Aktuelle Tendenzen in der Politikdidaktik. Kritik der Autorengruppe Fachdidaktik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Konzepte-Band von Georg Weißeno et al
2.1 Die politische Bildung in der Schule
2.2 Die Konzepte
2.2.1 Basis- und Fachkonzepte
2.2.2 Präkonzepte
2.3 Die kompetenzorientierte Unterrichtsplanung

3 Die Kritik der Autorengruppe Fachdidaktik
3.1 Kritik am Kompetenzbegriff
3.2 Kritik am inhaltlichen Kernbereich ÄPolitikwissenschaft“
3.3 Kritik an den Konzepten
3.4 Kritik am Umgang mit Medien und an der Unterrichtsplanung

4 Bewertung des Konfliktes

5 Abbildungsverzeichnis

6 Literaturverzeichnis
6.1 Monografien
6.2 Aufsätze, Artikel
6.3 Internetquellen

1 Einleitung

Im Jahr 2010 erschien bei der Bundeszentrale für politische Bildung in hoher Auflage das Buch Konzepte der Politik - ein Kompetenzmodell[1] von einer Autorengruppe um Dr. Georg Weißeno, Professor für Politikwissenschaft und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe. Das Buch ist mit einer Auflage von 600 Exemplaren beim Wochenschau Verlag und mit einer wesentlich höheren Auflage von 7900 Exemplaren bei der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht worden. Es erweckt dadurch den Eindruck, ein must have für jeden Lehrer[2] der Politischen Bildung zu sein. Der Eindruck verstärkt sich nur, nachdem man beispielsweise die Rezension von Annette Kammertöns, erschienen in der Zeitschrift ÄPolitisches Lernen“ 2010[3], gelesen hat oder sieht, an wie viel Universitäten auf der Grundlage dieses Buches angehende Lehrer des Faches ausgebildet werden. In der Einführungsveranstaltung zur Politikdidaktik im Wintersemester 2010/2011 an der Universität Augsburg bei Herrn Dr. Bernhard Ohlmeier ist beispielsweise im Kommentar zur Lehrveranstaltung folgendes zu lesen:

Mit den ÄKonzepten der Politik“ hat die Politikdidaktik ein Modell geschaffen, das auch den Gegenstand der Demokratie auf demokratietheoretischer und empirischer Basis inhaltlich in Form von Basis und Fachkonzepten zu füllen versucht und ein Fachwissen bestimmt, das im Unterricht vermittelt werden soll.[4]

Ein Jahr später erschien in ähnlich hoher Auflage beim Wochenschau Verlag (800 Exemplare), aber in sehr viel geringerer Auflage bei der Bundeszentrale für politische Bildung (1400 Exemplare) von der Autorengruppe Fachdidaktik das Buch Konzepte der politischen Bildung - eine Streitschrift[5]. Die Streitschrift übt starke Kritik an dem von Georg Weißeno et al. vorgeschlagenen Kompetenzmodell und möchte mit den Beiträgen von insgesamt acht Autoren einen grundlegenden Beitrag zur Diskussion um die zu vermittelnden Inhalte und deren Art und Weise in der Politischen Bildung leisten.

Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über diese zwei Werke geben. Zu Beginn wird das Konzepte-Band von Georg Weißeno et al. vorgestellt, anschließend werden einzelne Kritikpunkte an diesem Kompetenzmodell aus der Streitschrift vorgestellt. Ziel dieser Arbeit soll es sein, beide Schriften gegenüber zu stellen und in einem abschließenden Kapitel die Bedeutung der Streitschrift in der Diskussion um die zu vermittelnden Inhalte in der Politischen Bildung aufzuzeigen.

2 Das Konzepte-Band von Georg Weißeno et al.

Mit dem Konzepte-Band unterbreiten Georg Weißeno et al. einen Vorschlag auf die Frage hin, welche Inhalte in welchem Umfang und auf welche Art und Weise in der Politischen Bildung an den Schulen in Deutschland vermittelt werden sollten. Seit der Diskussion um Bildungsstandards und der freiwilligen Auferlegung der Entwicklung solcher durch die Gesellschaft für Politikdidaktik und politischer Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE) steht ein konsensual entwickeltes und für alle Lehrer des Faches verbindliches Kompetenzmodell noch aus.

Georg Weißeno et al. wollen diese Lücke teilweise schließen. Sie legen ein Ä[…] systematisches, konsensual erarbeitetes Kompetenzmodell[6] “ vor und beschreiben Ä[…] die inhaltsbezogenen, kognitiven Fähigkeiten, über die Schüler/-innen verfügen müssen, um fachliche (hier: politische) Probleme lösen zu können.[7] “ Das Kompetenzmodell bezieht sich demnach lediglich auf eine Kompetenz (inhaltsbezogene Politikkompetenz), Georg Weißeno et al. merken selbst an: ÄAussagen zu anderen Kompetenzbereichen finden sich in dieser Darstellung nicht, wären aber zur Erstellung eines allgemeinen Kompetenzmodells unerlässlich.[8] “ Für die Entwicklung ihres Kompetenzmodells definieren Weißeno et al. sehr genau unterschiedliche Aspekte des Faches aus, um eine einheitliche Grundeinstellung gegenüber dem Fach und seiner Vermittlung auf Seiten des Lesers zu schaffen.[9] Im Folgenden sollen diese Definitionen vorgestellt werden

2.1 Die politische Bildung in der Schule

Der Konzepte-Band sieht in der Politikwissenschaft den inhaltlichen Kernbereich des Faches. Zum einen strukturiere sie die inhaltliche Gestaltung des Faches der politischen Bildung an den Schulen und führt über eben diese Struktur zur Erlangung der kognitiven Politikkompetenz. Mit der Bezugnahme auf die Politikwissenschaft entstünden laut Georg Weißeno et al. in der Politischen Bildung sachlich richtige Aussagen, die der politischen Realität entsprächen.[10]

Die Politikwissenschaft sei als inhaltlicher Kernbereich des Faches zu wählen, da sie eine gedankliche und begriffliche Ordnung in die Welt des Politischen bringe, mit der die Schüler die Politikkompetenz erlangten.[11] Dabei erheben die Autoren um Georg Weißeno Ä[…] den Anspruch, das zu vermittelnde Wissen fachdidaktisch sinnvoll reduziert und geordnet zu haben[12] “, sodass es sich bei dem Inhalt der Konzepte um eine fachdidaktische Reduktion des politikwissenschaftlichen Wissens handle.[13]

Zum anderen soll durch die Bezugnahme auf die Politikwissenschaft auch die methodische Gestaltung des Unterrichts definiert werden. So sei bei jeglichem Thema, ob Ökonomie, Gesellschaft, Recht, Ökologie oder auch Eine Welt, Europa und Frieden ein explizit politischer Zugang zu wählen.[14]

Desweiteren soll mit Hilfe des Konzepte-Bandes eine civic literacy[15] geschult werden. Hierunter verstehen Georg Weißeno et al. eine Grundbildung, Ä[…] die dazu befähigt, an der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland teilzunehmen.[16] “ Diese Grundbildung werde durch die Vermittlung von Basis- und Fachkonzepten angeeignet.

2.2 Die Konzepte

Der inhaltliche Kern des Konzepte-Bandes beschäftigt sich mit den Konzepten der Politik,

welche in der Politischen Bildung zu vermitteln sind. Die Erstellung solcher Konzepte basiere auf den Erkenntnissen der Lehr-Lernpsychologie, laut welcher die Konzepte bedeutungs- und wahrnehmungsbezogene Wissensinhalte im Gedächtnis darstellten. Sie würden durch Begriffs- und Wortlisten - wie sie das Modell darstelle - konkretisiert und anwendbar.[17] Zum Beginn erklären Georg Weißeno et al. den Aufbau ihres Modells. Anschließend werden alle in dem Modell vorkommenden Begriffe ausdefiniert.

Das Modell von Georg Weißeno et al. setzt sich zusammen aus Basis- und Fachkonzepten. Folgende Anordnung der einzelnen Konzepte ist im Buch zu finden[18]:

[...]


[1] Weißeno, Georg/ Detjen, Joachim/ Juchler, Ingo/ Massing, Peter/ Richter, Dagmar: Konzepte der Politik - ein Kompetenzmodell, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 2010. Im Folgenden: Weißeno et al.: KonzepteBand.

[2] Grammatisch maskuline Personenbezeichnungen in dieser Arbeit gelten gleichermaßen für Personen weiblichen und männlichen Geschlechts.

[3] Kammertöns, Annette mit der Rezension des Werkes von Weißeno et. al in: Politisches Lernen (3-4), 2010 S.74 f.

[4] Professur für Didaktik der Sozialkunde der Universität Augsburg (Hg.): ÄKommentiertes Vorlesungsverzeichnis, Professur für Didaktik der Sozialkunde, Wintersemester 2010/2011“, in: www.philso.uni-ausgburg.de (URL: http://www.philso.uni- augsburg.de/lehrstuehle/polbild_poldid/Lehrveranstaltungen/Wintersemester_2010_11.pdf), Zugriff am 12.Juli 2011.

[5] Autorengruppe Fachdidaktik: Konzepte der politischen Bildung - eine Streitschrift, Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag, 2011. Im Folgenden: Streitschrift.

[6] Weißeno et al.: Konzepte-Band, S.10. Auslassung: AJ

[7] Weißeno et al.: Konzepte-Band, S.10. Auslassung: AJ

[8] Weißeno et al.: Konzepte-Band, S.12.

[9] Ein Ziel von Weißeno et al. ist es unter anderem, dem Ruf nach Verschlankung und Entrümpelung der Lehrpläne mit Hilfe der Festlegung des Basiswissens im Fach nachkommen. Vgl.: Weißeno et al.: Konzepte-Band, S.10 f.

[10] Vgl.: Weißeno et al.: Konzepte-Band, S.11.

[11] Vgl.: Weißeno et al.: Konzepte-Band, S.23.

[12] Weißeno et al.: Konzepte-Band, S.23.

[13] Vgl.: Weißeno et al.: Konzepte-Band, S.19.

[14] Weißeno et al.: Konzepte-Band, S.25

[15] Weißeno et al. orientieren sich an dem Begriff der literacy von Bybee, welcher darunter eine moderne Allgemeinbildung versteht, die mit Hilfe von Basisfähigkeiten aufgebaut wird. Vgl.: Weißeno et al.: Konzepte-Band, S.18 f.

[16] Weißeno et al.: Konzepte-Band, S.13.

[17] Vgl.: Weißeno et al.: Konzepte-Band, S.11.

[18] Vgl.: Weißeno et al.: Konzepte-Band, S.12.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Aktuelle Tendenzen in der Politikdidaktik. Kritik der Autorengruppe Fachdidaktik
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Aktuelle Tendenzen in der Politikdidaktik
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V310402
ISBN (eBook)
9783668090262
ISBN (Buch)
9783668090279
Dateigröße
1097 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aktuelle, tendenzen, politikdidaktik, kritik, autorengruppe, fachdidaktik
Arbeit zitieren
Annegret Jahn (Autor), 2011, Aktuelle Tendenzen in der Politikdidaktik. Kritik der Autorengruppe Fachdidaktik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310402

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