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Heilen oder Strafen in der Psychiatrie. Der Schwindel und die Drehvorrichtungen am Beispiel der Charité Berlin unter Ernst Horn

Título: Heilen oder Strafen in der Psychiatrie. Der Schwindel und die Drehvorrichtungen am Beispiel der Charité Berlin unter Ernst Horn

Trabajo Escrito , 2015 , 22 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Anne-Marie Holze (Autor)

Psicología - Otras
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Der Schwindel ist als Phänomen in der Gesellschaft etabliert. Auch am Anfang des neunzehnten Jahrhunderts ist das Gleichgewicht und Ungleichgewicht des Menschen durchaus ein Thema – auch vor allem in der Behandlung von psychisch Kranken. In dieser Arbeit soll beleuchtet werden, wie das schwindelige Gefühl in der Psychiatrie genutzt und betrachtet wurde. Dazu leitet das erste Kapitel über das Denken über psychische Krankheiten und das Umgehen damit zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts in Deutschland in das Thema ein. Um ein Verständnis für diese Geschichte zu erlangen, werden Vor- und Nachentwicklungen beschrieben und über die Landesgrenzen hinausgeblickt, soweit dies zur Erklärung notwendig ist. Das zweite Kapitel nähert sich dem Phänomen des Schwindels an.

Das folgende konzentriert sich zur Spezifizierung auf das Beispiel des Psychiaters Ernst Horns in der Charité Berlin. Nach einer kurzen Betrachtung seiner strittigen Person, wird besonders auf den Einsatz der Drehmaschinen in seinen Behandlungsmethoden geachtet. Verwendung, Auswirkungen und die Einschätzungen dieser seinerseits spielen dabei eine Rolle. Um das Bild seines Wirkens abzurunden, folgen weitere seiner Maßnahmen im Bezug beispielsweise auf Tagesplan oder Hygienevorschriften in der Charité Berlin. Nicht zu vergessen sei dabei die Einordnung in die damaligen Denkweisen. Die Frage, die sich daraus ergibt, ist: Ist das Schwindeligmachen psychisch Kranker Heilmittel oder Strafe?

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung: Schwindel als Vergnügen und Notwendigkeit

2) Das Denken über psychisch Kranke zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland

2.1.) Entwicklungen vor bzw. im frühen 19. Jahrhundert: Verbesserungswünsche & Brownianismus

2.2.) Entwicklungen in den ersten Jahrzehnten bis zur Mitte 19. Jahrhundert: „Moral treatment“ & Ankommen in der Wissenschaft

3) Das Denken über den Körper und die Anwendung des Schwindelgefühls

4) Die Charité Berlin und Ernst Horn

4.1.) Horn als erster Psychiater Deutschlands

4.2.) Der Einsatz von Drehmaschinen

4.3.) Der Gedanke der Strafe und Härte im Alltag

5) Fazit: Die Notwendigkeit von brisanten Fällen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, in welcher Weise das schwindelerregende Gefühl in der Psychiatrie zu Beginn des 19. Jahrhunderts – insbesondere am Beispiel des Psychiaters Ernst Horn an der Berliner Charité – als therapeutisches Instrument oder als Disziplinierungsmittel eingesetzt wurde. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Gratwanderung zwischen medizinischer Behandlung und der Bestrafung psychisch Kranker.

  • Historische Entwicklung der Psychiatrie zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland
  • Die Rolle des Brownianismus und die mechanische Betrachtung des Körpers
  • Analyse der Behandlungsmethoden durch Ernst Horn in der Charité Berlin
  • Wirkweise und Einsatz von Drehmaschinen als „Heilmittel“ und Strafinstrument
  • Diskussion über die ethische Einordnung von Zwangsmitteln in der Medizingeschichte

Auszug aus dem Buch

4.2.) Der Einsatz von Drehmaschinen

Wurde der Schwindel Anfang des 19. Jahrhundert selbst als Krankheit definiert, da die Körpersäfte hierbei im Ungleichgewicht waren, soll das Schwindeligmachen in einer Drehmaschine genutzt werden, um zu heilen. Als Angehöriger des Brownianismus ist Horn der Meinung: „Alle Geisteskrankheiten sind auch zugleich körperliche Krankheiten [...]. Der geistige Zustand wird durch den körperlichen so sehr bestimmt, daß [sic!] wir durch Verbesserung des körperlichen Uebels [sic!] das geistige oft zugleich entfernen.“60 Diese doch allgemeine Ansicht, welche auch in vielen anderen Anstalten geführt wird und sich in der Charité Berlin ebenso im Alltag wiederfindet, ist allein noch keine Rechtfertigung für die Drehmaschine. „Die Drehmaschine [...] ist seit zehn Jahren in der mit dem Königl. Charitékrankenhause verbundenen Irrenanstalt unter die Zahl der Heilmittel aufgenommen, und seit dieser Zeit bei mehreren hundert Geisteskranken, und bei manchen mit vielem Nutzen, in Gebrauch gezogen worden.“61 Die Erfindung nach Cox wird an den Menschen angewandt, um sie verschiedenen Kräften auszusetzen. Der Körper wird hier in einer Art und Weise „bearbeitet“, wie es kaum andere Maschinen können. Der Patient wird auf einem Stuhl oder Bett oder stehend in einer Art Käfig festgeschnallt, schnell um seine eigene Achse oder um eine an einem (Holz-)Arm verlängerte gedreht und schaut meist in die Mitte des Kreises.62

Genau so wie auch heute noch die Zentrifuge in der Raumfahrt oder gewisse Karussells auf uns wirken, fühlten sich die psychisch Kranken. Der Unterschied ist jedoch, dass sich dieser keiner geistigen Gesundheit – oft auch damit verbundener fehlender körperlichen Stärke – erfreuten. Horn beschreibt die Auswirkungen in seinen Ausführungen wie folgt: „Man glaubt, den Athem [sic!] ganz zu verlieren, man wird beklommen, angst; das Reden wird schwer; es entsteht die Empfindung, als wenn der Hals zusammen geschnürt, und der Kopf mit Gewalt hinaufgezogen würde.“63 Diese Schilderungen zeigen, dass hier kein Spaß vorgesehen ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1) Einleitung: Schwindel als Vergnügen und Notwendigkeit: Die Einleitung führt in das Phänomen des Schwindels ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob dessen psychiatrische Anwendung als Heilmittel oder Strafe zu klassifizieren ist.

2) Das Denken über psychisch Kranke zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert den Übergang von der bloßen Verwahrung psychisch Kranker hin zu ersten wissenschaftlichen und moralisch geprägten Behandlungsansätzen im frühen 19. Jahrhundert.

2.1.) Entwicklungen vor bzw. im frühen 19. Jahrhundert: Verbesserungswünsche & Brownianismus: Hier werden die Ursprünge der Institutionalisierung und die mechanistische Theorie des Brownianismus als Grundlage für frühe therapeutische Zwangsmittel dargestellt.

2.2.) Entwicklungen in den ersten Jahrzehnten bis zur Mitte 19. Jahrhundert: „Moral treatment“ & Ankommen in der Wissenschaft: Das Kapitel beschreibt den Einfluss des französischen „moral treatment“ auf deutsche Einrichtungen und die Debatte um die Humanisierung der psychiatrischen Therapie.

3) Das Denken über den Körper und die Anwendung des Schwindelgefühls: Der Fokus liegt hier auf den theoretischen Grundlagen, die Schwindel als Störung der Körpersäfte betrachteten und somit eine physiologische Behandlung rechtfertigten.

4) Die Charité Berlin und Ernst Horn: Die historische Entwicklung der Berliner Charité als eine der ersten deutschen Psychiatrien unter der Leitung von Ernst Horn wird in den Kontext seiner kontroversen Methoden gestellt.

4.1.) Horn als erster Psychiater Deutschlands: Eine Betrachtung von Ernst Horns Rolle und seinem zwiespältigen Ruf in der damaligen medizinischen Fachwelt.

4.2.) Der Einsatz von Drehmaschinen: Eine detaillierte Analyse der Anwendung, Wirkungsweise und Rechtfertigung von Drehmaschinen als Instrumentarium in der psychiatrischen Behandlung.

4.3.) Der Gedanke der Strafe und Härte im Alltag: Untersuchung der disziplinarischen Alltagsstrukturen in der Anstalt, einschließlich Hygiene, Arbeitszwang und sozialer Isolation als therapeutische Mittel.

5) Fazit: Die Notwendigkeit von brisanten Fällen: Das Fazit resümiert die Erkenntnisse und reflektiert über die historischen Entwicklungen sowie die ethische Fragwürdigkeit der damaligen Methoden.

Schlüsselwörter

Psychiatriegeschichte, Ernst Horn, Charité Berlin, Drehmaschine, Schwindel, Brownianismus, Moral Treatment, Zwangsmittel, Medizingeschichte, Psychiatrische Anstalt, Heilmittel, Bestrafung, Somatik, Psychiker, 19. Jahrhundert

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit setzt sich mit der psychiatrischen Praxis zu Beginn des 19. Jahrhunderts auseinander, wobei der Fokus auf dem Einsatz von Zwangsmitteln wie Drehmaschinen liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Medizingeschichte der Psychiatrie, die theoretischen Ansätze zum Verständnis von psychischen Krankheiten jener Zeit sowie die Auswirkungen von Disziplinierungsmaßnahmen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Es wird untersucht, ob das Erzeugen von Schwindel als therapeutisches Heilmittel oder als moralische Bestrafung für psychisch Kranke zu bewerten ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine historische Analyse von Fachliteratur, zeitgenössischen Schriften (u.a. von Ernst Horn) und wissenschaftlichen Sekundärquellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung psychiatrischer Anstalten, theoretische Körpermotive, die spezifischen Praktiken an der Charité unter Ernst Horn und die ethischen Debatten der Zeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Psychiatriegeschichte, Drehmaschinen, Brownianismus, Ernst Horn, Disziplinierung und die moralische Behandlung von psychisch Kranken.

Wie begründete Ernst Horn den Einsatz von Drehmaschinen medizinisch?

Horn nutzte den Brownianismus als theoretische Basis: Er glaubte, dass durch körperliche Reize und kontrollierten Schwindel das „innere Gleichgewicht“ der Körpersäfte und die Psyche korrigiert werden könnten.

Welche Rolle spielte die „Hausdisziplin“ in Horns Behandlungsplan?

Strukturierte Arbeitsabläufe, strikte Zeitpläne und die Wahrung von Ordnung dienten laut Horn der Erziehung des Patienten und sollten verhindern, dass die Patienten in einen Zustand der geistigen „Trägheit“ zurückfielen.

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Detalles

Título
Heilen oder Strafen in der Psychiatrie. Der Schwindel und die Drehvorrichtungen am Beispiel der Charité Berlin unter Ernst Horn
Universidad
University of Weimar  (Medienwissenschaft)
Curso
Dispositive des Schwindels
Calificación
1,3
Autor
Anne-Marie Holze (Autor)
Año de publicación
2015
Páginas
22
No. de catálogo
V311634
ISBN (Ebook)
9783668103153
ISBN (Libro)
9783668103160
Idioma
Alemán
Etiqueta
heilen strafen psychiatrie schwindel drehvorrichtungen beispiel charité berlin ernst horn
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Anne-Marie Holze (Autor), 2015, Heilen oder Strafen in der Psychiatrie. Der Schwindel und die Drehvorrichtungen am Beispiel der Charité Berlin unter Ernst Horn, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311634
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