Die Seminararbeit befasst sich näher mit der Auffassung von Hermeneutik aus der Perspektive Schleiermachers. Schleiermacher leistete einen nicht unerheblichen Beitrag sowohl zum Verständnis als auch zur Anwendung der Hermeneutik. Besonders widmete Schleiermacher sich dem Einfluss der Subjektivität sowie des persönlichen und kulturellen Umfeldes auf das Verstehen sowohl von Texten als auch mündlichen Mitteilungen.
Genau dieser Schwerpunkt ist der Kern der erkenntnisleitenden Frage, inwiefern die Subjektivität Einfluss auf das Verstehen von Texten sowie Mitteilungen aller Art hat. Die Hermeneutik befindet sich nämlich in einem Spannungsfeld zwischen der Intention des Kommunikators und dem subjektiven Verstehen des Rezipienten. Wie es schon aus dem Anfangsteil der Seminararbeit ersichtlich wird, wird das subjektive Verstehen des Rezipienten im Mittelpunkt stehen. Daraus ergibt sich die Frage, ob es ein von Subjektivität unabhängiges Verstehen gibt oder, ob das Verstehen stets der Subjektivität des Rezipienten unterworfen ist. Die Beantwortung der besagten Frage mit Einbeziehung des lebensweltlichen Kontextes ist daher die zentrale Aufgabe dieser Seminararbeit sein.
Im Zentrum der Hermeneutik steht das Verstehen. Das Verstehen ist ein wesentlicher Bestandteil in Kommunikationsprozessen, besonders in Bezug auf den Rezipienten. Der Rezipient befindet sich innerhalb des Kommunikationsprozesses in einer empfangenden Funktion. Sobald die an den Rezipienten gerichtete Botschaft bzw. Mitteilung klar und deutlich wird, ist vom Verstehen die Rede. Das Verstehen ist folglich als solide Basis für einen gelingenden Kommunikationsprozess anzusehen. Daran ist nämlich zu erkennen, dass die Botschaft den Rezipienten erreicht hat und von ihm erfasst wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Hermeneutik als Kunst des Verstehens
2. Themenschwerpunkte und Vorgehensweise
3. Die Hermeneutik bei Schleiermacher
3.1 Schleiermachers Hermeneutik im Allgemeinen
3.2 Die Subjektivität und deren Einfluss in Hinblick auf die Hermeneutik
3.3 Die Wechselbeziehung vom Verstehen schriftlicher Werke und Subjektivität
4. Die Subjektivität aus heutiger Sicht
5. Fazit zum Einfluss der Lebenswelt des Subjektes auf die Hermeneutik
6. Subjektivität und lebensweltlicher Kontext angesichts der Hermeneutik
7. Persönliche Stellungnahme zum lebensweltlichen Kontext des Subjektes angesichts der Hermeneutik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der lebensweltlichen Prägung und Subjektivität des Individuums auf den hermeneutischen Verstehensprozess, wobei die Positionen von Friedrich Schleiermacher im Zentrum stehen.
- Hermeneutik als Theorie und Kunst des Verstehens
- Schleiermachers Auffassung von Subjektivität und Abhängigkeit
- Der Einfluss des kulturellen und sozialen Kontextes auf das Verstehen
- Psychologische Dimensionen der Subjektivität in der modernen Betrachtung
- Spannungsfeld zwischen objektiver Auslegung und subjektiver Lebenswelt
Auszug aus dem Buch
3.1 Schleiermachers Hermeneutik im Allgemeinen
Basierend auf Schleiermachers „Hermeneutik und Kritik“ wird Schleiermachers allgemeines Verständnis von der Hermeneutik in diesem Abschnitt näher betrachtet. Vorab ist zu sagen, dass sich für Schleiermacher die Hermeneutik nicht nur auf schriftliche Werke zu fokussieren hat, sondern auf alles in Rede und Schrift anwendbar ist. Schleiermacher geht davon aus, dass die Notwendigkeit einer eigenen Theorie bzw. Technik besteht, welche den Kern der Hermeneutik bilden. Infolgedessen kommen Prinzipien zum Vorschein, nach denen Sprache und Gedanken funktionieren. Schleiermacher geht in seinen Ausführungen von dem Zweck des Redens aus, welcher darin besteht, ein gemeinsames Denken zu ermöglichen (vgl. S.76). Das Denken selbst sieht Schleiermacher als eine Form des Redens an: „Das Denken wird durch innere Rede fertig, und insofern ist die Rede nur der gewordene Gedanken selbst.“ (vgl. ebenda). Schleiermacher gibt dem Reden folglich eine innere und äußere Seite. Die innere Seite zeigt sich darin, dass Rede als das Produkt von Gedanken anzusehen ist und die äußere Seite als die Mitteilung von Gedanken. Für Schleiermacher ist die Hermeneutik nichts weiter als die Zurückführung der Rede auf ihre Gedanken. In dieser Darstellung Schleiermachers lässt sich der Kommunikationsprozess so erkennen, dass es sich beim Verhältnis vom Kommunikator zum Rezipienten um die Rede handelt und beim Verhältnis vom Rezipienten zum Kommunikator um das Verstehen. Diese beschriebene Wechselwirkung im Kommunikationsprozess sieht Schleiermacher als unerlässliche Basis für die Entstehung von Wissen (vgl. S.77). Dafür setzt Schleiermacher voraus, dass die Hermeneutik stets im Kontext zur Grammatik steht: „Allgemeine Hermeneutik gehört so, wie mit Kritik, so auch mit Grammatik zusammen.“ (vgl. ebenda). Schleiermacher führt nämlich weiter aus, dass richtiges Denken richtiges Sprechen impliziert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Hermeneutik als Kunst des Verstehens: Einführung in die Bedeutung des Verstehens als zentraler Bestandteil von Kommunikationsprozessen unter Einbeziehung etymologischer und philosophischer Definitionen.
2. Themenschwerpunkte und Vorgehensweise: Darlegung der erkenntnisleitenden Fragestellung nach der Abhängigkeit des Verstehens von der subjektiven Lebenswelt des Rezipienten.
3. Die Hermeneutik bei Schleiermacher: Analyse von Schleiermachers Hermeneutik als Theorie der Kommunikation, die das Verständnis des Individuums untrennbar mit Sprache und geistiger Entwicklung verknüpft.
4. Die Subjektivität aus heutiger Sicht: Untersuchung der Subjektivität aus psychologischer Perspektive, wobei Merkmale wie Selbstbestimmung, Reflexion und soziale Einbindung hervorgehoben werden.
5. Fazit zum Einfluss der Lebenswelt des Subjektes auf die Hermeneutik: Zusammenfassende Reflexion, dass die Lebenswelt des Subjekts den hermeneutischen Prozess maßgeblich mitbestimmt.
6. Subjektivität und lebensweltlicher Kontext angesichts der Hermeneutik: Erörterung der Pluralität von Auslegungen, da Verstehen stets von den je eigenen Lebenswelten der Akteure geprägt ist.
7. Persönliche Stellungnahme zum lebensweltlichen Kontext des Subjektes angesichts der Hermeneutik: Abschließende Würdigung, dass ein absolutes Verstehen ohne Berücksichtigung der individuellen Lebenswelt und Subjektivität nicht möglich ist.
Schlüsselwörter
Hermeneutik, Verstehen, Schleiermacher, Subjektivität, Lebenswelt, Kommunikation, Grammatik, Interpretation, Selbstbewusstsein, Abhängigkeit, Spontaneität, Rezeptivität, Geist, Sinngebilde, Sozialisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss der persönlichen Lebenswelt und Subjektivität auf den Prozess des Verstehens von Texten und Mitteilungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die hermeneutische Theorie von Friedrich Schleiermacher, die philosophische Struktur von Subjektivität und die psychologische Bedeutung des lebensweltlichen Kontextes.
Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab zu klären, inwiefern ein von Subjektivität unabhängiges Verstehen möglich ist und welche Rolle die Lebenswelt des Rezipienten dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Arbeit, die auf Literaturanalyse und der Untersuchung klassischer hermeneutischer Texte (insb. Schleiermacher und Ast) sowie moderner psychologischer Ansätze basiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil werden Schleiermachers Hermeneutik, seine Sicht auf das Subjekt als Gefüge aus Abhängigkeit und Freiheit sowie ergänzende psychologische Aspekte zur Subjektivität erörtert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Kernbegriffe sind Hermeneutik, Subjektivität, Lebenswelt, Schleiermacher, Kommunikation, Verstehen und psychologische Perspektive.
Wie unterscheidet Schleiermacher die innere und äußere Seite der Rede?
Schleiermacher sieht das Denken als innere Rede an, während die nach außen tretende Sprache als die Mitteilung dieser Gedanken fungiert.
Welche Rolle spielt die „Rezeptivität“ für das Subjekt nach Schleiermacher?
Die Rezeptivität beschreibt die Offenheit des Subjekts gegenüber äußeren Einflüssen und begründet das Abhängigkeitsgefühl des Menschen von seiner Umwelt.
Warum betont der Autor die Bedeutung der „Menschenkenntnis“ für die Hermeneutik?
Schleiermacher argumentiert, dass für eine gelungene Auslegung nicht nur sprachliche Kompetenz, sondern auch das Nachvollziehen individueller menschlicher Verhaltensweisen erforderlich ist.
Was ist das zentrale Ergebnis der Arbeit in Bezug auf die Auslegung von Texten?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es kein universales, von der Subjektivität losgelöstes Verstehen gibt; jede Auslegung ist stets in Relation zur Lebenswelt des Interpreten zu setzen.
- Citation du texte
- stud.phil. Wilhelm Weber (Auteur), 2015, Der Einfluss der Lebenswelt des Subjekts auf die Hermeneutik aus der Sicht von Friedrich Schleiermacher, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311892