Psychosoziale Folgen von Erwerbslosigkeit. Entstehung und Prävention


Ausarbeitung, 2015
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemlage in der Bundesrepublik Deutschland
1.1. Bedeutung von Erwerbsarbeit
1.1.1. Soziale Aspekte
1.1.2. Finanzielle Aspekte
1.1.3. Lebensperspektive

2. Psychosoziale Folgen der Erwerbslosigkeit
2.1. Isolation/ Depression
2.2. Substanzmittelabusus
2.3. Selbstwert/ Selbstvertrauen/ Selbstachtung
2.4. Psychosomatische Erkrankungen
2.5. erhöhte Mortalität/ Suizidalität als Folge der (Dauer-) Erwerbslosigkeit

3. Begünstigende Faktoren psychischer Folgen
3.1. Vulnerabilität / Persönlichkeitseigenschaften
3.2. Familie/ Soziales Netzwerk/ Integration in Gesellschaft
3.3. Bildungsniveau/ Gesellschaftsschicht
3.4. Alter

4. Präventionsmaßnahmen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Problemlage in der Bundesrepublik Deutschland

Weltweit kommt es seit diversen Jahren zu beispielhaften und nachhaltigen Demonstrationen in mehreren Industrieländern, als Antwort auf die massiven Wirtschaftskrisen und die damit verbunden anhaltenden Staatsverschuldungen, die eine weltweite soziale Zwangslage verursacht haben. In 11 von 28 Mitgliedsländern der Europäischen Union (EU) existieren nach wie vor Erwerbslosenquoten über der 10 Prozentmarke (vgl. DESTATIS). Auch wenn Deutschland im November 2014 mit 5,0 % die zweitniedrigste Erwerbslosenquote der EU besaß, vermitteln die vielen Betroffenen die hinter dieser Erwerbslosenquote stecken, dieser oben benannten Krise das menschliche Angesicht (vgl. DESTATIS).

Diese gravierenden individuellen Beeinträchtigungen werden zunehmend Gestand in verschiedenen sozialwissenschaftlichen Forschungszweigen, auch wenn festzuhalten ist, dass diesbezüglich noch deutliche Forschungslücken existieren. Die Mehrheit der vorhandenen Untersuchungen wie zum Beispiel die Marienthal-Studie geht aus den Gebieten der gesundheitspsychologischen und sozialmedizinischen Forschung hervor und benennt als mögliche Auswirkungen von Erwerbslosigkeit die Endqualifizierung, die gesellschaftlich-kulturelle und soziale Isolation unter anderem durch Stigmatisierung, innerfamiläre Tensionen und Konflikte, Schuldgefühle, Depressionen, Aggressivität und trotz der bestehenden Grundsicherung auch die Verarmung. (vgl. Oschmiansky 2010).

Aber warum führt die Gegebenheit „Erwerbslosigkeit“ eigentlich zu gesundheitlichen Risiken und in der Konsequenz zu psychosozialen Folgen, während man doch denken könnte „endlich ausschlafen“, „endlich Dinge erledigen zu denen ich sonst keine Zeit hatte“, „ endlich besitze ich Zeit für mich“ ? Die Antworten auf diese Fragen lassen sich nicht allein mit dem Fakt der Abwesenheit von Erwerbsarbeit begründen, sondern liegen in den besonderen Lebensumständen, die sich aus den diversen Gegebenheiten und Veränderungen ergeben, die die Situation der Arbeitslosigkeit mit sich bringt.

1.1. Bedeutung von Erwerbsarbeit

Erwerbsarbeit stellt in der Bundesrepublik Deutschland die bedeutendste Institution dar, über die sich ein Individuum in die Gesellschaft zu integrieren vermag. Erwerbsarbeit hat damit nicht nur eine existenzsichernde Funktion, sondern über die Erwerbsarbeit werden auch der soziale Rang und das eigene Selbstverständnis mehr oder weniger explizit definiert (vgl. Ludwig-Mayerhofer 2012). Eine sichere Anstellung ist der unhinterfragte Fond, vor dem ein Individuum in unserer Gesellschaft agieren kann. Die Erwerbsarbeit vermittelt gesellschaftliche Anerkennung und bewirkt, dass bei den Menschen den Eindruck entsteht, einen sinnvollen Anteil für die Gesellschaft zu erwirken. Auch gibt die Erwerbsarbeit den Berufstätigen eine Zeitorganisation und Tagesstruktur, denn selbst die Freizeit und der Urlaub sind bezüglich der Erwerbsarbeit gesetzlich und /oder vertraglich klar definiert (vgl. Promberger 2008, S. 7 ff).

1.1.1. Soziale Aspekte

Essentielle Grundlagen für die Entwicklung von Identität und Selbstwertgefühl innerhalb Deutschlands stellen die Berufskongruenz und die Arbeitsaufgaben dar. Die Empirie im Umgang mit der Arbeit führt beim Individuum zum Gefühl der Handlungskompetenz. Diese Handlungskompetenz stellt ein wichtiges Element für die Entwicklung unserer intrinsischen Motivation in Bezug auf die Erwerbsarbeit dar. Den Erwerbstätigen werden durch die Zusammenarbeit und der Kontakt mit anderen Menschen die Möglichkeit geebnet in einem sozialen Milieu zu fungieren. Auch werden kooperative und kommunikative Fähigkeiten und Fertigkeiten gefordert bzw. verlangt und somit werden soziale Kompetenzen protegiert, expandiert und aufrechterhalten (vgl. Spycher, Nadai, Gerber 1997, S. 25).

1.1.2. Finanzielle Aspekte

Wie bereits erwähnt ist Erwerbslosigkeit nicht nur mit erheblichen sozialen Beeinträchtigungen sondern auch mit deutlichen finanziellen Verlusten gepaart, denn die Erwerbstätigkeit dient nicht nur der sozialen Integration, sondern größtenteils des Erwerbes von Geld, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Auch wenn die Betroffenen von Erwerbslosigkeit finanzielle Unterstützung durch den Sozialstaat erfahren, müssen diese sich beachtlich limitieren. Je länger ein Individuum demnach erwerbslos ist, des so höher ist auch die Wahrscheinlichkeit in die Armut zu stürzen und sich zu überschulden, da ihnen mit der Zeit die eventuell noch vorhanden finanziellen Ressourcen endgültig erlöschen (vgl. Oschmiansky 2010). In keinem anderen EU-Land ist das Risiko der Erwerbslosen, zu verarmen so beträchtlich wie in Deutschland. In der Bunderepublik Deutschland existierten im Jahr 2013 laut statistischem Bundesamt mehr als zwei Drittel erwerbslose Menschen (69,3 %), dessen Existenz von Armut bedroht war. Demnach sind zwei Drittel aller von Erwerbslosigkeit Betroffener armutsgefährdet (vgl. DESTATIS 2014). Laut EU- Spezifizierung fürEuropean Union Statistics on Income and Living Conditions (EU-SILC) wird dann von einer Armutsgefährdung gesprochen, wenn dem Betroffenen weniger als 60% des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung steht. Im Jahr 2013 betrug dieser Schwellenwert für einen alleinstehenden Menschen in Deutschland 979 Euro im Monat.

Auch zählt Erwerbslosigkeit zu den empirisch wichtigsten Faktoren in Bezug auf die Einzelüberschuldung, da bezüglich des Verlustes der Erwerbstätigkeit von einem entscheidenden Ereignis gesprochen werden kann, welches in den meisten Fällen kaum vorhersehbar erscheint (vgl. Oschmiansky 2010, vgl. DESTATIS 2013).

1.1.3. Lebensperspektive

„Und da der Einfluß, den die Marienthaler auf eine kollektive Besserung nehmen können, nur sehr bescheiden und indirekt ist, fügt sich der Ort dem Niedergang“ (Jahoda, Lazarsfeld & Zeisel 1972, S. 59)

Das der Verlust des Arbeitsplatzes zu psychischen Beeinträchtigungen führen kann, die den Betroffenen unter anderem einen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt erschwert, fanden bereits Jahoda, Lazarsfeld und Zeisel in den 30´Jahren in ihrer Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ heraus. Hauptgegenstand ihrer Studie war die Frage nach den psychischen und sozialen Folgen der Erwerbslosigkeit auf die Menschen in Marienthal. Diese Studie zählt zu den Meilensteinen der sozialwissenschaftlichen empirischen Forschung und hat nichts an ihrer Aktualität verloren (vgl. Bühler 2007, S. 1-4). Sie stellt nach wie vor ein hochaktuelles Thema dar, denn die derzeit 6,4 Betroffenen von Erwerbslosigkeit (vgl. Statistisches Bundesamt - DESTATIS 2015) befinden sich laut diverser Untersuchungen in einer besonderen Lebenslage, bei welcher das Risiko besteht in einer schwerwiegenden Lebenskrise zu enden. Diese Krise ist meist mit dem drohenden Verlust des Wohnraums, Überschuldung, der sozialen (Selbst-) Isolation, Erkrankungen, Delinquenz und/ oder einer mangelnden Lebensperspektive verbunden (vgl. Korczak 2015).

In welcher Form und in welchem Ausmaß die Erwerbslosigkeit nun aber tatsächlich zu psychosozialen Folgen führt und welche Interventionsmöglichkeiten bestehen, wird in den folgenden Kapiteln näher beleuchtet. Diese Hausarbeit ist in drei Abschnitte (Kapitel 2, 3, 4) gegliedert. Das folgende Kapitel 2 setzt sich zunächst mit den möglichen psychosozialen Folgen bei den von Erwerbslosigkeit betroffenen Individuen auseinander und schafft den Übergang zu Kapitel 3 in welchem mögliche begünstigende Faktoren benannt und näher erläutert werden. Im letzten Kapitel werden mögliche Interventionsmaßnahmen aufgezeigt bzw. definiert und deren realistische Übertragung in die Lebenswelt der von Erwerbslosigkeit Betroffenen dargelegt.

2. Psychosoziale Folgen der Erwerbslosigkeit

„Doch Arbeitslosigkeit bedeutet nicht nur fehlendes Einkommen, das sich durch staatliche Umverteilungen kompensieren läßt – obgleich nur dank eines hohen Steueraufkommens, was seinerseits zu erheblichen Belastungen führt -; sie schmälert überdies in vielen anderen Hinsichten Freiheit, Initiative und Begabungen des Individuums. Zu den vielfältigen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit zählt unter anderem, daß einige Gruppen vom sozialen Leben ausgeschlossen werden, daß sie ihre Selbständigkeit, ihr Selbstvertrauen, ihre seelische und körperliche Gesundheit einbüßen“ (Amartya Sen 2000, S. 33).

Wenn bedacht wird, dass Menschen auf Grund von drohender Erwerbslosigkeit Existenzängste und Unsicherheiten entwickeln können. Entsteht die Frage, welche Auswirkungen hinterlässt dann eine längere Arbeitslosigkeit bei den Individuen?

In der Bundesrepublik existieren Studien, welche den Zusammenhang zwischen Erwerbslosigkeit und der immensen Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit und dem physischen Wohlergehen belegen. Gerade bei Menschen die von dauerhafter Erwerbslosigkeit betroffen sind, liegen derartige psychosoziale Folgen in konvexer Ausprägung vor (vgl. Häfner 1990, S. 1 ff).

Die psychosozialen Folgen von Erwerbslosigkeit stellen sich sehr vielfältig und individuell unterschiedlich ausgeprägt dar. Wie Erwerbslose nun aber genau mit dem Verlust ihrer Erwerbsarbeit umgehen bzw. diese erleben und wie stark sie den gesundheitlichen und psychosozialen Risiken ausgesetzt sind, ist sehr unterschiedlich und individuell. Aber allen gemeinsam ist, dass sie dazu gezwungen sind, sich mit diesem Thema näher auseinander zu setzen. Das subjektive Erleben und Bewältigen von Erwerbslosigkeit hängt von diversen Persönlichkeitsmerkmale und Eigenschaften eines jeden Individuums ab. Auch spielt der Fakt der Ressourcenorientierung und der Resilienz eine immense Rolle - Resilienz als eine Art seelische Widerstandsfähigkeit, welche den Erwerbslosen die Kraft zuteilt, einen Neuanfang zu starten.

Den Menschen, denen es nicht gelingt, sich innerhalb kurzer Zeit in den Arbeitsprozess zurück zu integrieren, müssen andere Bewältigungsstrategien erlernen bzw. anwenden, um die gesellschaftliche Anerkennung nicht gänzlich zu verlieren. Häufig wird diesbezüglich auf Rückzug und physische Erkrankungen zurückgegriffen, denn Krankheit wird gesellschaftlich eher legitimiert als erwerbslos zu sein. Laut etlicher Untersuchungen führt dieser Weg dann für die Erwerbslosen häufig in einen Kreislauf von Krankheit, sozialer Isolation und finanzieller Unterstützung durch das Sozial- oder Arbeitsamt und später durch das Jobcenter! Denn auch wenn die Bewältigung von Erwerbslosigkeit nicht zwingend zu persönlichen Notlagen mit psychosozialen Beeinträchtigungen führt, begünstigen derartige Erfahrungen allerdings bei vulnerablen Personengruppen den Weg in die Langzeitarbeitslosigkeit – in eine Lebensperspektive ähnlich die der Marienthaler um 1929 in Armut und sozialer Isolation (vgl. Zempel, Bacher, Moser 2001, S.5).

„Ihr Seelenleben hat sich zusammengezogen; Eine Verengung der Bedürfnisse hat stattgefunden … wir haben diese seelische Haltung als Resignation definiert“ (Lazarsfeld 1932, S. 149)

2.1. Isolation/ Depression

Der Fachbegriff soziale Isolation oder auch soziale Deprivation beschreibt in der Sozialpsychologie die Lebenssituation von Individuen, welche durch eigene Demission oder durch Ausgrenzung anderer Menschen kaum oder wenige gesellschaftliche Kontakte zu Mitmenschenpflegen (vgl. Kilz 2006-2015).

Bei vielen Menschen führt der Verlust der Berufstätigkeit und/ oder eine andauernde Phase ohne Arbeit, zu inneren Prozessen, bei welchen sie sich selbst in Frage stellen und sich oftmals auch aus eigenem Antrieb aus der Gesellschaft und der Teilhabe am soziokulturellem Leben zurück ziehen (vgl. Oschmiansky 2010).

Die Zukunft für die Betroffenen erscheint nicht mehr planbar, daher stellt sich als Konsequenz eine Perspektivlosigkeit ein, welche zunächst nahtlos in depressive Verstimmungen übergeht und später, wenn weitere Probleme oder Schwierigkeiten hinzutreten in einer pathologischen Depression enden kann.

Eine bekannte deutsche Krankenkasse ist in einer Analyse zu der Erkenntnis gelangt, dass bei erwerbslosen Menschen neun von Tausend eine psychische Erkrankung entwickeln, während bei Erwerbstätigen nur 3,6 von Tausend psychische Störungsbilder erleiden (vgl. Schindler 2009 S. 186)

Drei repräsentative Studien in den Jahren 1998, 2000 und 2001, in welchen Brähler, Laubach und Stöbel-Richter jeweils mehr als 1000 berufstätige sowie arbeitslose Menschen nach ihrem gesundheitliche Befinden befragten, kamen zu der Erkenntnis, dass Arbeitslose durchschnittlich wesentlich höhere Werte bzgl. Ängsten und Depressionen aufweisen, als Menschen, die bisher noch gar nicht bzw. nur einmalig erwerbslos waren (vgl. Berth, Förster, Brähler 2004, S. 2).

2.2. Substanzmittelabusus

Es existieren eine Vielzahl von Studien und Publikationen, welche den engen Kontext von Erwerbslosigkeit und Gesundheit belegen (vgl. Grobe 2003). In Bezug auf Substanzmittelabusus bei erwerbslosen Menschen liegen Untersuchungen von Henkel und Zemlin vor. Es existieren Belege dafür, dass eine länger andauernde Erwerbslosigkeit eine Gefahr bzgl. der Entwicklung und Chronifizierung von Abhängigkeitserkrankungen darstellt bzw. diese begünstigt. Eine direkte Verknüpfung zwischen Erwerbslosigkeit und der steigenden Quote von Alkoholkonsumenten konnte in der Forschung allerdings bisher nicht dokumentiert werden. Lediglich konnte in Studien beobachtet und belegt werden, dass bei bereits bestehenden Konsummustern eine Intensivierung der Alkoholaufnahme stattfindet. Dennoch sind suchtkranke Erwerbslose in veröffentlichten Statistiken überdurchschnittlich oft aufgeführt. Nach Auskunft des Verbands der deutschen Rentenversicherungsträger waren circa 40 % der Menschen, die im Jahr 2001 eine Entzugsbehandlung wegen einer Alkohol-, Medikamenten- und/ oder anderweitigen Drogenerkrankung durchführten, erwerbslos. Des Weiteren meldeten ambulante Suchtbehandlungs-Einrichtungen, dass rund 27 Prozent der männlichen Alkoholklienten und 38 Prozent der weiblichen Alkoholklienten eine Erwerbslosigkeit aufweisen. Ähnliche Belege konnten in Bezug auf den Konsum von Tabakwaren dokumentiert werden (vgl. Grobe 2003).

Aus der Perspektive der Suchtinterventionsstellen kann die Erwerbslosigkeit als eines der gravierendsten Probleme bei der (Re-)Integration Suchterkrankungen angesehen werden (vgl. Oschmiansky 2010).

2.3. Selbstwert/ Selbstvertrauen/ Selbstachtung

„Es ist, als sei ich mit 180 Sachen gegen eine Wand gefahren. Seitdem ist nichts mehr wie vorher, es bewegt sich nichts mehr“ (Langzeiterwerbsloser 50+, in Kuhnert 2008).

In den Studien von Paul und Moser in den Jahren 2006 und 2009 wurde deutlich, dass Erwerbslosigkeit nachweislich neben den bereits erwähnten psychischen Störungen wie Angst, Depression und psychosomatischen Erkrankungen auch deutliche Schäden im Selbstwertgefühl der betroffenen Menschen hinterlässt. Die Erwerbslosen empfinden ein allgemeines Gefühl der Nutzlosigkeit, dieses führt bei manchen Betroffenen dazu, dass diese sich handlungsunfähig vorkommen. Sie verlieren die Achtung vor sich selbst (vgl. Paul, Hassel, Moser 2006, S.37).

2.4. Psychosomatische Erkrankungen

Auch wenn der Fakt der Erwerbslosigkeit schon immer existiert, sind es in der heutigen Zeit vor allem die psychischen, die sozialen und schlussendlich auch die psychosomatisch interpretierbaren Folgen, welche sowohl den von der Erwerbslosigkeit Betroffenen, als auch seine Familie vor eine zum Teil unüberwindbare Herausforderung stellen. Laut Kieselbach verstärken sich im Zusammenhang mit der Erwerbslosigkeit bei den Betroffenen bereits bestehende Grundleiden und / oder es treten psychosomatische Erkrankungen, ohne pathologisch organischen Befund, wie zum Beispiel eine Immunsuppression, asthmatische Symptome und Rücken- sowie Kopfschmerzen auf.

Unter den derzeit diskutierten pathogenetischen Wirkprinzipien von Arbeitslosigkeit sind das Stressmodell, gesundheitsschädigendes Eigenverhalten mit riskantem Lebensstil, die Deprivationstheorie und das „Vitaminmodell“, das sich auf sozioökonomische Defizite bezieht, bedeutsam“ (Weber, Hörmann, Heipertz 2007, S. 3)

Wenn auch sehr ungenau und nicht repräsentativ werden die wissenschaftlichen Gutachten zur psychosozialen Situation der Betroffenen von Erwerbslosigkeit durch die Fakten der Sozialversicherungen zur Gesundheit von Arbeitslosen belegt. Danach treten psychische Folgeerscheinungen vor allem zu Beginn der Erwerbslosigkeit auf. Erst mit zunehmender Dauer entwickeln sich physische bzw. psychosomatische Symptome (vgl. DGB 2010, 4-5).

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Psychosoziale Folgen von Erwerbslosigkeit. Entstehung und Prävention
Hochschule
Fachhochschule Potsdam
Veranstaltung
Online Bachelorstudiengang „Soziale Arbeit“
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V310094
ISBN (eBook)
9783668090064
ISBN (Buch)
9783668090071
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psychosoziale, folgen, erwerbslosigkeit, entstehung, prävention
Arbeit zitieren
Henriette Ortel (Autor), 2015, Psychosoziale Folgen von Erwerbslosigkeit. Entstehung und Prävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310094

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