zieht sie an sich, der Wechsel macht sie atemlos, unglücklich, glücklich und immer unsicherer. Ihre wachsende Unsicherheit betrachtet er gelassen.

“Was passiert, wenn ich es einfach sage?”, fragt sie den Spiegel. Sie hat nichts, das sie verlieren könnte, keine Nähe, keine Liebe, keine Beziehung, nur die kleinen Spielbälle ihrer Gefühle, die noch immer in seinen Händen wirbeln; im Kreis, auf und ab. Das Hochgefühl der ersten Tage ist fort, die Begeisterung über das Neue, das Fremde, das Regeln sprengende hat sich gelegt und der Seiltanz ihrer Gefühle wird anstrengend. Ein falscher Schritt, und sie stürzt ins Nichts. Der Spieler spielt mit ihren Gefühlen und vergiftet ihren Verstand, Verliebtheit und Unsicherheit werden zu einer gefährlich explosiven Mischung. Jede seiner neuen, überraschenden Wendungen erhöhen die Konzentration dieser Mischung, die schließlich zu schmerzhaft wird, um sie noch länger ertragen zu können. Und noch immer will sie ihn, weil er sich ihr so meisterhaft entzieht.

Sie erklärt sich. Er schweigt, lauscht und versteht. Der Spieler fängt die kleinen, bunten Bälle ihrer Gefühle geschickt mit einer Hand und legt sie langsam vor sich auf den Tisch. Dann steht er auf und geht.

Er hat vergessen, den schützenden Panzer um ihr Herz wieder zu verschließen; vielleicht ist es ihm egal, vielleicht mangelt es ihm da an künstlerischer Sorgfalt.

“Bitte verlassen Sie den Raum so, wie Sie ihn vor zu finden wünschen.”, sagt sie zu ihrem Spiegelbild. Sie fühlt sich ein bisschen leer und sehr, sehr müde.

THX@die Försterin (collected lifeworld impression)

[Foto „down and out“ THX@Hr. Lietschmann für pr[o]bild – in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Bis zum Beginn des nächsten Kapitels unterhalen wir Sie mit leichter Musik.

[Musikstück in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Am Ampfang

Dieses Kapitel dient dem Einstieg in die Studie, es gibt Auskunft über wann, wie und warum. Auch hier tauchen schon Texte aus den Interviews auf, denn niemand kann seine Lebenswelt besser beschreiben als der, der in ihr zu Hause ist

„I remain forever in this place inside me where a smell of leather or a glimpse of a lovely elbow or shoulder or earlobe or some movement of air or cast of light thrills me in ways that I cannot put into the safe terms of the mind.I can't analyze these things in ways that seperate them from the ravishment of my senses, because that is how I live, and all the rest – the labels for my feelings, the ways of understanding through my head – all these come later and are grave distortions. Lies, really.“ (Butler, 3, 1994)

Wie alles entstand … „Das Leben ist immer Dualität. Das ist auch ein esoterisches Grundprinzip: Zwei Gesichter, zwei Pole, Gegensätze bedingen einander, ergänzen sich, und sie gleichen sich in ihren Extremen. Dieser Satz verfolgt mich Tag und Nacht. Lediglich den Ausgang des Kampfes der zwei scheinbar unversöhnlichen Komponenten Täter und Opfer bestimmen wir selbst. Das eine bedingt das andere. Gibt es keinen Maso, gibt es keinen Sado – und sobald das Zufügen von Schmerz eine gewisse Qualität erreicht, wenn es zur Sucht oder Notwendigkeit wird, nimmt man schmerzliche Dinge in Kauf, um es tun zu dürfen… Also findet der Konflikt, der ja gleichzeitig auch ein Miteinander ist, sowohl extern zwischen Täter und Opfer als auch intern in jedem Individuum statt. Und nur eines kann den internen Kampf leiten und steuern – das Individuum selbst.“ (Manegold, 2008, S. 92)

[Foto „Dark Beauty“ THX@melles-midnight.de (2008) – in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Eines der grundsätzlichen Fragezeichen, die letztlich dann zu der in diesem Buch enthaltenen Studie führten, kann man etwa folgendermaßen beschreiben: Der Begriff „Schwarze Szene“ umfasst eine mittlerweile sehr breit gefächerte, geradezu bunte Subkultur, in deren Repräsentation auch viele Elemente der BDSM Szene zu finden sind (Halsbänder, Leinen, Ketten, Bondage-Hosen etc.) (Farin, 2006).

Welches sind die handlungs- und strukturtheoretischen Elemente dieser spezifischen Subkultur und wo sind die tatsächlichen Berührungspunkte zum BDSM? Wer Gothics und BDSMer als Akteure in der heutigen Zeit eigentlich sind, wie sie ihr Leben unter soziologischen Gesichtspunkten führen und was sie grundlegend oder in feinen Nuancen von der übrigen Gesellschaft insbesondere in Bezug auf ihre Lebenswelten unterscheidet – diesen Fragen soll sich das Forschungsvorhaben stellen. Von dieser Ausgangslage abgeleitet, besteht das Ziel dieser Arbeit darin, einen Beitrag zur Erfassung und Erklärung der Lebenswelten der Szenen Gothic und BDSM zu leisten. Von Interesse ist hier auch, dass eventuelle Berührungspunkte zwischen den Szenen auch aus einer anderen Richtung hergeleitet werden können: „Das Vorhandensein von Andersartigkeit ist grundsätzlich ein verneinender Gestus an das Bestehende, auch wenn man das als Individualist eventuell gar nicht so erstanden haben will. Und hier liegt meines Erachtens die eigentliche Verschwisterung des Gothic mit BDSM – mit Verlaub, die Vermischung des Einen mit dem Anderen stört nur im Hinblick auf die menschliche Präferenz zum Vorurteil, denn da ist jeder Gothe mindestens ein heimlicher Gummileibchenträger, und das kann einen schon etwas ärgern.“ (Quelle: nachtwelten.de Stand: 25.05.08)

Aus diesen Vorabbetrachtungen lassen sich die Hauptfragestellungen herleiten.

Was ist das Besondere an Gothic und BDSM, wie beschreiben sie sich in Bezug auf Identifikation und Selbstbild inner- und außerhalb ihrer Szenezugehörigkeit?

Welche Strategien zum Umgang mit Vorurteilen gibt es?

[...]

Wie lassen sich die Szenen insbesondere auch in Bezug auf biographische Details wissenschaftlich klar definieren und beschreiben?

[...]

Im Zeitraum zwischen dem ersten Quartal 2008 und dem zweiten Quartal 2013 werden zur Forschungsfrage empirische Daten erhoben und zwar in Form von Interviews und teilnehmender Beobachtung, die in eine These zur Lebensführung und zum Selbstverständnis von Gothics und BDSMern münden sollen. Die Vorspeise wird nachfolgend präsentiert.

Zunächst erfolgt KEINE Einordnung in allgemeine zeitgenössische Ansätze und es wird NICHT nach dem aktuellen Stand der Forschung gefragt. Daran anschließend werden die theoretischen Konzepte zur soziologischen Diskussion um die Szenen NICHT erläutert. Warum nicht? Weil sich diese Ansätze hervorragend in ebenso wichtigen wie notwendigen, theoretischen wissenschaftlichen Arbeiten in der Nähe dieses Themas nachlesen lassen (vgl. Anhang Literatur). Auf die theoretischen Konzepte wurde ebenfalls nicht aus Platzgründen verzichtet, sondern weil dies die Fickgeschichten eines Perpffs sind und die sind nun einmal nicht theoretisch, sondern allenfalls entsteht eine theoretische Überlegung aufgrund der Verortung der Informationen in den Lebenswelten der Befragten. Diese Lebenswelten, virtuell wie real, bilden den Ausgangspunkt für die empirische Untersuchung, die zu einer genaueren Beschreibung und zu besserem Verständnis derselben führen soll.

[Foto „Dualitäten“ THX@La Mariquita¹ – in dieser Leseprobe nicht enthalten]

[...]

Ende der Leseprobe aus 199 Seiten

Details

Titel
Fickgeschichten eines Perpffs. Die Lebenswelten Gothic und BDSM im Internet
Autor
Jahr
2015
Seiten
199
Katalognummer
V309724
ISBN (eBook)
9783668081062
ISBN (Buch)
9783668081079
Dateigröße
32130 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bdsm, gothic, subkulturen im internet, subkulturen, netz, goth, sexualität
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Kivi van der Neut (Autor), 2015, Fickgeschichten eines Perpffs. Die Lebenswelten Gothic und BDSM im Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309724

Kommentare

  • Gast am 14.11.2015

    Ein schräger Buchtitel, eine vielversprechende Leseprobe, eine unverschämte Autorin!
    Genug Gründe um auf die Druckversion zu warten.

    dompteur la femme

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Titel: Fickgeschichten eines Perpffs. Die Lebenswelten Gothic und BDSM im Internet


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