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Bourgeoisie und Proletariat in Afrika? Anwendung des Klassenbegriffs auf die kenianische Gesellschaft

Título: Bourgeoisie und Proletariat in Afrika? Anwendung des Klassenbegriffs auf die kenianische Gesellschaft

Trabajo Escrito , 2010 , 17 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Anna Carina Speitkamp (Autor)

Sociología - Sistemas sociales y Estructuras sociales
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In den 1970er und -80er Jahren drehte sich eine der letzten großen sozialwissenschaftlichen Diskussionen um die Frage, ob sich der marxistische Klassenbegriff auf Gesellschaften in den Ländern des Südens anwenden lässt. Diese Diskussion wurde am Beispiel Kenia geführt, weil dort schon in den 1940ern eine klare Schichtung erkennbar war.

Ende der 70er standen sich zwei gegensätzliche Thesen gegenüber: Die erste orientierte sich an den Dependenz- und Unterentwicklungstheorien und besagte, eine kenianische Bourgeoisie könne sich nicht unabhängig entwickeln, weil sie von internationalem Kapital abhängig sei. Die Gegenthese dazu lautete, das Entstehen einer indigenen Bourgeoisie sei durchaus möglich und finde auch gerade statt, trotz Kenias Abhängigkeit von der Weltwirtschaft. Die Vertreter dieses zweiten Ansatzes distanzierten sich von der Dependenztheorie und den daraus abgeleiteten Aussagen über die kenianische Gesellschaft. Obwohl diese beiden Thesen völlig gegensätzlich sind, haben sie doch eine grundlegende Gemeinsamkeit: Beide orientieren sich sehr stark an der marxistischen Diktion und versuchen, die marxistischen Kategorien auf Kenia zu übertragen.

In den 80ern entwickeln sich neue Ansätze, die ein differenzierteres Bild der kenianischen Gesellschaft zeichneten. Kitching entwickelte die marxistischen Kategorien weiter und hinterfragte, ob der Klassenbegriff überhaupt auf Kenia angewendet werden könne. Nyangira stellte die These auf, dass Ethnizität in gleichem Maße die kenianische Politik präge wie Klasse. Im Vergleich zu den anderen Ansätzen ist vor allem das Modell von Berg-Schlosser interessant, der auf Grundlage von umfassenden, empirischen Untersuchungen die einzelnen Klassen in der kenianischen Gesellschaft definierte, während die Einteilungen der meisten anderen Autoren einer empirischen Grundlage entbehren.

Im Laufe der Debatte fand ein Differenzierungsprozess statt. In Ihrem Versuch, möglichst alle unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppierungen zu erfassen, entfernten sich die Autoren immer mehr von der marxistischen Klassenanalyse. Es stellen sich die Fragen, was schließlich von der marxistischen Klassenanalyse noch übrig bleibt und ob die marxistische Denkweise in einer veränderten Welt überhaupt noch anwendbar ist.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Übertragung der marxistischen Klassen auf Kenia

1.1 Leys' „Hilfs-Bourgeoisie“ und Lohnarbeiter ohne Klassenbewusstsein

1.2 Swainsons indigene Bourgeoisie

2. Neo-marxistische und ergänzende Ansätze

2.1 Kitchings kulturspezifische Klassenanalyse

2.2 Nyangiras Ergänzung um Ethnizität

3. Vergleich der vorhergehenden Ansätze mit empirischen Untersuchungen

3.1 Berg-Schlossers soziale Konfliktgruppen

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des klassischen marxistischen Klassenbegriffs auf die kenianische Gesellschaft und analysiert den wissenschaftlichen Debattenverlauf von den 1970er bis in die 1980er Jahre. Die zentrale Forschungsfrage hinterfragt, ob marxistische Kategorien – wie Proletariat und Bourgeoisie – in afrikanischen Kontexten noch als analytische Werkzeuge dienen können oder ob eine methodische Neuausrichtung notwendig ist.

  • Kritische Auseinandersetzung mit der Dependenztheorie am Beispiel Kenias
  • Differenzierung zwischen Produktionsweisen und realer Lebenswirklichkeit
  • Die Rolle von Ethnizität als ergänzender Erklärungsfaktor zur Klassenstruktur
  • Vergleich zwischen theoretischen Modellen und empirischen Untersuchungen
  • Transformation des Klassenbegriffs hin zu neo-marxistischen Ansätzen

Auszug aus dem Buch

2.1 Kitchings kulturspezifische Klassenanalyse

Einer der Kritiker früherer Ansätze ist Gavin Kitching: Sie wenden den marxistischen Klassenbegriff seiner Meinung nach falsch an. Die Hauptklassen Bourgeoisie und Proletariat sind als Idealtypen gedacht und ihre Produktionsweisen kamen in der von Marx beschriebenen reinen Form so niemals vor (Kitching 1980: 440)! Laut marxistischer Definition besitzt die Bourgeoisie oder kapitalistische Klasse alle Produktionsmittel, während das Proletariat oder die Arbeiterklasse ausschließlich ihre Arbeitskraft besitzt, die sie für Lohn verkaufen muss (ebd.). Laut dieser Definition wäre zum Beispiel auch ein Professor an der Universität ein Proletarier weil er seine Arbeitskraft verkauft und selbst keine Produktionsmittel besitzt (ebd. 441).

Würde man also alle Berufstätigen, die unter diese Definition fallen, als eine Kategorie zusammenfassen, erhielte man eine Gruppe, die fast die gesamte Gesellschaft umfassen würde. Mit dieser Kategorie könnte man nicht mehr arbeiten, weil sie keine Aussagekraft mehr besäße. Das war aber auch gar nicht gewollt, denn laut Kitching sind die marxistischen Grundklassen nur als analytische Abstraktionen zu betrachten (ebd.). Die marxistischen Klassen-Kategorien werden dadurch charakterisiert, dass sie entweder ausbeuten oder ausgebeutet werden (ebd.). Die Klassen selber sind hier nicht von Interesse sondern die Beziehung zwischen ihnen (ebd.)! Marx ist also, wenn überhaupt, ein Theoretiker der Klassen-Beziehungen; kein Theoretiker der Klassen (ebd.). Eine Einteilung in Klassen auf Grund von Produktionsweisen und Zugang zu Produktionsmitteln, wie sie Leys und Swainson am Beispiel Kenia vornehmen, hält Kitching folglich für höchst problematisch, denn sie gründen ihre Analysen auf ein falsches Verständnis des marxistischen Klassenbegriffs.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung erläutert die sozialwissenschaftliche Debatte der 70er und 80er Jahre über die Anwendbarkeit marxistischer Klassenbegriffe auf die kenianische Gesellschaft.

1. Übertragung der marxistischen Klassen auf Kenia: Dieses Kapitel analysiert die Ansätze von Leys und Swainson, die den Versuch unternehmen, die klassischen marxistischen Kategorien direkt auf Kenia anzuwenden.

2. Neo-marxistische und ergänzende Ansätze: Hier werden weiterführende Theorien behandelt, die Kitchings methodische Kritik und Nyangiras Erweiterung um den Aspekt der Ethnizität in den Fokus rücken.

3. Vergleich der vorhergehenden Ansätze mit empirischen Untersuchungen: Dieser Abschnitt bewertet Berg-Schlossers Modell der „sozialen Konfliktgruppen“ im Kontrast zu den zuvor diskutierten theoretischen Entwürfen.

4. Fazit: Das Fazit fasst den Differenzierungsprozess der Debatte zusammen und diskutiert die Grenzen sowie die notwendige Anpassung marxistischer Denkweisen an komplexe soziale Realitäten.

Schlüsselwörter

Kenia, Marxismus, Klassenanalyse, Bourgeoisie, Proletariat, Dependenztheorie, Ethnizität, soziale Schichtung, Produktionsweisen, Kapitalanhäufung, Berg-Schlosser, Neo-Marxismus, Gesellschaftsstruktur, empirische Forschung, Klassentheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Debatte über die Übertragbarkeit marxistischer Klassenkonzepte auf die kenianische Gesellschaft unter Berücksichtigung verschiedener theoretischer Ansätze.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die Dependenztheorie, die Bedeutung von Produktionsweisen, das Verhältnis von Ethnizität und Klasse sowie die empirische Validität von Klassenmodellen in Afrika.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu hinterfragen, ob marxistische Kategorien in einer nicht-westlichen, komplexen Gesellschaft wie Kenia noch sinnvoll anwendbar sind oder einer tiefgreifenden Revision bedürfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine vergleichende Literaturanalyse, um die Argumentationen verschiedener Wissenschaftler wie Leys, Swainson, Kitching, Nyangira und Berg-Schlosser gegenüberzustellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der klassischen marxistischen Übertragungsversuche, die Erörterung neo-marxistischer Alternativen und eine kritische Gegenüberstellung mit empirisch fundierten Konfliktmodellen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Klassenbildung, Bourgeoisie, ethnische Bindungen, soziale Differenzierung und marxistische Diktion beschreiben.

Warum spielt der Begriff der „Hilfs-Bourgeoisie“ eine Rolle?

Dieser Begriff wird von Colin Leys verwendet, um eine entstehende afrikanische Geschäfts- und politische Elite zu beschreiben, deren Handlungsspielraum jedoch durch internationale Abhängigkeiten limitiert bleibt.

Warum kritisiert Kitching die bisherige Anwendung des Klassenbegriffs?

Kitching kritisiert, dass marxistische Hauptklassen fälschlicherweise als starre Gruppen statt als analytische Idealtypen verstanden werden, was die Analyse der tatsächlichen gesellschaftlichen Beziehungen in Kenia erschwert.

Welche Rolle spielt Ethnizität in der Arbeit?

Nyangira argumentiert, dass ethnische Bindungen neben der ökonomischen Klassenzugehörigkeit einen gleichwertig prägenden Einfluss auf die kenianische Politik ausüben und Klassenbildungen verhindern können.

Final del extracto de 17 páginas  - subir

Detalles

Título
Bourgeoisie und Proletariat in Afrika? Anwendung des Klassenbegriffs auf die kenianische Gesellschaft
Universidad
University of Bayreuth  (Fachbereich Entwicklungssoziologie)
Curso
Seminar: Soziologie Afrikanischer Gesellschaften
Calificación
1,0
Autor
Anna Carina Speitkamp (Autor)
Año de publicación
2010
Páginas
17
No. de catálogo
V311411
ISBN (Ebook)
9783668101074
ISBN (Libro)
9783668101081
Idioma
Alemán
Etiqueta
Marx Klassen Kenia Klassengesellschaft Afrika Bourgeoisie Kapitalisten Proletarier Klassenbegriff
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Anna Carina Speitkamp (Autor), 2010, Bourgeoisie und Proletariat in Afrika? Anwendung des Klassenbegriffs auf die kenianische Gesellschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311411
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