„Without knowledge, an organization could not organize itself; it would be unable to maintain itself as a functioning enterprise.“
Mit dieser Aussage machten DAVENPORT/PRUSAK bereits vor über 10 Jahren darauf aufmerksam, dass Wissen einen, wenn nicht den entscheidenden Faktor für ein gut funktionierendes Unternehmen darstellt. „Wissen und Informationen gewinnen vor dem Hintergrund zum Teil rasanter gesellschaftlicher Veränderungen auch in der Bundeswehr – als Spiegelbild der Gesellschaft – eine immer größere Bedeutung“. Bedingt durch den demografischen Wandel, die zunehmende weltweite technische Vernetzung sowie die Abschaffung bzw. Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht sieht sich auch die Bundeswehr als Unternehmen einem zunehmenden Wettbewerb mit der zivilen Wirtschaft um adäquaten Nachwuchs ausgesetzt. Dies trifft besonders für den Bereich der jungen, fitten und motivierten Bewerber zu, die später z.T. auch wichtige Führungspositionen einnehmen sollen. Erschwerend hinzu kommt, dass sich die Bundeswehr dieser Herausforderung mitten in einer Reform- bzw. Transformationsphase mit signifikanter Personalreduzierung stellen muss.
Die Bundeswehr hat das strukturelle Defizit, dass gerade die akademisch gebildeten Führungskräfte im Durchschnitt alle zwei bis drei Jahre eine neue Verwendung bzw. einen neuen Dienstposten antreten. Und in nicht wenigen Fällen geschieht dies ohne eine ordentliche Übergabe an den Nachfolger, meist weil dieser, aus unterschiedlichsten Gründen, noch nicht verfügbar ist. Mit dem wegversetzten Offizier geht jedoch auch das auf dem ursprünglichen Dienstposten aufgebaute Wissen zu einem Großteil verloren. Der Nachfolger muss sich oft für dieselben Probleme, die sein Vorgänger hatte, nochmals Lösungen einfallen lassen.
Die Frage ist, wie das vorhandene Wissen zum einen für einen Dienstposten unabhängig von der bekleidenden Person gespeichert und zugänglich gemacht werden kann und zum anderen, auf welche Art und Weise die Vorgänger für ihre Nachfolger als Anlaufstelle bei Fragen erhalten werden können, auch wenn sich diese nicht mehr am Standort befinden. An diesem Punkt setzen die 2010 erlassenen Konzeptionellen Grundvorstellungen Wissensmanagement Bundeswehr (KGvWiMgmtBw) an. Die Bundeswehr hat mit dem Erlass der KGvWiMgmtBw die Bedeutung eines ganzheitlichen Wissensmanagements innerhalb der Streitkräfte erkannt und deutlich gemacht sowie ferner auch erste Forderungen und Weichenstellungen für dessen Implementierung [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Terminologische Verortung und Abgrenzung des Forschungsgegenstandes
2.1 Definition Online Community
2.2 Abgrenzung von Online Communities zu Netzwerken
3. Vorüberlegungen zur empirischen Erhebung
3.1 Vorgehensweise der Recherche
3.2 Überblick Communities mit Bezug zur Bundeswehr
3.2.1 Kriterien für die Auswahl der Erhebungseinheiten
3.2.2 Ergebnisse der Recherche
3.3 Ermittlung der Fragebedarfe
4. Empirische Erhebung
4.1 Methodisches Vorgehen
4.1.1 Wahl der Forschungsmethode
4.1.2 Methode der Online-Befragung
4.1.3 Auswahl der Stichprobe
4.1.4 Entwicklung des Erhebungsinstrumentariums
4.1.4.1 Design des Fragebogens
4.1.4.2 Inhaltliche Bestandteile des Fragebogens
4.1.4.3 Grundlagen zur Durchführung der Online-Befragung
4.2 Ergebnisse der Online-Befragung
4.2.1 Soziodemografische Merkmale
4.2.2 Organisation der Community
4.2.3 Aktivität in der Community
5. Schlussbetrachtung
6. Anhang
7. Literarturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Online-Communities mit Bezug zur Bundeswehr, um deren Struktur, Organisation und den Nutzen für die Mitglieder zu identifizieren und Potenziale für ein zukünftiges Wissensmanagement innerhalb der Bundeswehr abzuleiten.
- Bestandsaufnahme existierender Online-Communities mit Bundeswehrbezug.
- Analyse der Mitgliederzusammensetzung und soziodemografischer Merkmale.
- Erforschung der Motive und des erwarteten Nutzens für aktive Soldaten und Zivilisten.
- Bewertung von Möglichkeiten einer Kooperation zwischen der Bundeswehr und zivilen Online-Communities.
- Methodische Triangulation durch Literaturanalyse und eine empirische Online-Befragung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition Online Community
Bei dem Begriff der Online Community handelt es sich um einen multidisziplinären Forschungsgegenstand, was zu Schwierigkeiten bei der terminologischen Verortung führt, da einige Definitionsversuche aus einer jeweils fachspezifischen Perspektive heraus erfolgten. Infolgedessen bestehen bei der Auseinandersetzung mit dem Terminus Online Community technologische, soziologische sowie ökonomische Einflüsse und Sichtweisen. Der erste, der den Begriff der Virtuellen Community maßgeblich geprägt hat war RHEINGOLD. Dieser betrachtete Communities aus soziologischer Perspektive: „Virtual Communities are social aggregations that emerge from the Net when people carry on public discussion long enough, with sufficient human feeling, to form webs of personal relationships in cyberspace“. In dieser ersten Definition wird deutlich, dass das Verständnis von Online Communities auch von den aktuellen technologischen Möglichkeiten abhängt. RHEINGOLD ergänzte seine Definition später wie folgt: „A virtual community is a group of people who may or may not meet one another face to face, and who exchange words and ideas through the mediation of computer bulletin boards and networks“. Diese Form der Kommunikation wurde erst dadurch ermöglicht, dass neue Kommunikationstechnologien, wie das Internet, allgegenwärtig wurden und zudem die technologische Leistungsfähigkeit der benötigten Hardwarekomponenten im Zeitablauf rasant anstieg, während gleichzeitig die Preise dafür stark sanken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Wissen für Organisationen und die spezifischen Herausforderungen der Bundeswehr, wie Personalfluktuation und den Bedarf an Wissensmanagement.
2. Terminologische Verortung und Abgrenzung des Forschungsgegenstandes: Dieses Kapitel definiert Online Communities aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven und grenzt sie von allgemeinen Netzwerken und sozialen Netzwerken ab.
3. Vorüberlegungen zur empirischen Erhebung: Hier wird das Vorgehen bei der Suche nach relevanten Communities beschrieben und die Kriterien für die Auswahl der Erhebungseinheiten festgelegt.
4. Empirische Erhebung: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Vorgehen, die Konzeption des Fragebogens sowie die Durchführung und Auswertung der Online-Befragung.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Implikationen für ein zukünftiges Wissensmanagement der Bundeswehr unter Einbeziehung der untersuchten Communities.
6. Anhang: Der Anhang enthält den vollständigen Fragebogen in Online-Ansicht sowie in der Variablenansicht.
7. Literarturverzeichnis: Das Verzeichnis listet sämtliche verwendete Quellen und Literaturstellen auf.
Schlüsselwörter
Bundeswehr, Online Community, Virtuelle Community, Wissensmanagement, Empirische Untersuchung, Mitgliederstruktur, Soziodemografie, Wissensaustausch, Online-Befragung, Community-Organisation, Soziale Netzwerke, Wissensgenerierung, Digital Natives, Communities of Practice, Kooperation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung von Online-Communities, die einen thematischen Bezug zur Bundeswehr aufweisen, um deren Nutzen für ein professionelles Wissensmanagement in den Streitkräften zu bewerten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Abgrenzung von Online-Communities, die Identifikation existierender Gruppen, die Motivation der Mitglieder sowie das Potenzial für eine Kooperation mit der Bundeswehr.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist eine Bestandsaufnahme dieser Communities und die empirische Analyse ihrer Zusammensetzung, Organisation und Mitglieder-Motive, um Handlungsempfehlungen für die Bundeswehr zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt einen methodischen Triangulationsansatz, der eine fundierte Literaturrecherche mit einer standardisierten empirischen Online-Befragung (Web-Survey) verbindet.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil stehen die methodische Herleitung der Untersuchung, die Vorstellung ausgewählter Communities und die detaillierte Auswertung der erhobenen Daten zu soziodemografischen Merkmalen, Organisationsformen und der Aktivität der Nutzer.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Online Community, Wissensmanagement, Bundeswehr, empirische Sozialforschung und Community-Motivation geprägt.
Welche Bedenken äußern die Mitglieder bezüglich einer Kooperation mit der Bundeswehr?
Die befragten Mitglieder fürchten primär Einschränkungen ihrer Objektivität, Neutralität und Unabhängigkeit durch eine mögliche redaktionelle Kontrolle sowie den Verlust ihrer Anonymität.
Welche Rolle nehmen die meisten Mitglieder in den untersuchten Communities ein?
Die Analyse zeigt, dass fast die Hälfte der Teilnehmer sich primär als „stille Beobachter“ sieht, die weder aktiv Fragen stellen noch Beiträge kommentieren, sondern das Forum vor allem zur Informationsgewinnung nutzen.
- Citation du texte
- M.Sc. Simon Lutter (Auteur), 2013, Communities mit Bezug zur Bundeswehr, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310270