Bei der Erarbeitung meiner Bachelorarbeit orientiere ich mich an zwei Zielfragen: Zunächst möchte ich gerne herausfinden, welche Bedeutung der familiäre und soziale Kontext von türkischstämmigen Kindern und Jugendlichen für deren Bildungsteilhabe einnimmt. Dabei stütze ich mich auf die Untersuchung der Bildungsteilhabe türkischstämmiger Kinder und Jugendlicher und ihrer jeweiligen Erfolge.
In einem zweiten Schritt möchte ich aus den Ergebnissen der ersten Fragestellung Anforderungen zu folgender Fragestellung formulieren: Wie kann es gelingen, dass Kinder und Jugendliche mit türkischem Migrationshintergrund im Rahmen der Offenen Ganztagsschule eine ganzheitliche Bildungsteilhabe erfahren? Dabei beziehe ich mich schwerpunktmäßig auf die außerunterrichtlichen Gestaltungselemente.
Meine Bachelorarbeit beruht ausschließlich auf einer reinen Literaturanalyse und der Auswertung von Daten zum Thema. Dabei unterscheide ich nicht zwischen Arbeitsmigration oder Flüchtlingen. Ich untersuche die Migration der türkischstämmigen Kinder und Jugendlichen allein unter dem Faktor ihres ‚lebensbiografischen Ereignis‘.
Die Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel. In Kapitel I definiere ich wichtige Begrifflichkeiten und Definitionen, die für das Verständnis der Bachelorarbeit von Bedeutung sind. Kapitel II gibt Auskunft über die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen mit türkischem Migrations- hintergrund. In Kapitel III wird die Bildungsteilhabe von Kindern und Jugendlichen mit einem türkischen Migrationshintergrund dargestellt und Erklärungsansätzen für die Misserfolge von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund vorgestellt. In Kapitel IV werte ich die Bedeutung des familiären und sozialen Kontext auf die Bildungsteilhabe aus.
In Kapitel V beschreibe ich Anforderungen an die Weiterentwicklung des Angebotes der Offenen Ganztagsschule, für das Forschungsfeld Ganztagsschule und an die Bildungspolitik. Eine Schlussreflexion erfolgt in Kapitel VI.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1. BEGRIFFLICHKEITEN UND DEFINITIONEN
1.1 Der Begriff der Migration aus unterschiedlichen Perspektiven
1.1.1 Der Begriff der Migration aus soziologischer Perspektive
1.1.2 Der Begriff der Migration aus wirtschaftlicher Perspektive
1.1.3 Der Begriff der Migration aus politischer Perspektive
1.2 Begriffsdefinition: „Migrationshintergrund“
1.2.1 Herkunft des Begriffs: „Menschen mit Migrationshintergrund“
1.2.2 Begriffsdefinition: „Migrationshintergrund laut Statistischem Bundesamt“
1.2.3 Begriffsdefinition: „Migrationshintergrund laut Bundesagentur für Arbeit“
1.3 Begriffsdefinition: „Generationen mit Migrationshintergrund“
1.4 Begriffsdefinition: „Familiärer und Sozialer Kontext“
1.4.1 Begriffsdefinition: „Familiärer Kontext“
1.4.2 Begriffsdefinition: „Sozialer Kontext“
1.5 Begriffsdefinition: „Bildungsteilhabe“
2. DIE LEBENSWELT VON KINDERN UND JUGENDLICHEN MIT TÜRKISCHEM MIGRATIONSHITERGRUND
2.1 Die historische Entwicklung der Zuwanderung türkischer Familien nach Deutschland
2.2 Die Bedeutung der Familie
2.2.1 Zur Bedeutung des Begriffs ‚Familie‘ in der türkischen Sprache
2.2.2 Die Rolle der Mutter
2.2.3 Die Rolle des Vaters
2.2.4 Die Rolle des Kindes
2.3 Die Erziehungsstile in türkischstämmigen Familien
2.4 Die Erziehungsziele in türkischstämmigen Familien
2.4.1 Die Erziehung zum Lernen und Leistungsstreben
2.4.2 Die Erziehung zum Respekt vor Autorität
2.4.3 Die Erziehung zur Ehrenhaftigkeit
2.4.4 Die Erziehung zur Zusammengehörigkeit
2.4.5 Die Erziehung zur türkischen Identität
2.4.6 Die Erziehung zur religiösen Identität
2.5 Die geschlechtsspezifische Erziehung
2.5.1 Jungenerziehung im Vorschul- und Schulalter
2.5.2 Mädchenerziehung im Vorschul- und Schulalter
2.6 Die Modifizierung der Erziehungsstile in türkischstämmigen Familien im Migrationkontext
2.7 Gewalt in der Erziehung
2.8 Die Familienstruktur türkischstämmiger Kinder
2.9 Die Bedeutung von Freundschaften und sozialen Kontakten
3. DIE BILDUNGSTEILHABE VON KINDERN UND JUGENDLICHEN MIT EINEM TÜRKISCHEN MIGRATIONSHINTERGRUND
3.1 Die Bildungsaspiration türkischstämmiger Eltern
3.2 Der Besuch von Bildungseinrichtungen
3.2.1 Die Teilnahme an frühkindlicher Bildung
3.2.2 Türkischstämmige Kinder beim Übergang in die Grundschule
3.2.3 Der Übergang von der Grundschule zur Sekundarstufe
3.3 Die Bildungsabschlüsse von Schülern mit türkischem Migrationshintergrund
3.4 Ergebnisse über Schulische Leistungen
3.5 Die Wahrnehmung außerschulischer Bildungseinrichtungen
3.5.1 Die Teilnahme an offener Ganztagsschule und Hort
3.5.2 Die Mitgliedschaft in Vereinen
3.5.3 Der Besuch von Einrichtungen der freien Jugendhilfe
3.6 Erklärungsansätze für die Misserfolge von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Bildungssystem
3.6.1 Die Kulturell-defizitäre Erklärung
3.6.2 Die Humankapitaltheoretische Erklärung
3.6.3 Die Erklärung durch institutionelle Diskriminierung
4. AUSWERTUNG DER „BEDEUTUNG DES FAMILIÄREN UND SOZIALEN KONTEXT FÜR DIE BILDUNGSTEILHABE“
4.1 Das Interesse der Eltern an der Bildungsteilhabe ihrer Kinder
4.2 Eine abschließende Bewertung
5. ANFORDERUNGEN AN DIE WEITERENTWICKLUNG DES ANGEBOTS VON GANZTAGSSCHULE
5.1 Rückblick auf die Entstehung von Ganztagsschulen in Deutschland
5.2 Anforderungen an das Konzept Offene Ganztagsschule
5.2.1 Anforderungen an die Konzeption
5.2.2 Anforderungen an die Bildungsarbeit
5.2.3 Anforderungen an die Elternarbeit
5.3 Anforderungen an das Forschungsfeld Ganztagsschule
5.4 Anforderungen an die Bildungspolitik
6. SCHLUSSREFLEXION
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung des familiären und sozialen Kontextes für die Bildungsteilhabe von Kindern und Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund und leitet daraus Anforderungen für die Weiterentwicklung des Offenen Ganztagsangebots ab.
- Traditionelle türkische Erziehungsstile und Bildungsziele
- Einfluss der Migrationsgeschichte auf den Bildungserfolg
- Die Rolle der Schule als Bildungs- und Kontaktraum
- Anforderungen an die Konzeption und Zusammenarbeit im Ganztag
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Die Erziehung zum Lernen und Leistungsstreben
Bei dem Erziehungsziel zum Lernen und Leistungsstreben findet man eine historische und sozioökonomische Ursache. Hierzu erläutert Toprak: „In den türkischen Schulbüchern wurden und werden die Erfolge der Osmanen mit Leistung und Leistungsstreben der einzelnen Bürger des Osmanischen Reiches begründet. Es gibt viele Hinweise aus Überlieferungen, die darauf hindeuten, dass Diener mit Leistung und Fleiß in hohe Positionen gelangt sind. Heute wird der Untergang des Osmanischen Reiches damit begründet, dass man bei der Besetzung der Ämter nicht mehr das Prinzip Leistung angewendet hatte. Dies wird seit Gründung der Republik immer wieder hervorgehoben, um die armen Bevölkerungsschichten zum Lernen und zur Leistung zu motivieren.
Doch die eigentlichen Gründe für eine ausgeprägte Lern- und Leistungsorientierung sind eher sozioökonomischer Natur. Seit Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre wurde in der Türkei die Industrialisierung und die Technisierung der Landwirtschaft vorangetrieben. Seit dieser Zeit wird den privatwirtschaftlichen Initiativen sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Industrie Vorrang gegenüber dörflichen Kooperativen eingeräumt. Davon haben die Großinvestoren auf dem Land profitiert. Landflucht, weit verbreitete Armut und Massenarbeitslosigkeit waren die Folgen. Der Bevölkerungsteil, der unter diesen Bedingungen leidet, strebt zur Abhilfe nach Bildung und Leistung. Gerade diese Menschen, die von der Landflucht und Binnenmigration betroffen waren, sind nach Deutschland gekommen, um bessere Lebensbedingungen für ihre Familien zu ermöglichen. Da die Migranten sich hier beim Zugang zu höherer Schulbildung, besseren Arbeitsbedingungen, Ausbildungsmöglichkeiten etc. benachteiligt fühlen, gewinnt das Erziehungsziel Lernen und Leistungsstreben an Bedeutung. Nur durch viel Lernen, Leistungsstreben und persönlichen Ehrgeiz sind die Migranten türkischer Herkunft in der Lage, zu höheren gesellschaftlichen Positionen zu gelangen, so die Argumentation“ (ElMafaalani/Toprak 2011:49).
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Vorstellung der Motivation für die Arbeit aus der beruflichen Praxis als Erzieherin und Definition der zentralen Fragestellungen.
1. BEGRIFFLICHKEITEN UND DEFINITIONEN: Klärung der wesentlichen Termini wie Migration, Migrationshintergrund, Bildungsteilhabe sowie des familiären und sozialen Kontextes.
2. DIE LEBENSWELT VON KINDERN UND JUGENDLICHEN MIT TÜRKISCHEM MIGRATIONSHITERGRUND: Untersuchung der historischen Zuwanderung, familiärer Rollenstrukturen, Erziehungsstile und -ziele sowie der Bedeutung von Freundschaften.
3. DIE BILDUNGSTEILHABE VON KINDERN UND JUGENDLICHEN MIT EINEM TÜRKISCHEN MIGRATIONSHINTERGRUND: Analyse von Bildungsaspirationen, Schulübergängen, Leistungsdaten und Erklärungsansätzen für bildungssystemische Misserfolge.
4. AUSWERTUNG DER „BEDEUTUNG DES FAMILIÄREN UND SOZIALEN KONTEXT FÜR DIE BILDUNGSTEILHABE“: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich elterlichen Engagements und der Korrelation zwischen Migrationsgeneration und Bildungserfolg.
5. ANFORDERUNGEN AN DIE WEITERENTWICKLUNG DES ANGEBOTS VON GANZTAGSSCHULE: Formulierung konkreter Anforderungen an Konzeption, Bildungsarbeit und Elternarbeit in Ganztagsschulen sowie an Forschung und Politik.
6. SCHLUSSREFLEXION: Zusammenfassende Bewertung der Untersuchungsergebnisse und Ausblick auf den Handlungsbedarf zur Förderung der Bildungsteilhabe.
Schlüsselwörter
Bildungsteilhabe, Türkischer Migrationshintergrund, Ganztagsschule, Erziehungsstile, Migrationsgenerationen, Elternarbeit, Lernleistung, Bildungsgerechtigkeit, Soziale Kompetenzen, Schulerfolg, Migrationsforschung, Bildungspolitik, Bildungsaspiration, Institutionelle Diskriminierung, Bildungsdokumentation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss der familiäre und soziale Hintergrund von Kindern mit türkischem Migrationshintergrund auf ihre Bildungschancen in Deutschland hat.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf türkischen Familienstrukturen, Erziehungszielen, der Bedeutung von sozialer Einbindung und der Rolle der Ganztagsschule bei der Bildungsförderung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Autorin möchte herausfinden, wie der familiäre und soziale Kontext die Bildungsteilhabe beeinflusst und wie Ganztagsschulen diese Bedingungen durch gezielte Konzepte verbessern können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Bachelorarbeit stützt sich auf eine umfassende Literaturanalyse sowie die Auswertung vorhandener statistischer Daten und Studien zum Thema.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Lebenswelt türkischstämmiger Kinder, die Analyse ihrer Bildungsteilhabe sowie die Auswertung von Anforderungen an die Weiterentwicklung von Ganztagsschulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Bildungsteilhabe, Migrationshintergrund, Ganztagsschule, Erziehungsstile und Generationenfolge.
Welche Rolle spielt die Migrationsgeneration für den Bildungserfolg?
Die Arbeit zeigt, dass Kinder der zweiten und dritten Generation in Leistungsdiagnostiken tendenziell besser abschneiden als Kinder der ersten Generation, da sie stärker in das deutsche Bildungssystem sozialisiert sind.
Warum betont die Autorin die Elternarbeit im Offenen Ganztag?
Sie sieht in der engen Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Elternhaus einen Schlüssel zur Unterstützung der Kinder und schlägt gezielte Maßnahmen wie Elternlotsen vor, um Barrieren abzubauen.
- Citar trabajo
- Miriam Rademacher (Autor), 2013, Die Bildungsteilhabe von Kindern und Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund im familiären und sozialen Kontext, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312308