Das Ende des Zweiten Weltkriegs ist nicht einmal ein Jahrhundert her. Noch heute leben Menschen, die während des Kriegs in Deutschland oder den besetzten Gebieten wohnten oder sogar als Soldaten dienen mussten. Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 endete praktisch die Demokratie im Deutschen Reich; einzig die nationalsozialistische NSDAP wurde als Partei gestattet, die von nun an die Rechte der deutschen Bevölkerung stark einschränkte und deren Leben bestimmte.
Das NS-Regime muss den Tod von Millionen Menschen verantworten; nicht nur während des Zweiten Weltkriegs, sondern auch innerhalb der deutschen Bevölkerung: Geistig und körperlich Behinderte, Bettler, Prostituierte, Homosexuelle, Sinti und Roma und besonders Juden (Antisemitismus, Holocaust) galten als nicht lebenswert und wurden in Arbeits- oder Konzentrationslagern gequält und grausam getötet.
Die nationalsozialistische Regierung gestand der Sprache eine große Bedeutsamkeit in der Manipulierung der Öffentlichkeit zu; u.a um diese Verbrechen und ihre wahren Absichten zu verbergen. Nicht nur in Wehrberichten, sondern auch in den Ausdrucksweisen ihrer Gesetze und Maßnahmen sowie im alltäglichen der Menschen zog der geschickt formulierte Schreib- und Redestil ein. Folgend wird besonderes Augenmerk auf die Euphemismen in der Sprache des Nationalsozialismus gelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1 „Tabu“
2.2 „Euphemismus“
3. Euphemismen in Wehrmachtberichten
3.1 Der Wehrmachtbericht
3.2 Sprache im Wehrmachtbericht
3.3 Beispiele für Euphemismen bzw. Tarnsprache in Wehrmachtberichten
4. Euphemismen im Nationalsozialismus
4.1 Militär und Außenpolitik
4.2 Gewaltverbrechen
4.3 nationalsozialistische Maßnahmen
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den gezielten Einsatz von Euphemismen während der Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere innerhalb der Wehrmachtberichte sowie in der allgemeinen politischen Sprache des Regimes. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie diese sprachlichen Mittel funktionalisiert wurden, um Verbrechen zu verschleiern, die Öffentlichkeit zu manipulieren und die Zustimmung der Bevölkerung zu den Handlungen des NS-Regimes zu sichern.
- Sprachwissenschaftliche Einordnung von Tabu und Euphemismus
- Propagandistische Instrumentalisierung von Wehrmachtberichten
- Verschleierung militärischer Misserfolge durch Tarnsprache
- Euphemistische Legitimierung von Gewaltverbrechen
- Sprachliche Manipulation durch Begriffe wie "Lebensraum" oder "Gleichschaltung"
Auszug aus dem Buch
3.3 Beispiele für Euphemismen bzw. Tarnsprache in Wehrmachtberichten
Schwierige Situationen und Rückschläge
Absetzbewegung, Frontbegradigung, Ausweichbewegung:
Als die Wehrmacht vermehrt mit Niederlagen konfrontiert wurde, mussten Möglichkeiten gefunden werden, um diese in den Berichten zu tarnen. Erst bei genauerer Betrachtung erkennt der Leser hinter den Begriffen „Absetzbewegung“, „Frontbegradigung“, „Ausweichbewegung“ und „verkürzte Frontlinie“ eine militärische Niederlage . Zumal diese Begriffe oft in Kombination mit Adjektiven wie „planmäßig“ oder „befehlsmäßig“ erschienen, die ein taktisch überlegtes Handeln suggerieren. Der Wehrmachtbericht vom 15. Februar 1943 verdeutlicht dies: „Im Zuge der Absetzbewegungen aus dem Donezbecken auf die verkürzte Verteidigungsstellung wurden planmäßig und ohne Behinderung durch den Feind die Städte Rostow und Woroschilowgrad geräumt.“ (Wegmann 1982, nach Greule 2000: 37). Verkürzte Verteidigungsstellung lässt glauben, dass die Wehrmacht auf geringerer Fläche mit einer größeren Menge an Soldaten gegen den Feind kämpfen möchte und nicht, dass sie sich zurückziehen bzw. flüchten mussten, weil die sowjetische Armee die Region Stück für Stück zurück erkämpfte .
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Relevanz der Sprache im Nationalsozialismus als Instrument zur Manipulation und Verbergung ideologischer Ziele sowie begangener Verbrechen.
2. Definitionen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Begriffe „Tabu“ und „Euphemismus“ geklärt, wobei zwischen verhüllenden und verschleiernden Euphemismen differenziert wird.
3. Euphemismen in Wehrmachtberichten: Das Kapitel analysiert, wie die Wehrmachtberichte als Propagandainstrument genutzt wurden, um militärische Rückschläge vor der Öffentlichkeit zu verbergen oder umzudeuten.
4. Euphemismen im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel untersucht konkrete Begrifflichkeiten aus Politik, Militär und der Durchführung von Gewaltverbrechen, die zur ideologischen Legitimierung dienten.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass das NS-Regime euphemistische Sprache gezielt einsetzte, um die Bevölkerung über seine wahren Absichten zu täuschen und die Zustimmung zu seinen Handlungen zu erschleichen.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Euphemismus, Wehrmachtbericht, Propaganda, Tarnsprache, Antisemitismus, Lebensraum, Gleichschaltung, Manipulation, Sprachwissenschaft, Tabu, Kriegspropaganda, Verschleierung, NS-Regime, Rhetorik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den bewussten Einsatz beschönigender und verschleiernder Sprache (Euphemismen) durch das NS-Regime während des Zweiten Weltkriegs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Sprache der Wehrmachtberichte, der manipulativen Begrifflichkeiten in der Außen- und Militärpolitik sowie der Tarnung von Gewaltverbrechen durch Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das NS-Regime Sprache instrumentalisiert hat, um die Öffentlichkeit über seine wahren, oft verbrecherischen Absichten zu täuschen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine linguistische Analyse, die Fachliteratur und historische Primärquellen (Wehrmachtberichte) zur Definition und Anwendung von Euphemismen vergleicht.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Tarnbegriffen in militärischen Berichten sowie in die Untersuchung ideologisch aufgeladener Begriffe wie "Lebensraum", "Endlösung" oder "Gleichschaltung".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Euphemismus, Nationalsozialismus, Propaganda, Tarnsprache, Manipulation und Sprachwissenschaft stehen im Zentrum.
Warum wurden Begriffe wie "Absetzbewegung" in den Wehrmachtberichten verwendet?
Diese Begriffe suggerierten taktisches, geplantes Handeln, um militärische Niederlagen und notwendige Rückzüge als strategische Erfolge oder geordnete Manöver zu tarnen.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen "verhüllenden" und "verschleiernden" Euphemismen?
Verhüllende Euphemismen dienen gesellschaftlicher Konvention (z.B. bei Scham), während verschleiernde Euphemismen – wie im NS-Regime – gezielt zur Täuschung und Manipulation eingesetzt werden.
Welche Rolle spielte der Begriff "Lebensraum" in der nationalsozialistischen Ideologie?
Er diente als euphemistisches Schlagwort, um die aggressive, rassisch begründete Expansion nach Osten propagandistisch zu rechtfertigen und als notwendiges "Überleben" darzustellen.
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- Sarah Lux (Author), 2014, Euphemismusgebrauch im "Dritten Reich". Eine sprachhistorische Untersuchung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310497